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Bremen (Stadt)Enzyklopädieartikel
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Bremen (Stadt), an beiden Seiten der unteren Weser gelegene Stadt. Sie bildet zusammen mit Bremerhaven die Freie Hansestadt Bremen, das kleinste Bundesland der Bundesrepublik Deutschland.
Mit seinem Hafen ist Bremen ein wichtiger Seehandelsplatz in Deutschland. Seit dem Ausbau der unteren Weser (1886) können auf diesem Fluss auch große Seeschiffe bis Bremen fahren. Die Stadt verfügt über moderne Containerterminals und Eisenbahnanlagen sowie über einen internationalen Flughafen. Wichtigster Industriezweig ist der Schiffbau; daneben sind Elektronik-, Luft- und Raumfahrtindustrie, Automobilbau sowie die Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln (vor allem Schokolade, Kaffee und Bier) von wirtschaftlicher Bedeutung.
Bremen ist Sitz der Landesregierung des gleichnamigen Bundeslandes und zahlreicher Behörden und Verwaltungseinrichtungen. 1971 wurde die Universität mit zwölf Fachbereichen gegründet. Weitere wichtige Bildungseinrichtungen sind die Fachhochschule mit acht Fachbereichen (Grundlagenfächer, Architektur, Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Maschinenbau, Schiffbau, Nautik, Sozialwesen), die Hochschule für öffentliche Verwaltung, die Hochschule für gestaltende Kunst und Musik sowie mehrere wissenschaftliche Institute (u. a. Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, Zentrum für marine Tropenökologie und Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik). Überregional bedeutende Museen sind das Überseemuseum (Sammlungen zur Natur-, Handels- und Völkerkunde), das Bremer Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte, die Kunsthalle (u. a. altdeutsche Meister sowie französische und deutsche Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts) und das Gerhard-Marcks-Haus. Die Stadt ist auch Sitz von Radio Bremen, der Landesrundfunkanstalt des Bundeslandes Bremen. Die Altstadt, der Stadtkern und einige eingemeindete Orte liegen am rechten Ufer der Weser, die Neustadt am linken Ufer des Stromes. Drei Brücken verbinden die Stadtteile miteinander. Die Altstadt mit ihren engen, gewundenen Gassen und Giebelhäusern hat ihr mittelalterliches Flair weitgehend bewahrt. Bedeutendstes Bauwerk der Stadt ist das Rathaus, das im frühen 15. Jahrhundert als gotischer Backsteinbau errichtet wurde und in den Jahren 1609 bis 1612 eine prachtvolle Renaissancefassade erhielt. Nicht minder berühmt ist die 5,4 Meter hohe Steinstatue des Roland (1404), die auf dem Platz vor dem Rathaus steht und Sinnbild der Stadtfreiheit und der hohen Gerichtsbarkeit ist. Rathaus und Roland wurden 2004 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Sehenswert sind weiterhin der Schütting, ein Gildehaus (heute Handelskammer) aus dem 16. Jahrhundert sowie der Dom, dessen Bau 1042 begonnen wurde. Aus dem 13. Jahrhundert stammen Westfassade und Einwölbung; das nördliche Seitenschiff entstand im 16. Jahrhundert. Ältestes Wohn- und Künstlerviertel Bremens mit Bürgerhäusern aus dem 15. bis 18. Jahrhundert ist das Schnoorviertel. Die Böttcherstraße, eine Laden- und Museumstraße im Stadtzentrum, wurde von mehreren Architekten zwischen 1926 und 1931 gestaltet und nach dem 2. Weltkrieg rekonstruiert. In der Straße befindet sich das Paula-Modersohn-Becker-Haus mit einer Sammlung von Gemälden der Künstlerin. Die Malerin war eine Mitbegründerin der Künstlerkolonie Worpswede nördlich von Bremen.
782 erstmals genannt, entwickelte sich Bremen als Fähr- und Umschlagsort auf einem hochwassersicheren Dünenzug rechts der Weser. Bereits 787 wurde die Stadt Bischofssitz und war unter Karl dem Großen Zentrum der Christianisierung der heidnischen Stämme Norddeutschlands. Nach der Zerstörung Hamburgs durch die Normannen wurde das Erzbistum Hamburg 845 nach Bremen verlegt. 965 erhielt die Stadt von Otto I. die Marktrechte verliehen. Während der folgenden 450 Jahre entwickelte sich die Stadt zu einer führenden europäischen Handelsstadt und erkämpfte sich ihre Unabhängigkeit von den erzbischöflichen Stadtherren. 1358 trat Bremen der Hanse bei und erlebte in der Folgezeit eine wirtschaftliche Blütezeit. Aufgrund der engen Verbindungen mit den Niederlanden wurde Bremen um 1600 calvinistisch. 1646 wurde die Stadt als freie Reichsstadt anerkannt. Nach dem Westfälischen Frieden (1648), der den Dreißigjährigen Krieg beendete, ging sie als Reichslehen an Schweden. 1666 widersetzte sich Bremen der schwedischen Herrschaft und setzte seine Selbstbestimmung durch, wenn auch die vollständige Unabhängigkeit erst 1741 erreicht wurde. 1815 wurde Bremen Mitglied des Deutschen Bundes und 1871 Bundesstaat des Deutschen Reiches. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Überseehafen und war größter europäischer Auswanderungshafen. Im 2. Weltkrieg wurde sie durch Bombenangriffe der Alliierten schwer beschädigt. Nach dem Krieg erreichte die Stadt ihre frühere Bedeutung als bedeutender Handelsstandort wieder. Seit den achtziger Jahren unterliegt Bremen einem Strukturwandel von einer Industriestadt zu einem Dienstleistungsstandort; der Technologiepark Bremen zählt mittlerweile zu den führenden Hightechzentren in Deutschland. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 546 000.
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