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Sciencefiction

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Jules VerneJules Verne
Artikelgliederung
1

Einleitung

Sciencefiction (von englisch science: Wissenschaft; fiction: Fiktion, Einbildung), Sammelbegriff für alle Formen von Literatur mit phantastischem oder utopischem Inhalt, die sich auf der Basis naturwissenschaftlich-technischer Erkenntnisse mit zukünftigen Entwicklungen oder Ereignissen und deren Auswirkungen auf das menschliche Leben befassen. Durch dieses Interesse unterscheidet sie sich stark von der ihr nahe stehenden Fantasy-Literatur, die eher märchenhaft-phantastische Züge aufweist. Übergänge sind jedoch fließend.

Sciencefiction im engeren Sinn gibt es seit dem 19. Jahrhundert, in dem sich ein dezidiertes Interesse an Naturwissenschaft und Technik herauszubilden begann; als Gründungsväter und zugleich exponierteste Vertreter gelten u. a. Jules Verne und H. G. Wells. Der Philosoph und Schriftsteller Kurd Laßwitz (1848-1910, Pseudonym L. Velatus ) schuf mit Auf zwei Planeten (1897) ein frühes deutschsprachiges Beispiel des Genres. Der Begriff Sciencefiction entstand in den dreißiger Jahren im angloamerikanischen Raum; in Deutschland begann er sich erst nach dem 2. Weltkrieg durchzusetzen. Die Frage der literarischen Vorläufer ist umstritten und abhängig davon, ob man eher das Moment des Phantastischen oder das des Utopischen in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt (siehe phantastische Literatur; Utopie).

Immer wiederkehrende Themen der Sciencefiction sind vor allem Spekulationen zur Überwindung von Raum und Zeit (der „vierten Dimension”) durch neue Technologien sowie die Beschreibung von Hightechwaffen und die Erfindung neuer Kreaturen oder Lebewesen durch wissenschaftliche Manipulationen (Roboter, Androide oder Klone etc.). Inzwischen umfasst der Bereich der Sciencefiction auch Filme, Fernsehserien, Videospiele oder Comicprodukte. Siehe auch Fantasy-Film

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Vorläufer

Vorläufer der Sciencefiction gab es bereits in der Antike. So thematisiert bereits der griechische Mythos von Dädalus und Ikarus den Menschheitstraum vom Fliegen und verknüpft ihn mit dem (maßlosen) Streben nach dem technisch Machbaren. Mehrere Jahrhunderte später beschrieb Lukian von Samosata in seinem phantastischen Abenteuer- und Reiseroman Wahre Geschichten (um 160 n. Chr.), der zu den frühen Höhepunkten der Lügendichtung gehört, eine Fahrt zum Mond bzw. zu den Sternen mit Gefangenschaft auf der Sonne; gleichzeitig parodierte er die zahlreichen pseudohistorischen Abenteuerberichte der zeitgenössischen Literatur, die angeblich auf eigenen Erlebnissen beruhten. Das Motiv der Mondreise taucht in der europäischen Literatur des 16. bis 18. Jahrhunderts verstärkt wieder auf, so etwa in dem Doppelroman Komische Geschichte der Staaten und Reiche des Mondes und der Sonne des Cyrano de Bergerac (um 1648 bis 1650), der als Höhepunkt der utopischen Literatur des Barock gilt, oder in dem utopisch-imaginären Bericht des englischen Bischofs Francis Godwin, Der Mann im Mond oder eine Reise dorthin (erschienen 1638). Im 16. Jahrhundert begann sich der Begriff der Utopie (zu griechisch ou: nicht; topos: Ort; also: kein Ort) für einen nur in der Vorstellung erreichbaren Idealzustand durchzusetzen. Er geht zurück auf Thomas Mores satirischen Staatsroman Utopia (1516), einen dialogisch angelegten Reisebericht über eine Insel der Glückseligen mit bestmöglicher Regierungsform. Das bekannteste Beispiel eines utopisch-phantastischen Romans ist jedoch sicherlich Gullivers Reisen (1726) des englischen Satirikers Jonathan Swift, der anhand der Erkundungen seines Protagonisten u. a. im Reich der Riesen und Zwerge einen der großen gesellschaftskritischen Romane des 18. Jahrhunderts schuf.

Als direkter Vorläufer der Sciencefictionliteratur gilt der mehrfach verfilmte Schauerroman Frankenstein (1818) der englischen Schriftstellerin Mary Wollstonecraft Shelley über die Erschaffung eines künstlichen Menschen. Frankenstein spiegelt bereits deutlich den Glauben des 19. Jahrhunderts an die Leistungsfähigkeit der Wissenschaft wider und erfüllt damit ein wichtiges Bestimmungskriterium aus der Anfangszeit der Gattung. Der erste Autor aber, der sich hauptsächlich der Sciencefiction verschrieb, war der Franzose Jules Verne. In vielen seiner visionären Romane nahm er bereits Entdeckungen und Erfindungen des 20. Jahrhunderts vorweg, darunter Raumschiffe, Hubschrauber, Klimaanlagen, ferngelenkte Geschosse und bewegte Bilder. So beschäftigte er sich in Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1864) mit Geologie und Höhlenforschung, in Von der Erde zum Mond (1865) bzw. Die Reise auf dem Kometen (1877) mit der Raumfahrt und in 20 000 Meilen unter dem Meer (1870) mit der U-Boot-Technik. Vor allem aber schuf Verne zahlreiche – und bis heute gern gelesene – Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur.

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Englische Sciencefictionliteratur

Ein früher Vertreter der englischen Sciencefictionliteratur war Edward Bulwer-Lytton (Zanoni, 1842; The Coming Race, 1871). Ungleich größeren Einfluss auf die Entwicklung des Genres aber hatte H. G. Wells, der neben Verne als eigentlicher Begründer der Gattung gilt. Er erweiterte das klassische Repertoire um Themen aus dem Bereich der Biologie und das Motiv der Zeitreise, das später als „Problem der vierten Dimension” immer wieder aufgegriffen wurde, so in zahlreichen literarischen Zeitschriftenwettbewerben des frühen 20. Jahrhunderts (1895, Die Zeitmaschine). Zu seinen größten Erfolgen gehörten die Schreckensutopie Dr. Moreaus Insel (1896) über moralisch verantwortungslose Biologen und die von ihnen gezüchteten Kreaturen sowie Der Unsichtbare (1897) über einen Forscher, der nach der Entdeckung eines ihn unsichtbar machenden Serums Opfer seines hemmungslosen Machtstrebens wird. Dr. Moreaus Insel wurde mehrfach verfilmt, so 1933 von Erle C. Kenton (mit Charles Laughton und Bela Lugosi) und 1996 von John Frankenheimer. Wells selbst steuerte zu Der Mann, der die Welt verändern wollte (1936) und Was kommen wird (1936) Drehbücher zu Filmadaptionen zweier seiner Texte bei. Sein Der Krieg der Welten (1898) arbeitet mit derartig realistischen Orts- und Zeitangaben, dass der amerikanische Regisseur Orson Welles später mit seiner Livesendung einer Hörfunkbearbeitung ganz Amerika in Angst und Schrecken versetzen konnte (siehe unten).

Als Antwort auf den viel gelesenen Zukunftsroman Last and First Men (1930) des sozialistischen Philosophen Olaf Stapledon verfasste der Schriftsteller und Literaturhistoriker C. S. Lewis den Roman Jenseits des schweigenden Sterns, der 1938 als erster Band der so genannten Space-Trilogie erschien und das christliche Menschenbild gegen die Angriffe der modernen Philosophie und Wissenschaften verteidigen sollte. Will man den utopischen Roman in der Tradition Thomas Mores zur Sciencefictionliteratur rechnen, so gehören die beiden Negativutopien Schöne neue Welt (1932) von Aldous Huxley und 1984 (1949) von George Orwell, die den positiven Utopien ihrer Vorgänger ein Horrorszenario von der Zukunft der menschlichen Zivilisation innerhalb eines totalitären Überwachungsstaates entgegensetzen, zu den bedeutendsten Zeugnissen des Genres. Ein bedeutender englischer Sciencefictionautor der fünfziger Jahre war John Wyndham. Überaus erfolgreich war auch die in den achtziger und neunziger Jahren erschienene fünfbändige Sciencefictionparodie Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams (*1952).

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Amerikanische Sciencefictionliteratur

In den USA wurde Sciencefictionliteratur seit den zwanziger Jahren besonders in serieller Form durch spezielle Magazine verbreitet, in denen sie in Fortsetzungsromanen erschien. Als Beispiele einer affirmativen Trivialliteratur waren sie geprägt vom unbedingten Glauben an den technischen Fortschritt und hatten meist eine feste Leserschaft, die sich häufig in Clubs organisierte. Durch die neue Art der Publikation fanden zahlreiche Motive (Zeitreisen, Begegnungen mit Außerirdischen und anderen, zumeist feindlichen Lebensformen, Roboterphantasien etc.) weite Verbreitung, wobei sich die Autoren zumeist der strukturellen Muster der Kriminal- und Reiseliteratur bedienten. Eine der ersten Zeitschriften dieser Art war die 1926 begründete, ungemein populäre Amazing Stories von Hugo Gernsback (1884-1967). Mit dem stärker literarisch ambitionierten Magazin Astounding Stories erreichte der serielle Sciencefictionroman unter dem Herausgeber John Wood Campbell Jr. (1910-1971) in den vierziger Jahren seine Blütezeit; hier publizierten Autoren wie Isaac Asimov, Arthur C. Clarke, Ray Bradbury, Robert A. Heinlein und Edward E. Smith (1890-1965) ihre ersten Geschichten. In den fünfziger Jahren begann das Taschenbuch das Sciencefictionmagazin zu ersetzen. Ein besonders produktiver Schriftsteller dieser Zeit war Arthur C. Clarke (Die letzte Generation, 1953) dessen Buch 2001: Odyssee im Weltraum (1968) Stanley Kubrick zu seinem gleichnamigen Film inspirierte. Auch der Begründer von Scientology, Lafayette Ron Hubbard (1911-1986), begann als Sciencefictionautor und veröffentlichte sein Hauptwerk Dianetics – The Modern Science of Mental Health (1950; Dianetik: Die moderne Wissenschaft von der geistigen Gesundheit) in einem Sciencefictionmagazin.

Robert A. Heinlein, dem mit Stranger in a Strange Land (1961; Ein Mann in einer fremden Welt) eine Art Kultbuch der sechziger Jahre gelang, verband in seinen Romanen Elemente des Genres häufig mit gesellschaftskritischen Aspekten. Der Biochemiker Isaac Asimov verfasste neben mehreren populärwissenschaftlichen Werken seit Ende der dreißiger Jahre auch wissenschaftlich äußerst fundierte Sciencefictionromane wie Ich, der Roboter (1950) oder die Trilogie Der Tausendjahresplan (1951). Zu den ersten Sciencefictionautoren, denen es gelang, die vorgegebenen Klischees der Gattung zu durchbrechen und besonders ihre literarischen Qualitäten weiterzuentwickeln, gehörte Ray Bradbury. Sein kulturkritischer Roman Fahrenheit 451 (1953) – die Temperatur, bei der Bücher Feuer fangen und verbrennen – entwirft das Horrorszenario einer Zukunft, in der die Freiheit des Denkens bedroht ist; er wurde 1966 von François Truffaut verfilmt. In den sechziger Jahren entwickelte sich innerhalb der amerikanischen Sciencefictionliteratur eine Bewegung mit starken zivilisations- und fortschrittskritischen Tendenzen, durch die neue Themen Eingang in das Genre fanden; dazu gehörten Fragen der Umweltzerstörung oder Wirtschaftskriminalität, aber auch sexuelle Tabuthemen oder feministische Aspekte. In einer „neuen Sciencefiction” stellten die Autoren des New Wave dem ungebremsten Fortschrittsoptimismus ihrer Vorläufer deutlich pessimistische Zukunftsvisionen entgegen und persiflierten Muster des Genres in deutlich parodistischer Absicht. Zu den bekanntesten Autoren dieser Richtung gehören J. G. Ballard (*1930), Thomas Dish (*1940), Philip K. Dick – einer der bedeutendsten amerikanischen Sciencefictionautoren überhaupt – und Ursula K. Le Guin. In Slaughterhouse-Five (1969; Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug), der seine Figuren vom Gefangenenlager auf einen fiktiven Planeten führt, vermischte Kurt Vonnegut Erfahrungen aus der Zeit des 2. Weltkrieges mit Aspekten des Genres. Auch William S. Burroughs widmete sich der Sciencefiction. Mit seinen ausgeprägten, zwischen Machbarkeit und Phantastik streng ausbalancierten Techno-Phantasien wurde Michael Crichton in den achtziger Jahren einem breiten Lesepublikum bekannt.

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