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Windows Live® Suchergebnisse ProtistenEnzyklopädieartikel
Protisten, das Reich niederer, vorwiegend einzelliger Organismen. Das Reich der Protisten wurde von dem deutschen Biologen Ernst Haeckel eingeführt, da sich einzellige Organismen nur schwer den Pflanzen oder Tieren zuordnen lassen, sondern häufig Kennzeichen beider Gruppen zeigen. Eukaryontische Protisten verfügen über einen echten Zellkern, dessen Chromosomen vom übrigen Zellinhalt, dem Zytoplasma, durch eine Kernmembran abgetrennt sind. Außerdem sind sie durch Zellorganellen gekennzeichnet. Dies sind spezialisierte Zellstrukturen wie etwa Mitochondrien, Chloroplasten und hoch entwickelte Flagellen (Zellfortsätze). In dieser Hinsicht stellen Eukaryonten einen großen Schritt in der Evolution dar, im Vergleich zu den primitiveren Bakterien und Cyanobakterien, die Prokaryonten sind. Prokaryonten besitzen weder einen echten Zellkern mit Zellmembran noch Organellen. Eukaryonten mögen sich aus Vergesellschaftungen von Prokaryonten entwickelt haben, die in Symbiose miteinander lebten. Mitochondrien könnten beispielsweise aus Bakterien entstanden sein, die in andere Zellen aufgenommen wurden. Auf ähnliche Weise stammen Chloroplasten möglicherweise von Prokaryonten ab, die Cyanobakterien ähnelten. Eukaryonten haben sich im Lauf der Evolution wahrscheinlich mehrmals aus verschiedenen Prokaryontensymbiosen entwickelt, so dass sich daraus schließlich die große Vielfalt von Organismen ergab, die heute als Reich der Protisten zusammengefasst werden. Protisten sind das Ergebnis vieler Entwicklungslinien der Evolution, die sich schwer gegeneinander abgrenzen lassen. Die meisten Protisten sind mikroskopisch kleine, einzellige Organismen. Einige hingegen bilden Kolonien aus einer Vielzahl von Zellen, die mit bloßem Auge erkennbar sind, so z. B. die Foraminiferen. Solche Kolonien stellen eine komplexe Organisationsform dar, wie sie eigentlich für höher entwickelte Organismen kennzeichnend ist. Man nimmt daher heute an, dass sich im Lauf der Evolution vielfach mehrzellige Organismen aus Protistenkolonien entwickelt haben (siehe Systematik). Streng genommen zählen nur einzellige Eukaryonten und einfache Eukaryontenkolonien zu den Protisten, im weiteren Sinn werden auch einige höher entwickelte Algen und andere so genannte Übergangsgruppen hinzugerechnet. Letztere setzen sich aus Organismen zusammen, die mehrzellig sind, aber keine komplexe Gewebestrukturen wie Pflanzen, Tiere oder Pilze aufweisen. Dazu zählen Algen, Mesozoa, Placozoen und Schwämme sowie die pilzartigen Schleimpilze und Chytridiomyceten. Die Grenzen des Reiches der Protisten sind also nicht klar gesteckt. Einige sind pflanzenähnlich, da sie Photosynthese betreiben, andere zeigen eine ähnliche Nahrungsaufnahme wie Tiere. Wiederum andere Gruppen ernähren sich ähnlich wie Pilze. Die große Artenvielfalt erschwert die Beschreibung eines typischen Protisten. Als charakteristische Organismen dieses Reiches können die Geißeltierchen angesehen werden. Dabei handelt es sich um einzellige Organismen, die über eine oder mehrere höher entwickelte Geißeln oder Flagellen verfügen (im Vergleich zu den einfacheren Zellfortsätzen einiger Bakterien) sowie manchmal einen oder mehrere Chloroplasten aufweisen. Nach der in dieser Enzyklopädie verwendeten Klassifikation, welche die meisten der oben genannten Übergangsformen vernachlässigt, werden die folgenden Hauptgruppen unterschieden: Zu den pflanzenartigen Protisten zählen die Abteilung der Chrysophyta (siehe Kieselalgen), die Dinoflagellaten oder Pyrrophyta sowie die Cryptophyta und Euglenophyta. Zu den tierartigen Protisten, die auch als Protozoen bezeichnet werden, gehören die Geißeltierchen oder Zooflagellaten, amöbenartige Formen oder Sarcodina, Wimpertierchen und Suctoria der Unterklasse Wimpertierchen sowie die parasitären, Sporen bildenden Sporentierchen oder Sporozoa. Zum Typ der pilzartigen Protozoen werden die Hyphochytriden (Hyphochytridiomycota) und die Plasmodiophoren (Plasmodiophoromycota) gezählt. Der Organisationstyp der Schleimpilze besteht aus mehreren umstrittenen Untergruppen, die hier als zu den Protisten gehörend behandelt werden. Sie besitzen sowohl Eigenschaften der Pilze als auch der Protozoen.
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