![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Frühe Techniken; Druckereiwesen im Osten; Druckereiwesen in Europa; Druckerpressen; Buchillustration; Schrifttypen, Stahlpressen und Schriftsatzanlagen
Drucken, Bezeichnung für zahlreiche Vorgänge, bei denen Wörter, Bilder oder Entwürfe auf Papier, Stoff, Metall oder anderen geeigneten Materialien reproduziert werden. Diese Prozesse bestehen hauptsächlich in der Herstellung zahlreicher identischer Reproduktionen einer Originalvorlage mit mechanischen Mitteln. Daher gilt das gedruckte Buch als erstes Massenprodukt. Die Geschichte des Druckereiwesens ist aus offensichtlichen Gründen eine der am gründlichsten dokumentierten, sie ist praktisch identisch mit der Geschichte des Buchdrucks oder des Hochdrucks (Drucken mit Hilfe einer erhobenen Oberfläche). Historisch gesehen wurde die große Mehrzahl der Drucke mit dieser mechanischen Methode hergestellt. Moderne Drucktechniken basieren jedoch zunehmend auf photomechanischen und chemischen Prozessen.
Die Verwendung von Siegelsteinen ist möglicherweise die früheste bekannte Form des Druckens. In früher Zeit wurden sie u. a. in Babylonien anscheinend sowohl als Ersatz für Unterschriften als auch für religiöse Symbole verwendet. Die Geräte bestanden aus Siegeln und Stempeln, um Abdrücke in Ton herzustellen, oder aus Steinen mit Zeichnungen, die in die Oberfläche eingeschnitten oder eingekratzt wurden. Der Stein, oft an einem Ring angebracht, wurde mit Pigmenten betupft und gegen eine glatte, elastische Oberfläche gepresst, um dort einen Abdruck zu hinterlassen. Die Entwicklung der Drucktechniken von der einfachen Stempel- oder Siegelstein-Methode hin zu Druckverfahren mit Druckerpresse erfolgte offensichtlich unabhängig voneinander zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten. Bücher, die mit Tinte und Feder oder Pinsel von Hand kopiert wurden, waren für die ägyptischen, griechischen und römischen Zivilisationen charakteristisch. Handgeschriebene Bücher wurden auch in mittelalterlichen Klöstern produziert und galten als überaus wertvoll. Im alten Rom gaben gewerbliche Buchverleger mit Malereien verzierte Werke (Buchmalerei) wie die Epigramme des römischen Dichters Martial mit Auflagen bis zu 5 000 Exemplaren heraus. Das Kopieren wurde von lesekundigen Sklaven ausgeführt.
Im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung hatten Chinesen die Kunst des Textdruckens entwickelt und einer weiten Verbreitung zugeführt. Das Drucken von Zeichnungen und Bildern war in China jedoch mindestens ein Jahrhundert vor dem Drucken von Worten bekannt. Zwei wichtige Faktoren, welche die Entwicklung des Druckens in China begünstigten, waren die chinesische Erfindung des Papiers im Jahr 105 und die Verbreitung der buddhistischen Religion in China. Die allgemein üblichen Schreibmaterialien der frühen westlichen Welt, Papyrus und Velin, waren nicht zum Bedrucken geeignet. Papyrus ist zu zerbrechlich, um als Druckoberfläche brauchbar zu sein, und Velin, ein dünnes Gewebe, das aus der Innenseite der Haut frisch gehäuteter Tiere gewonnen wurde, war teuer. Papier ist demgegenüber relativ stabil und billig. Der buddhistische Brauch, zahlreiche Kopien von Gebeten und heiligen Texten anzufertigen, beschleunigte die Entwicklung mechanischer Reproduktionsverfahren. Die frühesten noch erhaltenen Beispiele chinesischer Drucktechnik, die vor 200 produziert wurden, wurden mit Schriftzeichen und Bildern gedruckt, die man als Erhebungen aus Holzblöcken geschnitten hatte. 972 wurde die Tripitaka, die heilige buddhistische Schrift, die mehr als 130 000 Seiten umfasst, vollkommen mit Holzblöcken gedruckt. Ein chinesischer Erfinder dieser Zeit ersetzte die Holzblöcke und entwickelte ein Druckverfahren mit beweglichen Schrifttypen – also das Drucken mit einzelnen Zeichen, die in Reihen angeordnet werden, wie in neuerer Zeit. Weil die chinesische Sprache zwischen 2 000 und 40 000 Zeichen erfordert, erschien den Chinesen damals das Konzept der beweglichen Schrifttypen nicht sehr praktikabel, so dass die Erfindung fallen gelassen wurde. Bewegliche Schrifttypen aus Gussformen erfanden unabhängig davon Koreaner im 14. Jahrhundert, aber auch sie fanden das Verfahren weniger praktisch als den traditionellen Blockdruck.
Bewegliche Metallschrifttypen wurden in Europa zuerst Mitte des 15. Jahrhunderts gegossen und mit einer Druckerpresse auf Papier gedruckt. Diese Erfindung scheint unabhängig von früheren Entwicklungen im Fernen Osten entstanden zu sein, außerdem unterschieden sich die Techniken in bestimmten Einzelheiten beträchtlich. Während Drucker in Asien wasserlösliche Druckfarben benutzten, verwendete man in Europa von Anfang an Druckfarben auf Ölbasis. In Asien wurden gedruckte Abzüge gefertigt, indem man das Papier einfach mit Hilfe eines flachen Holzstückes gegen den Holzblock presste. Bei uns setzte man anfangs mechanische, aus Holz konstruierte Pressen ein, die in der Bauweise von Weinpressen abgeleitet waren. Drucker in Asien, die bewegliche Schrifttypen benutzten, hielten die Buchstaben mit Ton oder Stäben zusammen, die zwischen die Schrifttypen geschoben wurden. In Europa entwickelte man eine Technik, mit der man die Schrifttypen sehr exakt gießen konnte. Die Entwicklung der Methode, Schrifttypen mit derart präzisen Ausmaßen zu gießen, war der wichtigste Beitrag zu dieser Erfindung. Drucktechniken wurden etwa ein Jahrhundert vor der Erfindung des Druckens auf Papier bereits von europäischen Textilarbeitern genutzt, um Muster auf Stoff zu drucken. Die Kunst der Papierherstellung, die im Westen im 12. Jahrhundert eingeführt wurde, verbreitete sich im 13. und 14. Jahrhundert in Europa. Mitte des 15. Jahrhunderts war Papier im Überfluss vorhanden. Während der Renaissance steigerte der Aufstieg einer wohlhabenden und lesekundigen Mittelklasse die Nachfrage nach Lesestoff. Die Popularität Martin Luthers und die Verbreitung der Reformation wurden erheblich vom steten Strom gedruckter Flugschriften beeinflusst; auch bei den nachfolgenden Religionskriegen spielte die Flugblattliteratur eine wichtige Rolle. Johannes Gutenberg aus Mainz gilt traditionell als Erfinder des westlichen Buchdrucks, den er um 1450 erfand. Sowohl niederländische als auch französische Historiker haben die Erfindung allerdings jeweils Bürgern ihres eigenen Landes zugeschrieben und dafür Belege vorgelegt. Jedoch die Bücher Gutenbergs, speziell die Gutenbergbibel, übertreffen alle anderen Bücher, die ihnen vorausgegangen sein sollen, bei weitem an Schönheit und Kunstfertigkeit. Gutenbergs große Leistung trug zweifellos entscheidend zur Verbreitung des gedruckten Buches als Weiterentwicklung des handgeschriebenen Buches bei. Bücher, die vor 1501 gedruckt wurden, werden als Inkunabeln bezeichnet. In der Periode von 1450 bis 1500 wurden mehr als 6 000 Einzelwerke gedruckt. Die Zahl der Drucker nahm in dieser Zeit rasch zu. In Italien wurde z. B. die erste Druckerpresse 1469 in Venedig eingerichtet, und in dieser Stadt gab es 1500 insgesamt 417 Drucker. 1476 wurde in Mailand eine griechische Grammatik vollständig mit griechischen Schrifttypen und 1488 in Soncino eine hebräische Bibel gedruckt. Ebenfalls 1476 brachte William Caxton das Druckereiwesen nach England. 1539 richtete Juan Pablos eine Druckerpresse in Mexico City ein und führte damit das Druckereiwesen in die Neue Welt ein. Stephen Day, von Beruf Schlosser, kam 1628 nach Massachusetts Bay in Neuengland und trug dazu bei, die Cambridge Press in Amerika aufzubauen. Mitteleuropäische Drucker produzierten hauptsächlich religiöse Bücher wie Bibeln, Gebet- und Messbücher. Italienische Drucker druckten größtenteils weltliche Werke wie beispielsweise die wieder entdeckten griechischen und römischen Klassiker, die Geschichten weltlicher italienischer Autoren und die wissenschaftlichen Werke der Gelehrten der Renaissance. Ein wichtiges frühes Einsatzgebiet des Druckereiwesens war die Erstellung von Flugschriften: Während der Konflikte des 16. und 17. Jahrhunderts waren Propaganda-Flugblätter weit verbreitet. Die Herstellung dieser Flugschriften machte einen großen Teil der Arbeit von Druckern jener Zeit aus.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |