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Olympische Spiele, internationale Festspiele mit sportlichen Wettkämpfen, die seit 1896 im Abstand von vier Jahren (einer Olympiade) in einer vorher festgelegten Stadt stattfinden. Neben den Olympischen Spielen im Sommer werden seit 1924 auch Olympische Winterspiele veranstaltet, zunächst jeweils im selben Jahr wie die Olympischen Sommerspiele, seit 1994 jeweils um zwei Jahre zeitversetzt. Die Planung und Durchführung der Olympischen Spiele obliegt dem Internationalen Olympischen Komitee (International Olympic Committee, IOC). Olympische Spiele werden vom IOC etwa sechs Jahre im Voraus an eine Stadt vergeben, die sich um die Austragung beworben hat. Die Vergabe erfolgt durch eine Wahl, teilweise in mehreren Wahlgängen. Es müssen nicht zwingend alle Wettkämpfe am gewählten Austragungsort der Spiele durchgeführt werden; den infrastrukturellen und geographischen Erfordernissen entsprechend können Wettkämpfe aus der austragenden Stadt ausgelagert werden (so fanden z. B. immer wieder die Wettkämpfe im Segeln oder im Reiten an anderen Orten statt).
Bei den Olympischen Sommerspielen werden gegenwärtig Wettkämpfe in den Sportarten Badminton, Baseball, Basketball, Bogenschießen, Boxen, Fechten, Fußball, Gewichtheben, Handball, Hockey, Judo, Kanusport, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf, Radsport, Reiten, Ringen, Rudern, Schießen, Schwimmsport (Schwimmen, Synchronschwimmen, Wasserball und Wasserspringen), Segeln, Softball, Taekwondo, Tennis, Tischtennis, Triathlon, Turnen (Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik und Trampolinturnen) und Volleyball (einschließlich Beachvolleyball) durchgeführt, in allen Sportarten jeweils in Konkurrenzen für Frauen und Männer, mit Ausnahme von Baseball und Boxen (nur Männer) sowie Synchronschwimmen, Softball und Rhythmische Sportgymnastik (nur Frauen). Der Reitsport kennt keine Trennung der Geschlechter. In den meisten Sportarten werden dabei Wettkämpfe in verschiedenen Disziplinen ausgetragen (beim Reitsport beispielsweise im Springreiten, im Dressurreiten und im Vielseitigkeitsreiten/Military). In einigen der Individualsportarten werden darüber hinaus Mannschaftswettbewerbe bzw. Staffeln ausgetragen, in denen jede qualifizierte Nation ein Team stellen darf. Das Wettkampfprogramm wird für jede Austragung der Olympischen Spiele vom IOC neu festgelegt, Sportarten werden neu in das Programm aufgenommen, andere werden gestrichen. So ist beispielsweise Volleyball erst seit 1964 im Programm, Triathlon seit 2000. Die ältesten Sommersportarten, die heute noch auf dem olympischen Programm stehen, sind Fechten, Gewichtheben, Leichtathletik, Radsport (Bahnrad- und Straßenrennen), Ringen (griechisch-römisch), Schießsport, Schwimmen, Tennis und Kunstturnen (alle seit 1896). Nicht mehr ausgetragene olympische Sportarten sind z. B. Tauziehen (1900-1920), Rugby (1900-1924) und Polo (1900-1936). Obgleich das IOC immer wieder Sportarten aus dem Wettkampfprogramm nimmt, steigt die Zahl der olympischen Sportarten tendenziell weiter an. Neben den offiziellen Disziplinen wurden bis 1992 gelegentlich auch Demonstrationswettkämpfe ausgetragen, etwa 1932 in American Football, 1972 in Wasserski oder 1992 in Rollhockey. Die Qualifikation der einzelnen Sportler zu den Olympischen Spielen wird von den jeweiligen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) verantwortet. Die Sportler müssen sich in nationalen Wettkämpfen qualifizieren, werden dann vom jeweiligen NOK vorgeschlagen und vom IOC zugelassen. Da Olympische Spiele (im Gegensatz zu den oft jährlich oder zweijährlich durchgeführten Weltmeisterschaften) nur alle vier Jahre ausgetragen werden, gelten sie in fast allen der im Wettkampfprogramm enthaltenen Sportarten als prestigeträchtigste Veranstaltung. An den Olympischen Spielen nehmen mehr als die von den Vereinten Nationen anerkannten Staaten teil, da das IOC auch Delegationen als eigene „Nationen” zulässt, die nicht vollständig souverän sind, etwa Puerto Rico, Hongkong oder Taiwan.
Die Olympischen Spiele beginnen traditionsgemäß mit einer großen Eröffnungsfeier. Dabei ziehen die Teilnehmer nach Ländern gruppiert in das Stadion ein, jeweils angeführt von einem Athleten, der die Fahne seines Landes trägt. Danach werden die olympische Hymne gespielt, die offizielle olympische Flagge gehisst und das olympische Feuer entzündet, das durch einen im griechischen Olympia gestarteten Fackellauf zum Austragungsort gebracht wurde. Ein Athlet des Gastgeberlandes spricht den olympischen Eid, der seit dem Jahr 2000 auch einen Antidopingpassus enthält und wie folgt lautet: „Im Namen aller Athleten verspreche ich, dass wir an den Olympischen Spielen teilnehmen und dabei die gültigen Regeln respektieren und befolgen und uns dabei einem Sport ohne Doping und ohne Drogen verpflichten, im wahren Geist der Sportlichkeit, für den Ruhm des Sports und die Ehre unserer Mannschaft.” Das Symbol der Olympischen Sommer- wie Winterspiele sind die olympischen Ringe (fünf verbundene Ringe auf weißem Grund in den Farben Blau, Gelb, Schwarz, Grün, Rot), die für die fünf Erdteile stehen. Die Medaillengewinner eines jeden Wettbewerbs werden durch kleinere Zeremonien geehrt. Dabei stehen Erst-, Zweit- und Drittplatzierter auf einem Podest und nehmen ihre Medaillen – in Gold, Silber bzw. Bronze – in Empfang. Die Landesflaggen der Athleten werden gehisst, und die Nationalhymne des Siegers wird gespielt. Das Ende der Spiele bildet eine große Schlussfeier.
Die Olympischen Spiele der Neuzeit wurden in Anlehnung an die Olympischen Spiele der Antike zum ersten Mal im Frühjahr 1896 in Athen abgehalten; initiiert hatte sie der französische Pädagoge Pierre de Coubertin. Die Planung der Olympischen Spiele der Neuzeit begann 1894 mit der Gründung des IOC, das sich der Unterstützung von Sportorganisationen und Persönlichkeiten verschiedener Länder versicherte, zunächst überwiegend in Europa. Man legte Modus und Programm der Spiele fest und bestimmte Athen zum Austragungsort der ersten Olympischen Spiele. Als „Treffen der Jugend der Welt” sollten sie nicht nur dem sportlichen Vergleich, sondern auch der Völkerverständigung dienen. Seit den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 stieg die Zahl der teilnehmenden Nationen und Athleten kontinuierlich an. 1896 nahmen 241 Sportler (ausschließlich Männer) aus 14 Ländern teil (darunter auch Deutschland, Großbritannien und die USA), und es wurden 43 Wettkämpfe in neun Sportarten ausgetragen. Bereits 1900 nahmen erstmals auch Frauen teil, 1908 überschritt die Teilnehmerzahl 2 000 (22 Nationen, 110 Wettbewerbe). Bei den 301 Wettkämpfen der Olympischen Spiele 2004 in Athen gingen 10 625 Athleten (davon 4 329 Frauen) aus 201 Ländern an den Start. Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen waren trotz der vergleichsweise geringen Teilnehmerzahl von weniger als 250 Athleten das größte sportliche Ereignis seit der Antike. Erster Olympiasieger der Neuzeit wurde der Amerikaner James Connolly, der den Dreisprungwettbewerb gewann. Größter Star der Wettkämpfe war der griechische Langstreckenläufer Spiridon Louis, der den (eigens für die Olympischen Spiele geschaffenen) Marathonlauf für sich entschied. Die zweiten Sommerspiele wurden 1900 in Paris im Rahmen der dortigen Weltausstellung abgehalten und zogen sich über fünf Monate hin, was dazu führte, dass die Öffentlichkeit trotz deutlich gestiegener Teilnehmerzahlen kaum Notiz von der Veranstaltung nahm. Erstmals nahmen Frauen teil (22 Athletinnen in vier Sportarten). Bei den Spielen der dritten Olympiade in Saint Louis (USA) 1904 wiederholten die Organisatoren ihre Fehler der vorausgegangenen Spiele und veranstalteten die Wettkämpfe abermals über einen Zeitraum von viereinhalb Monaten hinweg im Rahmen der Weltausstellung, was die öffentliche Wahrnehmung weiter verringerte. An 52 der insgesamt 94 Wettkämpfe, die offiziell zum Wettbewerbsprogramm zählten, nahmen nur US-amerikanische Sportler teil. Die Spiele in Saint Louis waren die letzten, bei denen in Mannschaftssportarten nationenübergreifende Teams zugelassen waren. Erstmals wurden an die drei Bestplatzierten jedes Wettkampfs Medaillen vergeben. 1906 wurden in Athen, wo die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit so erfolgreich veranstaltet worden waren, außerhalb des normalen Turnus anlässlich des zehnjährigen Jubiläums erneut Spiele durchgeführt, um die sportlichen Wettkämpfe wieder in den Vordergrund zu stellen. Wenngleich diese so genannten Olympischen Zwischenspiele vom IOC nicht anerkannt wurden, gelten sie als die Veranstaltung, die die Olympischen Spiele vor dem Absinken in die Bedeutungslosigkeit und vielleicht sogar vor ihrem Ende bewahrte. Die vierten Olympischen Spiele 1908 – die Zwischenspiele werden in der offiziellen Zählung nicht berücksichtigt – waren ursprünglich an Rom vergeben worden. Nachdem die italienische Regierung nach dem verheerenden Ausbruch des Vesuvs 1906 aus finanziellen Gründen von der Durchführung zurückgetreten war, wurden sie kurzfristig nach London verlegt. Die Teilnehmerzahl stieg sprunghaft auf 2 008 an, darunter 37 Frauen. Herausragender Sportler war der Leichtathlet Raymond Ewry, der – nachdem er bereits in Paris und in Saint Louis in den Disziplinen Weitsprung, Hochsprung und Dreisprung (jeweils aus dem Stand) gewonnen hatte – mit erneuten Siegen in Hochsprung und Weitsprung aus dem Stand seine siebte und achte Goldmedaille in einem Einzelwettbewerb gewann; würden die beiden nicht offiziellen Goldmedaillen der Zwischenspiele von 1906 mitgerechnet, wäre er bis heute der erfolgreichste Olympionike. Bei den fünften Olympischen Spielen in Stockholm 1912 verhinderte die schwedische Regierung die Durchführung eines Boxturniers, da diese Sportart in Schweden offiziell nicht gestattet war; das IOC änderte daraufhin seine Regularien so, dass die Einflussmöglichkeiten des Gastgeberlandes auf das Wettkampfprogramm minimiert wurden. Populärster Athlet dieser Spiele war der Amerikaner Jim Thorpe, der beide leichtathletischen Mehrkampfwettbewerbe, den Fünfkampf und den Zehnkampf, dominierte. Die Spiele der sechsten Olympiade 1916 sollten in Berlin stattfinden, fielen aufgrund des 1. Weltkrieges aber aus. Da eine Olympiade den Zeitraum von vier Jahren umfasst, berücksichtigt die offizielle Zählung auch die kriegsbedingt abgesagten Spiele. Die siebten Olympischen Sommerspiele 1920 wurden zu Ehren des belgischen Volkes, das im Krieg viel Leid erdulden musste, an Antwerpen vergeben. Bei der Eröffnungsfeier wurden erstmals die olympische Flagge gehisst und der olympische Eid gesprochen. Herausragende Athleten waren der italienische Fechter Nedo Nadi, der fünf Goldmedaillen errang, die amerikanische Schwimmerin Ethelda Bleibtrey, die dreimal Gold gewann und dabei in den Vor- und Finalrennen fünf Weltrekorde aufstellte, sowie die Französin Suzanne Lenglen, die das Tennisturnier der Damen dominierte. Bei den achten Olympischen Sommerspielen 1924, die nach 1900 erneut in Paris ausgetragen wurden, manifestierte sich die zunehmende Akzeptanz der Spiele als bedeutendstes sportliches Großereignis im Anstieg der Zahl der teilnehmenden Länder von zuvor 29 auf 44. Umjubelter Star der Schwimmwettbewerbe war der Amerikaner Johnny Weissmuller, der in drei Disziplinen Gold holte (jeweils mit Weltrekordzeit) und zudem mit dem Wasserballteam seines Landes die Bronzemedaille errang. Die leichtathletischen Laufwettbewerbe wurden von zwei Finnen beherrscht: Ville Ritola gewann vier Gold- und zwei Silbermedaillen; sein Landsmann Paavo Nurmi konnte alle fünf Wettkämpfe, zu denen er antrat, für sich entscheiden, zwei davon sogar an einem Tag (1 500 Meter und 5 000 Meter; zwischen den Läufen lag weniger als eine Stunde Pause). Bei den Spielen der neunten Olympiade 1928 in Amsterdam marschierten beim Einzug der Mannschaften während der Eröffnungszeremonie erstmals das griechische Team an der Spitze der Nationen und die gastgebende Mannschaft am Ende der Parade; diese Ordnung wurde seitdem beibehalten. Die Goldmedaillengewinner dieser Spiele verteilten sich auf 28 Nationen, ein Rekord, der erst 40 Jahre später überboten wurde. Zu den Siegern zählten erstmals auch Asiaten. In zwei Mannschaftswettbewerben begannen 1928 jahrzehntelange Siegesserien: Indien gewann die erste von sechs aufeinanderfolgenden Goldmedaillen im Feldhockey, Ungarn die erste von sieben aufeinanderfolgenden Goldmedaillen im Mannschaftswettbewerb der Degenfechter. Die zehnten Olympischen Spiele 1932 in Los Angeles fielen in die Zeit der Großen Depression, weshalb sich die Teilnehmerzahl von 2 883 (1928) auf 1 332 Athleten mehr als halbierte. Während sich alle vorausgegangenen Spiele über Wochen hingezogen hatten – die kürzesten hatten 79 Tage gedauert –, wurden die Spiele von Los Angeles erstmals auf 16 Tage konzentriert (mit vielen parallel stattfindenden Wettkämpfen). Seither haben Olympische Sommerspiele stets eine Dauer von 15 bis 18 Tagen. Erstmals wurde für die Sportler ein olympisches Dorf errichtet (bewohnt nur von den männlichen Athleten, die Frauen wohnten in einem Hotel); eine weitere Neuerung war, dass die drei Sieger eines Wettbewerbs bei der Medaillenübergabe auf einem Podest standen und dass ihre Landesflaggen gehisst wurden. Überragende Sportlerin war die äußerst vielseitige Amerikanerin Mildred „Babe” Didrikson, die sich für fünf verschiedene Leichtathletikdisziplinen qualifiziert hatte (in vier Disziplinen mit Weltrekordleistungen); den Statuten gemäß durfte sie aber nur in drei Disziplinen starten und gewann schließlich Gold im Speerwurf und im Hürdensprint sowie Silber im Hochsprung (nach einer umstrittenen Kampfrichterentscheidung). Die elften Olympischen Spiele 1936 in Berlin fanden mit der Rekordmarke von fast 4 000 Athleten wieder großen Zuspruch. Sie wurden von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken missbraucht, um zum einen das Ansehen Deutschlands im Ausland zu stärken, zum anderen die „Überlegenheit der arischen Rasse” zu demonstrieren. Letzteres gelang nur eingeschränkt; populärster Athlet der Spiele war der Afroamerikaner Jesse Owens, der über 100 Meter, über 200 Meter, im Weitsprung und mit der 4 × 100-Meter-Staffel der USA Gold gewann. Die Spiele der zwölften und 13. Olympiade 1940 und 1944 fielen kriegsbedingt aus; die 14. Olympischen Spiele fanden 1948 in London statt. Überragende Sportlerin war die niederländische Leichtathletin Fanny Blankers-Koen, die in sechs Disziplinen Weltrekordhalterin war, nach dem Reglement aber nur in vieren antreten durfte und alle vier gewann (100 Meter, 200 Meter, 80 Meter Hürden und 4 × 100-Meter-Staffel). Die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki waren die ersten, an denen die Sowjetunion und Israel teilnahmen; auch die Bundesrepublik Deutschland ging unter der Ägide ihres 1949 gegründeten NOK erstmals an den Start (die DDR hatte zwar 1951 ebenfalls ein NOK gegründet, entsandte aber keine Athleten). Gleich bei ihrer ersten Teilnahme dominierten sowjetische Sportlerinnen das Frauen-Turnen und etablierten darin eine Vormachtstellung, die sie bis zum Zerfall der Sowjetunion 40 Jahre später nicht wieder abgaben. Herausragender Sportler war der tschechische Leichtathlet Emil Zátopek, der als bislang einziger Athlet in der olympischen Geschichte alle drei Langstrecken-Wettbewerbe (5 000 Meter, 10 000 Meter und Marathonlauf) gewinnen konnte – den Marathon bei seinem allerersten Lauf über diese Distanz. Die Spiele der 16. Olympiade 1956 in Melbourne waren die ersten, die in der südlichen Hemisphäre stattfanden. Erstmals boykottierten Staaten aus politischen Gründen die Spiele: Spanien, die Niederlande und die Schweiz nahmen nicht teil, um gegen den sowjetischen Einmarsch in Ungarn (siehe Ungarischer Volksaufstand) zu protestieren, Ägypten, Libanon und Irak blieben den Spielen wegen der Suezkrise fern, und die Volksrepublik China boykottierte die Olympischen Spiele, weil die Republik China auf Taiwan als eigene Nation zu den Spielen zugelassen wurde (diesen Boykott erhielt die chinesische Regierung über 20 Jahre aufrecht). Das ost- und das westdeutsche NOK entsandten eine gemeinsame Mannschaft, die unter einer eigens kreierten Flagge (schwarz-rot-goldene Streifen unter den olympischen Ringen) und mit Beethovens Ode an die Freude als Hymne antrat; diese „gesamtdeutsche” Konstruktion wurde auch bei den beiden folgenden Spielen beibehalten. Das olympische Reitturnier fand aufgrund der zu strengen australischen Quarantänevorschriften für Pferde in Stockholm statt (zudem aus saisonalen Gründen bereits fünf Monate vor den eigentlichen Spielen, die im November durchgeführt wurden); damit wurde zum ersten und einzigen Mal in der olympischen Geschichte die in den Statuten geforderte Einheit von Ort und Zeit der Spiele missachtet. Erfolgreichste Teilnehmerin war die ungarische Kunstturnerin Agnes Keleti, die vier Gold- und zwei Silbermedaillen errang. Bei den 17. Olympischen Spielen 1960 in Rom nahmen erstmals mehr als 5 000 Athleten teil (4 727 Männer und 611 Frauen). Zum letzten Mal für mehr als drei Jahrzehnte durfte Südafrika teilnehmen; anschließend wurde die südafrikanische Delegation aufgrund der Apartheidpolitik des Landes vom IOC ausgeschlossen (bis 1992). Der ungarische Fechter Aladar Gerevich gewann, mittlerweile 50-jährig, zum sechsten Mal in Folge die olympische Goldmedaille im Säbelfechten-Mannschaftswettbewerb. Umjubelter Star war die 20-jährige amerikanische Leichtathletin Wilma Rudolph, die in drei Sprintdisziplinen die Goldmedaille errang. Der amerikanische Boxer Cassius Clay gewann, noch am Beginn seiner Karriere stehend, in Rom seine einzige olympische Goldmedaille; anschließend wechselte er ins Profilager und durfte nicht mehr an Olympischen Spielen teilnehmen. Erster afrikanischer Goldmedaillengewinner in der olympischen Geschichte wurde der Äthiopier Abebe Bikila, der – barfuß laufend – den Marathonlauf in Weltrekordzeit gewann. Die ersten in Asien stattfindenden Olympischen Spiele wurden 1964 in Tokyo abgehalten. Die australische Schwimmerin Dawn Fraser gewann nach 1956 und 1960 zum dritten Mal in Folge olympisches Gold über 100 Meter Freistil. Die sowjetische Kunstturnerin Larissa Latynina nahm zum dritten und letzten Mal an Olympischen Spielen teil und gewann zwei Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen; mit insgesamt 18 olympischen Medaillen, davon neunmal Gold, ist sie die erfolgreichste Sportlerin in der olympischen Geschichte. An den Spielen der 19. Olympiade, die 1968 in Mexiko-Stadt stattfanden, nahmen erstmals mehr als 100 Nationen teil. Überschattet wurden die Wettkämpfe vom so genannten Massaker von Tlatelolco, bei dem zehn Tage vor der Eröffnungsfeier mehr als 500 Studenten, die gegen die Spiele demonstriert hatten, getötet wurden. Politisches Aufsehen erregten auch die beiden afroamerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos, die während der Siegerehrung des 200-Meter-Laufs aus Protest gegen die Rassendiskriminierung in ihrer Heimat ihre schwarzbehandschuhten rechten Fäuste in die Luft streckten – das Symbol der Black Panthers –; auf Drängen des IOC wurden die beiden Athleten daraufhin umgehend vom amerikanischen NOK nach Hause geschickt. Die DDR entsandte erstmals eine eigene Mannschaft; bis zur deutschen Wiedervereinigung nahmen nun also zwei deutsche Delegationen an Olympischen Spielen teil. Aufgrund der extremen Höhe des Veranstaltungsortes (ca. 2 350 Meter über dem Meeresspiegel) und der entsprechend sauerstoffarmen Luft hatten alle Sportler, deren Wettkämpfe länger als etwa zwei Minuten dauern, mit Leistungseinbrüchen zu kämpfen; umgekehrt wurden in sehr vielen Disziplinen, die eine kurze Kraftexplosion erfordern (Sprintdisziplinen, Hoch-, Weit-, Dreisprung etc.), Weltrekorde aufgestellt. Der 8,90-Meter-Sprung von Weitspringer Bob Beamon etwa war ein Weltrekord, der 23 Jahre Bestand haben sollte. Weitere herausragende Athleten waren die tschechoslowakische Kunstturnerin Věra Čáslavská, die vier Goldmedaillen errang, der amerikanische Diskuswerfer Al Oerter, der bei den vierten Olympischen Spielen in Folge Gold holte, und der amerikanische Leichtathlet Dick Fosbury, der mit seiner neuartigen Sprungtechnik („Fosbury-Flop”) die Hochsprung-Goldmedaille gewann und seine Sportart revolutionierte. Zum ersten Mal mussten sich alle Olympiasieger Dopingkontrollen unterziehen; außerdem wurden bei den Frauen erstmals Geschlechtstests durchgeführt. Bei den 20. Olympischen Sommerspielen 1972 in München wurde eines der Ziele der Olympischen Spiele der Neuzeit, nämlich die Förderung der internationalen Freundschaft und Völkerverständigung, verfehlt, denn die Spiele wurden von einem politisch motivierten Terroranschlag überschattet: Palästinensische Terroristen drangen ins olympische Dorf ein, töteten zwei israelische Sportler und nahmen weitere neun Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln; ihre Forderung war die Freilassung von 200 inhaftierten Palästinensern. Eine Befreiungsaktion scheiterte, die israelischen Geiseln kamen ebenso ums Leben wie fünf Terroristen und ein Polizeibeamter. IOC-Präsident Avery Brundage entschied, die Spiele nicht abzubrechen (mit dem berühmt gewordenen Ausspruch „The Games must go on!”); die olympischen Wettkämpfe wurden lediglich für einen Tag ausgesetzt, um Trauer- und Gedenkfeiern abzuhalten. Erfolgreichster Teilnehmer der Spiele war der amerikanische Schwimmer Mark Spitz mit sieben Goldmedaillen, die er jeweils in Weltrekordzeit errang; herausragende Athleten waren außerdem die australische Schwimmerin Shane Gould mit fünf Medaillen (davon dreimal Gold), die sowjetische Kunstturnerin Olga Korbut, die im Alter von nur 17 Jahren drei Gold- und eine Silbermedaille gewann und zum Liebling des Münchner Publikums avancierte, sowie die deutsche Hochspringerin Ulrike Meyfarth, die als 16-Jährige völlig überraschend Gold in ihrer Disziplin holte und damit in der olympischen Geschichte die jüngste Einzelsiegerin innerhalb der Leichtathletik ist. Auch die 21. Spiele von Montreal 1976 wurden von politischen Konflikten beeinflusst. Die gastgebende kanadische Regierung erlaubte der Mannschaft Taiwans weder das Tragen ihrer Flagge noch das Spielen ihrer Nationalhymne, woraufhin Taiwan seine Teilnahme zurückzog. Außerdem forderte ein Großteil der afrikanischen Staaten den Ausschluss Neuseelands, da eine neuseeländische Rugbymannschaft kurze Zeit zuvor in Südafrika gespielt hatte und damit den internationalen „Sportbann” gegen das Apartheidregime verletzt habe; das IOC ließ Neuseeland jedoch zu, da Rugby nicht olympisch war, woraufhin 22 afrikanische Staaten die Spiele boykottierten. Herausragende Athleten waren die rumänische Kunstturnerin Nadia Comaneci, die fünf Medaillen errang (davon dreimal Gold) und dabei die erste Turnerin in der olympischen Geschichte war, die die Höchstnote 10,0 erhielt, der italienische Wasserspringer Klaus Dibiasi, der nach Siegen in Mexiko-Stadt und München auch in Montreal das Turmspringen gewann und damit der erste Athlet wurde, der bei drei aufeinanderfolgenden Spielen Gold in dieser Disziplin errang, und der finnische Leichtathlet Lasse Virén, der seinen Doppelolympiasieg von 1972 über 5 000 und 10 000 Meter wiederholen konnte. Die Spiele der 22. Olympiade 1980 in Moskau, die ersten in einem sozialistischen Land, erlebten den umfassendsten Boykott der olympischen Geschichte: Nach einer langen Diskussion beschlossen die USA, aus Protest gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans nicht an den Spielen teilzunehmen; weitere 64 westliche Staaten schlossen sich dem Boykott an. Die Zahl der teilnehmenden Nationen betrug daher nur 80 (so wenig wie seit 1956 nicht mehr). Erfolgreichster Athlet war der sowjetische Geräteturner Alexandr Ditjatin mit acht Medaillen (dreimal Gold); eine herausragende Leistung vollbrachte auch der kubanische Boxer Teofilo Stevenson, der nach 1972 und 1976 zum dritten Mal in Folge Schwergewichts-Olympiasieger wurde. Bei den 23. Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles erfolgte der „Gegenboykott” der zweiten Supermacht des Kalten Krieges: Die UdSSR blieb den Spielen mit der Begründung fern, die Sicherheitsmaßnahmen würden nicht ausreichen; 14 weitere Ostblock-Staaten folgten ihrem Beispiel (die kommunistischen Staaten Jugoslawien und Rumänien nahmen jedoch teil, ebenso erstmals überhaupt die Volksrepublik China). Dennoch erreichte die Zahl der teilnehmenden Nationen mit 140 einen Höchststand. Die Spiele waren die ersten seit 1896, die ohne finanzielle Unterstützung durch die gastgebende Regierung stattfanden; die Finanzierung erfolgte weitgehend durch Sponsoren, was den Trend zur Kommerzialisierung der Spiele einleitete. Herausragender Sportler der Spiele war Carl Lewis, der die Leistung von Jesse Owens (Berlin 1936) wiederholen konnte und in denselben vier Disziplinen Goldmedaillen gewann (100 Meter, 200 Meter, Weitsprung und 4 × 100-Meter-Staffel). Weitere Stars dieser Olympischen Spiele waren der finnische Ruderer Pertti Karppinen, der zum dritten Mal in Folge Olympiasieger im Einer wurde, der britische Mittelstreckenläufer Sebastian Coe, der seinen Olympiasieg von 1980 über 1 500 Meter wiederholen konnte, sowie der britische Zehnkämpfer Daley Thompson, der ebenso zum zweiten Mal in Folge Gold holte. Große Erfolge feierten auch zwei deutsche Sportler: Der Dressurreiter Reiner Klimke gewann die einzige Einzel-Goldmedaille seiner Karriere (in der Mannschaftswertung errang er zwischen 1964 und 1988 fünf olympische Goldmedaillen), und der Schwimmer Michael Groß holte zwei Gold- und zwei Silbermedaillen. Die 24. Olympischen Spiele 1988 in Seoul erlebten den vorerst letzten größeren Boykott: Vier Staaten (Nordkorea, Kuba, Äthiopien und Nicaragua) blieben den Spielen fern, da Nordkorea nicht als Kogastgeber berücksichtigt worden war. Herausragende Athleten waren der amerikanische Schwimmer Matt Biondi mit fünf Goldmedaillen, die amerikanische Sprinterin Florence Griffith-Joyner mit drei Gold- und einer Silbermedaille und der amerikanische Wasserspringer Greg Louganis, der wie vier Jahre zuvor sowohl im Kunst- als auch im Turmspringen den Olympiasieg errang. Der kanadische Sprinter Ben Johnson siegte im 100-Meter-Lauf, wurde anschließend aber des Dopings überführt und unter Aberkennung seines Olympiasieges für zwei Jahre gesperrt; dies war der erste spektakuläre Dopingfall in der Geschichte der Olympischen Spiele. Die 25. Olympischen Spiele 1992 in Barcelona spiegelten die veränderte weltpolitische Situation wider: Zu den 169 Teilnehmerstaaten zählten die Mannschaft der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) mit Athleten aus Russland und elf weiteren ehemaligen Sowjetrepubliken, das wiedervereinte Deutschland sowie Südafrika, das zum ersten Mal seit 1960 wieder die Teilnahmeerlaubnis erhalten hatte. Erfolgreichster Athlet war der weißrussische Kunstturner Witali Scherbo mit sechs Goldmedaillen; vier davon errang er an einem Tag. Die allmähliche Öffnung der Olympischen Spiele zum Profisport, die sich seit den achtziger Jahren vollzog, manifestierte sich in der Zulassung von Berufssportlern zum Basketballturnier; die USA entsandten das so genannte „Dream Team”, dem u. a. Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird angehörten und das in eindrucksvoller Souveränität die Goldmedaille gewann. Die Spiele der 26. Olympiade im Jahr der 100-Jahr-Feier der Olympischen Spiele der Neuzeit 1996 wurden überraschend nicht an Athen, sondern an Atlanta vergeben; Kritiker sahen darin ein Zugeständnis an einen der Hauptsponsoren der Spiele, die Coca-Cola Company, die ihren Hauptsitz in Atlanta hat. Zum ersten Mal in der olympischen Geschichte waren sämtliche vom IOC anerkannten NOKs (zu diesem Zeitpunkt 197) mit Sportlern vertreten. Die Teilnehmerzahl überschritt die Marke von 10 000; zum ersten Mal waren mehr als ein Drittel der Athleten weiblich (3 512 Frauen gegenüber 6 806 Männern). Die Öffnung gegenüber dem Profisport schritt weiter voran; so wurden erstmals Berufsradsportler zugelassen, und die am Fußballturnier teilnehmenden Mannschaften durften jeweils bis zu drei Profisportler einsetzen. Carl Lewis gewann zum vierten Mal hintereinander den Weitsprungwettbewerb und errang dabei die neunte olympische Goldmedaille seiner Karriere. Weitere herausragende Sportler waren der türkische Gewichtheber Naim Süleymanoğlu, der als erster Athlet seiner Sportart drei olympische Goldmedaillen hintereinander gewann, die französische Sprinterin Marie-José Perec, der als zweiter Frau in der olympischen Geschichte der Doppelsieg über 200 und 400 Meter gelang, und der russische Schwimmer Alexander Popow, der seinen Doppelolympiasieg über 50 und 100 Meter Freistil von Barcelona wiederholen konnte. Bei den 27. Olympischen Spielen 2000 in Sydney stieg die Zahl der Wettkämpfe auf 300. Zum ersten Mal wurden die Spiele im Auftrag des IOC von der unabhängigen World Anti Doping Agency (WADA) überwacht; bei den Dopingkontrollen wurden Bluttests und EPO-Nachweistests eingeführt. Die australische Leichtathletin Cathy Freeman, eine Aborigine, entzündete bei der Eröffnungsfeier die olympische Flamme und gewann zehn Tage darauf Gold im 400-Meter-Lauf. Weitere Stars dieser Spiele waren der britische Ruderer Steve Redgrave, der bei den fünften Olympischen Spielen in Folge eine Goldmedaille errang, der australische Schwimmer Ian Thorpe, der mit nur 17 Jahren drei Gold- und zwei Silbermedaillen gewann, und der amerikanische Leichtathlet Michael Johnson, der die vierte und fünfte olympische Goldmedaille seiner Karriere gewann. Die Spiele der 28. Olympiade 2004 in Athen wurden in einigen Sportarten an historischen Stätten durchgeführt: Die Kugelstoßwettbewerbe fanden im antiken Stadion von Olympia statt, die Bogenschießkonkurrenz wurde im historischen Panathinaikon-Stadion abgehalten, in dem schon die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 durchgeführt worden waren, und auch die Strecke des Marathonlaufs (von Marathon bis ins Panathinaikon-Stadion in Athen) glich der von 1896. Herausragende Athleten waren der amerikanische Schwimmer Michael Phelps mit sechs Gold- und zwei Bronzemedaillen (er ist der erste Sportler überhaupt, der acht Medaillen bei einem olympischen Turnier gewinnen konnte) und der marokkanische Mittelstreckenläufer Hicham El Guerrouj, der als erster Leichtathlet nach Paavo Nurmi 1924 sowohl die 1 500 Meter als auch die 5 000 Meter für sich entscheiden konnte. Zur erfolgreichsten deutschen Olympionikin wurde die Kanutin Birgit Fischer, die an ihren sechsten Olympischen Spielen seit 1980 teilnahm, bei jeder Teilnahme mindestens eine Goldmedaille gewonnen hatte und in Sydney das achte olympische Gold ihrer Karriere errang; seit 1988 hatte sie bei fünf aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen jeweils mindestens zwei Medaillen gewonnen. Die 29. Spiele des Jahres 2008 wurden an Peking vergeben. Als Austragungsort der Spiele der 30. Olympiade 2012 wurde London gewählt; London wird die Spiele als erste Stadt der olympischen Geschichte zum dritten Mal austragen.
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