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Windows Live® Suchergebnisse Alain Robbe-GrilletEnzyklopädieartikel
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Alain Robbe-Grillet (1922-2008), französischer Schriftsteller. Bereits mit seinen ersten Romanen wie Le Voyeur (1955; Der Augenzeuge) oder La Jalousie (1957; Die Jalousie oder Die Eifersucht) avancierte er in den fünfziger Jahren zu einem Hauptvertreter des Nouveau Roman innerhalb der französischen Literatur. Alain Robbe-Grillet wurde am 18. August 1922 als Sohn eines Ingenieurs in Brest (Bretagne) geboren. Während seiner Schulzeit in Buffon und in Paris interessierte er sich vor allem für die Naturwissenschaften. Von 1941 bis 1945 studierte Robbe-Grillet am Institut National Agronomique und schloss mit dem Diplom als Agraringenieur ab; dazwischen musste er 1943 ein Jahr lang Arbeitsdienst in Deutschland verrichten. Nach seinem Studium war er am Institut National de la Statistique et des Études Économiques beschäftigt, bevor er 1949 mit einem Forschungsauftrag für drei Jahre nach Marokko, Französisch-Guinea und auf die Antillen ging. In diese Zeit datieren die Anfänge seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Nach seiner Rückkehr 1951 debütierte er mit dem Roman Les Gommes (1953; Ein Tag zuviel, auch Die Radiergummis). Seinen eigentlichen Erstling Un Régicide (1978; Ein Königsmord), entstanden 1949, konnte er erst knapp drei Jahrzehnte später veröffentlichen. In den siebziger Jahren entstanden Fotoromane mit Bildern David Hamiltons. Ab 1955 arbeitete Robbe-Grillet 30 Jahre lang als literarischer Direktor des Verlags Les Éditions de Minuit in Paris. Von 1980 bis 1988 war er zudem Direktor des Centre de Sociologie de la Littérature an der Universität Brüssel, und zwischen 1972 und 1997 lehrte er auch als Gastdozent an den Universitäten von New York und Washington. Zu seinen zahlreichen Literaturpreisen gehören der Prix Fénélon (1954), der Prix des Critiques (1955), der Prix Louis Delluc (1963) sowie der Premio Internazionale Mondello (1982). Alain Robbe-Grillet starb am 18. Februar 2008 in Caen (Basse-Normandie).
In der Essaysammlung Pour un nouveau roman (1963; Argumente für einen neuen Roman) beschrieb Robbe-Grillet in den frühen sechziger Jahren seine Literaturtheorie. Er plädierte für die Auflösung klarer Handlungs- und Erzählstrukturen; einflussreich war hier vor allem Francis Ponge. Dieser Forderung folgend, ist vor allem in Robbe-Grillets Frühwerk der stringente, von einem auktorialen (allwissenden) Erzähler kommentierte Verlauf der Geschichte aufgegeben, der „rote Faden” der Erzählung weitgehend aufgelöst. Stattdessen bewegen sich die Romane beschreibend an der Oberfläche und reihen Ereignisse mit nahezu vivisezierender Detailgenauigkeit und wissenschaftlicher Erzählerobjektivität nur mehr aneinander. Eine klare Deutung des Dargestellten wird dem Leser – anders als im traditionellen Roman – nicht mehr angeboten. Erstes Beispiel dieser Richtung ist der gelegentlich als „Dingroman” oder „objektiver Roman” klassifizierte Text Le Voyeur (1955; Der Augenzeuge), der die Verkaufsfahrt des Uhrenhändlers Mathias auf eine Insel und dessen Augenblickseindrücke dort beschreibt. Eine Gedächtnislücke weitet sich zur bedrohlichen Infragestellung der eigenen Existenz. Der Verdacht, Mathias habe in seiner Kindheit ein Verbrechen begangen, wird durch bestimmte Indizien bestärkt, ohne sich gänzlich zu bestätigen. Ein Junge, der um die Tat zu wissen scheint, schweigt beharrlich. Le Voyeur endet unspektakulär mit Mathias’ Abreise von der Insel. Gerade das Verfahren purer Beschreibung aber verfremdet die Realität in Le Voyeur auf nahezu unheimliche Art und Weise. Das Buch wurde u. a. von Roland Barthes und Maurice Blanchot hoch gelobt. In den sechziger Jahren begann Robbe-Grillet damit, seine Romanhandlungen durch eine opulente Metaphernwelt zu überwuchern. In diese Zeit fallen auch seine postmodernen Experimente mit Gattungen wie Detektiv- bzw. Kriminalroman und Liebesroman – eine Entwicklung, die bis in sein Spätwerk nachwirkte. Doch auch diese neuen Verfahren im Schaffen Robbe-Grillets sind von der Überzeugung geprägt, dass einer disparaten, unerforschlichen Wirklichkeit nicht durch eine naiv-geradlinige, reflexiv-psychologische Romanhandlung begegnet werden kann. Bei dem gespenstischen Roman Topologie d’une cité fantôme (1976; Ansichten einer Geisterstadt) werden neben Photographien die verwirrenden Gemälde des Surrealismus, namentlich René Magrittes und Paul Delvaux’, konstitutiv. Wirklichkeit gerät zur undurchschaubaren, hieroglyphenhaft aufschimmernden und wieder verlöschenden Chiffre. Weitere Werke Robbe-Grillets sind die Romane La Jalousie (1957; Die Jalousie oder Die Eifersucht), La Maison de rendez-vous (1965; Die blaue Villa in Hongkong), Projet pour une révolution à New York (1970; Projekt für eine Revolution in New York) und Les Derniers jours de Corinthe (1992; Corinthes letzte Tage). Für Alain Resnais’ vieldeutig-verrätselten Film L’Année dernière à Marienbad (1961; Letztes Jahr in Marienbad), für den er ästhetische Prinzipien des Nouveau Roman auf den Film zu übertragen versuchte und der Kultstatus erlangte, schrieb er das Drehbuch und wurde dafür bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Danach drehte Robbe-Grillet selbst einige Filme, bei denen er für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnete, so etwa Trans-Europ-Express (1966; Trans-Europ-Express), in dem er selbst eine Rolle übernahm, L’homme qui ment (1968; Der Lügner, mit Jean-Louis Trintignant), Le Jeu avec le feu (1975; Das Spiel mit dem Feuer, mit Trintignant, Philippe Noiret und Sylvia Kristel) sowie La Belle captive (1983; Die schöne Gefangene). In diesem Medium konnte er seine Ansprüche bezüglich Objektivität und Bildervielfalt bestmöglich realisieren. In seinem literarischen Œuvre folgten der Roman Djinn (1981; Djinn) und eine autobiographische Trilogie, die so genannten Romanesques, bestehend aus Le miroir qui revient (1984; Der wiederkehrende Spiegel), Angélique ou l’enchantement (1987; Angélique oder die Verzauberung) und Les Derniers jours de Corinthe (1994; Corinthes letzte Tage). Der Roman La Reprise (2001; Die Wiederholung), eine provokative Variation des Lolita-Motivs in Form einer Spionagegeschichte, ist den narrativen Prinzipien des Nouveau Roman verpflichtet und wurde – ungewöhnlich für das spröde Werk Robbe-Grillets – in Frankreich ein großer Verkaufserfolg, mit dem der Autor späte Popularität erlangte. Sein letztes Werk Un roman sentimental (2007) bezeichnete er als „Feenerzählung für Erwachsene, die Gelegenheit bietet, die Gesetze der Wahrscheinlichkeit zu überschreiten”.
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