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Positivismus, philosophische Strömung, die Erkenntnis ausschließlich aus Erfahrung und empirischem Wissen über Naturphänomene ableitet, Metaphysik und Theologie hingegen als zur Erkenntnisgewinnung unangemessen betrachtet.
Der Begriff Positivismus findet sich zuerst im 19. Jahrhundert in den Schriften des französischen Mathematikers und Philosophen Auguste Comte. Ein Teil der positivistischen Lehren geht jedoch auf den britischen Philosophen David Hume, den Franzosen Saint-Simon sowie auf Immanuel Kant zurück. Comte wählte die Bezeichnung Positivismus, weil sie auf die „Realität” und die „konstruktive Tendenz” verwies, die er als theoretische Basis seiner Doktrin annahm. Er interessierte sich in erster Linie für die Neustrukturierung des sozialen Lebens sowie für die Gewinne, welche die Menschheit aus naturwissenschaftlicher Erkenntnis ziehen könnte und damit für eine Kontrolle über die Kräfte der Natur. Die beiden Hauptkomponenten des Positivismus, die Philosophie und das Gemeinwesen oder Programm des individuellen und kollektiven Verhaltens, verband Comte späterhin zu einem Gesamtkonzept, der allgemeinen Menschheitsreligion. Diese erhebt die Menschheit selbst zum höchsten Gegenstand. Viele Schüler Comtes weigerten sich indes, diesen Weg mitzugehen, da sie dem ursprünglichen Ansatz des Positivismus diametral widersprach. Die britischen Sozialphilosophen John Stuart Mill und Herbert Spencer sowie der österreichische Denker und Physiker Ernst Mach arbeiteten die Lehren des Franzosen weiter aus und ergänzten sie durch eigene Erwägungen.
Im frühen 20. Jahrhundert fand sich in Wien eine Gruppe von Philosophen zusammen, die sich mit den Entwicklungen der modernen Wissenschaft auseinandersetzten. Sie verwarfen die traditionellen positivistischen Ideen, die persönliche Erfahrung als einzige Grundlage wahrer Erkenntnis ansahen. Stattdessen betonten sie die Bedeutung der Überprüfbarkeit. Die Vertreter dieser Position, darunter der Österreicher Ludwig Wittgenstein sowie die britischen Philosophen Bertrand Russell und G. E. Moore, machten sich als logische Positivisten einen Namen. Eine besondere Rolle spielte in diesem Zusammenhang Wittgensteins Tractatus Logico-philosophicus (1921), der metaphysische Lehren für bedeutungslos erachtete und den Empirismus zur logischen Notwendigkeit erklärte. Die heutigen Positivisten haben die Wiener Schule hinter sich gelassen und bezeichnen sich selbst als logische Empiristen, um sich gegen die einseitige Akzentuierung wissenschaftlicher Überprüfbarkeit ihrer Vorgänger abzugrenzen. Im Zuge ihrer Erwägungen gelangten sie vielmehr zu dem Schluss, dass sich das Prinzip der Verifikation selbst nicht philosophisch überprüfen lässt.
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