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GotikEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Seit Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelten sich in ganz Europa zahlreiche gotische Nationalstile, die sich vom französischen Vorbild abzulösen verstanden. Hierzu gehörten in Deutschland die deutsche Sondergotik, in England der Perpendicular Style und in Portugal der Emanuelstil. In Frankreich (wie in den Niederlanden) wird die Spätgotik als Flamboyant bezeichnet.
Die Spätgotik entwickelte eine Bildersprache, bei der sich gotische Elemente mit solchen der italienischen Renaissance vermischten (siehe Internationale Gotik). Zwischen 1370 und 1400 schufen Buchkünstler am Hof des Duc de Berry Miniaturbilder, die Vorläufer des Tafelbildes wurden. Unter Philipp III. und Karl dem Kühnen wurden Burgund und die Niederlande zu Hochburgen der Miniaturmalerei. Auch entstanden prächtig illustrierte Stundenbücher. In Italien wiederum entstanden herausragende Fresken, die – wie im Fall der Fresken Giottos – die Renaissancemalerei beeinflussten. Die Miniaturbilder der Brüder von Limburg wiederum wirkten auf das Schaffen Jan van Eycks, dessen Werk die Sichtweise des Mittelalters überwand.
Die spätgotische Skulptur ist stark von italienischen Einflüssen bestimmt. Um 1400 schuf Claus Sluter für Philipp von Burgund einige der bedeutendsten plastischen Werke der Spätgotik, so die Muttergottes am Mittelpfeiler des Portals zu Philipps Grablegekirche, die Kartause in Champmol nahe Dijon. Ausgeprägt gestaltete Sluter vor allem die Gewänder der Figurationen (begonnen 1385). Die überlebensgroßen Kreuzigungsfiguren seines Mosesbrunnens (1395-1404) trugen dazu bei, der Spätgotik zu einem neuen Stil (dem Schönen Stil) des 15. Jahrhunderts zu verhelfen. In Deutschland bildet das Werk von Tilman Riemenschneider, Veit Stoß und Adam Kraft das Ende der spätgotischen Plastik.
Ihren Ausgang nahm die Flamboyant-Architektur (nach französisch flamboyant: flammend) nach 1380 im Werk des französischen Hofarchitekten Guy de Dammartin. Seine endgültige Ausprägung jedoch erfuhr sie erst nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges (1453), das einen Aufschwung der Bautätigkeit in ganz Frankreich zur Folge hatte. Der Flamboyantstil zeichnete sich durch eine überschwengliche (flammende) Ornamentierung aus. Die Innenräume der Kirchen wurden durch die Abschaffung der Kapellen (selbständige Kulträume) stark vereinfacht, Pfeiler zu gemauerten Stützen reduziert. Der Verzierungsschwerpunkt lag beim Gewölbe, dessen Rippen ein Netzwerk komplizierter Muster bildeten. Das Maßwerk bestand aus züngelnd-flackerndem Fischblasenornament. Seine letzte Blüte erlebte der Flamboyantstil zwischen 1500 und 1540. In dieser Zeit entwarfen Martin Chambiges und sein Sohn Pierre eine Reihe eindrucksvoller Fassaden nach seinen Vorgaben, darunter die Westfassade der Kathedrale von Troyes und die Fassaden der Kathedralen von Senlis und Beauvais.
Unter dem Eindruck der Arbeiten Peter Parlers (Gewölbe des Hochchores im Prager Dom, um 1375) entwickelte sich in Deutschland ein spätgotischer Nationalstil heraus, der im 15. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte. Charakteristisch für diese deutsche Sondergotik sind eine spärliche Außenfassade, große Dächer und schlanke Pfeiler, die in das komplexe System des Rippengewölbes münden. Im Innenraum der Gebäude erwecken zahlreiche Durchblicke in der Diagonalen den Eindruck von Einheitlichkeit. Die Zeit der deutschen Sondergotik ging Anfang des 16. Jahrhunderts zu Ende.
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