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Psychotherapie

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Vorlesung in der SalpêtrièreVorlesung in der Salpêtrière
Artikelgliederung
1

Einleitung

Psychotherapie, nichtmedikamentöse Behandlung psychischer Störungen mit Hilfe von Methoden, die vor allem auf verbaler und emotionaler Kommunikation basieren.

Die Psychotherapie unterscheidet sich in zweierlei Hinsicht von der persönlichen Hilfe, die man sich unter Freunden gegenseitig leisten kann. Erstens wird eine Psychotherapie von einem Psychotherapeuten durchgeführt, der besonders ausgebildet ist. Zweitens orientiert sich die Psychotherapie an Theorien über die Ursachen der Störungen und die zu ihrer Beseitigung notwendigen Methoden. Da das therapeutische Gespräch in den meisten Formen der Psychotherapie das wichtigste Heilmittel darstellt, ist die Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Patienten noch wichtiger als bei der medizinischen Behandlung körperlicher Leiden.

Erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts untermauerte man psychotherapeutische Praktiken durch wissenschaftliche Prinzipien. Der österreichische Arzt Franz Anton Mesmer arbeitete damals mit einer Art Suggestion, die animalischer Magnetismus genannt wurde. Im 19. Jahrhundert behandelte man seelische Leiden häufig mit schmerzhaften Stromstößen, deren Wirkung ebenfalls vom Einsatz der Suggestion abhing. Die Hypnose wurde vor allem im späten 19. Jahrhundert eingesetzt, beispielsweise von dem französischen Neurologen Jean Martin Charcot an der Salpêtrière in Paris.

2

Psychoanalytische Psychotherapie

Angeregt von Charcots Demonstrationen über die therapeutischen Möglichkeiten der Hypnose, beschäftigte sich auch der österreichische Arzt und Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, mit dieser Methode. Er setzte sie jedoch nicht ein, um seinen Patienten etwas zu suggerieren, sondern um vergessene (verdrängte), schmerzliche Erinnerungen aufzudecken. Bei der Arbeit mit seinen Patienten sammelte er auch die Daten, aus denen er die Theorie der Psychoanalyse formulierte. Nach Ansicht Freuds verdrängt der Mensch im Laufe seiner Entwicklung unannehmbare, von sexuellen und aggressiven Trieben ausgelöste Emotionen aus seinem Bewusstsein. Diese unterdrückten Emotionen, die permanent nach außen drängen, äußern sich zuweilen als Symptome einer Neurose.

Solche Symptome ließen sich nach Ansicht Freuds beseitigen, wenn man dem Patienten die unterdrückten Phantasien und Gefühle bewusst machte. Zunächst versuchte er, mit Hilfe der Hypnose Zugang zum Unbewussten zu erlangen. Das gab er jedoch bald zugunsten der freien Assoziation auf. Bei dieser Methode sollten die Patienten alles aussprechen, was ihnen zu Träumen, Phantasien und Erinnerungen einfiel. Freud interpretierte diese Assoziationen und half seinen Patienen auf diese Weise, einen seiner Ansicht nach heilsamen Einblick in ihr Unbewusstes zu gewinnen.

Später legte er großen Wert auf die Einsichten, die man aus der so genannten Übertragung gewinnt, das heißt aus der emotionalen Reaktion des Patienten auf den Therapeuten, in der sich nach Ansicht Freuds frühere Gefühle gegenüber Familienmitgliedern des Patienten widerspiegeln.

3

Verschiedene Schulen der Psychoanalyse

Einige sehr begabte Anhänger Freuds hatten zu wichtigen Aspekten der Theorie und der therapeutischen Methode eigene Ansichten und begründeten eigene Schulen.

3.1

Carl Gustav Jung

Der einflussreichste unter ihnen war Carl Gustav Jung, ein Schweizer Psychiater. Er meinte, Freud überschätze die Bedeutung der sexuellen Triebe für das Verhalten. Vielmehr müsse sich das nichtsexuelle Potential einer Person realisieren, sonst könnten Neurosen entstehen. Jungianische Therapeuten unterstützen den Patienten dabei, seine eigenen inneren Ressourcen zu erkennen, um sich weiterentwickeln und mit Problemen umgehen zu können. Am Anfang der Behandlung finden die therapeutischen Sitzungen mehrmals in der Woche statt, später dann über einen Zeitraum von mehreren Monaten oder Jahren hinweg einmal in der Woche.

Es gibt verschiedene, pragmatische Mittel, unmittelbar anstehende Probleme zu lösen. Mit Hilfe der Dokumentation und Deutung von Träumen sowie dem Schaffen von Kunstwerken werden bei den Patienten Assoziationen zu den unbewussten Bildern angeregt, die nach Ansicht Jungs alle Menschen in sich tragen.

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