![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Mesopotamische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Vorgeschichtliche Zeit; Frühdynastische Zeit; Akkadisches Reich; Neusumerische Zeit; Altbabylonische Zeit; Zeit der kassitischen und elamitischen Dynastien; Das Assyrische Reich; Syrische, phönikische und palästinische Kunst; Neubabylonische Kunst
Mesopotamische Kunst und Architektur, Kunst und Architektur der Region beiderseits der Flüsse Euphrat und Tigris (im heutigen Irak, teilweise auch in Syrien gelegen) von prähistorischer Zeit bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. Zu diesen tiefer gelegenen Teilen Mesopotamiens gehörte eine fruchtbare Ebene, in der urbane Ansiedlungen lagen. Jede Ansiedlung besaß einen Tempel, der Mittelpunkt des Handels und zugleich religiöses Zentrum war (später nahm der königliche Palast seine Rolle ein). Der fruchtbare Lehmboden lieferte das Rohmaterial für Ziegel, das wichtigste Baumaterial der mesopotamischen Kulturen. Lehm wurde auch für Keramik, Skulpturen und Schreibtafeln (aus Terrakotta) verwendet. Basalt, Sandstein, Diorit und Alabaster dienten den Bildhauern als Werkstoffe. Für Skulpturen und Einlegearbeiten waren Metalle wie Bronze, Kupfer, Gold und Silber, aber auch Muscheln und Edelsteine gebräuchlich. Steine, darunter Lapislazuli, Jaspis, Alabaster, Hämatit und Serpentin, wurden zu Rollsiegeln verarbeitet. Die mesopotamische Kunst hatte eine 4 000 Jahre währende Geschichte, die durch Eroberungs- und Einwanderungswellen bestimmt und deshalb ethnisch, sprachlich und kulturell sehr abwechslungsreich war. Die Kunst jeder mesopotamischen Bevölkerungsgruppe hatte ihre eigenen, voneinander oft stark abweichenden ikonographischen (siehe Ikonographie) und stilistischen Merkmale. Das erste Volk, das das Gebiet beherrschte und die Kunstentwicklung bestimmte, waren die Sumerer, ein nichtsemitisches Volk, dem das Reich von Akkad, später dann die Babylonier und die Assyrer nachfolgten. Ebenso wie sich politische Macht und Kunst von Mesopotamien auch auf die Nachbarkulturen ausdehnten (zeitweise bis zur syrisch-palästinischen Mittelmeerküste), so wirkten auch Motive und Techniken entfernterer Kulturen auf die mesopotamischen Zentren zurück. Auch wurde die Kunst von Völkern, die das Gebiet eroberten, durch die zuvor in Mesopotamien bestimmenden Kunstformen inspiriert. Die Eroberung Mesopotamiens durch die Perser im 6. Jahrhundert v. Chr. bedeutete das Ende der mesopotamischen Kunst.
Die frühesten bekannten Zeugen einer neolithischen Kultur des Zweistromlandes stammen aus der Ausgrabungsstätte Quermez Dere in Nordmesopotamien. In Ausgrabungsebenen wurden runde, eingesunkene Hütten freigelegt, die einen oder zwei Steinpfeiler aufweisen und teilweise bereits im 9. Jahrtausend v. Chr. entstanden. Die mesopotamische Kunst der Jungsteinzeit und Kupferzeit (um 7000 bis ca. 3500 v. Chr.) ist mit den Namen von Grabungsstätten verbunden: Mit Hassuna im Norden, wo Häuser und bemalte Keramik entstanden, mit Samarra (im Altertum Sumere), wo figürliche und ornamentale Verzierungen auf Keramik ausgegraben wurden, und mit Tel Halaf, wo man neben Keramik sitzende Frauenfiguren fand, von denen man annimmt, sie seien Muttergottheiten gewesen. Im Süden wird die Frühzeit der mesopotamischen Kunst in die Zeit von Tell Obeid (um 5500 bis ca. 4000 v. Chr.) und in die frühe und mittlere Urukzeit (um 4000 bis ca. 3500 v. Chr.) eingeteilt. Die Ubeidkultur mit ihrer dunkel bemalten Keramik wird deshalb so genannt, weil ihre frühesten Beispiele in Ubeid gefunden wurden. Spätere Zeugnisse stammen aus Ur, Uruk und Eridu. Eine der frühesten Ausgrabungsebenen in Eridu enthält ein kleines, quadratisches Heiligtum (um 5500 v. Chr.), das eine Nische besaß, in der eine Statue gestanden haben könnte, und einen beigeordneten Opfertisch. Später darüber errichtete Tempelgebäude hatten einen zentralen Andachtsraum (Cella), der von kleinen Räumen mit Türöffnungen umgeben war. Der Außenraum wurde mit kunstvollen Nischen und Strebepfeilern gestaltet, die für die mesopotamische Kunst charakteristisch sind. Tonfiguren aus der Ubeidzeit zeigen u. a. einen Mann, der in Eridu, und eine Frau mit Kind, die in Ur gefunden wurden. Die bedeutendsten Funde aus der späten Urukzeit (um 3500 bis 2900 v. Chr.) stammen aus der Hauptgrabungsstätte der historischen Stadt Uruk (das heutige Al Warka). Das bedeutendste Gebäude in Uruk (um 3500 v. Chr.) war ein Kalksteintempel, dessen Grundriss allerdings nicht erhalten ist. Aus dem rudimentären Kalksteinfundament lässt sich schließen, dass er Nischen hatte und mit 76 × 30 Metern monumental angelegt war. Einige Gebäude in Uruk waren mit farbigen Kegeln verziert, die in die Wände eingelassen waren. Eine weitere dekorative Technik war die Wandmalerei, so beim Weißen Tempel, der nach seinem langen, weiß getünchten Innenschrein benannt wurde. Er stand in einem Teil von Uruk, der dem sumerischen Himmelsgott Anu geweiht war. Der Weiße Tempel überragte die Ebene um etwa zwölf Meter auf einer hohen Plattform, die eine frühe Form des Zikkurat, eines stufenförmigen Turmes, darstellt. Dies war die typisch mesopotamische sakrale Architekturform, die den Priester und König näher zu einer bestimmten Gottheit bringen und einen Ort schaffen sollte, auf den die Gottheit herabsteigen konnte. Die schönste in Uruk ausgegrabene Figur ist der detaillierte Kalksteinkopf einer Frau oder Göttin (um 3500 bis 3000 v. Chr., Irak Museum, Bagdad). Eine Alabastervase aus dem gleichen Zeitraum (ebendort) mit waagrechten Bändern zeigt im oberen Schmuckband einen König, der einen Korb mit Früchten an Inanna, die Göttin der Fruchtbarkeit und Liebe, übergibt. Im mittleren Schmuckband sind nackte Priester dargestellt, die unteren zeigen jeweils eine Tier- bzw. Pflanzenreihe. In der späten Urukzeit kam das zylindrische Rollsiegel auf, wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Aufkommen von Tontafeln. Das Zylindersiegel blieb während der folgenden 3 000 Jahre in Mesopotamien die übliche Siegelform. Diese kleinen, gravierten Steine, die zur persönlichen Kennzeichnung von Briefen oder Dokumenten dienten, wurden in weichem, feuchtem Ton gerollt, wodurch ein fortlaufendes Muster entstand. Viele der frühesten Siegel zeigten opfernde Priester, Könige, Tiere, Jagdszenen, Bootsfahrten, Bauten oder schlangenköpfige Löwen bzw. Chimären.
Die erste Geschichtsepoche der sumerischen Vorherrschaft dauerte von etwa 2800 v. Chr. bis etwa 2500 v. Chr. Während frühere Bautraditionen fortgesetzt wurden, entstand das Tempelovale: Einfriedungen mit einer zentralen Plattform, auf welcher ein Schrein stand. Stadtstaaten, die um Städte wie Ur lagen, wurden von Königen beherrscht, die als göttlich angesehen wurden. Viele Fundstücke jener Zeit, darunter Medaillons, dienten dem Andenken an erfolgreiche Feldzüge oder stellten die Vollendung eines Tempels dar. Kalksteinstelen wurden als Grenzsteine verwendet, so z. B. die so genannte „Geierstele” des Königs Eannatum aus Lagasch (heute Louvre, Paris). Auf einer Seite der Stele ist der König abgebildet, der seine Armee in die Schlacht führt. Auf der anderen Seite ist Gott Ningirsu zu sehen, der überlebensgroß dargestellt ist und die besiegte Armee in einem Netz gefangen hält. Die Standarte von Ur (um 2700 v. Chr., Britisches Museum, London), eine Holzplakette mit Einlegearbeiten aus Muscheln, Schiefer, Lapislazuli und rosafarbenem Stein, zeigt Prozessionen und sakrale Motive, die auf drei Ebenen angeordnet sind. Figuren aus der Mythologie waren häufig Motive von kunstvoll geschnitzten, zylindrischen Rollsiegeln und Skulpturen aus Metall. Auf einem großen Kupferrelief aus dem Tempel von Obeid (um 2340 v. Chr., Britisches Museum, London) schwebt ein löwenhäuptiger Adler über zwei Hirschkühen. Phantasiewesen, halb Mensch halb Stier, waren ebenso beliebt wie männliche Figuren, die mit Löwen kämpfen. Auch Kronen, Dolche, Vasen und Dekorationsartikel wurden ausgegraben, zahlreiche davon auf dem königlichen Friedhof von Ur (um 2600 v. Chr.) zwischen 1926 und 1931. Einer der schönsten Gegenstände ist ein Paar stehender Ziegen (Britisches Museum, London), deren Vorderbeine sich gegen einen goldenen Baum lehnen: Ihre Körper sind aus Silber gehämmert, ihr Fell besteht aus Muscheln und ihre Bärte, Mähnen und Hörner sind aus Lapislazuli geschnitten. Sumerische Skulpturen aus Alabaster stellen betende Priester und Herrscher dar; diese Steinfiguren mit gefalteten Händen (um 2750 bis ca. 2600 v. Chr., Irak Museum, Bagdad; Metropolitan Museum of Modern Art, New York) haben große, runde Augen aus Muscheln und schwarzem Alabaster. Eine sitzende, männliche Alabasterfigur (etwa 2400 vor unserer Zeitrechnung, Louvre) aus Mari ist realistischer dargestellt. Die Bauwerke aus dieser Zeit in Mari (Tell Hariri, Syrien) weisen Einflüsse aus den westlich von Mesopotamien gelegenen Gebieten auf.
Die semitischen Akkader kamen im späten 4. Jahrtausend v. Chr. zur Herrschaft. Unter dem Gottkönig Sargon I. (um 2335 bis ca. 2279 v. Chr.) dehnten sie ihre Macht über Sumer aus und einten das Gesamtgebiet Mesopotamiens. In den akkadischen Städten Sippar, Kisch, Assur und der Hauptstadt Akkad wurde der Palast wichtiger als der Tempel. Ein Bronzekopf aus Ninive (Irak Museum, Bagdad), der wohl König Naramsin (um 2255 bis ca. 2218 v. Chr.), den Enkel Sargons, darstellt, betont die Würde der akkadischen Könige. König Naramsin ist auch das Motiv einer Sandsteinstele (Louvre, Paris), die seine Siege in den Bergen dokumentiert. Er trägt einen gehörnten Helm als Zeichen seiner Göttlichkeit. Die rhythmische Aufwärtsbewegung von Naramsins siegreicher Armee in den Bergen und die Gegenbewegung der fallenden Feinde ist der Steinform angepasst. Am innovativsten wirkten die akkadischen Siegelschneider. Motive sind etwa Götter und Heroen, die mit wilden Tieren kämpfen, Ungeheuer erschlagen und auf Streitwagen fahren. Ein neues akkadisches Motiv, das in den folgenden Perioden weiterentwickelt wurde, ist die Präsentationsszene, bei der eine vermittelnde Person oder eine Gottheit eine hinter ihr befindliche Figur einer bedeutenderen, sitzenden Gottheit vorstellt. Einige dieser Szenen sind auf akkadischen Siegeln abgebildet und konnten mit dem Herrscher Gilgamesch in Verbindung gebracht werden.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |