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    Dieser Artikel erläutert die allgemeine Bedeutung von Fundamentalismus, die philosophische erkenntnistheoretische Position wird unter Erkenntnistheoretischer Fundamentalismus ...

  • Fundamentalismus

    Stichwort Fundamentalismus ... Fundamentalismus. Fundamentalismus ist die Bezeichnung für das Beharren auf festen politischen und vor allem religiösen Grundsätzen, i.d.R. auf ...

  • Literatur religiöser Fundamentalismus

    Übersicht. 0. Religiöser Fundamentalismus allgemein 1. Fundamentalismus und Judentum 2. Fundamentalismus und Christentum 2. Fundamentalismus und Islam

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Fundamentalismus

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Fundamentalismus, Haltung von Gruppen innerhalb einer Religion oder politischen Bewegung, die vorgeben, sich auf die eigenen traditionellen Grundlagen (Fundamente) zu berufen und diese kompromisslos zu vertreten.

Fundamentalismus ist damit ein übersteigerter Traditionalismus, der versucht, die eigenen, althergebrachten Werte zu bewahren und ihnen absolute Geltung zu verschaffen. Dabei ist, was er unter Tradition versteht, häufig konstruiert. Mit dieser Haltung reagieren Fundamentalisten auf das starke Eindringen moderner – zumeist westlicher – kultureller Einflüsse. Sie lehnen nicht die technologische Modernisierung, sondern die damit einhergehende Veränderung des Kulturmilieus und der Wertvorstellungen ab. Ursprünglich religiöse Normen werden als politische Forderungen geltend gemacht. Damit einher geht ein ethischer Rigorismus, die Aufforderung an alle Anhänger, sich strikt an die definierten Moralvorstellungen der jeweiligen Bewegung oder Religion zu halten. Eines der wichtigsten Ziele des religiösen Fundamentalismus ist die Aufhebung der Trennung von Kirche und Staat.

Charakteristisch für fundamentalistische Lehren ist, dass sie mit der Tradition selektiv verfahren: Aus einem historischen Bestand an Ideen werden einige entlehnt und zu unumstößlichen Grundlagen ihres Ideensystems erklärt. Darüber hinaus ist das Verhältnis des Fundamentalismus zur Geschichte projektiv: Normen und Ideale werden in die Vergangenheit hinein projiziert. Der historische Hindustaat oder der islamische Gottesstaat, auf die man sich dabei beispielsweise beruft, haben so niemals existiert, beide sind moderne Konstruktionen.

Der Ideengehalt historischer Religionsschriften wird auf wenige Ideen reduziert. Dies bietet den Anhängern einen einfachen Orientierungsrahmen, der etwa mit Metaphern von Gut und Böse, göttlich und satanisch, rein und unrein oder Licht und Dunkel die Welt polarisiert. Mitglieder fundamentalistischer Gruppen grenzen sich persönlich zumeist deutlich von der Außenwelt ab. Sie verstehen sich als die „Erwählten”, die „Berufenen”, die „wahrhaft Gläubigen”, denen die Wahrheit einer Offenbarung zuteilwurde. Und sie sehen es als ihre Aufgabe an, diese Offenbarung zu verkünden und zu verwirklichen.

Fundamentalismus war ursprünglich ein Begriff zur Selbstbezeichnung einer Strömung innerhalb des amerikanischen Protestantismus, die Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Er wurde seit dem Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der „islamischen Revolution” im Iran auf verschiedene Strömungen innerhalb des Islam angewendet. In den achtziger Jahren wurde er zur Bezeichnung („Fundis”, „Fundamentalisten”) für eine politische Strömung innerhalb der Grünen Partei in der Bundesrepublik Deutschland, die von gewissen Grundsätzen nicht abrücken wollte und sich damit innerparteilich von den „Realos”, einer kompromissbereiten Fraktion, absetzte. Nachdem 1992 militante Hindus die Moschee in Ayodhya zerstört hatten, wurde der Begriff auch verstärkt auf Gruppen innerhalb des Hinduismus angewendet.

Fundamentalismus wird of mit Gewaltbereitschaft, Radikalismus, Extremismus oder gar Terrorismus assoziiert. Dies trifft jedoch immer nur auf kleine Gruppen innerhalb fundamentalistischer Strömungen, nicht jedoch auf den Fundamentalismus insgesamt zu. Der größte Teil der Fundamentalisten versucht seine Ziele mit politischen oder propagandistischen Mitteln, nicht aber mit Gewalt durchzusetzen.

2

Christlicher Fundamentalismus

Eine frühe Form des christlichen Fundamentalismus, die gleichzeitig den Begriff „Fundamentalismus” erstmals als Selbstbezeichnung gebraucht hat, entstand in den USA Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Vertreter dieser Bewegung vertraten die Auffassung, dass die Wörter des Originaltextes der Bibel von Gott selbst inspiriert seien. Damit könne es keinen Zweifel an den biblischen Aussagen geben. Es waren vor allem fünf Fundamente, die man als unbezweifelbar ansah: (1) Die Bibel ist von Gott inspiriert und damit unfehlbar. (2) Christus ist leiblich auferstanden. (3) Im Prozess der Zeugung und Geburt Jesu blieb Marias Jungfräulichkeit erhalten. (4) Jesu Sühneopfer geschah stellvertretend für die ganze Menschheit. (5) Jesus wird leiblich auf Erden wiederkehren. Ihren Namen „Fundamentalisten” erhielt die Bewegung durch eine zwölfbändige Schriftenreihe, die sie zwischen 1910 und 1915 herausgab: The Fundamentals. A Testimony to the Truth.

Bekannt wurden die Fundamentalisten vor allem durch ihren „Antievolutionskreuzzug”, in dem sie die Lehren der Darwin’schen Evolutionstheorie attackierten. Dieser Kreuzzug erreichte seinen Höhepunkt 1925 im so genannten „Affenprozess” gegen den Lehrer John Thomas Scopes. Die Fundamentalisten versuchten in diesem Prozess zu beweisen, dass der Mensch nicht vom Affen abstamme, dass eine solche Behauptung gotteslästerlich sei und die Höherwertigkeit des Menschen in Frage stelle. Da es ihnen vor allem um den weißen Menschen ging, fanden sie hierbei auch Verbündete in rechtsextremen und rassistischen Kreisen (siehe Rassismus). Den Prozess, in dem Scopes verlor und zu einer Strafe von 100 US-Dollar verurteilt wurde, erklärte der Oberste Gerichtshof wegen Verfahrensfehlern für ungültig. Es sollte weitere 43 Jahre dauern, ehe die Evolutionstheorie in den USA legal gelehrt werden durfte. Erst 1968 verurteilte der Supreme Court, die Oberste Gerichtsbehörde der Vereinigten Staaten, alle Gesetze, die dies verbieten, als verfassungswidrig.

In den siebziger Jahren erlebte der Fundamentalismus in den USA einen größeren Aufschwung. Er organisierte Protestkampagnen gegen das Recht auf Abtreibung, die Gleichberechtigung der Frau und die Sexualaufklärung an den Schulen. 1998 stritten die Fundamentalisten in der Lewinsky-Affäre für die Amtsenthebung von US-Präsident Bill Clinton wegen schwerer moralischer Verfehlungen. Christliche Fundamentalisten wenden sich heute vor allem gegen eine historisch-kritische Bibelforschung (siehe Exegese), gegen die Verbreitung der Darwin’schen Evolutionstheorie, gegen Abtreibung, Prostitution, Pornographie und Feminismus.

Christlicher Fundamentalismus findet sich heute in den USA vor allem innerhalb verschiedener Richtungen des Evangelikalismus und in der pfingstlich-charismatischen Bewegung. In Deutschland gelten die Partei Bibeltreuer Christen (PBC) und die Christliche Mitte (CM) als christlich-fundamentalistisch.

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Islamischer Fundamentalismus

Vom islamischen Fundamentalismus oder auch Islamismus spricht man seit der islamischen Revolution des Ayatollah Khomeini im Iran 1979. Die Ursachen des Islamismus finden sich jedoch weit früher, vor allem im Zusammenhang mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches, als 1924 das Kalifat durch eine säkulare Staatsform ersetzt wurde, und im Sechstagekrieg 1967. Die Niederlage mehr oder weniger säkularer Staaten der arabischen Welt in diesem Krieg gegen Israel ließ die Rufe nach einem islamischen Gottesstaat lauter werden. Als geistige Väter des islamischen Fundamentalismus gelten der Ägypter Sayyid Qutb (1906-1966) und al Maududi (1903-1979), der Gründer der Vereinigung Dschamaat-i Islami in Pakistan.

Der islamische Fundamentalismus entstand vor allem unter den Sunniten, neben den Schiiten eine große Gruppe innerhalb des Islam. Auch heute noch hat der Islamismus unter den Sunniten, die größtenteils im arabischen Raum leben, eine weit größere Anhängerschaft als unter den Schiiten, die mehrheitlich im nichtarabischen Raum leben. Zu den zentralen Forderungen der Fundamentalisten gehört die Ersetzung der säkularen Nationalstaaten durch den islamischen Gottesstaat. An der Spitze dieses Staates steht der Imam, der gerechte Herrscher, der eine islamische Gemeinschaft (umma) führt. Als „Schatten Allahs” ist er dessen höchster Vertreter auf Erden. Er ist sowohl religiöses Vorbild als auch politischer Führer. Dennoch ist er kein Souverän, weil nur Allah der Souverän sein kann. In diesem Staat sollen ausschließlich die göttlichen Gesetze der Scharia, die islamischen Rechts- und Moralvorschriften, gelten. Die Scharia ist kein fest umrissener Gesetzeskodex. Sie ist durch unterschiedliche Auslegungen und Interpretationen des Korans entstanden. Diese sind somit sämtlich jünger als der Koran und unterscheiden sich je nach Region und Schule. In frühen Zeiten enthielt die Scharia Regeln für alle Lebensbereiche, für rituelle Handlungen, Familien-, Erb- und Strafrecht sowie Regeln des Wohlverhaltens gegenüber Allah. Hierzu gehören auch Prinzipien der ungleichen Behandlung von Mann und Frau.

Gottesstaat und Scharia sollen nach den Vorstellungen der Islamisten zunächst die säkularen Nationalstaaten der islamischen Länder ersetzen. Späterhin, so die Vision der Islamisten, solle sich dieses islamische System in der gesamten Welt verbreiten. Damit möchte man eine „Entwestlichung” der derzeit herrschenden Rechts- und Staatssysteme herbeiführen. Die Gottesherrschaft (Hakimiyyat Allah) gilt als islamische Alternative zur westlichen Demokratie. Die nichtislamische – vor allem die westliche Kultur – wird als Sphäre der Unwissenheit und Ignoranz (Dschahiliyya) angesehen. Wenn gelegentlich vom heiligen Krieg gegen den Westen die Rede ist, muss jedoch hinzugefügt werden, dass kein Herrscher im Islam das Recht hat, einen generellen Religionskrieg auszurufen. Darüber hinaus bedeutet das hierfür häufig verwendete Wort Jihad (Dschihad) viel eher „religiöses Bemühen” als „heiliger Krieg”.

Die Extremisten und Terroristen unter den islamischen Fundamentalisten sind verantwortlich für grausame Terroranschläge. Auch in Zukunft wird von ihnen eine Bedrohung ausgehen, die nicht zu unterschätzen ist. Bei alledem ist es jedoch wichtig festzustellen: Der Islamismus oder islamische Fundamentalismus ist nicht mit dem Islam identisch. Der weitaus überwiegende Teil der Muslime folgt nicht den Lehren des Islamismus. Die meisten Muslime versuchen, sich mit säkularer Politik und dem Eindringen der westlichen Kultur zu arrangieren. Und selbst unter den Fundamentalisten verhält sich nur ein kleiner Teil extremistisch oder terroristisch. Eine groß angelegte Feldstudie in den USA zum Thema Fundamentalismus (The Fundamentalism Project der American Academy of Arts and Sciences, 1991-1995) hat gezeigt, dass der weitaus größte Teil aller Fundamentalisten, gleich welcher Richtung, nicht gewaltbereit ist. Andererseits dringen die westlichen kulturellen Normen oft aggressiv in den islamischen Raum ein und provozieren dort die Frage nach der eigenen kulturellen Identität. Eine von vielen Antworten auf diese Frage ist der islamische Fundamentalismus. Doch Islamisten agieren nicht ausschließlich als pathologische Extremisten oder Terroristen, sie reagieren – mitunter eben auch extrem – auf die starke und schnelle Ausbreitung der kulturellen Modernisierung im Sinne westlicher Industrieländer und die Infragestellung islamischer Religion und ihrer traditionellen Werte.

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Hinduistischer Fundamentalismus

Hinduistischer Fundamentalismus, häufig auch als Hindu-Nationalismus bezeichnet, ist eine Strömung innerhalb des Hinduismus, die sich auf die alten religiösen Schriften des Veda oder der großen indischen Epen (Mahabharata, Ramayana) stützt, eine gemeinsame kulturelle Identität Indiens als Hindu-Nation anstrebt und den Islam als seinen religiösen Hauptgegner betrachtet. Er trat in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit, als ein fanatisierter Hindumob im Dezember 1992 die Babri-Moschee von Ayodhya zerstörte, um an gleicher Stelle einen Tempel des Hindu-Gottes Rama zu errichten. In Indien wird hinduistischer Fundamentalismus von allem mit der BJP (Bharatiya Janata Party) assoziiert. Weitere hindu-nationalistische Organisationen sind die RSS (Rashtriya Svayamsevak Sangh) und die VHP (Vishva Hindu Parishad). In den neunziger Jahren verzeichnete der Hindu-Nationalismus einen großen Aufschwung, der sicherlich zum Teil auf Fehler der bis 1996 regierenden Kongresspartei, aber auch auf die seither verfolgte Politik der radikalen Modernisierung des Landes zurückzuführen ist. Die BJP wuchs in den neunziger Jahren zur stärksten politischen Kraft Indiens heran und erlangte 1998 die Regierungsgewalt.

Die Anwendung des Begriffs Fundamentalismus auf Tendenzen innerhalb des Hinduismus steht vor einigen Schwierigkeiten: Der Hinduismus ist keine einheitliche Religion und besitzt weder ein einheitliches Dogma noch ein religiöses Oberhaupt oder eine organisierte Kirche. Er besitzt eine nahezu unüberschaubare Vielfalt an religiösen Überzeugungen, Gottheiten und Traditionen. Der Hinduismus hat sich in seiner Geschichte immer als sehr aufnahmefähig für fremde Ideen erwiesen. Auch heute findet sich im Hinduismus ein erstaunlich großer Ideenpluralismus. Damit ist es schwer, einen einigermaßen einheitlichen Ideenbestand der hinduistischen Tradition zu lokalisieren, den man als grundlegend oder fundamental bezeichnen könnte.

Grundlegende Ideen des Hindu-Nationalismus gehen auf die Zeit der britischen Fremdherrschaft und der Befreiungsbewegung bis ins 19. Jahrhundert zurück. Ziel der Hindu-Nationalisten ist es, mit Berufung auf die indische Geschichte eine Hinduistische Nation zu begründen. Anhänger anderer Religionen, allen voran die Muslime, werden als Fremde, als Ausländer angesehen. Auch hier wird eine Gottesherrschaft angestrebt, die in der indischen Geschichte kaum Vorbilder hat: die Herrschaft des Gottes Rama. Da das Bewusstsein einer einheitlichen hinduistischen Tradition überhaupt erst im 20. Jahrhundert entstanden ist, konstruiert der Hindu-Nationalismus eine historische Einheit der indischen Nation auf Basis des Hinduismus, die es so nie gegeben hat.

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