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  • Émile Durkheim – Wikipedia

    David Émile Durkheim [eˈmil dyʀˈkɛm] (*  15. April 1858 in Épinal, Frankreich; †  15. November 1917 in Paris) war ein französischer Soziologe und Ethnologe.

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Émile Durkheim

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Émile DurkheimÉmile Durkheim

Émile Durkheim (1858-1917), französischer Soziologe. Durkheim wurde am 15. April 1858 in Épinal (Vosges) geboren. Er entstammte einer jüdischen Familie, aus der mehrere Rabbiner hervorgegangen waren. Durkheim lehrte nach seinem philosophischen Staatsexamen zunächst als Professor am Lycée in Sens, dann in Saint Quentin und Troyes. 1885/86 hielt er sich zu Studienzwecken in Deutschland auf, 1892 habilitierte er sich in Bordeaux. 1896 erhielt er hier den für ihn neu geschaffenen Lehrstuhl für Pädagogik und Sozialwissenschaften. Ab 1902 lehrte er an der Sorbonne in Paris.

Ähnlich wie Herbert Spencer sah Durkheim den geschichtlichen Wandel der Moderne im Zusammenspiel von anwachsender Bevölkerung und zunehmender gesellschaftlicher Arbeitsteilung (1893; De la division du travail social; Über die Teilung der sozialen Arbeit). Damit verbunden sei die Änderung des Typus der Gesellschaft: Neue, vielfältig gegliederte Gesellschaften seien durch eine organische Solidarität gekennzeichnet, da die ansteigende Zahl von Mitgliedern dieser Gesellschaft eine größere Dichte zur Folge habe und einen Übergang von der mechanischen Solidarität älterer Gesellschaften zu einer organischen bewirke. Diese neuen Gesellschaften seien auch geprägt von mehr Wettbewerb und Konkurrenz bzw. Bedrohung von Lebenschancen. Die Arbeitsteilung ermögliche dabei, einen Ausgleich zu schaffen, um Solidarität zu erhalten.

Durkheim war bestrebt, die Soziologie als eigenständige empirische Wissenschaft sozialer Phänomene, die reale Gegenstände untersucht, zu etablieren (1895; Les règles de la méthode sociologique; Die Regeln der soziologischen Methode). Mit Hilfe positivistischer Methoden habe die Soziologie bzw. die empirische Sozialforschung die Realität des Sozialen nachzuweisen und menschliches Verhalten aus sozialen Faktoren abzuleiten: Daten und Fakten bewiesen eine Theorie, und Soziologen seien mit Naturwissenschaftlern vergleichbar, da die soziale Tatsache (fait social) der objektive Gegenstand der soziologischen Forschung sei.

Gesellschaftliche Phänomene sind von daher für Durkheim nicht mehr allein individualpsychologisch zu erklären. Am Beispiel des Themas Selbstmord (wie auch des Verbrechens) konnte er 1897 in seinem Werk Le suicide (Der Selbstmord) die Folgen mangelnder Integration des Individuums in die Gesellschaft aufzeigen und exemplarisch darstellen, wie empirische Sozialforschung methodisch und theoretisch Daten zu verarbeiten vermag. Die Beweisführung für eine Theorie erfolge durch Daten.

Individuelle Erscheinungen sind nach Durkheim von kollektiven Phänomenen zu trennen. Soziologische Tatbestände sind für ihn Handlungen, welche die Fähigkeit in sich tragen, auf den Einzelnen Zwang auszuüben. Er war der Auffassung, Gruppen besäßen überindividuelle Eigenschaften, die sich nach eigenen, vom Einzelnen unabhängigen Gesetzen entwickeln könnten. Das so genannte Kollektivbewusstsein, das zwar von der Gesamtheit der Individuen gebildet werde, aber nicht an ökonomischen oder psychologischen Kategorien festzumachen sei, entwickle sich aus der moralischen Verpflichtung einer integrativen Gesellschaft. Daraus entstünde ein überindividueller Sozialzwang, der normativ jeden Einzelnen verpflichte, und die Gruppenmoral ermögliche deshalb auch Sanktionen.

Durkheims Interesse galt vor allem der Grundlage sozialer Stabilität, d. h. den gesellschaftlich anerkannten Werten wie Moral und Religion (1912; Les formes élémentaires de la vie religieuse; Die elementaren Formen des religiösen Lebens). Deren Niedergang führe unweigerlich zu Störungen und zur Verringerung sozialer Ordnung: Gesetz- und Regellosigkeit seien dann nicht mehr in der Lage, die gesellschaftliche Integration zu gewährleisten. Diesen Zustand nannte Durkheim Anomie (griechisch ánomos: gesetzlos), die beim Individuum zu Angst und Unzufriedenheit führen müsse.

Durkheims Thesen und Theorien wurden in der modernen soziologischen Forschung, vor allem vom Strukturalismus und vom Funktionalismus, übernommen. Durkheim starb am 15. November 1917 in Paris; posthum erschienen Sociologie et philosophie (1924; Soziologie und Philosophie) und Éducation morale (1925; Erziehung, Moral und Gesellschaft).

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