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Hus, Jan

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Jan HusJan Hus

Hus, Jan, deutsch Johannes Huß, (um 1370 bis 1415), tschechischer Reformator. Er war eine zentrale Gestalt der Reformation. Bedeutend war vor allem auch die durch ihn in die Wege geleitetete Loslösung der tschechischen Kirche von Rom.

Hus wurde um 1370 im südböhmischen Husinec bei Prachatitz geboren und studierte an der Prager Universität. 1396 erhielt er den akademischen Grad des Magister Artium, 1400 wurde er zum Priester geweiht. Hus hielt Theologievorlesungen an der Prager Universität und wurde 1401 Dekan der dortigen philosophischen Fakultät. Er predigte auch in der Bethlehem-Kapelle, wo in tschechischer Sprache anstatt (wie allgemein üblich) in Latein gepredigt wurde.

Die tschechisch-nationalen Reformbestrebungen des böhmischen Volkspredigers Jan Milíc sowie die Ideen des englischen Reformators John Wyclif waren seit 1390 an der Universität sowie in der Bethlehem-Kapelle weit verbreitet: Sie beeinflussten Hus stark. So kritisierte auch er den weltlichen Besitz der Kirche und trat für die Autonomie des Gewissens ein. Wie Wyclif glaubte auch Hus an die Prädestination und sah in der Bibel die einzige Autorität in Glaubensfragen. Deshalb erkannte er den Papst als Oberhaupt der Kirche mit seinem Unfehlbarkeitspostulat nicht an.

1408 wurde Hus nach Protesten die Ausübung des Priesteramtes in der Prager Diözese untersagt. 1410 erließ Papst Alexander V., einer der damaligen drei Gegenpäpste, eine Bulle, in der Wyclifs Ansichten verurteilt wurden. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern Wyclifs, dessen Schriften in Folge des Streits verbrannt wurden.

Hus, der weiterhin reformatorische Ideen vertrat, wurde 1411 vom Papst mit dem Bann belegt. Er konnte aber aufgrund seiner großen Beliebtheit bei der Prager Bevölkerung und durch die Unterstützung des Königs weiter predigen und wandte sich dabei vor allem gegen die Kreuzzugs- und Ablassbullen von Papst Johannes XXIII. 1412 schloss die theologische Fakultät der Prager Universität Hus vom Lehrbetrieb aus. Der Reformator musste fliehen.

1413 schrieb Hus mit De Ecclesia sein Hauptwerk, in dem er seine Position erläuterte, dass die Kirche eine nicht hierarchisierte Vereinigung sei, die nur Christus als ihr Oberhaupt anerkennen dürfe; ein Jahr später wurde er aufgefordert, sich dem Konstanzer Konzil zu stellen, das zur Lösung des Kirchenschismas und zur Bekämpfung der so genannten Häresie einberufen worden war. Mit einem Geleitversprechen König Siegmunds reiste Hus nach Konstanz, um seine in De Ecclesia vertretene Ansichten zu verteidigen. Bei seiner Ankunft wurde er festgenommen, konnte sich jedoch noch öffentlich verteidigen: Er lehnte es weiterhin ab, die Autorität des Konzils anzuerkennen, da es nicht mit der Bibel übereinstimmte. Darüber hinaus verweigerte er den Widerruf seiner Schrift De Ecclesia und seiner darin vertretenen Überzeugungen. Daraufhin wurde Hus am 4. Mai 1415 zum Tod verurteilt und am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Seine Hinrichtung führte zu den Hussitenkriegen.

Indem Hus die von ihm geforderte Selbständigkeit der tschechischen Kirche kulturell begründete, bereitete er zudem die so genannte Tschechisierung der Prager Universität vor. Mit Hus entstand eine einheitliche Schriftsprache des Tschechischen und somit eine eigene nationalsprachliche tschechische Literatur.

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