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SciencefictionEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Vorläufer; Englische Sciencefictionliteratur; Amerikanische Sciencefictionliteratur; Anderssprachige Sciencefictionliteratur; Film; Andere Medien
Trotz der unverminderten Dominanz angloamerikanischer Autoren im Bereich der Sciencefictionliteratur gab es auch in anderen Ländern Schriftsteller, die sich am Genre versuchten. In Deutschland waren dies etwa Kurd Laßwitz (Auf zwei Planeten, 1897) oder Paul Scheerbart, der mit seinem Asteroidenroman Lesabéndio 1913 dem Genre ganz eigenständige, komisch-satirische Züge verlieh und sein eigenes, dadaistisch-surrealistisches Credo „Schaff mir neue Welten” einmal mehr unterstrich. 1908 erschien mit Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff erstmals ein deutsches Sciencefictionmagazin. Zwischen den Weltkriegen trat Hans Dominik mit revanchistischen Zukunftsromanen in Erscheinung (Atlantis, 1925; Atomgewicht 500, 1935). Später machten Autoren wie Carl Amery die Gattung bei einem anspruchsvolleren Lesepublikum wieder populär; in trivialisierter Form kann dies seit Anfang der sechziger Jahre auch für die äußerst beliebte und weltweit in einer wöchentlichen Auflage von 700 000 Exemplaren vertriebene Heftchenserie Perry Rhodan gelten, die von Karl Herbert Scheer (1928-1991) und Walter Ernsting (unter dem Pseudonym Clark Dalton) begründet wurde . 1921 schuf Karel Čapek mit dem Wort „Roboter” einen zentralen Begriff des Genres (ähnlich bereicherte der Autor William Gibson die Literatur 1984 in seinem Buch Neuromancer um die Vokabel vom Cyberspace). Einer der bekanntesten Vertreter der zeitgenössischen, nicht englischsprachigen Sciencefictionliteratur ist der polnische Arzt und Schriftsteller Stanislaw Lem, dessen Romane sich durch eine literarisch und philosophisch anspruchsvolle, wissenschaftlich fundierte Darstellung auszeichnen (Der Planet des Todes, 1951). Sein Roman Solaris (1961) wurde von Andrej Tarkowskij erfolgreich und kongenial verfilmt. 1990 avancierte der Sciencefictionroman Chiryoto (Therapiestation) des japanischen Autors Kenzaburō Ōe zum Bestseller. Weitere wichtige Sciencefictionautoren neuerer Zeit sind Lino Aldani (*1926), Wolfgang Jeschke (*1936), Gérard Klein (*1937), Stefan Wul (*1922) und Roger Zelazny (*1937).
Als einer der ersten Sciencefictionfilme gilt Le voyage dans la lune (1902; Die Reise zum Mond) des französischen Regisseurs Georges Méliès, der eines der beliebtesten Themen der frühen Sciencefictionliteratur behandelte. Frühe Stummfilme des Expressionismus mit Sciencefictionthematik, wie Robert Wienes Das Kabinett des Dr. Caligari (1919) oder Fritz Langs Metropolis (1926), gelten mittlerweise als Klassiker ihrer Art. Spätere Beispiele einer eher phantastischen Richtung, die unzählige Fortsetzungen nach sich zogen, waren Filme wie Frankenstein (1931), die ihre Thematik ebenfalls aus literarischen Vorlagen bezogen. Großen Erfolg hatten auch Fernsehserien, die auf der Basis von Comicstrips gedreht wurden und besonders in den dreißiger Jahren im US-Fernsehen zu sehen waren, mit Protagonisten wie Flash Gordon (Verfilmung 1981, Regie Mike Hodges, mit Max von Sydow und Ornella Muti) oder Buck Rogers (Verfilmung 1978), nicht selten ironisch gebrochen. In den dreißiger Jahren entstanden Klassiker der Fantasy-Gattung mit Sciencefictionelementen, darunter King Kong (1933), Der Unsichtbare (1936) oder Was kommen wird, dessen Drehbuch H. G. Wells auf der Basis seines Romans The Shape of Things to Come (1933) verfasste. Seit den fünfziger Jahren gehören Sciencefiction- und Monsterfilme wie Godzilla (1954) zum festen Repertoire des japanischen Films und wurden mit Tarantula (1955) von Jack Arnold auch in den USA popularisiert; noch 1996 persiflierte Tim Burton mit Mars Attacks! unter Mithilfe von Jack Nicholson die amerikanischen Sciencefictionfilme der fünfziger und sechziger Jahre durch abstruse Überzeichnung. Einen skurrilen Höhepunkt stellte zweifellos der Angriff der 20 Meter Frau von 1958 dar (Remake 1994). Auch in den sechziger und siebziger Jahren entstanden zahlreiche Sciencefictionfilme oftmals reißerischen Inhalts, so Blumen des Schreckens (1963) oder Lemmy Caution gegen Alpha 60 (1965). Bedeutendere Beispiele sind Truffauts Fahrenheit 451 (1966, mit Oskar Werner und Julie Christie), Die phantastische Reise (1966), Roger Vadims grellbunte Barbarella (1967, mit Jane Fonda als Hauptfigur), Andromeda (1971) oder Der Mann, der vom Himmel fiel (1976, mit David Bowie). In Planet der Affen (1968) müssen Astronauten, die auf einem vermeintlich fremden Planeten mit Affenherrschaft notgelandet sind, erkennen, dass sie sich nach einer Zeitreise auf der Erde nach der Zerstörung der Zivilisation durch die Menschen befinden. Ebenso wie in Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977) von Steven Spielberg spielte bereits hier die Trick- und Maskentechnik eine besondere Rolle und wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Einer der herausragenden Filme des Genres ist Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum (1968), einer der innovativsten Sciencefictionfilme, der eine eigene, oft kopierte Filmästhetik schuf und seine meditativen Einstellungen u. a. mit der Musik von Richard Strauss untermalte. Eine wenig überzeugende Fortsetzung fand der Film in 2010 (1984). Der kommerzielle Erfolg von Odyssee im Weltraum wurde von späteren, mit größtem technischen Aufwand verwirklichten Projekten übertroffen, darunter Der Krieg der Sterne mit Harrison Ford (1977, von George Lucas, mit mehreren Fortsetzungen und einer Neufassung der Reihe 1997 und einer 1999 begonnenen neuen Kinostaffel) oder E. T. – Der Außerirdische (1982). 1973 erschien mit 2022...die überleben wollen einer der ersten ökologischen Thriller. Drei Jahre später schilderte Flucht ins 23. Jahrhundert (Regie Michael Andersin; mit Michael York, Jenny Agutter und Peter Ustinov) zwei Protagonisten, die aus einer dem Jugendwahn verfallenen Gesellschaft im Untergrund an die Erdoberfläche stoßen, um die dort zerfallene Zivilisation neu zu begründen. 1976 kam auch Richard T. Heffrons Vision eines computergesteuerten Freizeitparks Futureworld – Das Land von übermorgen (nach Michael Crichton; mit Peter Fonda und Yul Brynner) in die Kinos. Nach einem Drehbuch von Otto Jägersberg und Roland Topor verfilmte Peter Fleischmann 1979 Die Hamburger Krankheit und schuf damit einen der wenigen deutschen Sciencefictionfilme der Zeit. Interessante Sciencefictionregisseure der achtziger Jahre sind John Carpenter (Die Klapperschlange, 1981) und David Lynch (Der Wüstenplanet, 1984). Robert Zemecki variierte mit Zurück in die Zukunft (1985, mit Michael J. Fox und Christopher Lloyd) das Motiv der Zeitreise. Technisch-naturwissenschaftliche Komponenten enthielt auch David Cronenbergs Remake Die Fliege (1986) des gleichnamigen Horrorklassikers von 1958. 1982 kam unter der Regie Ridley Scotts der Film Blade Runner nach Motiven von Philip K. Dicks Erzählung Do Androids Dream of Electric Sheep? mit Harrison Ford, Rudger Hauer und Daryl Hannah in die Kinos. (Scott hatte bereits 1979 mit Alien – Das unheimliche Wesen aus der fremden Welt einen vor allem auch wegen seiner atmosphärischen Dichte viel beachteten Beitrag zum Genre abgeliefert, der Sigourney Weaver zum Durchbruch verhalf und zahlreiche Nachfolgefilme nach sich zog; von der Filmästhetik Aliens zehrte noch James Camerons aus dem Weltraum in die Meerestiefe verlagerter Film Abyss von 1989.) In der gewaltigen Kulisse einer Megalopole des Jahres 2019 angesiedelt, schildert Blade Runner die Jagd des Spezialdetektivs Rick Deckard nach vier gentechnologisch hergestellten künstlichen Menschen (Replikanten), die im Verlauf immer menschlichere Züge annehmen, und setzte durch sein düster-bedrohliches Szenario neue Maßstäbe für das Genre. Auf den Berliner Filmfestspielen wurde 1993 erstmals ein so genannter Director’s Cut gezeigt, eine vom Regisseur authorisierte Fassung, die ohne Off-Stimme auskommt und die Fabel durch einen offenen Schluss (es wird nahe gelegt, dass es sich auch bei Deckard um einen Replikanten handeln könnte) nicht eindeutig optimistisch ausklingen läßt. 1995 veröffentlichte der seit 1972 mit Dick befreundete K. W. Jeter mit dem Roman Blade Runner II eine Fortsetzung des Filmstoffs, der Momente der Scott’schen Kinoproduktion im Rahmen einer groß angelegten Verschwörungstheorie umdeutet, und illustrierte so, dass auch Sciencefictionliteratur vom Film beeinflusst werden kann. Ein weiterer Film, der sich oberflächlich an Motiven von Dicks Erzählung We Can Remember it for You Wholesale über den Kampf eines Protagonisten mit synthetisch veränderter Identität gegen eine totalitäre Zukunftsregierung orientierte, war Die totale Erinnerung – Total Recall (1990) von Paul Verhoeven mit Arnold Schwarzenegger. 1984 legte Terry Gilliam mit Brazil (mit Robert de Niro und Bob Hoskins) eine düster-komische Variante von Orwells Überwachungsszenerie vor; am Buch schrieb u. a. Tom Stoppard mit. 1989 kam mit Die Geschichte der Dienerin ein Sciencefictionfilm Volker Schlöndorffs in die Kinos. In den neunziger Jahren entstanden u. a. Twelve Monkeys (1995) von Terry Gilliam und Das fünfte Element (1997) von Luc Besson, beide mit Bruce Willis in der Hauptrolle, sowie Men in Black (1997).
Als bemerkenswertestes Hörspiel des Genres gilt bis heute die 1938 gesendete Rundfunkfassung von H. G. Wells’ The War of the Worlds (Der Kampf der Welten), die der Schauspieler und Regisseur Orson Welles produzierte; beklemmend realistisch suggerierte es eine Invasion vom Mars und löste Panikreaktionen bei vielen Zuhörern aus. Seit den fünfziger Jahren sind Sciencefiction-Fernsehserien wie Captain Video oder Tom Corbett, Space Cadet, aber auch Adaptionen von Superman und anderen Comicstrip-Geschichten beliebter Bestandteil US-amerikanischer (und inzwischen auch deutscher) Fernsehprogramme. Doch erst mit der Star-Trek-Reihe, die in Deutschland unter dem Titel Raumschiff Enterprise (erste Staffel 1966-1969) zu sehen war und inzwischen in Enterprise (2001-2005) ihre fünfte Fortsetzung fand, erreichte die Sciencefictionbegeisterung ihren Höhepunkt. (William Shatner spielte den Captain Kirk, Leonard Nimoy den Vulkanier Spock; DeForest Kelley verkörperte den Dr. McCoy, George Takei den Sulu.) Noch immer treffen sich Anhänger („Treckies”) in zahlreichen Fanclubs und auf Veranstaltungen, um ihren Fernsehidolen zu huldigen. Verfilmt wurde die Serie nach Star Trek – Der Film (1979) in zahlreichen weiteren Kinoproduktionen. Die deutsche Serie Raumpatrouille Orion (1966, mit Dietmar Schönherr, Eva Pflug, Wolfgang Völz u. a.), die seit Ende der sechziger Jahre über einen langen Zeitraum mit großem Erfolg lief, erlangte wegen ihrer unfreiwilligen Komik und den dilettantischen Spezialeffekten in den neunziger Jahren Kultstatus.
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