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Meereslebewesen

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Nahrungspyramide im PazifikNahrungspyramide im Pazifik
Artikelgliederung
1

Einleitung

Meereslebewesen, in oder auf Meeren heimische Organismen, von denen die meisten ihr gesamtes Leben im Wasser verbringen, andere jedoch regelmäßig an Land kommen.

Die Meere bedecken beinahe drei Viertel der Erdoberfläche und reichen bis in rund elf Kilometer Tiefe. Überall im Meer gibt es Lebewesen, wenn auch die Arten- und Individuenzahlen mit zunehmender Tiefe abnehmen (siehe Tiefseelebewesen). Zwar erscheint der marine Teil der Biosphäre auf den ersten Blick in sich geschlossen und gleichförmig, er gliedert sich jedoch aufgrund der Spannbreite der ökologischen Faktoren in zahlreiche Biotope mit verschiedenen Umweltbedingungen.

Der größte Teil der Meereslebewesen ist in Körperbau und Physiologie so eng an das Meer angepasst, dass sich diese Arten entweder überhaupt nicht oder allenfalls kurze Zeit an Land aufhalten können. Beispielsweise erlaubt es die Kiemenatmung der Meeresfische und vieler wirbelloser Meerestiere nicht, Luftsauerstoff aufzunehmen. Die Grenzen zwischen Meereslebewesen und Landlebewesen sind jedoch nicht immer eindeutig. So sind Robben zwar im Körperbau an das Leben im Wasser angepasst, zum Ruhen, zur Paarung und zur Aufzucht der Jungen suchen sie jedoch das Land auf. Meeresschildkröten kommen zur Eiablage ebenfalls an Land, und auch Sturmvögel, die sich fast das ganze Jahr auf der Hochsee aufhalten, brauchen das Land zum Brüten.

In den meisten Stämmen und Klassen des Pflanzen- und Tierreiches sind auch Meeresbewohner vertreten; ungefähr ein Drittel der Metazoenstämme hat sogar eine ausnahmslos marine Verbreitung, darunter die Rippenquallen, die Stachelhäuter und die Bartwürmer. Bemerkenswert groß ist die Zahl stammesgeschichtlich sehr alter Meereslebewesen, dazu gehören auch lebende Fossilien wie die Gattung Nautilus und die Quastenflosser. Im Vergleich zum Land haben sich die Umweltbedingungen in den unteren Meeresschichten im Lauf der Erdgeschichte relativ wenig verändert: Deshalb waren die Überlebenschancen dort vorkommender Arten offenbar besser als die vieler Arten auf dem Festland. Die Gruppe der Meereslebewesen ist zudem insgesamt wesentlich älter als die der Landlebewesen. Die ältesten Spuren mariner Organismen sind etwa 3,5 Milliarden Jahre alt (siehe Cyanobakterien), zu einer nennenswerten Besiedlung des Festlandes kam es dagegen erst rund drei Milliarden Jahre später.

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Abiotische Faktoren und pflanzliche Produktion

Eine grobe Gliederung unterteilt den Lebensraum Meer in das Pelagial, den Bereich des freien Wassers, und das Benthal, den Bodenbereich. Beide Zonen werden weiter nach der Tiefe differenziert. Der für das Leben entscheidende abiotische Faktor ist das Sonnenlicht, das die Pflanzen – im Meer also die Algen – als Produzenten im Ökosystem für die Photosynthese benötigen. Unter günstigen Verhältnissen reicht die euphotische Zone, in der das einfallende Licht die Produktion pflanzlicher Biomasse ermöglicht, bis in rund 200 Meter Tiefe (in der Hochsee heißt diese Zone Epipelagial). In noch größerer Tiefe findet keine pflanzliche Produktion statt. An das Epipelagial schließt sich die zunehmend dunkler werdende Zone des Mesopelagials an, der ab rund 1 000 Meter Tiefe die aphotische (lichtfreie) Zone des Bathypelagials folgt; sie nimmt den größten Teil der Meere ein.

Allgemein ist die Nettoproduktion pflanzlicher Biomasse (gemessen in Masse an organisch gebundenem Kohlenstoff pro Quadratmeter und Jahr) mit durchschnittlich 125 Gramm in den offenen Meeren der Hochsee sehr gering und damit etwa so groß wie in der polaren Tundra. Algenrasen und Riffe übertreffen dagegen zum Teil noch die tropischen Regenwälder. Zu den äußerst produktiven Meeresregionen zählen ferner die Wattenmeere, die Trichtermündungen der großen Ströme sowie die Zonen, in denen aus der Tiefe nährstoffreiches Wasser aufsteigt. Dort werden mitunter bis zu 4 000 Gramm Kohlenstoff pro Quadratmeter und Jahr erreicht.

Neben dem Licht spielen in marinen Ökosystemen weitere abiotische Faktoren, die von den Meereslebewesen spezielle Anpassungen fordern, eine bedeutende Rolle. Dazu gehören insbesondere der mit der Tiefe beständig zunehmende Druck, der auf dem offenen Meer recht gleichmäßige, im Küstenbereich aber stark schwankende Salzgehalt und die Wasserbewegungen, die von sehr langsamen Meeresströmungen bis zur tosenden Brandung reichen.

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Lebensgemeinschaften und Nahrungsnetze

Die Organismen, die das Pelagial bewohnen, bezeichnet man zusammenfassend als Pelagos. Es umfasst zum einen das Plankton, zum anderen das Nekton: die Gesamtheit der Organismen, die sich im freien Wasserraum aktiv bewegen, also unabhängig von der Wasserströmung. Dazu zählen u. a. Fische, Kopffüßer, einige Krebstiere, Schildkröten und Wale. Das Benthos ist die Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren, die das Benthal besiedelt.

Die Organismen können im Lauf ihres Lebens durchaus von einem Lebensraum in einen anderen wechseln. Es kommt z. B. häufig vor, dass Meerestiere im Larvenstadium zum Zooplankton gehören, dann aber die Fähigkeit zur eigenständigen Bewegung entwickeln und so Mitglieder des Nektons werden. Charakteristisch für viele Meereslebewesen sind Wanderungen oder Verdriftungen in horizontaler und vertikaler Richtung. In Abhängigkeit von den Mondphasen steigen z. B. die Palolowürmer (siehe Lunarperiodizität) zur Meeresoberfläche auf. Seeigel und Seesterne wandern im Frühjahr und Frühsommer aus tieferen Meeresschichten in Küstennähe, um dort zu laichen. Aale und Lachse überwinden auf ihren weiten Wanderungen sogar die Grenzen zwischen Meeren und Binnengewässern und damit zwischen Salz- und Süßwasser.

Die Diversität (Vielfalt) der marinen Pflanzen- und Tierwelt schwankt stark. Korallenriffe weisen eine beeindruckende Artenvielfalt auf, während unter den extremen Umweltbedingungen der Wattenmeere nur wenige Arten existieren können. Sie besiedeln allerdings den Meeresgrund in oft sehr großer Zahl. Weitere spezielle Meeresbiotope mit charakteristischer Fauna und Flora sind die Mangrovendickichte an tropischen Küsten, die submarinen Kelpwälder und die Schwarzen Raucher am Grund der Tiefsee.

Die Meereslebewesen sind in oftmals sehr kompliziert geflochtenen Nahrungsnetzen eng miteinander verbunden, wobei im Vergleich mit den Landökosystemen die Zahl der Konsumenten (derjenigen Lebewesen, die keine Photosynthese betreiben) ungewöhnlich groß ist. Das natürliche Schicksal von über 90 Prozent der Meerestiere ist es, von anderen Lebewesen gefressen zu werden. In den antarktischen Meeren wird beispielsweise das Phythoplankton von pflanzenfressenden Planktontieren verzehrt, die selbst die Nahrung von fleischfressenden Planktontieren sind. Von diesen ernähren sich wiederum Robben, Vögel, Fische und Tintenfische, auf die etwa der Seeleopard Jagd macht, der selbst vielleicht Beute eines Schwertwales wird. Auf der anderen Seite gibt es unter den Meereslebewesen zahlreiche Beispiele für Symbiosen, etwa zwischen Seeanemonen als Mitgliedern des Benthos und Anemonenfischen (siehe Riffbarsche), die zum Nekton gehören.

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Gefährdung der Meereslebewesen

Meereslebewesen sind bereits seit der Steinzeit für die Menschen eine wichtige Nahrungs- und Rohstoffquelle, wie z. B. die mitunter riesigen Køkkenmøddinger (Abfallhaufen aus den Schalen mariner Muscheln und Schnecken; siehe Erteböllekultur) an den Küsten Europas belegen. Doch durch den unkontrollierten Raubbau an der Meeresfauna weisen heute viele Arten, etwa der Kabeljau, drastische Bestandsrückgange auf. Unzählige Delphine, Meeresvögel und andere Tiere werden alljährlich Opfer der Fischerei, weil sie sich als „Beifang” in Netzen verheddern. Meereslebewesen leiden neben der Überfischung auch unter Ölverseuchungen und der Vergiftung und Zerstörung ihrer Lebensräume.

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