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Artikelgliederung
Einleitung; Atemstillstand; Herz-Lungen-Wiederbelebung; Starke Blutungen; Vergiftungen; Verbrennungen; Hitzschlag und Sonnenstich; Ohnmacht und Koma; Verstauchungen und Knochenbrüche; Tierbisse
Erste Hilfe, Notfallversorgung für plötzlich erkrankte oder verletze Personen bis zum Eintreffen fachkundiger Hilfe. Erste Hilfe verfolgt das Ziel, eine weitere Verschlechterung des Zustands der betroffenen Person zu verhindern sowie deren Schmerzen und Angst zu lindern. Im Extremfall leitet erste Hilfe lebensrettende Maßnahmen ein, bevor medizinisches Fachpersonal zur Stelle ist. Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen durchgeführt werden, hängt von dem jeweiligen Fall und von den Kenntnissen und Fähigkeiten der Helfer ab. Ebenso wichtig wie die Kenntnis der erforderlichen Maßnahmen ist aber auch das Wissen darüber, was man zu unterlassen hat: Falsch angewandte erste Hilfe kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Bei einem akut durchgebrochenen Blinddarm (siehe Blinddarmentzündung) stellen z. B. schon ein leichtes Abführmittel oder Wärme zur Schmerzlinderung eine Gefahr für das Leben des Patienten dar. Um das richtige Verhalten in Notsituationen zu erlernen, ist die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs unerlässlich. Trotz der Vielfalt möglicher Verletzungen gelten für alle Erste-Hilfe-Maßnahmen einige Grundregeln. Wichtig ist, Ruhe zu bewahren und Hektik zu vermeiden. Bei Verkehrsunfällen ist als Erstes die Unfallstelle mit einem Warndreieck zu sichern, und zwar je nachdem, ob sich der Unfallort innerhalb oder außerhalb einer Ortschaft oder auf einer Autobahn befindet, etwa 50, 100 oder 200 Meter vor der Unfallstelle. So schnell wie möglich sollte dann der Rettungsdienst alarmiert werden (in Deutschland unter der Rufnummer 112 oder durch Betätigen der nächstgelegenen Notrufsäule). Bewusstlose Personen können mit Hilfe des so genannten Rautekgriffs geborgen werden. Dazu zieht man einen Arm des Verletzten quer vor dessen Brust, greift von hinten unter seinen Achseln hindurch, umfasst den Arm von oben und zieht den Verletzten rückwärtsgehend aus dem Fahrzeug. Bewusstlose, deren Atmung nicht beeinträchtigt ist, werden in die stabile Seitenlage gebracht; Flüssigkeiten darf man einer bewusstlosen Person unter keinen Umständen einflößen. Ist die betroffene Person bei Bewusstsein, sollte man versuchen, sie zu beruhigen, und ihr versichern, dass ärztliche Hilfe unterwegs ist. Bei lebensbedrohlichen Störungen, insbesondere bei Atemstillstand, schweren Blutungen und Vergiftungen, ist sofortiges Handeln unerlässlich. Bei allen schweren Verletzungen muss man einem Schock vorbeugen. Bei einem Schock laufen viele Körperfunktionen nicht mehr ordnungsgemäß ab, etwa wenn wegen einer Verletzung nicht mehr genügend Blut durch den Körper kreist. Symptome des Schocks sind blasse, feuchte Haut, bläuliche Lippen, schwacher, schneller Puls, flache Atmung und Übelkeit. Nicht immer zeigen sich diese Krankheitszeichen sofort; der Schock kann auch noch mehrere Stunden nach einer Verletzung eintreten. Um dieser schwerwiegenden und unter Umständen tödlichen Komplikation vorzubeugen, werden die Beine des Verunglückten hoch gelagert. Zudem sollte man die betroffene Person mit Mänteln oder Decken warm halten (sie aber nicht überhitzen) und beruhigend auf sie einwirken. Notfälle, die erste Hilfe erfordern, sind z. B. starke Blutungen, Vergiftungen, Verbrennungen, Hitzschlag, Verstauchungen, Knochenbrüche, Tierbisse, Ohnmacht und Koma, Unfälle mit anschließendem Atemstillstand und Herzstillstand.
Beim Atemstillstand gelangt keine Luft in die Lunge, so dass das Blut nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird. Ursachen eines Atemstillstands können u. a. sein: Ertrinken, Gasvergiftungen, Betäubungsmittelüberdosen, elektrischer Schlag, Verschlucken und Strangulierung. Herzstillstand tritt nach dem Aussetzen der Atmung nicht sofort ein, aber um zu verhindern, dass durch den Sauerstoffmangel ein irreparabler Gehirnschaden entsteht, muss sofort mit der Atemspende begonnen werden. Ohne Beatmung sterben die meisten Menschen etwa vier bis sechs Minuten, nachdem die Atmung zum Stillstand gekommen ist. Um einen Atemstillstand festzustellen, senkt man sein Ohr über Mund und Nase des Betroffenen und blickt dabei auf den Brustkorb. So kann man etwaige Atemgeräusche hören und Atembewegungen an der Hebung und Senkung des Brustkorbs sehen. Für die Atemspende gibt es unterschiedliche Methoden. Am leichtesten praktikabel ist die Mund-zu-Mund-Methode, bei der der Helfer energisch Luft in die Lunge des Betroffenen bläst. Zuvor müssen gegebenenfalls Fremdkörper aus dem Mund und Rachen der verletzten Person entfernt werden. Dann wird der Kopf der betroffenen Person nach hinten gebeugt, indem mit einer Hand das Kinn nach oben und gleichzeitig die Stirn mit der anderen nach unten gedrückt wird. Die Nasenöffnungen werde mit zwei Fingern verschlossen, damit dort keine Luft austritt. Jetzt holt der Helfer tief Luft, legt seinen Mund auf den des Verletzten und atmet kräftig aus. Dabei sollte ein Heben des Brustkorbes zu sehen sein. Anschließend hebt der Helfer seinen Mund ab und kontrolliert, ob der Verletzte ausatmet. Das Ganze wiederholt man bei Erwachsenen etwa zwölfmal und bei Kindern 20-mal in der Minute, wobei man bei Kindern den Druck und die Luftmenge geringer hält. Sind die Luftwege nicht frei, überprüft man nochmals die Stellung des Kopfes. Gelingt die Beatmung dennoch nicht, legt man die verletzte Person auf die Seite und schlägt kräftig zwischen die Schulterblätter, um Fremdkörper zu lösen. Anschließend versucht man die Mund-zu-Mund-Beatmung erneut. Wenn nötig, wendet man den Heimlich-Handgriff an, um die blockierten Luftwege frei zu machen. Der Heimlich-Handgriff ist nach seinem Erfinder, dem US-amerikanischen Arzt Henry Jay Heimlich, benannt. Bei dieser Methode übt man plötzlich Druck auf den Bauch der betroffenen Person aus und versucht so, den Fremdkörper aus der Luftröhre herauszutreiben. Um den Heimlich-Handgriff anzuwenden, stellt man sich hinter den Patienten und legt ihm die Arme um den Bauch. Die eine zur Faust geballte Hand legt man unmittelbar über den Nabel und unter den Brustkorb, und zwar so, dass der Daumen zum Körper weist. Mit der anderen Hand hält man die Faust fest, um den Druck zu verstärken. Nun drückt man sehr plötzlich mit einer nach oben gerichteten Bewegung gegen den Bauch, so dass Luft aus der Lunge gepresst und der Fremdkörper herausgetrieben wird. Ist die betroffene Person so groß, dass man den Handgriff im Stehen nicht anwenden kann, versucht man es, wenn der Patient auf dem Rücken liegt, wobei man mit dem Handballen statt mit der Faust die gleiche Druckbewegung ausführt. Übt man Druck auf den Brustkorb aus, können – ebenso wie bei einer Herzmassage – Rippen brechen, insbesondere bei Kindern und älteren Menschen. Dies ist jedoch in einer akut lebensbedrohlichen Situation ohne Bedeutung. Eine einmal begonnene Atemspende darf man nicht unterbrechen, bis die verletzte Person wieder selbständig atmet oder bis ärztliches Fachpersonal zur Stelle ist. Atmet der Patient wieder ohne fremde Hilfe, sollte man ihn nicht bewegen. Manchmal ist die Atemspende auch bei anomaler Atmung erforderlich. Bei Ertrunkenen sollte man sie auch dann versuchen, wenn das Opfer scheinbar schon seit mehreren Minuten tot ist. Erste-Hilfe-Maßnahmen waren in manchen Fällen selbst bei Menschen erfolgreich, die bis zu 30 Minuten unter Wasser lagen und deren Haut bereits blau verfärbt war.
Lässt sich kein Puls tasten, muss von einem Herzstillstand ausgegangen werden. Die Notfallmaßnahmen zur Wiederherstellung der Herztätigkeit nach einem Herzstillstand (etwa in Folge eines Herzinfarkts) bestehen in äußerer Herzmassage – in Kombination mit den beschriebenen Methoden der Atemspende –, um den Blutkreislauf aufrechtzuerhalten. Für eine Herzmassage legt man den Patienten in Rückenlage auf eine harte Unterlage und entfernt gegebenenfalls Fremdkörper aus den Luftwegen. Der Helfer kniet sich neben den Patienten und legt die Hände übereinander auf dessen Brustbein. Der richtige Druckpunkt liegt im oberen Bereich des unteren Brustbeindrittels. Um ihn zu finden, orientiert man sich an der Brustbeinspitze, die man ertastet, indem man mit den Fingern am unteren Rippenbogen in Richtung Körpermitte entlangfährt. Wird bei der Herzmassage an anderer Stelle Druck ausgeübt, ist die Herzmassage weniger effektiv, bedeutet jedoch keine zusätzliche Gefahr für den Betroffenen. Das Brustbein wird um etwa vier Zentimeter heruntergedrückt, damit Blut aus dem Herzen durch die Arterien fließt. Der Druck wird mit gestreckten Armen in kurzen, rhythmischen Stößen in Abständen von etwa einer Sekunde ausgeübt. Wenn man den Druck löst, strömt wieder Blut in das Herz. Nach jeweils 30 Stößen wird zweimal eine Atemspende gegeben. Die Herzmassage hat gegenüber der Atemspende zumeist Priorität, weil bei einem Kreislaufstillstand zunächst in der Regel noch genug Sauerstoff in Lunge und Blut vorhanden ist und zu den Organen transportiert werden kann. Dies trifft jedoch nicht zu, wenn der Kreislaufstillstand etwa durch einen Erstickungsanfall oder durch Ertrinken verursacht wurde; in diesen Fällen muss sofort mit der Beatmung begonnen werden. Auch wenn keine Lebenszeichen zu bemerken sind, sollten die Maßnahmen so lange fortgesetzt werden, bis fachkundige Hilfe zur Stelle ist.
Spritzendes oder in Stößen austretendes Blut ist ein untrügliches Zeichen für eine arterielle Blutung und damit für höchste Gefahr. Dagegen weist die Tatsache, dass viele Körperteile eines Verletzten mit Blut bedeckt sind, nicht unbedingt auf eine schwere Blutung hin; das Blut kann auch aus vielen kleinen Wunden sickern, oder es wurde verschmiert, so dass der Eindruck von starkem Blutverlust entsteht. Wie schnell durch eine Wunde Blut verloren geht, hängt von der Größe und Art der geschädigten Blutgefäße ab. Verletzungen von Arterien erkennt man an hellrotem Blut, das hervorspritzt – im Gegensatz zu dem herausquellenden, dunkelroten Blut der Venen. Bei einer größeren Schlagaderverletzung kann der Verletzte innerhalb einer Minute verbluten. Bei Verletzungen von Venen und kleineren Arterien ist der Zeitdruck nicht ganz so groß, aber unversorgt können sie ebenfalls tödlich sein. Eine gefährliche Folge starker Blutungen ist der Schock, dem man entgegenwirken muss, sobald die Blutung unter Kontrolle ist. Wie man eine Blutung zum Stillstand bringt, hängt von der Größe der Wunde und dem zur Verfügung stehenden Verbandsmaterial ab. Die beste Methode besteht darin, dass man Druck auf die Wunde ausübt und den betroffenen Körperteil möglichst hoch lagert. Am wirksamsten ist dieses Vorgehen bei Verletzungen mittelgroßer Blutgefäße. Wenn möglich, drückt man ein steriles Verbandspäckchen oder ein sauberes Tuch mit Binden unmittelbar auf die Wunde. Blutet der Verband durch, entfernt man ihn nicht, sondern legt eine weitere Schicht darüber. Wenn kein Verbandsmaterial zur Hand ist oder wenn die verletzte Person durch eine Verletzung der Gliedmaßen schnell Blut verliert, kann man an bestimmten Druckpunkten den Blutfluss der Arterien unterbrechen, die zu diesem Bereich führen. An den Druckpunkten liegen die Arterien so dicht unter der Haut, dass man sie gegen den dahinter liegenden Knochen pressen kann. An der Armschlagader liegt der wichtigste Druckpunkt ungefähr in der Mitte zwischen Ellenbogen und Achselhöhle auf der Arminnenseite. Um eine starke Blutung an der Hand oder am Unterarm zu stillen, greift man den Oberarm so, dass der Daumen auf der Außenseite und die übrigen Finger innen über dem Druckpunkt liegen. Der Druckpunkt der Beinschlagader liegt auf der Vorderseite des Beines in der Leistenbeuge. Wenn man mit dem Handballen kräftig auf diese Stelle drückt, kommt die Blutung aus einer Beinverletzung zum Stillstand. Den Blutfluss zum Gesicht kann man hemmen, indem man etwa zwei Zentimeter vor dem hinteren Kieferwinkel mit der Seite des Zeigefingers oder der Hand von unten gegen den Unterkiefer drückt. Blutungen am Kopf über den Augen lassen sich durch Druck auf eine Stelle direkt vor dem Ohr eindämmen.
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