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NordamerikaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die Infrastruktur Nordamerikas ist im südlichen Kanada und dem größten Teil der angrenzenden Vereinigten Staaten hervorragend ausgebaut, insbesondere was das Netz von Bundesautobahnen zwischen den verschiedenen US-Bundesstaaten bzw. kanadischen Provinzen (interstate highways) betrifft. Daneben existieren noch verschiedene weitere Autobahnsysteme untergeordneten Ranges sowie ein dichtes Landstraßennetz. Eine der bekanntesten Straßen, welche die drei nordamerikanischen Staaten miteinander verbinden, ist der Pan-American Highway. Auch das Eisenbahnnetz ist gut ausgebaut; es wird überwiegend für den Gütertransport benützt, ist für die Personenbeförderung dagegen relativ unbedeutend. Der Luftverkehr ist seit 1945 beträchtlich angewachsen und verfügt über ein ausgedehntes Streckennetz. Die Binnenwasserstraßen, insbesondere das Flusssystem des Sankt-Lorenz-Seeweges und der Großen Seen sowie das Flusssystem des Mississippi und Missouri, sind bedeutende Gütertransportwege. Der mittlere und nördliche Teil Kanadas und Alaskas besitzen auf dem Land- und Seeweg nur begrenzte Verkehrsmöglichkeiten und sind stark vom Luftverkehr abhängig. Auch Mexiko verfügt über ein relativ gut ausgebautes Straßennetz, das jedoch nur etwas mehr als zur Hälfte aus asphaltierten Straßen besteht und im Zentrum um die Hauptstadt Mexiko-Stadt herum wesentlich dichter als in den dünn besiedelten Teilen im Norden und anderen Teilen des Landes ist. Das veraltete Schienennetz wird seit den achtziger Jahren modernisiert. Alle drei Länder besitzen ausgedehnte moderne Anlagen für den Güterumschlag von Hochseeschiffen.
Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der wichtigste Handelspartner sowohl für Kanada als auch für Mexiko; diese sind im Gegenzug wichtige, aber nicht die führenden Handelspartner der Vereinigten Staaten, das einen wesentlichen Anteil der Produkte nach Japan und in die Staaten der Europäischen Union exportiert. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA; North American Free Trade Agreement), das am 1. Januar 1994 in Kraft trat, legt die allmähliche Beseitigung von Handelsschranken zwischen den drei Staaten in den nächsten 15 Jahren fest. Die NAFTA ist eine der größten Freihandelszonen der Welt, und es ist anzunehmen, dass in Zukunft noch weitere amerikanische Staaten in die NAFTA aufgenommen werden. Die Hauptexportgüter der Vereinigten Staaten sind Maschinen, Kraftfahrzeuge, Nahrungsmittel, chemische Produkte und Flugzeuge sowie Rohstoffe für die industrielle Verarbeitung. Den größten Anteil an Kanadas Ausfuhr stellen Kraftfahrzeuge, Maschinen, Metalle und Erze, land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, chemische Produkte und Nahrungsmittel. Die Hauptexportgüter Mexikos sind Rohöl und Erdgas, landwirtschaftliche Produkte – insbesondere Kaffee –, Kraftfahrzeuge und Maschinen sowie Erze. Mitte der neunziger Jahre übertraf der Wert der jährlichen Exporte Kanadas den der Importe; bei den Vereinigten Staaten und Mexiko übersteigen hingegen bereits seit Jahren die Importe die Einnahmen durch die Exporte. Was den Gesamtwert der Exporte und Importe betrifft, zählen die Vereinigten Staaten zu den führenden Handelsstaaten der Welt.
Archäologischen Funden zufolge wurde Nordamerika vermutlich während der letzten Eiszeit (Pleistozän, älteste Epoche des Quartär) besiedelt. Dies erfolgte vor etwa 20 000 Jahren, wobei die genaue zeitliche Einordnung aufgrund der wenigen, schwer zu datierenden Funde problematisch ist. Menschen der mongolischen Rasse wanderten damals von Asien aus über eine Landbrücke im Bereich der heutigen Beringstraße in Nordamerika ein und breiteten sich allmählich nach Osten und Süden aus. Diese frühen, steinzeitlichen Menschen lebten vom Jagen und Sammeln von Wildfrüchten; sie benutzten ähnliche Werkzeuge, wie sie von Völkern aus Südostasien bekannt waren. Später wurden sie von anderen, eindringenden Völkern verdrängt, die bereits fortschrittlichere Werkzeuge besaßen. Diese werden als die Urahnen der nordamerikanischen Indianer angesehen, die komplexe Kulturen entwickelten und den Kontinent bis zur Zeit der europäischen Eroberer besiedelten. Grönland war der erste Teil der westlichen Hemisphäre, den die Europäer erreichten. Isländischen Sagen zufolge wurde es zum ersten Mal von Erich dem Roten gesichtet und in der Folge auch besiedelt. Der erste Europäer, der einen Teil des nordamerikanischen Festlandes entdeckte, war wahrscheinlich der isländische Händler Bjarni Herjólfsson im Jahr 986. Ein Sohn Erichs des Roten, Leif Eriksson, unternahm um 1000 eine Seereise, bei der er nach seinen Angaben in ein Vinland genanntes Gebiet kam, das vermutlich zwischen dem heutigen Labrador und Neuengland liegt. Belege dafür fanden sich 1963 durch die Entdeckung einer für die Wikinger typischen Siedlung in L´Anse aux Meadows an der Südspitze Neufundlands; die Siedlungsreste wurden ungefähr auf das Jahr 1000 datiert.
Anschließende Erkundungen Nordamerikas durch die Europäer begannen 1492 mit der von Christoph Kolumbus unternommenen ersten Reise, bei der er am 12. Oktober San Salvador auf den Bahamas (siehe Samana Cay) erreichte. Auf Hispaniola gründete er etwas später auch die erste spanische Siedlung in Amerika. 1497 landete der italienische Seefahrer Giovanni Caboto auf der Kap-Breton-Insel östlich von Nova Scotia; 1498 segelte er ferner entlang der Küsten von Labrador, Neufundland und Neuengland und kam möglicherweise sogar bis zur Delawarebai. Der portugiesische Seefahrer Gaspar Corte-Real unternahm 1500 eine Reise zur nordamerikanischen Küste zwischen Labrador und dem Südosten von Neufundland. 1513 landete der spanische Gouverneur von Puerto Rico, Juan Ponce de León, in Florida. Vier Jahre später erkundete der spanische Soldat Francisco Fernández de Córdoba die Halbinsel Yucatán, und 1518 untersuchte ein Neffe des spanischen Soldaten Diego Velázquez de Cuellar, Juan de Grijalva, die Ostküste Mexikos. Im folgenden Jahr marschierte der spanische Konquistador Hernán Cortés in Mexiko ein und unterwarf es in den folgenden beiden Jahren.
Die spanischen Eroberungen im südlichen Teil des nordamerikanischen Kontinents wurden durch Streitigkeiten erleichtert, die zu jener Zeit zwischen und innerhalb der Indianervölker dieser Region herrschten. Innere Unruhen und Unzufriedenheit des Volkes waren insbesondere bei den Azteken gegeben. Deren reiches Herrschaftsgebiet wurde 1521 von Cortés erobert. Die Kultur dieses Volkes, damals zahlenmäßig und politisch das mächtigste in ganz Nordamerika, war in vielerlei Hinsicht der der Eindringlinge überlegen. Die Azteken waren jedoch mit vielen Stämmen verfeindet, die unter ihrer Herrschaft standen, so dass einige dieser Stämme zu bereitwilligen Verbündeten von Cortés wurden. Dieser Umstand und ihre überlegenen Waffen sicherten den Spaniern den Sieg. Das zweite Indianervolk mit vergleichbarer politischer Bedeutung waren die Maya, die vorwiegend in Südmexiko auf der Halbinsel Yucatán lebten. Unter ihnen herrschte jedoch zu wenig Einigkeit und gemeinsame Organisation, weshalb auch ihr Widerstand gegen die Spanier wenig wirkungsvoll blieb. Dennoch konnten in Mexiko und im angrenzenden Mittelamerika zumindest zahlreiche Nachfahren verschiedener Indianergruppen überleben und stellen heute als Mischlinge die Mehrheit der dortigen Bevölkerung – im Gegensatz zu den USA und Kanada, wo Indianer größtenteils auf Reservate beschränkt sind und auch als Mischbevölkerung zahlenmäßig praktisch keine Rolle spielen. Die Halbinsel Baja California wurde 1536 von Cortés für Europa entdeckt. Weitere spanische Führer von Erkundungsexpeditionen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren Pánfilo de Narváez und Álvar Núñez Cabeza de Vaca, die zwischen 1528 und 1536 Teile Floridas, die Nord- und Ostküste des Golf von Mexiko und Teile Nordmexikos erforschten; außerdem Hernando de Soto, der 1541 den Mississippi erreichte und überquerte, sowie Francisco Vásquez de Coronado, der von 1540 bis 1542 große Gebiete im Südwesten der heutigen USA erkundete. Die Stadt Saint Augustine in Florida, die 1565 von dem spanischen Entdecker Pedro Menéndez de Avilés gegründet wurde, ist die älteste, noch heute bestehende europäische Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten. Bis zum Jahr 1600 hatten die Spanier die Indianerstämme der Großen Antillen, der Halbinsel Florida und des südlichen Mexiko unterworfen. Aus verwaltungstechnischen Gründen wurden die von den Spaniern gegründeten Kolonien dieser Gebiete als Vizekönigreich Neuspanien zusammengefasst. Nachdem sie ihre Herrschaft über Neuspanien ausgebaut hatten, drangen die Spanier allmählich nach Norden vor, vervollständigten die Eroberung Mexikos und nahmen große Gebiete des Südens der heutigen USA ein. Die Kolonialpolitik der Spanier in Nordamerika entsprach in jeder Hinsicht ihrer Kolonialpolitik in Südamerika – sie bestand im Wesentlichen in rücksichtsloser, wirtschaftlicher Ausbeutung der Rohstoffe des Landes, vor allem von Gold und Silber, sowie der Unterdrückung der Indianervölker. Von dieser generellen Tendenz gab es nur wenige Ausnahmen, wie etwa den Dominikanermönch Bartolomé de Las Casas, der sich für die Belange und Interessen der Indianer einsetzte. Die spanische Regierung legte den Kolonien Konfiszierungssteuern auf und hatte ein striktes Handelsmonopol inne; sie verbat sogar Handelsbeziehungen innerhalb der amerikanischen Kolonien. Diese unterdrückende Wirtschaftspolitik und die gleichzeitige politische Tyrannei schufen eine Unzufriedenheit, die schließlich in offene Rebellion überging.
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