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Volkskunst

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Englische Galionsfigur (19. Jahrhundert)Englische Galionsfigur (19. Jahrhundert)

Volkskunst, künstlerische und kunsthandwerkliche Betätigung ländlicher Handwerker, Bauern und unterer Bürgerschichten vor allem in Kleinstädten, die in ihrer Stilistik eigenen, nichtakademischen Traditionen folgt.

Die Erzeugnisse der Volkskunst reichen von Alltagsgerät und Gebrauchsgegenständen (Möbel, Keramik, Küchengeräte, Gläser, Spielzeug, Trachtenherstellung), Ziergegenständen (Hinterglasmalerei, Stickerei) bis zu religiösen Erzeugnissen wie Krippenfiguren, Votivbildern, Wachsarbeiten, bemalten Eiern. Die Volkskunst wurde erstmals im 19. Jahrhundert als solche definiert, erlebte ihre Blütezeit in Europa vom 17. bis ins 19. Jahrhundert und wurde meistens von hauptberuflichen Spezialisten ausgeübt. Bis heute ist sie verbunden mit örtlichen Traditionen und dem Festhalten an Brauchtum und religiösen Festen. Bedeutend für das Entstehen von Volkskunst kann auch die Situation einer religiös-kulturellen Diaspora (jüdische Kunst) oder sozialer und ethnischer Abgeschlossenheit (Volkskunst in Siebenbürgen und im Banat in Rumänien; Schreinerhandwerk der Shaker in den USA) sein. Einzelne Berufsgruppen haben auch ihre eigene Volkskunst entwickelt, wie die Tracht von Handwerkern oder Arbeitern (Zimmerleute, Bergleute, Sennen) zeigt. Auch wurden aus dem höfischen oder bürgerlichen Kunsthandwerk Formen in die Volkskunst aufgenommen (Barock und Biedermeierstil von Bauernmöbeln).

Besondere Gestaltungsmerkmale der Volkskunst sind das Fehlen von Räumlichkeit und Perspektive in der Malerei (siehe naive Kunst) und die Bemühung um Gegenständlichkeit, Ornamentik und Stilisierung verbindlicher Figuren. Allgemein vermittelbare Zeichen und Symbole wie Herz, Sonne, Teufel, Rad, etc. werden verwendet. Verarbeitet werden Arbeitsmaterialien (Holz, Ton, Metall, Wachs, Textilien) aus der unmittelbaren Umgebung der Hersteller. Im 19. Jahrhundert löste die industrielle Fertigung volkskunstähnlicher Massenware die handwerkliche Herstellung von Volkskunst weitgehend ab, so dass heute nur mehr regionale Zentren eines bestimmten Typs von Erzeugnissen existieren. In den von der Industrialisierung spät erfassten Kulturen konnte sich eine nichtindustrialisierte Volkskunst bis heute in großem Umfang halten, zumal sie durch den Tourismus in den internationalen Markt eingebunden ist (Mexiko, Andiner Raum, Afrika, Südostasien und Ozeanien).

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