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Buch

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Kelmscott Chaucer (1896)Kelmscott Chaucer (1896)
Artikelgliederung
1

Einleitung

Buch, geschriebenes oder gedrucktes Werk, das aus mehreren mit einer Bindung und meist auch einem Einband zu einer Ganzheit verbundenen Blättern oder Bogen, in der Regel aus Papier, besteht. Nach der (allgemein weitgehend akzeptierten) Definition der UNESCO ist ein Buch eine gedruckte, öffentlich zugängliche, nichtperiodische Veröffentlichung von mindestens 49 Seiten (exklusive der Umschlagseiten). Funktion des Buches ist die graphische Materialisierung geistiger Inhalte zum Zweck ihrer Erhaltung, Überlieferung und Verbreitung. In diesem Sinn ist das Buch nicht nur ein Wirtschafts- und Handels-, sondern vor allem auch ein bedeutendes Kulturgut.

Der Begriff Buch stammt vermutlich von dem althochdeutschen Wort buoh ab, das die Tafel aus Buchenholz(-rinde) bezeichnet, in die in germanischer Zeit die Schriftzeichen (Runen) geritzt wurden. Auch das lateinische und das altgriechische Wort für Buch sind vom ursprünglichen Beschreibstoff abgeleitet: Lateinisch liber ist der Baumbast, griechisch byblos ist die Papyrusstaude oder der Papyrus, den die Griechen aus der antiken Stadt Byblos einführten.

2

Bestandteile, Arten und Herstellung des Buches

Ein Buch setzt sich im Wesentlichen aus den beiden Elementen Buchblock und Bucheinband zusammen. Der Buchblock, der eigentliche Inhaltsträger des Buches, besteht hauptsächlich aus den bedruckten, gefalzten, gebundenen (oder gehefteten) und beschnittenen Einzelblättern. Der Bucheinband besteht aus dem so genannten Buchrücken, an dessen Innenseite der Buchblock befestigt wird (bei gebundenen Büchern gewöhnlich durch Einhängung am Bundsteg, bei Taschenbüchern durch Klebung), und aus den beiden „abklappbaren” Buchdeckeln, die zur weiteren Stabilisierung des Buches auf der Innenseite jeweils mit dem Vorsatzblatt des Buchblocks beklebt werden. Der Bucheinband ist in der Regel aus fester Pappe, die bei gebundenen Büchern noch mit einem Bezugsmaterial überzogen sein kann, etwa Leinen, Pergament, Leder oder Kunststoff. Bei fest gebundenen Büchern wird um den Bucheinband oft noch ein (z. B. mit Autor, Titel, Inhaltsbeschreibung, Klappentext, Illustrationen und weiteren textlichen oder graphischen Elementen bedruckter) Schutzumschlag gelegt. Die drei schmalen Kanten des Buchblocks, an denen sich das Buch öffnen lässt, heißen Schnitt (Kopf-, Seiten- und Unterschnitt); der Buchschnitt kann aus ästhetischen Gründen, aber auch zum Schutz vor Verschmutzung eingefärbt oder anderweitig verziert sein (Arten der Schnittverzierung sind u. a. der Farbschnitt, der Goldschnitt und der Marmorschnitt). Einige Bücher besitzen als Lesezeichen ein am oberen Ende des Buchrückens befestigtes farbiges Gewebeband (oft aus Seide), das so genannte Lesebändchen.

Nach der Art ihres Einbandes unterscheidet man als Bucharten das fest gebundene Buch (Hardcover) und das Taschenbuch (Softcover), wobei Letzteres gelegentlich noch nach der Art der Bindung in Paperback (Klebebindung) und broschiertes Buch oder Broschur (Fadenheftung) unterschieden wird; diese Begriffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch aber auch synonym verwendet. Nach inhaltlichen Gesichtspunkten lassen sich fiktionale von nicht fiktionalen Büchern unterscheiden. Zu den fiktionalen Büchern zählen z. B. belletristische Bücher (etwa Roman, Erzählungssammlung, Gedichtband), Kinder- und Jugendliteratur, Bilderbücher oder auch Liederbücher; Gattungen des nicht fiktionalen Buches sind u. a. Sachbuch, Fachbuch, Lexikon, Wörterbuch und Schulbuch. Obwohl nicht gebunden, gelten üblicherweise auch so genannte Loseblattsammlungen als Bücher, also Ordner mit einzelnen unverbundenen Blättern, die bei Bedarf ergänzt oder ausgetauscht werden können (von Bedeutung etwa bei Gesetzessammlungen oder amtlichen Veröffentlichungen). Im engeren Sinn keine Bücher trotz entsprechender Benennung sind elektronische Bücher („E-Books”) und Hörbücher.

Bücher werden in aller Regel von Verlagen produziert und – oft mit der Zwischenstufe Buchgroßhandel – vom Bucheinzelhandel (z. B. Sortiments- oder Versandbuchhandel) an den Endkunden vertrieben. Während Autor und Verlag vor allem an der geistigen, immateriellen Herstellung des Buches beteiligt sind, findet die materielle Produktion – nach Vorgaben der Herstellungsabteilung des Verlags – in Setzereien, Druckereien und Buchbindereien statt. Setzereien sind für die typographische Gestaltung und die Herstellung der Druckvorlagen zuständig, Druckereien für die Bedruckung des Papiers (oft in Form großformatiger Bogen) und Buchbindereien für das Falzen und Zuschneiden der Bogen sowie die weiteren Arbeitsschritte bis zum fertig gebundenen Buch. Die Herstellung eines Buches ist ein industrieller Vorgang; das Buch als solches ist ein Gebrauchsgegenstand. Bücher werden aber vielfach auch – über ihren literarischen Gehalt hinaus – als Objekte der Kunst angesehen; so können alle Schritte der Buchherstellung (z. B. Typographie, Druckgraphik, Illustration, Papierherstellung, Druck, Bindung, Umschlaggestaltung etc.) auch künstlerisch bzw. kunstgewerblich betrieben werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Buchkunst.

3

Geschichte

3.1

Vorläufer

Früheste Vorläufer des Buches finden sich bei den Babyloniern, Assyrern und Sumerern in Form von gebrannten Tontafeln, die mit einem Griffel bearbeitet wurden (Keilschrift). In anderen Kulturen verwendete Beschreibmaterialien waren zusammengeschnürte Palmblätter (in Indien) sowie Holz und Bambus (in China). Die Papyrusrollen der alten Ägypter, Griechen und Römer stellen einen weiteren Schritt in Richtung Buchentwicklung dar. Sie bestanden aus einem einseitig beschriebenen, bis zu 30 Zentimeter breiten und mehrere Meter langen Bogen, der um einen Holz- oder Elfenbeinstab gewickelt war und beim Lesen auf der einen Seite Stück für Stück ab- und auf der anderen Seite aufgerollt wurde. Die Schriftrollen waren oft in eine Hülle eingeschlagen oder in besonderen Behältnissen verwahrt und mit einem heraushängenden Titelstreifen versehen, der den Namen des Autors und des Werkes angab. Vervielfältigt wurden die Werke, indem Schreiber Vorlagen abschrieben. Athen, Alexandria und Rom bildeten bedeutende Zentren der kostspieligen und aufwendigen Schriftrollenproduktion, die durch die Gründung großer Bibliotheken (wie z. B. der alexandrinischen) einen erheblichen Aufschwung nahm.

In Kleinasien (vor allem in Pergamon) setzte sich – ausgelöst durch ein ägyptisches Ausfuhrverbot für Papyrus – ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. das wesentlich haltbarere und beidseitig beschreibbare Pergament (dünne, ungegerbte Schafs-, Kalbs- oder Ziegenhaut) als Beschreibstoff durch. Vor allem Perser und Hebräer, denen Papyrus unbekannt war, hatten schon Jahrhunderte zuvor Schriftrollen aus Pergament verwendet. Die Pergamentherstellung wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. unter König Eumenes II. verbessert. In der Folgezeit fand das Pergament im gesamten Mittelmeerraum immer häufiger Verwendung.

3.2

Der Kodex

Schon vor der Zeitenwende hatten Griechen und Römer zwei oder mehrere hölzerne, mit Wachs überzogene Tafeln an einer Seite mit Scharnieren, Ringen oder Riemen zu einer Art Heft zusammengebunden und damit eine Vorform des modernen rechteckigen Buches geschaffen. Diese Tafeln konnten mit einem Griffel beschrieben werden und waren nach dem Glätten der Oberfläche wiederverwendbar. Da sich Pergament vergleichsweise schlecht rollen ließ und die immer umfangreicher werdenden Rollen unhandlich waren, wurden im 1. Jahrhundert n. Chr. nach dem Muster der Wachstafelhefte Pergamenthefte angefertigt. Diese Form, der so genannte Kodex (lateinisch codex: Baumstamm, Holzklotz), ersetzte ab dem 3./4. Jahrhundert die Schriftrolle.

Für einen Kodex wurden die Pergamentblätter in der Mitte gefaltet, aufeinandergelegt, am Falz zusammengenäht und mit Lederriemen an hölzernen Einbanddeckeln befestigt. In einem Kodex war es leichter als auf einer Schriftrolle, bestimmte Textstellen wiederzufinden; als besonders nützlich erwies er sich bei der christlichen Liturgie. Seit dem 4. Jahrhundert wurden Texte von Rollen auf Kodizes übertragen. Was als unwichtig erachtet und deshalb nicht übertragen wurde, ging verloren. Da Pergament sehr teuer war, wurden die Seiten der Kodizes oftmals gereinigt, d. h., die Schrift wurde abgeschabt, und neu beschrieben (siehe Palimpsest).

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