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Zweiter Weltkrieg

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Zeittafel: Zweiter WeltkriegZeittafel: Zweiter Weltkrieg
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1

Einleitung

Zweiter Weltkrieg, globale kriegerische Auseinandersetzung (1939-1945), die ein Schlüsselereignis in der Geschichte des 20. Jahrhunderts darstellt. Verursacher war das nationalsozialistische Deutschland, das mit dem Überfall auf Polen die Kampfhandlungen am 1. September 1939 begann. Am Ende des Krieges stand die Teilung des deutschen Staates und eine neue politische und wirtschaftliche Weltordnung mit zwei Supermächten.

Der größte Land-, Luft- und Seekrieg der Geschichte hatte katastrophale Folgen: Etwa 60 Millionen Menschen starben weltweit, davon mindestens 20 bis 30 Millionen Zivilisten, die durch Luftangriffe, Deportation, Massenvernichtungslager und Übergriffe der Streitkräfte umkamen. Etwa sechs Millionen Juden wurden Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges. Rund 20 Millionen Menschen mussten fliehen, wurden vertrieben oder als Zwangsarbeiter verschleppt.

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Beginn des Krieges

Auf Befehl Adolf Hitlers überfiel am 1. September die deutsche Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen. Daraufhin erklärten Frankreich und Großbritannien Deutschland am 3. September 1939 den Krieg. Australien, Indien und Neuseeland schlossen sich der britischen Kriegserklärung am 6. September, die kanadische und südafrikanische Regierung am 19. September an. Die USA hielten sich zunächst vom europäischen Kriegsschauplatz fern. Der amerikanische Präsident Roosevelt ließ jedoch keinen Zweifel darüber aufkommen, dass er Großbritannien und Frankreich in ihrer Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Aggressor durch Wirtschafts- und Militärhilfe unterstützen werde. Weit weniger eindeutig war das Verhältnis zwischen der Sowjetunion unter Stalin und dem Deutschen Reich zu Beginn des Krieges. In einem Vertrag, den der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop am 23. August 1939 in Moskau unterzeichnete, versicherten sich die beiden Partner, im Kriegsfall nicht die Kriegsgegner des anderen Vertragspartners zu unterstützen. Der auf zehn Jahre abgeschlossene Hitler-Stalin-Pakt beinhaltete neben der Verpflichtung, sich nicht an Bündniskonstellationen zu Lasten des anderen zu beteiligen, ein geheimes Zusatzprotokoll, in dem Polen und die baltischen Staaten in russische und deutsche Einflusszonen aufgeteilt wurden.

Die außenpolitische Ausgangssituation im Jahr 1939 hatte sich entgegen Hitlers ursprünglichen Vorstellungen entwickelt. England, Hitlers Wunschpartner, war nicht gewillt, den Expansionsdrang des Deutschen Reiches durch ein Bündnis abzusichern. Die Frontstellung des britischen Empires gegen das Deutsche Reich vereitelte Hitlers Plan, durch eine globale Interessenaufteilung mit Großbritannien „freie Hand im Osten”, d. h. die Möglichkeit zur Umsetzung seiner gegen die slawischen Länder gerichteten Expansionspläne zu erlangen. Hitler schätzte die britische Appeasement-Politik grundsätzlich falsch ein. Zwar erkannten die Briten Teile der deutschen Revisionsforderungen an, doch während Hitler England durch ein bilaterales Abkommen auf seine Seite ziehen wollte, planten die Briten, das Deutsche Reich durch eine entgegenkommende Politik einzubinden, um damit den Frieden in Europa zu sichern. Ziel Hitlers war es dagegen, das internationale System kollektiver Sicherheit zu beseitigen.

Mit Hilfe des deutsch-sowjetischen Bündnisses versuchte Hitler, seinen Handlungsspielraum im Osten wiederzuerlangen. Die Sowjetunion betrachtete die Vereinbarung als Sicherheitsbündnis auf Zeit. Die „Vernunftehe” zwischen Hitler und Stalin bedeutete keine irreversible Festlegung auf ein neuartiges Bündnissystem. Beide Seiten trachteten danach, technologisch und wirtschaftlich voneinander zu profitieren, um die jeweiligen Expansionspläne im geeigneten Moment vorantreiben zu können.

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Grundzüge der NS-Außenpolitik vor 1939

Zur Verschleierung seiner Zielsetzung bediente sich Hitler oft einer verharmlosenden, irreführenden Sprache, die das Ausland von der Friedfertigkeit und dem berechtigten Anspruch auf die Revision bestehender Grenzen und Verträge überzeugen sollte. Trotz aller Taktik und aller programmatischen und bündnispolitischen Verschiebungen seit der Machtergreifung (1933) lassen sich Konstanten in Hitlers Weltbild feststellen. Leitmotiv der nationalsozialistischen Außenpolitik war der „Kampf um Lebensraum”. In seinem Buch „Mein Kampf” (die erste Auflage erschien 1924) entwickelte Hitler seine sozialdarwinistische Vorstellung von der Unmöglichkeit der friedlichen Koexistenz der Völker. Alleine der Kampf bestimme das Überleben. Aus seiner Sicht konnte ein Volk nur dann überleben, wenn es sich erstens von rassischen „Abszessen am Volkskörper” befreie und zweitens Lebensraum und Bevölkerungszahl in eine „gesunde” Übereinstimmung bringe. Auf der weltanschaulichen Grundlage von Antisemitismus, Antibolschewismus und Lebensraum-Ideologie machte Hitler in der Sowjetunion seinen Hauptfeind aus, gegen den rassische und politische Herrschaft gewaltsam durchzusetzen sei. Den Volkskörper gefährdende Kräfte, wie Juden und politisch Andersdenkende, gelte es auszumerzen. Hitlers Denkweise knüpfte in vielfältiger Weise an bereits im 19. Jahrhundert entstandene sozialdarwinistische und rassistische Denkmuster an und bildete daraus einen pseudorationalen Gesellschaftsentwurf, der Innen- und Außenpolitik als Ganzes begriff und beides unter die Prämisse des totalen Krieges stellte.

Seit seinem Machtantritt im Januar 1933 verfolgte Hitler das Ziel, das internationale System kollektiver Sicherheit zu durchbrechen. Seine Bemühungen galten ebenso der Revision des Versailler Friedensvertrages wie der Aushebelung des Völkerbundes als internationalem Machtfaktor. Hitlers Revisionismus fand in Deutschland zunächst uneingeschränkte Akzeptanz. Er konnte sich der Zustimmung des Auswärtigen Amtes sicher sein, da die Aufhebung der Versailler Ordnung und die Neubelebung militärischer und machtpolitischer Stärke auch zentrales Ziel der politischen Führungsschichten des Deutschen Reiches war. Den qualitativen Unterschied der nationalsozialistischen Außenpolitik machte Hitler schon wenige Tage nach der Machtergreifung am 3. Februar 1933, die das Ende der Weimarer Republik markierte, vor den ranghöchsten Offizieren der Reichswehr deutlich, indem er die Gewinnung von „neuem Lebensraum im Osten” als Leitmotiv zukünftiger Außenpolitik definierte.

Fasst man die weltpolitische Entwicklung seit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zusammen, lassen sich drei außenpolitische Faktoren erkennen, die die deutsche Revisionspolitik begünstigten: Erstens lenkte die ostasiatische Dauerkrise zwischen Japan und China die Aufmerksamkeit der Weltmächte, insbesondere der USA und Großbritanniens, auf den Konfliktherd fern von Europa, so dass sich der Aufstieg des Deutschen Reiches im Schatten der ostasiatischen Krise vollziehen konnte. Zweitens schuf der Interessenkonflikt um die Mittelmeerregion eine internationale Konstellation, in der Deutschland durch geschickte Bündnispolitik die Spannungen zwischen den europäischen Großmächten auszunutzen vermochte. Drittens begünstigte der sowjetisch-britische Konflikt, der sowohl in Ostasien als auch in der Mittelmeerregion das Verhältnis der beiden Mächte bestimmte, die Expansionspolitik Hitlers.

Zunächst jedoch stand Hitler vor zwei Problemen: Erstens wollte er die außenpolitische Isolierung, in die sich das Deutsche Reich durch seine neue antidemokratische Führung hineinzumanövrieren drohte, abwenden. Zweitens wollte Hitler die Gunst der Stunde nutzen, um den – seit dem ungeahndet gebliebenen japanischen Überfall auf China (1931) bloßgestellten – Völkerbund weiter zu schwächen.

Den ersten außenpolitischen Erfolg konnte Hitler durch das Konkordat mit dem Vatikan im Juli 1933 verbuchen, das ihn als gleichberechtigten Vertragspartner auf der internationalen Bühne einführte und die Isolation erstmals durchbrach. Allerdings verstärkte sich der außenpolitische Druck auf das Deutsche Reich im Oktober 1933 wieder, nachdem Hitler nicht nur die internationale Abrüstungskonferenz unter Protest verlassen, sondern auch den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund erklärt hatte. Seine Schaukelpolitik, einerseits Schwächung des Systems kollektiver Sicherheit, andererseits Schaffung eines neuen Machtblockes nach nationalsozialistischen Prämissen, zeigt sich besonders deutlich beim deutsch-polnischen Pakt (26. Januar 1934). Hitler untergrub dadurch nicht nur das französisch-polnische Bündnissystem, sondern verschaffte sich gleichzeitig ein Sprungbrett für seine gegen die Sowjetunion gerichtete Expansionspolitik. Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht (März 1935), die Kündigung der Locarnoverträge und der Einmarsch in die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes (März 1936) verdeutlichen, wie zielstrebig die deutsche Führung auf die Aufhebung der Versailler Ordnung hinarbeitete. Das Versagen des Völkerbundes förderte die Hegemoniebestrebungen des nationalsozialistischen Deutschlands. Weder die USA noch die Sowjetunion trugen das System transnationaler Sicherheit; Völkerrechtsverstöße, wie beispielsweise der italienische Angriff auf Abessinien 1935, wurden durch den Völkerbund nicht oder in nicht ausreichendem Maße geahndet. Dieses Machtvakuum vermochte Hitler geschickt zu seinen Gunsten zu nutzen. Der Völkerbund erwies sich als unfähig, die Aggressoren Deutschland, Italien und Japan wirkungsvoll zu isolieren. Den Antikominternpakt zwischen Deutschland und Japan (November 1936) und die Bildung der Achse Berlin–Rom (Oktober 1936) konnte die internationale Organisation nicht verhindern.

Mit der Jahreswende 1936/37 begann eine neue Phase nationalsozialistischer Außenpolitik. Galt es bisher, die Isolierung zu überwinden, wurde nun die „Eroberung neuen Lebensraumes” zum vordringlichen Ziel. Mit der Verkündung des Vierjahresplanes auf dem Reichsparteitag der NSDAP im November 1936, der eine nochmalige Steigerung der Rüstungsproduktion und eine zukünftige Unabhängigkeit des Reiches von Importen aus dem Ausland anstrebte, nahmen die Kriegsvorbereitungen konkrete Formen an. Nach dem Anschluss Österreichs gab Hitler am 30. Mai 1938 den Befehl zur Zerschlagung der Tschechoslowakei. Die Krisensituation wurde 1938 noch einmal durch das Münchner Abkommen entschärft, auf dem Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an das Reich beschlossen. Doch die britische Appeasement-Politik, deren Zweischneidigkeit sich besonders in den Münchner Vereinbarungen zeigte, scheiterte an Hitlers unbedingtem Willen zur kriegerischen Revision der Grenzen. Er ließ sich nicht in ein System von Verträgen einbinden, die seinem Ziel der Lebensraumerweiterung im Osten zuwiderliefen. Bereits am 14./15. März 1939 erklärte Hitler das „Restgebiet” der Tschechoslowakei zum „Protektorat Böhmen und Mähren”.

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Polen unter nationalsozialistischer Herrschaft

Schon mehrere Monate vor dem Überfall auf Polen, am 23. Mai 1939, erklärte Hitler vor den Führern der Wehrmacht: „Danzig ist nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten und Sicherstellung der Ernährung, sowie die Lösung des Baltikum-Problems. Lebensmittelversorgung ist nur dort möglich, wo geringe Besiedlung herrscht.”

Polen sollte zum Modellfall für zukünftige Expansionen werden. Deshalb stilisierte die Propaganda den raschen Sieg der überlegenen deutschen Wehrmacht (7. Oktober 1939) zum Beweis der Unbezwingbarkeit des Dritten Reiches hoch. Dass der Sieg so glatt und reibungslos und ohne größere Verluste für die deutsche Seite durchgeführt werden konnte, lag weniger am militärischen Konzept des Blitzkrieges als an der abwartenden Haltung der europäischen Großmächte. Weder England noch Frankreich leisteten Polen die so dringend benötigte militärische Unterstützung. Während Deutschland keine Rücksicht auf die Rechte Dritter nahm, fühlten sich die Westmächte an völkerrechtliche Verträge gebunden. Weder Belgien noch die Niederlande wollten ihre Neutralität zugunsten britischer und französischer Aufmarschpläne opfern, so dass der alliierte Aufmarsch gegen Westdeutschland erheblich behindert wurde. Zusätzlich begünstigte der deutsch-russische Nichtangriffspakt die Expansionspolitik Hitlers: Durch den Einmarsch der Roten Armee (17. September 1939) wurde die Niederlage Polens endgültig besiegelt.

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