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IllustrationEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Frühe Illustrationen; Mechanische Reproduktion; Gedruckte Illustrationen; 15. und 16. Jahrhundert; 17. und 18. Jahrhundert; 19. und 20. Jahrhundert; Kinderbücher
Das erste illustrierte Buch, dessen Text in Lettern gesetzt worden war, ist wahrscheinlich Ulrich Boners Edelstein, das 1461 in der Druckerei Albrecht Pfisters in Bamberg entstand. Sammlungen der Fabeln Äsops zählten zu den ersten illustrierten Büchern nach Erfindung der Druckpresse; die erste Illustrierte Ausgabe von Äsop-Fabeln, gedruckt 1476 von Johann Zainer in Ulm, übte einen enormen Einfluss auf die Illustrationskunst aus. Bemerkenswerte illustrierte Bibelausgaben wurden in Köln (1478) und Lübeck (1494) angefertigt. Weitere wichtige illustrierte Bücher des 15. Jahrhunderts sind u. a. Danse macabre des hommes (1485, Totentanz), Die Nürnberger Chronik (1493, mit über 1800 Holzschnitten), Der Ritter vom Turn (1493, mit Holzschnitten von Albrecht Dürer) sowie Francesco de Colonnas Hypnerotomachia poliphili (1499, Der Lebensstreit im Traum), das von Aldus Manutius in Venedig gedruckt wurde und als bedeutendstes aller frühen, mit Holzschnitten illustrierten Bücher gilt. Das erste mit Kupferstichen illustrierte Buch war De Casibus Virorum Illustrium (1476, Über den Sturz berühmter Männer) von Giovanni Boccaccio, gedruckt in Brügge. Eines der schönsten frühen Exemplare mit Kupferstichillustrationen war Die Göttliche Komödie (1481) von Dante mit Stichen von Baccio Baldini nach Zeichnungen Sandro Botticellis. Man schätzt, dass in der Periode von 1480 bis 1530 – den ersten 50 Jahren nach der Erfindung des Druckverfahrens – etwa ein Drittel aller gedruckten Bücher illustriert wurden. Im 16. Jahrhundert stieg die Zahl der illustrierten Bücher mit der Ausbreitung des Buchdrucks stark an. Zu den bedeutenden Werken zählen: in Italien Gabriele Giolitos Petrarca-Ausgabe (1544) und Giovanni Verdizottis Cento favole (1570, Hundert Fabeln); in Deutschland Otto Brunfels’ Kräuterbuch (1530), wohl das erste Buch, das eine Danksagung an den Illustrator (Hans Weiditz) enthält, Martin Luthers Bibelübersetzung (1534), illustriert von Lucas Cranach sowie die Iconographia Regum Francorum (1576, Die Fränkischen Könige), illustriert von Virgil Solis und Jost Amman; in der Schweiz der Totentanz (1538), illustriert von Hans Holbein dem Jüngeren; in den Niederlanden eine Bibelausgabe (1528) illustriert von Jan Swart und Lucas van Leyden sowie die mehrsprachige Bibel des bedeutenden flämischen Druckers Christophe Plantin von 1568 (enthält mehrere Versionen in verschiedenen Sprachen); in Frankreich ein Stundenbuch (1525), illustriert von Geofroy Tory und L’apocalypse figurée (1561, Die illustrierte Apokalypse), mit Stichen von Jean Duvet; in England eine Vesalius-Ausgabe (1545) illustriert von Geminus sowie Foxes Buch der Märtyrer, 1563 von dem Drucker John Day herausgegeben.
Die Kunst der Buchillustration verlor im 17. Jahrhundert etwas an Bedeutung, da sich der Schwerpunkt in der Buchdruckerkunst von der Illustration hin zur Typographie und dekorativen Elementen verlagerte. Dennoch entstanden einige bemerkenswerte Bücher, besonders in Frankreich, wo Jacques Callot das Emblembuch Vie de la Mère de Dieu (1646, Das Leben der Jungfrau) und Lux Claustri (1646) mit Radierungen illustrierte und Nicolas Poussin eine Ausgabe des Malerei-Traktats (1651) von Leonardo da Vinci illustrierte; ferner wurde Charles Perraults Labyrinthe de Versailles (1677) von Sébastien Leclerc mit Bildern verschönert. Das wahrscheinlich wichtigste illustrierte Buch, das im 17. Jahrhundert in England hergestellt wurde war die mehrsprachige Äsop-Ausgabe mit Illustrationen von Francis Barlow (1666). Im 18. Jahrhundert war Frankreich mit Werken wie den Fabeln (1755) von Jean de La Fontaine, illustriert von Jean-Baptiste Oudry, weltweit in der Buchillustration führend. Ausgaben von La Fontaines Contes (Fabeln) mit Illustrationen von Pierre Choffard und Charles Eisen erschienen 1762, gefolgt von einer von Jean-Honoré Fragonard illustrierten Ausgabe (1795). Zu den wichtigen englischen illustrierten Büchern aus dieser Zeit gehören u. a. eine Äsop-Ausgabe (1722) mit Stichen von Samuel Croxall, Hudibras (1726) von Samuel Butler mit Stichen von William Hogarth, Gedichte (1753) von Thomas Gray, illustriert von Richard Bentley, sowie Anatomie des Pferdes (1766), illustriert von George Stubbs. Der deutsche Künstler Daniel Chodowiecki illustrierte The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman; (1759-1767, Leben und Meinungen des Herrn Tristram Shandy) von Laurence Sterne. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die bedeutendsten englischen Buchillustrationen von Thomas Bewick geschaffen, der den Weißholzschnitt in Büchern wie History of Quadrupeds (1790) perfektionierte, sowie von dem Dichter und Künstler William Blake, dessen illuminierte Bücher, angefangen bei Songs of Innocence (1789, Lieder der Unschuld), auf einer Art der Illustration zurückgriff, die derjenigen der Blockbücher des 15. Jahrhunderts nahe steht. Japanische Künstler illustrierten Bücher mit Farbholzschnitten, die Vögel, Blumen und Alltagsszenen darstellen, so z. B. Shigemasa (Der Spiegel schöner Frauen, 1776), Masanobu Kitao (Yoshiwara, 1784) und Utamaro (Vogelbuch, 1791).
Im 19. Jahrhundert erlebte die Illustration erneut eine Blütezeit. Anfang des Jahrhunderts brachte der Londoner Verleger Rudolph Ackermann zahlreiche Werke über die englische Topographie und Architektur mit handkolorierten Aquatintaradierungen prominenter Illustratoren wie Thomas Rowlandson (The Microcosm of London, 1808) heraus. Der große Landschaftsmaler J. M. W. Turner illustrierte ebenfalls einige Bücher, z. B. Italien (1830). George Cruikshank, Hablot K. Browne (eher unter seinem Pseudonym „Phiz” bekannt) und John Leech schufen berühmte Illustrationen für die Romane Charles Dickens’. In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts brachte die Dalziel-Familie, der mehrere Holzschnittkünstler angehörten, Bücher mit Illustrationen zeitgenössischer Künstler wie Charles Keene, John Everett Millais und Miles Birket Foster heraus. Das dekorative Moment trat in den Illustrationen Aubrey Beardsley für Salome (1894) von Oscar Wilde und in denen von Edward Burne-Jones für die Chaucer-Ausgabe der Kelmscott Press (1896) stark hervor. Das Schaffen des einflussreichen Künstlers und Schriftstellers William Morris für den Verlag Kelmscott Press ahmte die künstlerische Gestaltung des mittelalterlichen Buches nach, während das Werk William Nicholsons (London Types, 1898) bereits an Kinderbilderbücher des 20. Jahrhunderts erinnert. Zu den Künstlern, die im 19. Jahrhundert in Frankreich bedeutende Buchillustrationen schufen, gehören u. a. Eugène Delacroix, Honoré Daumier, Gustave Doré, Grandville, Gavarni, Édouard Manet und Henri de Toulouse-Lautrec. In Japan wurde die Tradition des Farbholzschnitts mit Szenen des täglichen Lebens von den Meistern des Ukiyo-e – wie etwa Hokusai und Hiroshige – fortgeführt. Die bedeutendsten illustrierten Bücher des frühen 20. Jahrhunderts wurden in Frankreich geschaffen. Der Pariser Kunsthändler und Verleger Ambroise Vollard gab bei renommierten Künstlern wie Pierre Bonnard, Marc Chagall, André Derain, Raoul Dufy, Marie Laurencin, Aristide Maillol, Henri Matisse, Pablo Picasso, Georges Rouault und Maurice de Vlaminck Illustrationen in Auftrag. Diese Epoche kann man als die letzte Blütezeit der Buchillustration im Bereich der Erwachsenenliteratur bezeichnen. Der amerikanische Künstler Ben Shahn wandte sich in seinem Spätwerk der Buchillustration zu (z. B. A Partridge in a Pear Tree, 1959), und der amerikanische Graphikkünstler Fritz Eichenberg schuf Illustrationen für Werkausgaben großer Schriftsteller wie Emily Brontë, William Shakespeare, und Fjodor Dostojewskij.
Das erste illustrierte Kinderlehrbuch war The Visible World in Pictures, herausgegeben von Johann Comenius (1658). Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kamen besonders in England und den USA immer mehr illustrierte Kinderbücher auf den Markt. Zu den wichtigsten Illustratoren zählten u. a. William Mulready (The Butterfly’s Ball, 1807), George Cruikshank (Grimms Märchen, 1823), Edward Lear (A Book of Nonsense, 1846), F. O. C. Darley (Rip Van Winkle, 1850), Gustave Doré (Les contes de Perrault, 1862), John Tenniel (Alice im Wunderland, 1865), Richard Doyle (In Fairyland, 1870); Arthur Hughes (Sing-Song, 1872), Winslow Homer (Courtin’, 1874), Randolph Caldecott ( The House that Jack Built, 1878), Kate Greenaway (A Apple Pie, 1886), Walter Crane (The Baby’s Own Aesop, 1887) und Beatrix Potter (The Tale of Peter Rabbit, 1900). Alle diese Künstler übten auf die Entwicklung der späteren Kinderbuchillustration einen starken Einfluss aus. Bemerkenswert waren ferner der amerikanische Illustrator Howard Pyle (The Merry Adventures of Robin Hood, 1883), der französische Künstler Louis Maurice Boutet de Monvel (Jeanne d’Arc, 1896) und der englische Aquarellmaler Arthur Rackham (Aesop’s Fables, 1912). Im 20. Jahrhundert entstanden in England bedeutende Kinderbuchillustrationen durch die Künstler Leslie Brooke (Johnny Crow’s Garden, 1903), Edmund Dulac (Arabian Nights Entertainments, 1907), E. H. Shepard (Winnie-the-Pooh, 1926), Brian Wildsmith (Brian Wildsmith’s Mother Goose, 1964), Edward Ardizzone (Tim and Ginger, 1965) und Kit Williams (Maskerade, 1979). Zu den wichtigen amerikanischen Kinderbuchillustratoren rechnet man N. C. Wyeth (Treasure Island, 1924), Maxfield Parrish (Mother Goose in Prose, 1897), Wanda Gág (Millions of Cats, 1928), Robert Lawson (The Story of Ferdinand, 1936), Ludwig Bemelmans (Madeline, 1939), Ezra Jack Keats (The Snowy Day, 1962), und Maurice Sendak (Where the Wild Things Are, 1963). Moderne Klassiker dieses Genres wurden außerdem von Künstlern Spaniens (Rafael Munoa, Platero y yo, 1963), Frankreichs (Jean de Brunhoff, Babar-Bücher, ab 1931), Deutschlands (Reiner Zimnik, Jonas der Fischer, 1956 und Marlene Reidel, Erichs Reise, 1960) und Japans (Yashima Taro, Der Krähenjunge, 1955) geschaffen. Heute stellen Kinderbücher den Großteil der veröffentlichten illustrierten Bücher.
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