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Reformation

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Schlosskirche, WittenbergSchlosskirche, Wittenberg
Artikelgliederung
3.3

Zwingli

Die schweizerische Reformation entwickelte sich zur gleichen Zeit wie in Deutschland, jedoch als unabhängige Bewegung. Ab 1518/19 fand Ulrich Zwingli als führender Prediger am Münster in Zürich Anerkennung. Beeinflusst vom Humanismus und einem intensiven Bibelstudium kritisierte er in seinen Predigten den Ablasshandel sowie den Missbrauch kirchlicher Macht und erkannte nur die Bibel als die einzige Quelle moralischer Autorität an. Seine Reform bedeutete einen radikalen Bruch mit dem katholischen Kultus. Nichts wurde beibehalten, was sich nicht aus der Bibel erklären ließ. 1523 bis 1525 leitete Zwingli, unterstützt von der Ratsversammlung in Zürich, die Verbrennung von Reliquien ein. Prozessionen und die Heiligenverehrung wurden abgeschafft, Priester und Mönche vom Zölibatsgelübde entbunden und die Messe durch einen schlichteren Kommunionsgottesdienst ersetzt.

Die Kaufleute und Händler, die zu den Hauptstützen der schweizerischen Reformation gehörten, bekundeten ihre Unabhängigkeit von der römisch-katholischen Kirche und vom Reich. Auch Bern und Basel nahmen reformatorische Kirchenordnungen an, jedoch blieb die konservative Bauernschaft der Waldkantone katholisch. Zwischen 1529 und 1531 kam es zwischen protestantischen und katholischen Kantonen zu Auseinandersetzungen, bei denen Zwingli ums Leben kam. Nach dem Friedensschluss konnte sich jeder Kanton für eine Konfession entscheiden, wobei die ländlichen Berggebiete katholisch blieben, während sich in den Tälern und großen Städten der Protestantismus durchsetzte. Nachfolger von Zwingli als Haupt der Reformation in Zürich wurde Heinrich Bullinger.

Eine radikale reformatorische Nebenströmung sollte nach 1525 von Zürich ihren Ausgang nehmen: die Täuferbewegung, die im Täuferreich 1534/35 in Münster ihren drastischen Höhepunkt erreichte.

3.4

Calvin

Nach Luther und Zwingli war der französische protestantische Theologe Johannes Calvin die beherrschende Figur der Reformation. Da er in Frankreich verfolgt wurde, ließ er sich 1536 in der Republik Genf nieder, die gerade unabhängig geworden war.

1542 konnte er den Rat der Stadt Genf dazu bewegen, eine reformatorische Kirchenordnung anzunehmen. Auch die Kirche organisierte er demokratisch: Pastoren, Älteste und Diakone wurden von Laienmitgliedern der Gemeinde in ihre Ämter gewählt.

Staat und Kirche waren zwar offiziell getrennt, wirkten aber so eng zusammen, dass Genf im Prinzip eine Theokratie war. Calvin führte, um für moralische Disziplin zu sorgen, eine strenge Ausgabenkontrolle ein und gründete ein Konsistorium, das aus Pastoren und Laien bestand. Kleidung und Lebenswandel der Bürger waren genauestens vorgeschrieben. Nonkonformisten drohten Verfolgung und sogar der Tod. Alle Bürger erhielten zumindest eine Grundausbildung, damit sie die Bibel lesen und verstehen konnten. Die 1559 von Calvin in Genf gegründete Universität besuchten Generationen von Theologen, die die calvinistische Lehre nach Schottland, in die Niederlande, nach Osteuropa und nach Nordamerika brachten. Calvin, theologisch an Luther orientiert, vermochte es, die verschiedenen Standpunkte zeitgenössischen protestantischen Denkens in einem klaren und logischen System darzustellen.

3.5

Frankreich

Am Beginn der reformatorischen Bewegung in Frankreich stand eine Gruppe von Humanisten, die sich unter der Leitung von Lefèvre d’Étaples in Meaux bei Paris versammelten. Wie Luther beschäftigte sich Lefèvre d’Étaples mit den Paulusbriefen und leitete aus ihnen die Überzeugung von der Rechtfertigung allein durch persönlichen Glauben ab. Er übersetzte das Alte und das Neue Testament ins Französische.

Als Vertreter der Kirche und des Staates die Ähnlichkeit zwischen seinen Thesen und der Lehre Luthers erkannten, wurden zahlreiche Protestanten verfolgt. Diese verließen daraufhin Frankreich und ließen sich in der Schweiz nieder, wo ihre Zahl zunahm und sich der Calvinismus festigte. Zahlreiche in Genf durch Calvin ausgebildete Pastoren kehrten bis 1567 nach Frankreich zurück, um den Protestantismus zu verbreiten. Auf einer nationalen Synode in Paris kamen 1559 die Abgesandten der protestantischen Kirchen zusammen, um ein Glaubensbekenntnis (Confessio Gallicana) und disziplinarische Regeln zu entwerfen; sie gründeten die erste protestantische Kirche Frankreichs nach Genfer Vorbild. Ihre Mitglieder wurden als Hugenotten bezeichnet. Trotz aller Versuche, sie zu unterdrücken, wuchs die Zahl der Hugenotten an. Die Spaltung Frankreichs in eine katholische und eine protestantische Partei führte zu acht Konfessionskriegen, den Hugenottenkriegen (1562-1598) Als der Hugenotte König Heinrich IV. den Thron bestieg, räumte er seinen Glaubensgenossen mehr Rechte ein. Da allerdings über 90 Prozent der Franzosen Katholiken blieben, trat der König selbst zum Katholizismus über, gewährte aber den Hugenotten 1598 durch das Edikt von Nantes Religionsfreiheit. 1685 wurde das Edikt jedoch durch die gewaltsame Rekatholisierungspolitik Ludwigs XIV. stark eingeschränkt, und zahlreiche Hugenotten mussten Frankreich verlassen.

3.6

Niederlande

Kaiser Karl V., der in den Niederlanden über größere militärische Macht als in den deutschen Staaten verfügte, wollte die Verbreitung reformatorischer Ideen verhindern. Er ließ deshalb Luthers Bücher verbrennen. Schon 1520 verdammte die Universität Leuven lutherische Anschauungen. 1522 wurde die Inquisition eingesetzt und scharfe Edikte gegen Ketzer erlassen. Dies führte zum Untergang des Täufertums, das sich zunächst besonders schnell ausgebreitet hatte. Von Nordfrankreich kommend, verdrängte der Calvinismus lutherische Einflüsse und festigte die innere Verbundenheit der Niederländer gegen die katholischen Spanier. 1568 begannen die militärischen Auseinandersetzungen mit Spanien und endeten erst mit dem Westfälischen Frieden. Damit verlor Spanien alle Ansprüche, und die Niederlande konnten zu einem unabhängigen protestantischen Staat werden.

3.7

Schottland

Erster Märtyrer der schottischen Reformbewegung war Patrick Hamilton, der 1528 auf dem Scheiterhaufen starb. Er hatte als Student in Wittenberg und Marburg Luthers Lehre kennen gelernt.

Später führte John Knox die Reformation weiter. Unter ihm wurde der Calvinismus zur schottischen Staatsreligion. 1560 brachte er das schottische Parlament dazu, ein Glaubensbekenntnis (Confessio Scotica) und ein Moralbuch, die auf Genfer Vorbilder zurückgingen, anzuerkennen. Im weiteren Verlauf gründete das Parlament die schottische Presbyterianerkirche und organisierte eine Kirche, die im Wesentlichen durch die lokalen Kirchenversammlungen und durch eine Generalversammlung verwaltet wurde.

Die katholische Königin Maria Stuart versuchte, die protestantische Kirche zurückzudrängen. Nach siebenjährigem Kampf musste sie das Land verlassen, und der Calvinismus setzte sich in Schottland weitestgehend durch.

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