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William ShakespeareEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In der dritten Periode vollzieht sich ein Umbruch im Schaffen Shakespeares. Die zu dieser Zeit entstandenen Tragödien und Tragikomödien stehen im Zeichen eines Weltbildes mit deutlich pessimistischerer Tendenz als zuvor. Sie werden beherrscht von markanten Charakteren, die im Widerstreit von Trieb und Schicksal, Schuld und Sühne stehen. Zuweilen besitzen sie auch eine unheimlich-phantastische Färbung, wie Hamlet (um 1601, Hamlet). Vor dem Hintergrund einer Königsmordgeschichte werden hier allgemeine Konditionen der menschlichen Existenz ausgelotet („Sein oder Nichtsein”). Othello (um 1604, Othello) schildert die perfide Manipulation des ursprünglich gutwilligen Mohren Othello, der unter dem Einfluss der böswilligen Einflüsterungen seines angeblichen Freundes Jago in wütender Eifersucht schließlich seine schuldlose Geliebte Desdemona ermordet. King Lear (um 1605, König Lear) ist Shakespeares wohl düsterstes Drama, das wiederum die selbstzerstörerische Blindheit menschlichen Handelns und die Unerbittlichkeit des Schicksals demonstriert. Antony and Cleopatra (um 1606, Antonius und Kleopatra) greift die historischen Ereignisse um Julius Caesar, die ägyptische Königin Kleopatra und den römischen General Marcus Antonius auf. Trotz eindringlicher Darstellung wirkt dieses Stück blass im Verhältnis zu der Meistertragödie Macbeth (um 1606, Macbeth), Shakespeares facettenreichster Studie eines komplexen Charakters. Tendenziell ist der neue, dunklere Grundton bis in die zu jener Zeit entstehenden Komödien zu spüren, die meist nur in Scheinlösungen münden und von oft bitterer Ironie geprägt sind. In Troilus and Cressida (um 1602, Troilus und Cressida) macht Shakespeare die Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit im individuellen und politischen Leben deutlich, noch schärfer geht Coriolanus (um 1608, Coriolanus) mit gesellschaftlich-politischen Verhaltensweisen ins Gericht. In Timon of Athens (um 1608, Timon von Athen) eskaliert die Satire zur bitteren Farce über die Triebhaftigkeit menschlichen Handelns. Die Komödien All’s Well That Ends Well (um 1602, Ende gut, alles gut) und Measure for Measure (um 1604, Maß für Maß) stellen ihrerseits skeptische Kommentare zu Legitimität und Praktikabilität moralischer Konventionen dar.
Während der vierten Periode treten märchenhaft-phantastische Elemente und der Themenkomplex menschlicher Leidenschaften in den Vordergrund. Diese Stücke enden meist versöhnlich, und die kunstvoll verschlungene Handlung ist häufig an einen exotischen Schauplatz verlegt. Die romantische Tragikomödie Pericles, Prince of Tyre (um 1608, Perikles, Fürst von Tyrus) kreist um die familiären Probleme der Titelfigur, Cymbeline (um 1610, Cymbeline) und The Winter’s Tale (um 1610, Das Wintermärchen) wiederholen das dort präsente Muster von Verlust, Verlusttrauma und glücklicher Rückgewinnung. Als reifstes Alterswerk Shakespeares gilt sein zugleich letztes vollendetes Stück, The Tempest (um 1611, Der Sturm), in dem die personelle Verbindung von Weisheit und Macht als Konfliktlösungsmodell propagiert wird. Die Sprache des Dramas erreicht hier nochmals eine Steigerung ihrer poetischen Brillanz. Zwei Stücke aus dieser Zeit, die mitunter Shakespeare zugeschrieben werden, sind vermutlich in Zusammenarbeit mit dem Dramatiker John Fletcher entstanden. Dabei handelt es sich um Henry VIII (um 1613, Heinrich VIII.) und The Two Noble Kinsmen (um 1613; veröffentlicht 1634). 1998 konnten Experten ein Theaterstück, das bisher einem unbekannten Autor zugerechnet wurde, als Drama Shakespeares identifizieren. Das Stück trägt den Titel Edward III. und umfasst fünf Akte; es entstand in den Jahren 1594/95. Computeranalysen des Textes und der Sprache wiesen Shakespeare als Autor aus. Das Stück beschreibt den Werdegang des englischen Königs Edward III., dessen Truppen 1340 die französische Flotte schlagen konnten.
Shakespeare hat eine Nachwirkung erzielt wie kein anderer Dramatiker seiner Zeit. Bis ins 18. Jahrhundert erfuhren seine Dramen immer neue Bearbeitungen, und sie sind bis heute fester Bestandteil des Repertoires internationaler Bühnen. Den stärksten Widerhall erzielte sein Werk in Deutschland während der Epochen des Sturm und Drang und der Romantik, als sich Gotthold Ephraim Lessing, Johann Gottfried von Herder, Johann Wolfgang von Goethe, August Wilhelm Schlegel, Ludwig Tieck und andere theoretisch mit seiner Dramenkunst auseinandersetzten und Übersetzungen vornahmen. Die 1864 in Weimar gegründete Shakespeare-Gesellschaft ist im gesamten deutschsprachigen Raum tätig und umfasst derzeit circa 3 500 Mitglieder. Der von der Stiftung F. V. S. in Hamburg 1935 begründete Shakespeare-Preis wird seit 1967 alljährlich an verdiente Geisteswissenschaftler aus dem englischen Sprachraum vergeben. Siehe auch Shakespearebühne; Royal Shakespeare Company
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