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GuyanaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Schulpflicht besteht für eine Dauer von 10 Jahren (2002–2003). Die wichtigste Institution für höhere Bildung, die Universität von Guyana (gegründet 1963) in Georgetown, wird von etwa 3 000 Studenten besucht. Bis zu seiner Unabhängigkeit unterhielt Guyana engere kulturelle Beziehungen zu Suriname und Französisch-Guayana als zu den übrigen Staaten Südamerikas. Guyana wurde von Indern, Schwarzafrikanern und wenigen, zumeist aus Großbritannien stammenden Europäern besiedelt. Diese unterschiedlichen Gruppen vermischten sich bis in die heutige Zeit kaum. Sie bilden vielmehr getrennte Kulturen.
Funktelefone sind häufig das einzige wirksame Kommunikationsmittel mit dem Landesinneren. Die Regierung betreibt einige Rundfunksender.
Nach der Verfassung von 1980 ist Guyana eine Präsidialrepublik. Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutive ist der Präsident, den die stärkste Partei im Parlament stellt. Der Präsident ernennt ein Kabinett, dem ein Premierminister vorsitzt. Oberstes Legislativorgan ist die Nationalversammlung. Von ihren 65 Abgeordneten werden 53 in allgemeinen Wahlen gewählt, zehn von den Regionen und zwei von den Kommunen entsandt. Das Rechtswesen basiert vorwiegend auf britischem Recht. Die höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof, der aus dem Berufsgericht und einem Hochgericht besteht. Guyana ist in zehn Regionen untergliedert. Jede Region wird von einer Ratsversammlung verwaltet. Die beiden wichtigsten Parteien sind der People’s National Congress (PNC), gegründet 1957, der seit der Unabhängigkeit bis 1992 an der Macht war, sowie die People’s Progressive Party (PPP), gegründet 1950.
Obwohl Guyana reich an einigen Rohstoffen (z. B. Bauxit, Gold, Stahlveredler) und an großen Arealen unberührter, artenreicher Natur ist, zählt das südamerikanische Land zu den ärmsten Staaten Lateinamerikas. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 896 Millionen US-Dollar (2006); daraus ergibt sich ein BIP pro Kopf von 1 212,60 US-Dollar. Die Ökonomie des Landes wurde nach der Unabhängigkeit 1966 auf Planwirtschaft ausgerichtet. Zuckerrohrunternehmen sowie Großbetriebe der Bauxitindustrie, die sich zu diesem Zeitpunkt weitgehend in ausländischem Besitz befanden, wurden verstaatlicht. Ab 1974 übernahm die Regierung komplett die Kontrolle des Außenhandels. Zu Beginn der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts stürzte der Preisverfall für Bauxit und Zucker auf dem Weltmarkt das südamerikanische Land in eine schwere Wirtschaftskrise. Von diesem Zeitpunkt an vollzog sich ein Orientierungswandel in Richtung Marktwirtschaft. Das Land erhielt finanzielle Unterstützung aus dem Ausland, ein Großteil seiner Auslandsschulden wurde ihm 1996 erlassen. Noch immer ist Guyanas Ökonomie zu stark auf wenige Exportgüter wie z. B. Zucker, Reis, Bauxit und Gold ausgerichtet. Bemühungen, die Wirtschaftsstruktur zu diversifizieren, kommen nur langsam voran. Einen Schwerpunkt sieht die Regierung in der Förderung des Fremdenverkehrs und dem Ausbau der hierzu nötigen Infrastruktur. Allerdings sind einige Vorhaben hierzu umstritten. So fürchten Umweltschützer, dass Holzeinschlag (zum Bau von Verkehrswegen) und Tourismus stark negative Folgen für eines der größten zusammenhängenden Regenwaldgebiete Südamerikas haben könnte. Der Territorialkonflikt mit dem benachbarten Suriname um das an Erdölvorkommen reiche Küstengewässer konnte bislang nicht gelöst werden. Auch der Streit zwischen Guyana und Venezuela um die rohstoffreichen Gebiete westlich des Essequibos dauert an; das Areal macht immerhin zwei Drittel der Landesfläche Guyanas aus.
Die Landwirtschaft erarbeitet 31 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und beschäftigt 28 Prozent der Erwerbstätigen. Zucker und dessen Nebenprodukte sowie Reis sind die bedeutendsten agrarischen Ausfuhrgüter. 2006 wurden 3 Millionen Tonnen Zuckerrohr und 273 328 Tonnen Reis produziert. Kokosnüsse, Kaffee, Kakao, Zitrusfrüchte, Mais, Maniok und andere tropische Früchte sowie Gemüse dienen in erster Linie dem Eigenbedarf. In den Savannen des Landesinneren gibt es große Flächen mit natürlichem Weideland, wo Rinder, Schweine, Schafe und Hühner gezüchtet werden. Die Anbaugebiete sind fast ausschließlich auf den schmalen, aus reichen Schwemmlandböden bestehenden Küstenstreifen begrenzt. Die Ausweitung der Landwirtschaft erfordert hohe Ausgaben für den Hochwasserschutz sowie für Be- und Entwässerungsanlagen. Die Regierung Guyanas ist bemüht, die verfügbaren Anbauflächen durch Landgewinnungsprojekte zu vergrößern.
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