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Reformation

Enzyklopädieartikel
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Schlosskirche, WittenbergSchlosskirche, Wittenberg
Artikelgliederung
3.8

England

Die Reformation in England war eine nationale Erhebung, bei der König und Parlament gemeinsam handelten, um die kirchliche Gerichtsbarkeit vom Papst auf den König zu übertragen. Im Gegensatz zu den anderen Ländern gab es keine Zersplitterung in regionale Glaubensgemeinschaften.

In England vollzog sich der politische Bruch mit dem Papst, nachdem dieser sich geweigert hatte, die Ehe Heinrichs VIII. mit dessen Frau Katharina von Aragón, die keinen männlichen Erben zur Welt gebracht hatte, zu annullieren. Als sich Heinrich VIII. 1533 scheiden ließ und erneut heiratete, exkommunizierte ihn der Papst. Daraufhin ließ sich Heinrich VIII. – und fortan galt das für alle seine Nachfolger – 1534 durch das Parlament mit der Suprematsakte zum Oberhaupt der Kirche von England erklären. Damit schuf er eine unabhängige anglikanische Staatskirche. Zwischen 1536 und 1539 wurden die Klöster aufgehoben und ihr Eigentum durch den König beschlagnahmt. Da dabei die Motive eher politischer als religiöser Natur waren, versuchte der König, die Lehre Luthers zu unterdrücken. Mit den Sechs Artikeln (Blutiges Statut), die das Parlament 1539 verabschiedete, wurde die Leugnung der theologischen Grundsätze des mittelalterlichen Katholizismus für Häresie erklärt und der Gehorsam gegenüber dem Papst als kriminelles Vergehen verurteilt. Diese Edikte trafen sowohl die Protestanten, als auch die Katholiken.

König Eduard VI. führte die protestantischen Lehren in der anglikanischen Kirche wieder ein. Das Blutige Statut wurde 1547 aufgehoben und Martin Bucer nach England eingeladen, um zu predigen. 1549 wurde ein Gebetbuch in englischer Sprache, das Common Prayer Book, veröffentlicht, um die Gottesdienste in der anglikanischen Kirche zu vereinheitlichen. 1552 wurde es revidiert und ein neues Glaubensbekenntnis mit 42 Artikeln eingeführt. Nachdem der Versuch von Maria I. Tudor, den Katholizismus wieder zur Staatsreligion zu machen, scheiterte, setzte Königin Elisabeth I. 1563 den Protestantismus ein. Die Artikel des anglikanischen Glaubensbekenntnisses, auf 39 reduziert, waren nun protestantisch geprägt und standen dem lutherischen Bekenntnis näher als dem calvinistischen, wobei jedoch die episkopale Organisation und die katholischen Riten beibehalten wurden. Die so genannten Nonkonformisten, denen die Reformen der englischen Kirche zur Zeit Elisabeths I. nicht weit genug gingen und die sich stärker von Rom abgrenzen wollten, bildeten zahlreiche Gemeinschaften, wie z. B. die Brownisten, die Presbyterianer, die Puritaner und die Quäker oder andere calvinistische Gruppen.

3.9

Kleinere Glaubensgemeinschaften

Neben den drei großen Kirchen – der lutherischen, der reformierten und der anglikanischen – entwickelten sich auch zahlreiche kleinere Gemeinschaften, wie z. B. die Hutterer und die Mennoniten. Sie wurden sowohl von katholischer und lutherischer Seite als auch von anderen protestantischen Kirchen abgelehnt. Die Antitrinitarier formierten sich vor allem in der Schweiz, den Niederlanden und Polen.

4

Bedeutung

Die Reformation gehört neben der Renaissance und der Französischen Revolution zu den wichtigsten geistesgeschichtlichen und politischen Bewegungen Europas. Ihre Auswirkungen sind bis heute noch in kirchlichen wie auch politischen Strukturen spürbar.

Zur evangelischen Kirchenreformation gehören neben der lutherischen Reformation auch die Kirchenreformen, die von Zwingli und Calvin geprägt sind, sowie die englische Reformation. Ergebnis der Reformation ist die Formierung dieser drei Richtungen als eigenständige Kirchen.

Allen gemeinsam ist, dass sie die Bevormundung der Gläubigen durch die hierarchische Papstkirche aufheben und der Kirche den äußeren Ordnungs- und Amtscharakter verleihen, der aber nicht die Heilsgewissheit des einzelnen Christen zu verwalten hat. Sie wird einzig im Glauben erfahrbar und ist an keine vom Menschen zu beurteilenden Vorleistungen geknüpft.

Durch die Reformation verloren Adel und katholische Kirche an Macht. Diese veränderten mittelalterlichen Machtstrukturen beseitigten religiös begründete Beschränkungen des Handels und des Bankwesens und machten den Weg frei für die Entwicklung des modernen Kapitalismus. Durch die Verbreitung der reformatorischen Schriften in der jeweiligen Landessprache (nicht mehr Latein!) entwickelten sich die Nationalsprachen und die Nationalkulturen. Außerdem entstanden neue Schulsysteme, die zur Volksbildung beitrugen.

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