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Jeremia

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JeremiaJeremia
Artikelgliederung
1

Einleitung

Jeremia, auch Jeremias, Prophet Israels und Bezeichnung für das nach ihm benannte Buch des Alten Testaments.

Jeremia wurde wahrscheinlich um 650 v. Chr. geboren, erfuhr um 627 seine Berufung zum Propheten und starb in der Zeit nach der Eroberung von Jerusalem durch Babylon 586. Sein Werk kennzeichnet eine neue Entwicklung in der Tradition der Prophezeiungen. Obwohl er in den frühen Jahren seines Wirkens als Prophet unter dem Schutz mächtiger Freunde am Hof stand und möglicherweise an den Reformen König Josias von Judea beteiligt war, fiel er nach dem Tod Josias 609 bei den religiösen und profanen Führern seines Volkes in Ungnade. Der ehrfurchtsvolle Respekt, den man bis dahin den Prophezeiungen entgegengebracht hatte, verschwand. Jeremia erhielt Redeverbot, wurde mehrfach unter Hausarrest gestellt und in eine Zisterne geworfen, die als Kerker diente. Außerdem galt er während des Krieges allgemein als Verräter. Nach der endgültigen Niederlage wurde Jeremia als Hochverräter gefangen genommen und nach Ägypten verschleppt, wo er starb.

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Herkunft des Textes

Das Buch Jeremia ist eine teils in der Ichform verfasste Quellensammlung, die durch eindeutige Aussagen nahe legt, von Jeremia selbst verfasst worden zu sein; vielleicht wurde sie allerdings auch von seinen Schülern schriftlich festgehalten und in eine poetische Form gebracht. Angaben zur Entstehung können dem Buch selbst (Kapitel 36) entnommen werden, während weitere Vermutungen hypothetisch bleiben.

Jeremia ist eines der Bücher des Alten Testaments, das in seiner traditionellen hebräischen Version (dem masoretischen Text) erheblich von der antiken griechischen Übersetzung des Originals (der Septuaginta) abweicht. Die griechische Version ist länger als die hebräische und ist anders angeordnet. Dies legt die Vermutung nahe, dass das Buch Jeremia erst relativ spät einen festen und endgültigen Platz im Kanon der hebräischen Bibel fand. Der Stoff des Buches Jeremia war weit verbreitet und wurde ständig an die neuen Gegebenheiten der jüdischen Gemeinschaft angepasst.

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Inhalt

Das Buch besteht aus drei Teilen. Der erste (Kapitel 1-25) enthält Prophezeiungen, die sich auf den Untergang von Juda und Jerusalem beziehen, die Jeremia unter den judäischen Königen Josia, Jojakim, Jojachin und Zedekia verkündet hatte. Die Prophezeiungen sind überwiegend in der ersten Person gehalten; vermutlich flossen große Absätze der Schriftrolle des Baruch mit ein. Zu diesem ersten Teil gehören auch: ein Bericht von Jeremias Berufung (1, 4-19); introspektive „Bekenntnisse” des Jeremia (11, 18 bis 12, 6; 15, 10-21; 17, 14-18; 18, 18-23; 20, 7-18), Jeremias Tempelpredigt (7, 1-15); und seine Tätigkeit zur Unterstützung der religiösen Reformen König Josias (11, 1-17). Die beiden letzten Kapitel enthalten zwei Visionen, in denen der Untergang Judas sowie das Babylonische Exil vorausgesehen werden.

Der zweite Teil (Kapitel 26-29; 32-45) ist ein fast ganz in Prosa gehaltener Bericht von Jeremias Wirken sowie seine Verfolgungen nach 608 bis zu seinem Tod. Der Prophet erscheint durchweg in der dritten Person, woraus geschlossen werden kann, dass der größte Teil der Schilderung vermutlich von Baruch stammt. Die historischen Ereignisse sind genau wiedergegeben, doch ihre ursprüngliche Reihenfolge wurde von späteren Verfassern und Überarbeitern geändert. So berichten z. B. die Kapitel 26 und 45 Ereignisse der Regierungszeit König Jojakims, während ein großer Teil der Kapitel 27 bis 44 von der Regierungszeit König Zedekias handelt. Die Kapitel 30 und 31, das so genannte Buch des Trostes, sind wahrscheinlich ursprünglich Äußerungen des Propheten und weissagen die Wiedergeburt Israels und Judas, ihre Wiedervereinigung und einen neuen Bund „mit dem Haus von Israel und dem Haus von Juda” (31, 31).

Der dritte Teil von Jeremia enthält eine Sammlung von Drohreden gegen fremde Völker (Kapitel 46-51) und einen historischen Anhang (52), der wahrscheinlich auf 2. Könige 24,18 bis 25, 30 basiert.

Viele theologische Lehren im Buch Jeremia haben die Entwicklung des Judentums nach der Rückkehr aus Babylon stark beeinflusst. Von besonderer Bedeutung ist die Ansicht, dass der Gott Israels und Judäas außerhalb der Heiligtümer von Shiloh und Jerusalem verehrt werden kann, eine Ansicht, die es den Juden der Diaspora ermöglichte, ihre Religion zu bewahren und weiterzugeben. Ein anderer wichtiger Aspekt dieser theologischen Lehren ist der Nachdruck, den sie auf die Idee der individuellen Verantwortung (31, 30) legen, die schließlich ihren angemessenen Ausdruck in einem neuen Bund zwischen Jahwe und seinem auserwählten Volk finden sollte (31, 31-34).

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