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SchwedenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Amtssprache ist Schwedisch, eine nordgermanische Sprache, die sich im 10. Jahrhundert als eigenständige Sprache herausbildete und mit Dänisch, Norwegisch und Isländisch verwandt ist. Die Samen sprechen Samisch, das zu den finnougrischen Sprachen gehört. Die finnische Minderheit spricht Finnisch.
Fast 95 Prozent der schwedischen Bevölkerung bekennen sich zur evangelisch-lutherischen Kirche. Weitere protestantische Konfessionen sind die Baptisten und die Methodisten. Eine kleine Anzahl der Bevölkerung gehört der römisch-katholischen Kirche, dem Islam und dem Judentum an.
In Schweden gelten die meisten auch in Deutschland üblichen christlichen Feiertage, allerdings mit teilweise eigenen Gebräuchen. Die Walpurgisnacht (30. April) geht auf die Wikingerzeit zurück, als bei diesem Fest die Wiederkehr des Frühlings gefeiert wurde. Schwedens größtes Fest, Midsommar (Mitsommer) wird an einem Wochenende Ende Juni gefeiert. Weil die Sonne nördlich des Polarkreises um den 21. Juni herum nicht untergeht, heißt dieser Tag „Der Tag, der niemals endet”. Ein weiterer schwedischer Feiertag ist Lucia am 13. Dezember. An diesem Tag zieht das älteste Mädchen der Familie ein weißes Kleid an und trägt eine purpurrote Schärpe und eine Kerzenkrone. Sie ist dann Santa Lucia, eine Heilige, die mit dem Licht und dem Sehen in Verbindung gebracht wird. Lucia ist der Beginn von Jul (Weihnachten). Der Weihnachtsbaum wird ein paar Tage vor Weihnachten im Haus aufgestellt und erst am Tag des heiligen Knut am 13. Januar wieder entfernt. An diesem Tag wird der Baum, der seinen Zweck nun erfüllt hat, aus einem Fenster geworfen.
Schweden hat ein besonders gut ausgebautes Sozialsystem. Alle Bürger erhalten Renten sowie finanzielle Unterstützung bei Arbeitsunfähigkeit. Auch das Gesundheitswesen ist sehr gut entwickelt. Die Arbeitslosenversicherung wird von den Gewerkschaften verwaltet und von der Regierung weitgehend unterstützt. Andere Sozialleistungen sind Erziehungshilfe für Kinder, finanzielle Unterstützung für neu verheiratete Paare, Mutterschaftshilfe, kostenloser Urlaub für Mütter und Kinder gering verdienender Familien sowie von der Regierung geförderte Sozialwohnungen. Die Kosten für diese Sozialleistungen werden durch sehr hohe Steuern finanziert. Nach der Rezession in den frühen neunziger Jahren führte die Regierung Kürzungen bei Höhe und Umfang der Sozialleistungen durch. Die Emanzipation der Frau ist in der schwedischen Gesellschaft weit gediehen, was sich u. a. in der relativ großen Zahl berufstätiger, erziehender Mütter und in der hohen Frauenquote bei der Besetzung politischer Ämter niederschlägt. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,5 Prozent (2004). 328 Einwohner kommen auf einen Arzt (2004). Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 3 Sterbefällen pro 1 000 Lebendgeburten (2008).
Die Institutionalisierung der höheren Bildung geht auf das späte 15. Jahrhundert zurück, als 1477 die erste schwedische Universität in Uppsala gegründet wurde. Andere international renommierte schwedische Universitäten entstanden in Lund (gegründet 1666), Stockholm (gegründet 1877) und Göteborg (gegründet 1891). Darüber hinaus gibt es die Technische Hochschule (gegründet 1827), die Handelshochschule (gegründet 1909) und die Medizinische Hochschule, das Karolinska Medikokirurgiska Institutet (gegründet 1810). Schweden hat insgesamt mehr als 30 Einrichtungen der höheren Bildung, an denen mehr als 340 000 Studenten eingeschrieben sind. Mit der Hochschulreform von 1977 wurde das Bildungssystem stärker vereinheitlicht. Es gibt ein umfangreiches Angebot für die Erwachsenenbildung, wobei jedem Berufstätigen gesetzlich fünf Tage Bildungsurlaub zustehen, vertraglich oftmals sogar noch mehr. Neben Abendgymnasien und elf zum Teil politisch oder kirchlich angebundenen Bildungsstätten bieten in Schweden etwa 130 Volkshochschulen ihre Programme an. Seit 1842 ist der Unterricht in Schweden gebührenfrei; auch Lehr- und Lernmittel werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Die allgemeine Schulpflicht beträgt 10 Jahre (2001–2002). Mit den Gesetzen von 1950 und 1962 wurden in allen Teilen Schwedens grundlegende Änderungen im Bildungssystem durchgeführt. Das Schulsystem basiert auf einem Gesamtschulkonzept (Gymnasialschule) mit eingeschlossener Berufsausbildung und ist in eine Unter-, Mittel- und Oberstufe unterteilt, wobei die Primarstufe die Klassen eins bis sechs umfasst (Mittelstufe Klasse sieben bis neun, Oberstufe Klasse zehn bis zwölf; bei technischem Schwerpunkt wird eine 13. Klasse angeschlossen). In der Primarstufe wird bereits Englisch unterrichtet; ausländische Kinder müssen auf Wunsch in ihrer Heimatsprache unterrichtet werden. Innerhalb der Gymnasialschule stehen sechs Studiengebiete und 28 Studiengänge zur Verfügung. Der Alphabetisierungsgrad Schwedens liegt bei 99 Prozent (1995). Besondere Bedeutung für die internationale Forschungs- und Kulturförderung kommt dem schwedischen Chemiker, Ingenieur und Industriellen Alfred Nobel zu, dem Stifter der Nobelpreise. Vier der fünf Auszeichnungen, die seinen Namen tragen und deren Finanzierung durch die Nobelstiftung erfolgt, werden von schwedischen Institutionen vergeben. Die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften verleiht die Nobelpreise für Physik und Chemie, das Karolinska Medikokirurgiska Institutet den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin und die Schwedische Akademie den Nobelpreis für Literatur; der Friedensnobelpreis wird von einem Ausschuss des norwegischen Parlaments vergeben. 1968 stiftete die Schwedische Reichsbank einen sechsten Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, der ebenfalls von der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften verliehen wird.
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