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Windows Live® Suchergebnisse MutterkornpilzeEnzyklopädieartikel
Mutterkornpilze, Gattung mit etwa 30 Arten von Schlauchpilzen, die Getreide (insbesondere Roggen) und andere Gräser befallen und bei Menschen und Weidetieren schwere Vergiftungen verursachen können. Die Sporen von Mutterkornpilzen werden durch den Wind verbreitet. Wenn sie auf die Narbe einer Gräserblüte gelangen, keimen sie zu Hyphen (Pilzfäden) aus, die im Fruchtknoten ein Myzel (dichtes Fadengeflecht) bilden und diesen dabei vollständig durchwuchern und zerstören. Zur Reifezeit des Getreides erzeugt das Myzel ein der Verbreitung des Pilzes dienendes, hartes, kompaktes Sklerotium (ein hornförmiges Dauermyzel), das als Mutterkorn bezeichnet wird. Das zumeist etwa einen (maximal sieben) Zentimeter große, außen schwärzlich purpurfarbene und innen weiße Sklerotium fällt im Herbst zu Boden (häufig bei der Getreideernte) und keimt im Frühjahr eines der folgenden Jahre bei ausreichender Feuchtigkeit zu Stromata (gestielten Köpfchen) aus, in denen die Sporenbildung stattfindet. Ein zweiter Verbreitungsweg besteht darin, dass das Myzel nach der Infektion des Fruchtknotens winzige Konidien (ebenfalls Verbreitungsorgane) bildet und zugleich zuckerhaltigen Honigtau ausscheidet. Insekten, die vom Honigtau angelockt werden, transportieren die Konidien zu anderen Blüten, wo diese ein neues Myzel entwickeln. Das Sklerotium enthält eine Vielzahl von Ergotalkaloiden (Mutterkornalkaloiden), von denen diejenigen mit dem Baustein Lysergsäure pharmakologisch wirksam sind (beispielsweise Ergotamin und Ergometrin) und die deshalb medizinisch genutzt werden. Ergotalkaloide erhöhen in kleinen Dosen den Tonus (die Grundspannung) der glatten Muskulatur, z. B. an den terminalen Arteriolen (kleinen Arterien). Sie werden daher zur Migränebehandlung verwendet, aber auch um die Kontraktionen der Gebärmutter während der Geburt zu fördern (darauf bezieht sich vermutlich der Name Mutterkorn). Wegen ihres Einflusses auf die Synapsen der motorischen Nerven des vegetativen Nervensystems setzt man Ergotalkaloide auch bei der Parkinsonkrankheit ein. Um Mutterkornalkaloide für pharmazeutische Zwecke zu gewinnen, wird mit Mutterkornpilzen infizierter Roggen unter behördlicher Kontrolle in speziellen Kulturen angebaut. In größeren Dosen verursachen Mutterkornalkaloide Ergotismus, eine Krankheit die beim Menschen u. a. durch Kopfschmerz, Übelkeit, Verwirrtheit, Muskelkrämpfe sowie Taubheitsgefühle, Brennen und Kribbeln in Armen und Beinen gekennzeichnet ist; bei chronischer Vergiftung können Gangräne zum Absterben von Gliedmaßen führen (die psychoaktive Droge LSD, die ebenso wie Mutterkornalkaloide halluzinogen wirkt, ist chemisch mit den Alkaloiden der Mutterkornpilze verwandt). Menschen können sich insbesondere durch Brot, das mit infiziertem Mehl zubereitet wurde, mit Ergotalkaloiden vergiften. Im Mittelalter waren Massenvergiftungen keineswegs selten; die Symptome wurden als Veitstanz, Sankt-Veits-Fieber, Heiliges Feuer (auch lateinisch: Ignis sacer), Antoniusfeuer oder Kribbelkrankheit bezeichnet. Noch bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts kam es beim Brotverzehr gelegentlich zu Vergiftungen mit Mutterkorn. Heute kommt dies bei den im Handel erhältlichen Getreideprodukten nicht mehr vor, weil das Getreide nach der Ernte durch Sieben gereinigt wird. Brotgetreide darf danach maximal eine Verunreinigung von 0,05 Prozent aufweisen (bezogen auf die Anzahl der Körner), Futtergetreide von 0,1 Prozent. Vergiftungsfälle treten jedoch in neuer Zeit wieder vermehrt auf, weil selbst gezogenes Getreide ungereinigt in Form von Müsli verzehrt oder verbacken wird. Systematische Einordnung: Mutterkornpilze gehören zur Gattung Claviceps der Familie Clavicipitaceae. Von besonderer Bedeutung ist die Art Claviceps purpurea.
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