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Artikelgliederung
Einleitung; Theoretische Grundlagen; Behandlungsformen; Studien zur Wirksamkeit; Verwandte Verfahren
Akupunktur (lateinisch acus: Nadel; pungere: stechen), Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin, bei dem Nadeln in die Haut gesetzt werden, um Organsysteme anzuregen oder zu beruhigen. Akupunktur ist heute außer im Fernen Osten auch in der westlichen Welt die am häufigsten zur Behandlung zahlreicher Krankheiten und zur Schmerztherapie eingesetzte Methode der alternativen Medizin. Akupunktur hat eine sehr lange Tradition: In China wurden 4 000 Jahre alte Akupunkturnadeln gefunden. Die Nadeln fertigte man anfangs aus Stein und später aus Bronze, Gold oder Silber; heute bestehen Akupunkturnadeln überwiegend aus Stahl.
Der Akupunkturtheorie zufolge gibt es 361 Hauptakupunkturpunkte, in welche die Nadeln vorrangig gestochen werden. Sie liegen auf so genannten Meridianen (Linien); diese sind der Theorie zufolge mit inneren Organen verbunden (Meridian des Magens, der Leber usw.) und erstrecken sich vom Kopf über den Rumpf bis in die Gliedmaßen. In ihnen, so die Vorstellung der chinesischen Philosophie, fließt die Lebensenergie Qi, die aus den Urkräften Yin und Yang entsteht. Wird der Energiefluss behindert oder unterbrochen, entwickeln sich Krankheiten. Durch das Einstechen und Drehen der Nadeln soll der gesunde Energiestrom wiederhergestellt werden.
Eine Akupunkturbehandlung wird meist am liegenden Patienten durchgeführt und dauert etwa 20 Minuten. Verwendet werden Einmalnadeln oder sterilisierte Akupunkturnadeln. Die Nadeln werden etwa zwei bis zehn Millimeter tief in die Haut gestochen, der Patient spürt den Einstich kaum. Um die Wirkung zu erhöhen, werden die Nadeln in manchen Fällen nach dem Einstich gedreht oder es wird eine schwache elektrische Spannung an die Nadeln angelegt. Anstelle von Nadeln wird gelegentlich ein speziell für die Akupunktur entwickelter Laser verwendet.
Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur sind nicht einheitlich. So konnten die Ergebnisse einer Untersuchung zur Wirkung von Akupunktur bei Spannungskopfschmerz und Migräne statistisch nicht gesichert werden: Bei Patienten, die unter Nackenschmerzen litten, erwies sich eine vorgetäuschte Laserbehandlung (deren Wirkung auf einem Placeboeffekt beruhte) als ebenso wirksam wie eine Akupunkturbehandlung (British Medical Journal, 2001). Andererseits zeigten Hirnstrommessungen während Akupunkturbehandlungen unter Anästhesie (um einen psychologischen Effekt auszuschließen) eindeutige physiologische Auswirkungen der Akupunktur auf Schmerzreaktionen. Danach hat Akupunktur eine zwar relativ schwache, aber objektiv messbare schmerzlindernde Wirkung (Anesthesia & Analgesia, 2004). Einer groß angelegten, in Deutschland durchgeführten Akupunkturstudie zufolge linderten in der Haut platzierte Nadeln Rückenschmerzen sowie Schmerzen und Funktionseinschränkungen bei Kniearthrose. Der therapeutische Effekt trat jedoch auch ein, wenn die Nadeln nur oberflächlich (minimal-invasiv) und nicht auf den Meridianen platziert wurden (Annals of Internal Medicine, 2006). Wie Akupunktur im Einzelnen wirkt, ist nicht geklärt. Placeboeffekte, die etwa auf der Erwartung des Patienten basieren, dass ihm geholfen wird, könnten dabei eine Rolle spielen. Nachdem man 1975 die Enkephaline und Endorphine (natürliche Schmerzhemmer im menschlichen Körper) entdeckt hatte, äußerten Neurophysiologen die Vermutung, das Einstechen der Nadeln könne die Ausschüttung einer oder mehrerer derartiger Substanzen auslösen, die den Weg der Schmerzsignale im Rückenmark blockieren und so den Schmerz ausschalten. Diese Vermutung deckt sich mit der Beobachtung, dass die schmerzlindernde Wirkung der Akupunktur zumindest teilweise durch Naloxon aufgehoben wird, ein Medikament, das dem Morphium (siehe Opium) und ähnlichen Verbindungen (zu denen auch die Endorphine gehören) entgegenwirkt.
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