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KanadaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Aufgrund der hohen geographischen Breite und der Größe der Landmasse ist das Klima in weiten Teilen Kanadas kontinental geprägt mit hohen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf. Im Norden herrschen arktische bis subarktische klimatische Bedingungen. Das Fehlen höherer von West nach Ost verlaufender Gebirgszüge ermöglicht vor allem in Mittel- und Ostkanada das Vordringen arktischer Luftmassen bis weit nach Süden. Nur in den südlichsten Landesteilen ist das Klima gemäßigt. Allgemeines Kennzeichen des kanadischen Klimas sind lange, schneereiche Winter, in denen die Temperaturen -30 °C unterschreiten können, und kurze, mitunter heiße Sommer. Durch maritime Einflüsse sind die Temperaturen der pazifischen Küstenregion milder als in Gebieten gleicher Breitenlage im Landesinneren. Auch im atlantischen Küstenbereich dämpfen ozeanische Einflüsse die Temperaturextreme und führen zu ausgeglichenerem Klima. Im Einflussbereich des Atlantischen Ozeans liegen die Jahresniederschläge bei 1 000 bis 1 500 Millimetern; zum Landesinneren nehmen sie auf 300 bis 500 Millimeter ab. Die den niederschlagsbringenden Westwinden ausgesetzten Westhänge der Küstenkordillere erhalten wegen ihrer Stauwirkung mit 6 000 Millimetern extrem hohe Jahresniederschläge, während die Leeseite relativ trocken ist. Eine klimatische Besonderheit der Hochgebirgsregion ist der Chinook, ein warmer Fallwind an der Ostseite der Rocky Mountains, dessen Auftreten oft zu rascher Schneeschmelze führt.
Im Landesinneren sind die Vegetationseinheiten gürtelförmig angeordnet. Von Süden nach Norden sind dies borealer Nadelwald, Waldtundra und Tundra. Im Südosten Kanadas wächst unter atlantischem Einfluss Laubwald mit Ahorn (dem Flaggensymbol des Landes), Eichen, Ulmen, Eschen, Linden und Hickorys als Hauptbaumgattungen. Nach Norden nimmt der Anteil an Nadelbäumen beständig zu, bis der Übergang zum Nadelwaldgürtel erfolgt. Westlich der Großen Seen schließen an die Laub- bzw. Mischwaldregion Prärien und Grassteppen an. Im Westen Kanadas beeinflusst die Höhenlage das Pflanzenwachstum maßgeblich. Auf den niederschlagsreichen Westflanken der Gebirge gedeihen dichte Wälder mit Tannen, Fichten und Zedern, während in der intramontanen Plateauregion Kiefer die Hauptbaumgattung ist. Der Gürtel des borealen Nadelwaldes erstreckt sich in einem weiten Bogen von Neufundland bis ins nördliche Alaska und hat eine Breite von nahezu 1 000 Kilometern. Diese Vegetationseinheit umfasst vorwiegend Fichten, Tannen und Kiefern. Nach Norden geht der Nadelwald in die Waldtundra über, ein Gebiet mit lichteren Baumbeständen. Auf dem nördlichen Festland und den südlichen Inseln der arktischen Inselwelt gedeiht Tundrenvegetation mit Zwergsträuchern, Kräutern, Gräsern und Moosen. Die jährliche Vegetationsperiode ist auf den wenige Monate dauernden Zeitraum beschränkt, in dem der Dauerfrostboden auftaut. Der nördliche Teil des Kanadisch-Arktischen Archipels ist weitgehend gletscherbedeckt und damit nahezu vegetationsfrei. Vor allem in den letzten Jahrzehnten ging in Kanada sehr viel natürlicher Lebensraum verloren. Das Land soll schätzungsweise 80 Prozent der ursprünglichen Feuchtgebiete eingebüßt haben, wobei allein von 1980 bis 1990 ein Verlust von insgesamt 23 Prozent zu beklagen war. Ebenso sind die Prärie, die Wälder im südlich gelegenen Ontario, die Wälder Akadiens in den maritimen Provinzen und der Regenwald an der Westküste gefährdet. Heute besitzt Kanada insgesamt nur noch 10 Prozent seines ursprünglichen Waldbestandes. Die Wälder wurden vor allem in den Bergen von British Columbia durch die Forstwirtschaft stark ausgedünnt. Das Land leidet unter den Folgen von Kahlschlägen, die Erdrutsche und schwere Bodenerosionen verursacht haben, wodurch u. a. die Lebensräume der Lachse gefährdet sind. Die größte Bedrohung für die Umwelt in Kanada geht jedoch vom sauren Regen aus, für den die Vereinigten Staaten von Amerika zu 50 Prozent verantwortlich sind. Er entsteht infolge der Erzförderung und der Kohlekraftwerke. Der saure Regen schädigt bzw. tötet Bäume und vergiftet Binnengewässer. 43 Prozent der Gesamtfläche Kanadas sind vom sauren Regen stark betroffen, wobei die östlichen Provinzen seit Mitte der siebziger Jahre besonders unter seinen Auswirkungen leiden. Durch Maßnahmen zur Luftreinhaltung scheint der saure Regen langsam zurückzugehen. Eine Studie, die von 1981 bis 1994 an 202 Seen in Ontario, Québec und den atlantischen Regionen durchgeführt wurde, hat ergeben, dass sich der Versauerungsgrad in den meisten Gewässern entweder verbessert hat oder zumindest stabil geblieben ist, einige wenige Seen weisen allerdings eine Verschlechterung auf. Die Tierwelt Kanadas ähnelt der von Nordeuropa und Nordasien. In den Laub- und Mischwäldern des Südostens leben Wapitis (nordamerikanische Rothirsche), Elche, Schwarz- und Braunbären (zur letzteren Art gehören die Grizzlys). Die Grasländer des südlichen Landesinneren bieten Lebensraum für Bisons und Kojoten. In den Gebirgsregionen des westlichen Kanada gibt es neben Wapitis, Elchen und Bären auch Luchse, Pumas und Schneeziegen. Der boreale Nadelwaldgürtel ist das Verbreitungsgebiet kleinerer Säugetiere wie Füchse, Marder und Biber. Waldtundra und Tundra sind Hauptlebensraum von Karibus, Moschusochsen, Polarfüchsen und Lemmingen. An den arktischen Küsten leben Walrosse, andere Robbenarten und Eisbären. Die einheimische Tier- und Pflanzenwelt steht in zahlreichen Nationalparks und Naturreservaten unter Schutz. Größtes Schutzgebiet ist der 45 000 Quadratkilometer große Wood Buffalo Nationalpark, in dem zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten vertreten sind. Bemerkenswert ist der Bisonbestand mit etwa 6 000 Tieren.
Kanada ist ein klassisches Einwanderungsland und weist eine große ethnische und kulturelle Vielfalt auf. Etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ist britischer oder irischer Abstammung, 28 Prozent sind Nachkommen französischer Einwanderer. Amtssprachen sind Englisch und Französisch. Die überwiegende Mehrheit Französisch sprechender Einwohner lebt in der Provinz Quebec, wo Frankokanadier 78 Prozent der Bevölkerung stellen. Außerdem leben in Kanada Nachfahren von Einwanderern aus vielen anderen europäischen Ländern wie Deutschland, Italien, Polen, der Niederlande und der Ukraine. Während der letzten Jahre erfolgte eine verstärkte Zuwanderung von Asiaten, vor allem aus Indien, Vietnam und Hongkong. Der Anteil indianischer Ureinwohner an der Gesamtbevölkerung liegt nur noch bei etwa 2 Prozent, steigt aber gegenwärtig an. Die Angehörigen der knapp 600 Indianerstämme leben über das gesamte Land verteilt, während die etwa 30 000 Eskimo überwiegend im Norden ansässig sind. Die Einwohnerzahl Kanadas beträgt 33,68 Millionen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 3,7 Einwohnern je Quadratkilometer. Siedlungsschwerpunkt ist ein etwa 300 Kilometer breiter Gürtel entlang der Grenze zu den Vereinigten Staaten im Südosten Kanadas. 62 Prozent der Landesbevölkerung leben in den Provinzen Ontario und Quebec. Weite Teile im Nordwesten des Landes sind nahezu menschenleer.
Mit 81 Prozent ist der Anteil der Stadtbevölkerung sehr hoch (2005). Toronto, eine Hafenstadt am Ontariosee und ein bedeutendes Produktionszentrum, ist mit 2,50 Millionen Einwohnern größte Stadt des Landes. Die Einwohnerzahl der Handelsmetropole Montreal beträgt 1,04 Millionen, die Hafenstadt Vancouver hat 578 000 Einwohner . Weitere größere Städte sind die Hauptstadt Ottawa (812 000), Edmonton (730 000) und Calgary (988 000 Einwohner).
Die Amtssprachen in Kanada sind Englisch und Französisch. Das kanadische Englisch unterscheidet sich nur wenig vom amerikanischen Englisch. In Ontario und Manitoba wird von etwa 5 Prozent der Bevölkerung Französisch gesprochen. In den westlichen Provinzen sprechen die meisten Menschen Englisch. In den atlantischen Provinzen wird hauptsächlich Englisch gesprochen, wenngleich etwa ein Drittel der Bevölkerung von New Brunswick Französisch spricht. In Québec ist Französisch die wichtigste Sprache. Im Siedlungsgebiet der Indianer und Eskimo gibt es mehr als 50 verschiedene Sprachen. Siehe auch Indianersprachen
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