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Kanada

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Kanada (Flagge und Hymne)Kanada (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.1

Ureinwohner

Gegen Ende des Eiszeitalters vor etwa 20 000 Jahren überquerten asiatische Völker die Beringstraße, die damals noch die Landverbindung zwischen Asien und Amerika bildete, und verbreiteten sich in Nord-, später auch in Südamerika. Diese Völker waren die Vorfahren der Indianer und Eskimo, die bis ins 16. Jahrhundert die einzigen Bewohner dieses ausgedehnten Landes waren. Die Siedlungen, die Wikinger zu Beginn des 11. Jahrhunderts an der Ostküste errichtet hatten, bestanden nur kurze Zeit.

7.2

Erschließung durch Europäer

Die Landung des Venezianers Giovanni Caboto an der Küste der Halbinsel Labrador auf der Suche nach einer Nordwestpassage für den Seeweg nach Indien im Jahr 1497 inspirierte europäische Seefahrer zu weiteren Erkundungsreisen. 1534 drang der Franzose Jacques Cartier ins Landesinnere vor und nahm das Gebiet um den Sankt-Lorenz-Strom für Frankreich in Besitz. Frankreich dehnte seinen Einfluss in der Folgezeit aus, und 1608 wurde die Stadt Quebec gegründet. Durch weitere Siedlungsgründungen konnte Frankreich schließlich die strategisch wichtige Verbindung zwischen Sankt-Lorenz-Strom und Mississippi herstellen.

7.3

Rivalität zwischen England und Frankreich

Die französische Expansionsphase war von Auseinandersetzungen mit englischen Kolonisten begleitet, die im Lauf des 18. Jahrhunderts eskalierten. Die Engländer hatten im 17. Jahrhundert die Neuenglandstaaten gegründet und später Teile Ostkanadas bis zur Hudsonbai besetzt. Die wachsende Einwanderung verstärkte den Druck der Siedler auf die dünn besiedelten, aber gut gesicherten französischen Kolonialgebiete. Die Spannungen zwischen beiden Kolonialmächten eskalierten im Siebenjährigen Krieg (1756-1763), der in Europa seinen Ausgang nahm, aber auch nach Nordamerika hineingetragen wurde. Im 1763 geschlossenen Frieden von Paris musste Frankreich seinen gesamten kanadischen Kolonialbesitz an das siegreiche Großbritannien abtreten.

7.4

Unter britischer Herrschaft

Da sich das vorher französische Quebec hinsichtlich Sprache und Rechtsprechung deutlich von den anderen britischen Besitzungen unterschied, wurde 1774 der Quebec Act erlassen, der den katholischen Frankokanadiern besondere Rechte zusicherte. Die Gewährung der Religionsfreiheit, die Übernahme französischer Rechtsgrundsätze und die Beibehaltung der Verfassung sicherten die innere Stabilität in Quebec und die Loyalität seiner Bewohner während des Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775-1783). Er endete mit der Unabhängigkeit der USA, die alle Gebiete südlich der Großen Seen erhielten. Nach Kriegsende wanderten Zehntausende Amerikaner, die auf britischer Seite gekämpft hatten, nach Kanada ein. Nachdem der Zuzug weiterer Siedler aus dem Süden angehalten hatte, waren zwei nach Kultur und Religion unterschiedliche Siedlungszentren entstanden.

Die Neuankömmlinge machten politische Ansprüche geltend, und Großbritannien kam diesen Forderungen nach. 1791 wurde der Constitutional Act erlassen, ein Verfassungsgesetz, das Quebec in das überwiegend französische Unterkanada und das weitgehend englischsprachige Oberkanada einteilte. Die Grenze zwischen beiden Gebieten bildete der Ottawa River. Ober- und Unterkanada hatten einen eigenen Gouverneur. Nationale Spannungen und wirtschaftliche Gegensätze führten zu Auseinandersetzungen, die jedoch schnell beendet werden konnten. Im Krieg zwischen den USA und Großbritannien griffen Amerikaner 1812 die britische Kolonie an, konnten aber von den Kanadiern zurückgedrängt werden. Dieser Erfolg steigerte das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der britischen Kolonie Kanada. Die Grenze zur USA wurde 1818 entlang des 49. Grades nördlicher Breite festgelegt. In der Folgezeit stieg die Zahl der Einwanderer aus Großbritannien, während die Immigration aus den USA langsam abnahm. Auch zahlreiche Russen, Italiener und Deutsche kamen ins Land, so dass die Gesamtbevölkerung stark anstieg. In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts kam es zu verstärkten Forderungen nach Autonomie. Großbritannien erließ daraufhin ein Gesetz, durch das Kanada eine neue innere Ordnung erhielt und Ober- und Unterkanada zusammengeschlossen wurden.

7.5

Innere Autonomie und Expansion

Nachdem der Wunsch nach Vereinigung aller britischen Kolonien in Kanada immer stärker wurde, fand 1864 die erste Konferenz von Abgesandten aller britischen Provinzen in Nordamerika statt. Föderationsverhandlungen führten am 1. Juli 1867 zur Verabschiedung eines Gesetzes (British North America Act), das Kanada als Bundesstaat (Dominion of Canada) mit voller innerer Autonomie proklamierte. Er setzte sich aus den Provinzen Ontario und Quebec (dem ehemaligen Ober- und Unterkanada) sowie Nova Scotia und New Brunswick zusammen. Nur wenige Jahre später schlossen sich Manitoba (1870), British Columbia (1871) und Prince Edward Island (1873) an. Hauptstadt des Bundesstaates wurde Ottawa, und John A. Macdonald von der Konservativen Partei wurde erster Premierminister. Das ausgedehnte Gebiet war überwiegend ländlich geprägt; mit Montreal, Quebec und Toronto gab es nur drei größere Städte. Die einzelnen Provinzen wurden durch etwa 4 200 Kilometer Bahnstrecke miteinander verbunden.

1869 konnte das Staatsgebiet nach Westen vergrößert werden, da die Hudson’s Bay Company ihr Territorium an Kanada abtrat. Auf diesem wurden später die Provinzen Alberta und Saskatchewan sowie das Yukon Territory und die Northwest Territories gegründet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts traten Alberta und Saskatchewan der Dominion of Canada bei. Eine wichtige Rolle bei der Erschließung der westlichen Provinzen spielte der verstärkt einsetzende Eisenbahnbau. 1885 wurde die transkontinentale Canadian Pacific Railway fertig gestellt. Dies gab der wirtschaftlichen Entwicklung Kanadas enormen Aufschwung. Entlang der Bahnstrecke entstanden Siedlungen und Bergwerke.

In der 1896 beginnenden Regierungszeit des Frankokanadiers Wilfrid Laurier von der Liberalen Partei entstand auch durch Abbau der Zollschranken für britische Waren eine engere Bindung zu Großbritannien. Verstärkte Einwanderung von Europäern führte dazu, dass auch Westkanada immer dichter besiedelt wurde. Neue Eisenbahnlinien wurden angelegt, eine davon führte in den Norden der Provinzen Ontario und Quebec, wo Gold, Silber und andere Metalle entdeckt worden waren. Der industrielle Aufschwung führte auch zu einer verstärkten Urbanisierung. Der Anteil der Stadtbevölkerung nahm zu, damit aber auch die Entstehung von Armenvierteln und die Verbreitung von Krankheiten. In der kanadischen Bevölkerung wuchsen die Forderungen nach sozialen Reformen. Darüber hinaus entwickelte sich Widerstand gegen die zunehmende Einwanderung aus Europa, vor allem aus dem slawischen Raum. Die Unzufriedenheit weiter Teile der kanadischen Bevölkerung, verbunden mit dem wieder aufkeimenden Streben nach Unabhängigkeit seitens der Frankokanadier, zwang Laurier 1911 zum Abdanken.

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