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Artikelgliederung
Nordamerika, der nördliche Teil Amerikas und drittgrößter der sieben Kontinente; er umfasst die Staaten Kanada, Vereinigte Staaten von Amerika und Mexiko sowie die atlantischen Inseln Grönland (zu Dänemark gehörend), Saint-Pierre-et-Miquelon (ein kleines französisches Überseedepartement vor der Küste Kanadas) und die Bermuda-Inseln (britische Kronkolonie). Die Fläche des Kontinents beträgt annähernd 21,5 Millionen Quadratkilometer. Mit derzeit etwa 528 Millionen Einwohnern (siehe unten: Bevölkerungsentwicklung) ist Nordamerika der Kontinent mit der viertgrößten Bevölkerungszahl. Die Abgrenzung von Nordamerika kann unterschiedlich vorgenommen werden. Legt man naturräumliche Kriterien zugrunde, so endet Nordamerika südlich am Golf von Tehuantepec im Süden von Mexiko, umfasst also nicht mehr die mexikanische Halbinsel Yucatán. Nach anderer Ansicht reicht Nordamerika bis zum Isthmus von Panamá. Kulturgeographisch zählt Mexiko zu Lateinamerika; unter diesem Aspekt endet Nordamerika an der Südgrenze der Vereinigten Staaten. In dieser Enzyklopädie wird Mexiko hingegen ganz zu Nordamerika gerechnet. Nach Süden zu schließen Zentralamerika und die Westindischen Inseln an, beide zusammen bilden Mittelamerika, an das nach Süden Südamerika grenzt. Als westliche Hemisphäre oder Neue Welt bezeichnet man ganz Amerika, also Nord- und Südamerika zusammen genommen sowie die Westindischen Inseln. Der Name Amerika geht auf den italienischen Seefahrer Amerigo Vespucci zurück, der in den Jahren 1497 und 1498 vermutlich als erster Europäer dieser Epoche das nordamerikanische Festland entdeckte.
Der größte Teil der Landmasse Nordamerikas befindet sich in den Gebieten mittlerer geographischer Breite. Die nördlichen Gebiete liegen in der Arktis, ein schmaler Teil reicht nach Süden über den nördlichen Wendekreis (Wendekreis des Krebses) hinaus und wird somit den Tropen zugerechnet. Der Kontinent erstreckt sich von West nach Ost über ungefähr 176 Längengrade. Er reicht von etwa zwölf Grad westlicher Länge bei Nordost-Rundingen (dänisch: nordöstliche Landspitze) im Nordosten von Grönland bis ungefähr 172 Grad östlicher Länge im äußersten Westen der Attu-Insel in Alaska. Seine Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 69 Breitengrade und verläuft von etwa 83 Grad nördlicher Breite bei Kap Morris Jesup im Norden von Grönland bis etwa 14 Grad nördlicher Breite im Süden von Mexiko. Nordamerika grenzt im Norden an das Nordpolarmeer, im Osten an den Atlantischen Ozean, im Süden an den Golf von Mexiko bzw. den Pazifischen Ozean und im Westen an den Pazifischen Ozean. Die Küstenlinie Nordamerikas ist außerordentlich unregelmäßig und durch zahlreiche Buchten und Landvorsprünge stark gegliedert. Trotz einiger längerer Küstenbereiche mit wenigen Einschnitten ist die Küste vor allem im Norden Kanadas mit dem Kanadisch-Arktischen Archipel von unzähligen Buchten und vielen vorgelagerten Inseln geprägt. Der Kontinent grenzt außerdem an drei Meeresbuchten von bedeutender Größe: die Hudsonbai im Nordosten, den Golf von Mexiko im Südosten und den Golf von Alaska im Nordwesten.
Nordamerika gehört fast vollständig zur so genannten Nordamerikanischen Platte, eine der etwa zwölf Haupteinheiten der Erdkruste. Nach der Theorie der Kontinentalverschiebung (siehe Geologie) geht man davon aus, dass Nordamerika einst als Teil des Riesenkontinents Pangäa mit anderen Erdteilen wie dem heutigen Europa sowie mit Teilen des heutigen Afrika eine zusammenhängende Landmasse bildete. Vor etwa 170 Millionen Jahren, in der erdgeschichtlichen Periode des Jura, brach diese Landmasse auseinander, und die beiden Teile bewegten sich voneinander fort. Vor ungefähr 95 Millionen Jahren, in der Kreidezeit, beschleunigte sich der Prozess der Kontinentaldrift. Während Nordamerika mit einer Geschwindigkeit von etwa 1,25 Zentimetern pro Jahr nach Westen trieb, schob sich die Pazifische Platte, die der heutige Pazifische Ozean bedeckt, unter die Nordamerikanische Platte. In diesem Zusammenhang kam es zu ausgedehnten frühen Gebirgsfaltungen, bei denen eine Reihe der hohen Gebirgszüge entlang der Westküste entstanden. Entlang der Ostküste hatten tektonische Prozesse die weitflächige Bildung von Verwerfungen und die Entstehung von Gebirgen und vorgelagerten Inseln zur Folge.
Nordamerika kann in fünf große physiogeographische Regionen unterteilt werden. Sowohl die östliche Hälfte Kanadas als auch der größte Teil Grönlands und Teile der US-Bundesstaaten Minnesota, Wisconsin, Michigan und New York sind Teile des Laurentischen oder Kanadischen Schildes, einer Plateauregion, deren Untergrund aus alten, kristallinen Gesteinen besteht. Die überwiegend flachwellige Oberfläche erhielt ihre Gestalt durch die eiszeitliche Vergletscherung. Die Böden sind relativ nährstoffarm, und ihr südlicher Abschnitt ist größtenteils mit dichtem Wald bedeckt. Die zweite Region bildet eine weite Küstenebene, die den überwiegenden Abschnitt der östlichen und südöstlichen Gebiete der USA und des östlichen Mexiko umfasst. Sie unterliegt in hohem Maße dem Einfluß der Gezeiten. Stellenweise wird das Gelände von Sumpfgebieten geprägt. Im östlichen Teil der Vereinigten Staaten befindet sich eine vergleichsweise schmale Region aus Mittel- und Hochgebirgen, deren größtes die Appalachen darstellen. Sie durchziehen das Gebiet von der kanadischen Provinz Quebec bis zum US-Bundesstaat Alabama auf einer Länge von etwa 2 400 Kilometern. Die Appalachen sind im Vergleich zu den Hochgebirgen im westlichen Teil des Kontinents geologisch relativ alt. Die Gebirgsfaltung erfolgte bereits im Paläozoikum. Die gesamte Region ist bis in größere Höhen zum Teil dicht bewaldet. Der zentrale Bereich des Kontinents – vom südlichen Kanada bis zum Südwesten des US-Bundesstaates Texas – umfasst die ausgedehnten Inneren Ebenen (Interior Plains) und bildet die vierte Region. Sie setzt sich aus Flachländern und Plateaus zusammen. Dieses Gebiet war zeitweise von Meer bedeckt; mächtige Lagen aus Sedimentgestein wurden in ihm abgelagert. Durch den Wechsel von härteren und weicheren Schichten sind an manchen Stellen Schichtstufen ausgebildet. Der nördliche Teil war während des Pleistozäns von Eismassen bedeckt. Weite Teile der Inneren Ebenen sind aufgrund nährstoffreicher Böden für die agrarische Nutzung geeignet. Die Region umfasst auch hügelige Gebiete, wie z. B. das Ozarkplateau. Den westlichen Teil dieses Tieflandes stellen die Great Plains dar, die nach Westen zu den Rocky Mountains hin ansteigen. Die fünfte und westlichste Region Nordamerikas, die auch den größten Teil Mexikos umfasst, ist eine Zone aktiver Gebirgsbildung und umfasst mehrere von Nord nach Süd verlaufende Gebirgszüge und die von ihnen eingeschlossenen Beckenlandschaften. Ihre geologische Entwicklung wird durch die Plattentektonik und stellenweise deutlich erkennbare vulkanische Aktivität bestimmt; dies zeigte sich z. B. erneut bei der starken Eruption des Mount Saint Helens im US-Bundesstaat Washington im Jahr 1980. Den Hauptzug dieser Gebirge bilden die Rocky Mountains in den USA und Kanada, die sich nach Süden im Gebirgszug der Östlichen Sierra Madre fortsetzen. Entlang der Pazifikküste gibt es einige weitere, hoch aufragende Gebirgsketten, die von der Alaskakette im Norden bis zur Westlichen und Südlichen Sierra Madre in Mexiko reichen. Im Mittelbereich erheben sich das Küstengebirge in British Columbia (Kanada), die Kaskadenkette, die Küstenkette und die Sierra Nevada in den Vereinigten Staaten sowie der Gebirgszug im Zentrum von Baja California (Niederkalifornien), einer mexikanischen Halbinsel. Zwischen diesen westlichen und östlichen Gebirgsketten befindet sich ein Bereich mit verstreut liegenden Becken und hoch gelegenen Plateaus, wie dem Interior Plateau in British Columbia (Kanada), dem Colorado Plateau und dem Großen Becken (beide USA) sowie dem weiten zentralen Hochland von Mexiko. Eingeschlossen von der Küstenkette und der Sierra Nevada liegt das fruchtbare Central Valley in Kalifornien, ein tief gelegenes, von Flüssen durchzogenes Becken, das im Norden an der Bucht von Vancouver und im Süden an der Mündung des Colorado River seine Fortsetzung findet. Der höchste Gipfel Nordamerikas ist der Mount McKinley oder Denali mit 6 194 Metern in der Alaskakette, der niedrigste Punkt befindet sich im Bereich des kalifornischen Death Valley und liegt 86 Meter unter dem Meeresspiegel.
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