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NordamerikaEnzyklopädieartikel
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Während Spanien seine Position im Süden Nordamerikas sicherte, erforschten und besiedelten Frankreich und England den Kontinent von Kanada aus nach Süden zu. England und Spanien waren zu Anfang des 16. Jahrhunderts in der internationalen Politik meist Verbündete. Als Folge davon unternahmen die Engländer keinerlei Versuche, den Spaniern in Nordamerika Konkurrenz zu bereiten. Frankreich, zur damaligen Zeit der größte Konkurrent Spaniens um die Vorherrschaft auf dem europäischen Kontinent, nahm den Wettlauf um koloniale Herrschaftsgebiete etwas verspätet auf; dennoch waren seine Gebietserrungenschaften in der Neuen Welt bedeutend. 1524 erkundete der florentinische Seefahrer Giovanni da Verrazano im Dienst Frankreichs die nordamerikanische Küste von Kap Fear (bei Wilmington, North Carolina) nach Norden bis zum Kap Breton (Nordostspitze der Kap-Breton-Insel in Nova Scotia, Kanada). Der französische Entdecker Jacques Cartier unternahm zwischen 1534 und 1542 drei Reisen in das Gebiet des Sankt-Lorenz-Golfes, sowie zum Sankt-Lorenz-Strom selbst und kam bis zu einer Indianersiedlung an der Stelle der heutigen Stadt Montreal. Fußend auf diese Entdeckungen beanspruchte Frankreich den größten Teil des nördlichen Nordamerika für sich. Überwiegend aufgrund der Hugenottenkriege waren die Franzosen gezwungen, ihre Kolonialisierungstätigkeit für mehr als ein halbes Jahrhundert zurückzustellen. 1599 gründeten sie einige Pelzhandelsstationen entlang des Sankt-Lorenz-Stromes. In der Folgezeit kamen zahlreiche französische Jesuitenpfarrer in dieses Gebiet und versuchten, die Indianer zum katholischen Glauben zu bekehren. Verschiedene andere französische Entdecker erkundeten neue, weit abgelegene Teile des Kontinents und beanspruchten diese ebenfalls für Frankreich. Zu ihnen gehörten u. a. Samuel de Champlain, der 1608 die Stadt Quebec gründete und das Gebiet nördlich von New York erforschte; außerdem der jesuitische Missionar Jacques Marquette und der Entdecker Louis Jolliet, die 1673 zusammen den Oberlauf des Mississippi nach Süden zu bis zum heutigen Arkansas befuhren. Einer der bemerkenswertesten Erkunder des nordamerikanischen Kontinents, Robert Cavelier, Sieur de La Salle, und sein Gefährte, der italienische Entdecker Henri de Tonty, befuhren 1682 den Mississippi von seinem Zusammenfluss mit dem Ohio bis hinab zum Golf von Mexiko; sie beanspruchten daraufhin das gesamte Einzugsgebiet des Flusses für Ludwig XIV., König von Frankreich, und nannten es Louisiana. Nach den Entdeckungen während der Seereise von Giovanni Caboto, die von 1497 bis 1498 dauerte, erhob die englische Krone Anspruch auf den nordamerikanischen Kontinent; England unternahm jedoch nahezu ein Jahrhundert lang keine Anstrengungen zu dessen Kolonisierung. Die erste Kolonie wurde 1583 durch den englischen Seefahrer und Soldaten Sir Humphrey Gilbert in der Nähe der heutigen Stadt Saint John’s auf der Insel Neufundland gegründet; die Siedler kehrten jedoch noch im gleichen Jahr nach England zurück. In den Jahren 1585 und 1587 versuchte Sir Walter Raleigh zweimal, eine Kolonie auf der Insel Roanoke im heutigen North Carolina zu gründen; als jedoch englische Entdecker 1590 Roanoke besuchten, fanden sie keine Spur der Siedler mehr, deren Schicksal auch heute noch nicht aufgeklärt ist. Die erste dauerhafte britische Kolonie auf dem Kontinent war Jamestown, das 1607 in Virginia gegründet wurde. 1620 wurden an der Küste der Kap-Cod-Bai die Kolonie Plymouth und zwischen 1628 und 1630 an der Küste der Massachusettsbai die Kolonie Massachusettsbai gegründet. Nach 1630 besiedelten die Engländer systematisch die gesamte Atlantikküste zwischen dem französischen Akadien und dem spanischen Florida. 1664 annektierten sie die holländische Kolonie Neuniederlande, die 1624 gegründet worden war, und benannten sie in New York um; ferner eigneten sie sich die Siedlungen am Delaware an, die die Holländer 1655 von schwedischen Siedlern übernommen hatten. Die Bevölkerung und der Wohlstand der englischen Kolonien nahmen sehr schnell zu (Einzelheiten dazu siehe Vereinigte Staaten von Amerika: Geschichte). Zu Beginn des letzten Jahrzehnts des 17. Jahrhunderts war der größte Teil des nordamerikanischen Kontinents – von Kanada bis zum Golf von Mexiko – Teil der Kolonialreiche Frankreichs und Englands. Die französischen Siedlungen lagen weit verstreut. Die Hauptsiedlungen befanden sich in Kanada und in der Nähe der Mississippi-Mündung und wurden durch eine Reihe von Handels- und Militärstationen entlang des Ohio und des Mississippi miteinander verbunden. Der englische Kolonialbesitz bestand aus zwölf Kolonien, die sich entlang der Atlantikküste erstreckten. Eine dreizehnte, Georgia, wurde 1733 gegründet.
Als Folge der Bemühungen, ihre Siedlungsgebiete nach Westen über das Alleghenygebirge hinaus auszudehnen, gerieten die Engländer mit den Franzosen im Tal des Ohio in Konflikt. 1689 begannen die beiden Mächte einen Kampf um die weltweite Militär- und Kolonialvorherrschaft. In Nordamerika wurde der Konflikt in vier aufeinanderfolgenden Auseinandersetzungen ausgetragen: der King William’s War, der von 1689 bis 1697 dauerte; der Queen Anne’s War von 1702 bis 1713; der King George’s War von 1744 bis 1748, und der Britisch-Französische Kolonialkrieg von 1754 bis 1763. Die Rückschläge, die die Franzosen in diesem letzten Krieg erlitten, der sich von 1756 bis 1763 als Siebenjähriger Krieg auch nach Europa ausdehnte, zwangen sie schließlich zur Kapitulation. Im Frieden von Paris (1763) wurde Frankreich gezwungen, seinen gesamten Kolonialbesitz in Kanada und außerdem den östlich des Mississippi gelegenen Teil von Louisiana an Großbritannien abzutreten. Frankreich hatte bereits zuvor New Orleans und alle französischen Besitzungen westlich des Mississippi an seinen Verbündeten Spanien übergeben. Das herausragende Ereignis auf dem Kontinent in den zwei Jahrzehnten zwischen 1763 und 1783 war der wirtschaftliche, politische und militärische Konflikt zwischen Großbritannien und seinen 13 Kolonien an der Atlantikküste südlich von Kanada. Dieser Konflikt gipfelte im Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776-1783) und endete mit der Befreiung der Kolonien von der englischen Herrschaft und der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika. Dies hatte wiederum Auswirkungen auch auf die spanischen Kolonien in Amerika. Angeregt durch den Sieg und durch die Französische Revolution nutzten die spanischen Kolonien die Verstrickung Spaniens in die Napoleonischen Kriege (1799-1815) aus und begannen 1810 mit dem Kampf um ihre Unabhängigkeit. Napoleon I. erwarb 1800 den spanischen Teil Louisianas zurück und verkaufte ihn 1803 für 15 Millionen US-Dollar an die Vereinigten Staaten von Amerika (Louisiana Purchase), die damit ihr Gebiet mehr als verdoppelten. Mexiko erhob sich in diesem Jahr gegen Spanien, wurde jedoch erst 1821 unabhängig. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Unabhängigkeitsbestrebungen Kanadas erfolgreich, und 1931 erlangte schließlich auch Kanada die vollständige Autonomie von Großbritannien (siehe Kanada: Geschichte).
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Geschichte Nordamerikas vor allem durch die zunehmende Bedeutung der Vereinigten Staaten bestimmt, die gekennzeichnet war durch ein einzigartiges Bevölkerungs- und Wohlstandswachstum, das mit der Ausdehnung des Staatsgebiets einherging. Parallel dazu wurden viele interne wirtschaftliche und politische Probleme der Vereinigten Staaten gelöst, insbesondere das der Sklaverei und der nationalen Einheit. Prägend war außerdem die Etablierung der Vereinigten Staaten als Weltmacht gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Gebietsausdehnungen der Vereinigten Staaten nach Westen zu waren mit einem gnadenlosen Krieg gegen die Indianer verbunden, der mit ungleichen Mitteln geführt wurde und in dem diese von Anfang an militärisch unterlegen waren. Außer in den entlegenen Gebieten wie insbesondere den südlichen Appalachen wurden die Indianervölker östlich des Mississippi bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vollständig besiegt oder verdrängt und in Reservate zwangsumgesiedelt. Einige der Völker hatten sich nach Westen zurückgezogen, aber die große Mehrheit wurde zahlenmäßig beträchtlich dezimiert oder völlig ausgerottet. Obwohl sich die Indianer teilweise erfolgreich gegen die weiße Besetzung und Verdrängung wehren konnten, waren solche Erfolge stets nur von kurzer Dauer. Ein Beispiel waren die Wampanoag, die deren Häuptling Metacomet, genannt Philip, mit anderen Indianerstämmen Neuenglands in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zusammenschloss, um gemeinsam gegen die englischen Kolonialherren zu kämpfen. Während der folgenden Auseinandersetzung, dem King Philip’s War, der von 1675 bis 1676 dauerte, brachten die Stämme ihren Gegnern zwar zahlreiche schwere Niederlagen bei, wurden jedoch schließlich besiegt und nahezu ausgerottet. Zwischen 1832, als Black Hawk, der Häuptling der zu den Fox zählenden Sauk, einen Krieg zur Verteidigung von Stammesgebieten östlich des Mississippi begann, und 1877, als das Volk der Nez Percé aus Oregon besiegt wurde, widersetzten sich die Indianer der Great Plains, des Südwestens der USA und der Rocky Mountains beinahe jedem größeren Schritt der Europäer nach Westen und es kam zu zahlreichen Kämpfen mit wechselndem Ausgang. Den Höhepunkt erreichte der bewaffnete Widerstand der Indianer in der Schlacht der Sioux am Fluss Little Bighorn (siehe Schlacht am Little Bighorn), die am 25. Juni 1876 auf dem Gebiet des heutigen Bundesstaates Montana ausgetragen wurde. In dieser Schlacht vernichtete eine große Streitmacht der Sioux und der Cheyenne, angeführt von den Häuptlingen Crazy Horse, Sitting Bull und Gall, eine Abteilung der Siebten US-Kavallerie, die von Oberst George Armstrong Custer angeführt wurde. In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts setzten einige Indianergruppen wie Häuptling Geronimo und die Appachen ihren bewaffneten Kampf fort. Die Indianerkriege endeten am 29. Dezember 1890 mit dem Massaker am Wounded Knee-Creek in South Dakota, bei dem etwa 350 unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder von der US-Kavallerie getötet wurden. Diese Schlacht brachte die Geistertanzbewegung der Dakota-Sioux zum Erliegen, die ein letztes Aufbäumen der Indianer gegen die Übermacht der Weißen darstellte. Am Ende waren es jedoch nicht hauptsächlich bewaffnete Kämpfe, die die Indianer unterwarfen, sondern verschiedene andere Faktoren wie die von den Weißen eingeschleppten (und teilweise gezielt verbreiteten) Krankheiten, der Zwang zur Anpassung, das Aushöhlen der traditionellen Werte – verstärkt z. B. durch das Abschlachten der Bisonherden – sowie die Abdrängung in fremde Gebiete und die Landenteignung durch Verträge und Gesetze, die nur aufgrund der Interessen der Weißen den Status der Legalität erhielten. Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Kanada lebt die Mehrzahl der Indianer heute in Reservaten. In vielen dieser Gebiete, die eine schlecht gelungene Zusammenführung der Indianerzivilisation mit der der Weißen darstellen, befinden sie sich in einer überaus schwierigen Situation, in der vor allem wirtschaftliche und soziale Schwierigkeiten den Alltag bestimmen. Zusätzlich zu diesen Gebietsausdehnungen erwarben die Vereinigten Staaten noch andere Gebiete in Nordamerika von, wie sich später herausstellte, teilweise großer Bedeutung: Alaska, das sie 1867 Russland für sieben Millionen US-Dollar abkauften; Puerto Rico, das ihnen 1898 nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von den Spaniern abgetreten wurde; die Panamákanalzone, die sie 1903 erwarben, 1979 jedoch an Panamá abtraten, sowie die Jungfern-Inseln östlich von Puerto Rico, die sie 1917 von Dänemark für 25 Millionen US-Dollar abkauften.
Die zweite Hälfte des 19. und insbesondere das 20. Jahrhundert war letztendlich von Bestrebungen zur Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit, zur Förderung des Friedens und des gegenseitigen Verständnisses geprägt. In diesem Zusammenhang begannen die Vereinigten Staaten mit der 1823 erklärten Monroedoktrin – der Erklärung des Präsidenten James Monroe, dass die Vereinigten Staaten keine europäische Herrschaft in Amerika erlauben würden, die über die derzeit beherrschten Gebiete hinausging – eine Hauptrolle zu spielen. Der einzige schwerwiegende Konflikt innerhalb des Kontinents war der Mexikanisch-Amerikanische Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko in den Jahren 1846 bis 1848. Das 20. Jahrhundert war im Wesentlichen von einer Annäherung der Interessen der nordamerikanischen Staaten bestimmt, was sich 1910 in der Gründung der Panamerikanischen Union ausdrückte. Im 1. Weltkrieg erklärten fast alle Staaten der westlichen Hemisphäre den Mittelmächten entweder den Krieg oder brachen zumindest die diplomatischen Beziehungen zu ihnen ab; gleiches geschah im Hinblick auf die Achsenmächte im 2. Weltkrieg. Eine der wichtigsten Demonstrationen des Zusammenhalts zwischen den Staaten der westlichen Hemisphäre stellte die Interamerikanische Verteidigungskonferenz 1947 dar, die den gegenseitigen interamerikanischen Beistandspakt (Rio-Pakt) hervorbrachte, der von den Vereinigten Staaten, Mexiko und 17 mittel- und südamerikanischen Staaten unterzeichnet wurde. Der Vertrag sieht sowohl die Beilegung von Meinungsverschiedenheiten zwischen Staaten der westlichen Hemisphäre vor als auch die gemeinsame Verteidigung des Gebiets zwischen der Beringsee und dem Südpol gegen Angriffe von außen. 1948 wurde die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) gegründet, um den Rio-Pakt zu erfüllen und als ein gemeinschaftliches Sicherheitssystem zu dienen. Die Zusammenarbeit zwischen den Staaten der westlichen Hemisphäre wurde zeitweise durch die Allianz für den Fortschritt verstärkt, die 1961 gegründet wurde. Diese Allianz, die von den Vereinigten Staaten und 19 lateinamerikanischen Staaten in Punta del Este (Uruguay) gebilligt wurde, bestand aus einem Zehnjahresentwicklungsplan zur Anhebung des wirtschaftlichen und sozialen Niveaus im Gebiet der Unterzeichnerstaaten und zur Stärkung seiner demokratischen Einrichtungen. Nach der vereinbarten Zehnjahresperiode hatte die Allianz unterschiedliche Ergebnisse erbracht und kam allmählich zum Erliegen. Seit dem Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812 sind die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada besonders freundschaftlich und kooperativ. Seit dieser Zeit gab es entlang der gesamten Grenze beider Staaten keinerlei militärische Einrichtungen mehr, die zur gegenseitigen Verteidigung dienten. Auch im 2. Weltkrieg arbeiteten die Vereinigten Staaten und Kanada eng zusammen. Die Nachkriegszeit, allgemein als Zeitalter des Kalten Krieges bezeichnet, war insbesondere von gemeinsamen Bestrebungen der USA und Kanadas gegen mögliche Angriffe der Sowjetunion gekennzeichnet. Mexiko war zwischen etwa 1910 und 1920 durch den Bürgerkrieg schwer belastet (siehe Mexiko: Geschichte). In der anschließenden Zeit wurde ein starker wirtschaftlicher Aufschwung durch die Verstaatlichung der im Besitz der Vereinigten Staaten befindlichen Ölgesellschaften (im Jahr 1938) erzielt, die jedoch die Beziehungen zwischen den beiden Staaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark belastete. In den letzten beiden Jahrzehnten haben sich die Verhältnisse normalisiert und sind zunehmend freundschaftlicher geworden, was die gemeinsame Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) beweist.
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