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Zweiter Weltkrieg

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Zeittafel: Zweiter WeltkriegZeittafel: Zweiter Weltkrieg
Artikelgliederung
4.1

Polen während der Besatzungszeit

Die deutsche Okkupationspolitik in Polen durchlief verschiedene Phasen.

Die erste Phase, die vom Einmarsch bis zur Errichtung des Generalgouvernements Mitte Oktober 1939 andauerte, war sowohl durch den Dualismus von Volkstums- und Ausbeutungspolitik als auch durch einen Interessenkonflikt zwischen der zu diesem Zeitpunkt noch an völkerrechtlichen Bestimmungen orientierten Wehrmacht und dem terroristischen Wirken von Einsatzgruppen der Schutzstaffeln (SS) und des Sicherheitsdienstes (SD) bestimmt. Unkoordiniertem Terror, zahlreichen Exekutionen und gewalttätigen Exzessen stand ein gewisses Maß an militärischer Ordnung gegenüber. Während der Leiter des Sicherheitsdienstes Heydrich zynisch festlegte: „Flurbereinigung: Judentum, Intelligenz, Geistlichkeit, Adel”, handelte das Militär zunächst nach den Grundsätzen der Haager Landkriegsordnung.

Die zweite Phase, die etwa von Oktober bis zum Frühjahr 1940 reichte, hatte für die polnische Bevölkerung, insbesondere für die polnisch-jüdische Bevölkerungsgruppe, gravierende Folgen. Das Berliner Reichssicherheitshauptamt führte umfangreiche Deportationen, „Umsiedelungen” und Vernichtungsaktionen durch. Die an das Reich angegliederten Ostgebiete sollten „judenfrei” gemacht werden. Die Ghettoisierung der Juden im Generalgouvernement Polen unter seinem Leiter Hans Frank wurde umfassend und mit großer Radikalität vorangetrieben (siehe Warschauer Ghetto; Warschauer Ghettoaufstand).

In der dritten Phase, die im Frühsommer 1940 einsetzte, konsolidierten sich die Verwaltungsstrukturen. Die SS-Einsatzgruppen wurden lokalen Gewalten unterstellt, wodurch ein gewisses Maß an Ordnung wieder hergestellt werden konnte. „Ordnung” bedeutete allerdings nicht eine Befriedung des Landes. Die deutschen Besatzer sahen in den vormals polnischen Ostgebieten in erster Linie ein schier unerschöpfliches Reservoir an Menschen und Rohstoffen, das für die nationalsozialistischen Ziele der Wiederaufrüstung und damit für den Lebensraumkrieg genutzt werden sollte.

Mit den im Frühsommer 1940 immer konkreter werdenden Überlegungen für einen Feldzug gegen die Sowjetunion trat die nationalsozialistische Polenpolitik in eine vierte Phase. Das Generalgouvernement gewann zunehmend als Aufmarschgebiet an Bedeutung. Transport- und Liefersysteme wurden ausgebaut, die Rüstungsproduktion intensiviert.

Nach der Niederlage von Stalingrad und der Ausweitung des Luftkrieges über Deutschland veränderte sich 1943 die strategische Bedeutung Polens ein letztes Mal. Die durch die Rote Armee zurückgedrängte Wehrmacht griff rücksichtslos auf die Ressourcen der besetzten Länder zurück. Der Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer erreichte einen ersten Höhepunkt, und die durch die alliierten Angriffe bedrohte deutsche Industrie wurden zunehmend in den Osten verlagert, um dort Schutz vor den Luftangriffen der Westmächte zu finden. Doch obwohl Polen damit einen grundsätzlichen strategischen Bedeutungswandel erfuhr und der Administrator des Generalgouvernements Hans Frank Hitler eindringlich zu einer zeitlichen befristeten, aus „herrschaftstechnischen” Gründen notwendig erscheinenden Aussetzung der Ausbeutungspraxis aufforderte, ließ der „Führer” einen Kurswechsel nicht zu.

5

Außenpolitische Konstellation im Jahr 1939/40

Nach dem Sieg über Polen wäre eine Strategie der Sicherung des erreichten Status quo den Westmächten und ihren Aufrüstungsplänen entgegengekommen. Dem Deutschen Reich drohte der Verlust der erkämpften außenpolitischen Handlungsinitiative und des rüstungswirtschaftlichen Vorsprungs, zumal England keinerlei Anstalten machte, auf die fadenscheinigen Friedensangebote Hitlers einzugehen. Hitler lief die Zeit davon. Italien war nicht, wie geplant, aktiv an der deutschen Seite in den Krieg eingetreten, und die stetige Annäherung zwischen den neutralen Benelux-Staaten und den Westmächten bedrohte Hitlers kontinentale Hegemonie.

Auf einer Lagebesprechung mit den Oberkommandierenden der Wehrmacht erläuterte Hitler am 27. September seine Pläne. Er wolle nicht abwarten, „bis der Gegner kommt”, sondern – wenn eine friedliche Regelung nicht möglich sei – einen „Schlag nach Westen” führen. Frankreich solle zerschlagen und England in die Knie gezwungen werden.

Um die außenpolitische Dynamik, die durch den Polenfeldzug entstanden war, auszunutzen und um die kriegswirtschaftlich notwendigen Erzlieferungen aus Schweden abzusichern, begann im Frühjahr 1940 mit der Besetzung Dänemarks (9. April 1940) die „Operation Weserübung”. Die deutsche Wehrmacht eroberte neben Dänemark auch Norwegen, so dass sowohl die nordeuropäische Flanke gesichert als auch die eigene Position gegen die Sowjetunion gestärkt wurde. Dies schien aus nationalsozialistischer Sicht nötig, da Russland Ende November 1939 Finnland überfallen und damit seine Einflusszone im Norden Europas weiter ausgebaut hatte (siehe Finnisch-Sowjetischer Winterkrieg). Doch der Preis für den Sieg war hoch. In den Seeschlachten mit Großbritannien, das Norwegen militärisch unterstützt hatte, verlor das Reich einen großen Anteil seiner Marinestreitkräfte. Zwar musste auch England Verluste hinnehmen, doch wogen diese aufgrund der größeren britischen Reserven weitaus weniger schwer als bei den qualitativ und quantitativ unterlegenen deutschen Streitkräften.

Der „Schlag nach Westen”, von dem Hitler schon während des Polenfeldzuges gesprochen hatte, begann am 10. Mai 1940. Gegen den Willen der militärischen Führung setzte Hitler den waghalsigen Plan durch, Frankreich anzugreifen. Der strategische „Sichelschnitt”, der die Flanken der französischen Streitkräfte aufreiben sollte, war ein militärischer Schachzug. Der Überraschungseffekt und das Tempo der völkerrechtswidrigen Vorstöße durch Belgien und Holland lähmten die Verteidiger, so dass die Wehrmacht in weniger als fünf Wochen Paris einnehmen konnte. Nur sechs Wochen nach Kriegsbeginn war Frankreich besiegt, aufgeteilt in einen besetzten und einen unbesetzten Teil, und zu einem Waffenstillstandsabkommen in Compiègne gezwungen (22. Juni 1940).

Gab es bis zu diesem Zeitpunkt auch innerhalb der deutschen Bevölkerung Vorbehalte gegen den Krieg, so bedeutete der Sieg gegen den „französischen Erbfeind” einen enormen Popularitätsschub für das nationalsozialistische Regime.

6

Kriegssituation nach der Niederlage Frankreichs

Aus der Sicht der militärischen Führung boten sich im Sommer 1940 für das Deutsche Reich mehrere militärische Optionen an. England war nach der Niederlage Frankreichs isoliert, während sich die deutsche Einflusszone erheblich vergrößert hatte. Sie reichte nun von Nordnorwegen bis zur Biscaya. Ein Großteil Europas stand unter nationalsozialistischer Herrschaft bzw. war, wie Italien oder Spanien, mit dem Reich verbündet. Eine Seeblockade gegen England schien möglich, da das Deutsche Reich über genügend Luft- und Seestützpunkte verfügte, um England direkt anzugreifen.

Andererseits gab es Überlegungen, die britische Vorherrschaft im Mittelmeerraum durch gezielte Militäraktionen zu brechen. Gemeinsam mit dem Bündnispartner Italien konnte das Deutsche Reich die Engländer an der Peripherie ihres Einflussbereichs angreifen, um so das Zentrum London indirekt zu schwächen. Der Dreimächtepakt, den Italien, Japan und Deutschland am 27. September 1940 unterzeichneten und dem bis 1942 noch weitere Länder, darunter Ungarn, Rumänien, die Slowakei und Nanking-China, beitraten, kann als der Versuch einer Neuordnung der ostasiatisch-europäischen Einflusszonen gewertet werden, der systematisch die Vorherrschaft des britischen Empires zu untergraben versuchte.

Solange England nicht zu einem Friedensschluss mit Deutschland bereit war, währte das Bündnis auf Zeit zwischen der kommunistischen Sowjetunion und dem nationalsozialistischen Deutschland. Doch Hitler hatte sein Ziel der „Lebensraumerweiterung” im Osten nicht aufgegeben. Im Gegenteil, nach den Aufzeichnungen des Chefs des Generalstabes Franz Halder hatte Hitler im Juli 1940 bereits gegenüber einem führenden Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes seine zukünftige Marschrichtung festgelegt: „Augen stark auf den Osten gerichtet. England wird voraussichtlich noch einer Demonstration unserer militärischen Gewalt bedürfen, ehe es nachgibt und uns den Rücken frei lässt für den Osten”.

Die „Demonstration der Stärke” folgte Mitte August 1940 mit den ersten Bombardements englischer Städte durch die deutsche Luftwaffe. Doch die eher halbherzige Kriegsführung des Generalstabes deutet darauf hin, dass der Krieg gegen England nicht mit dem gleichen Vernichtungswillen betrieben wurde wie der gegen Polen und Frankreich. Hitler hoffte nach wie vor auf ein Einlenken Großbritanniens, um zum entscheidenden Stoß gegen die Sowjetunion ausholen zu können. Der Kampf mit „verkehrten Frontstellungen” beschnitt den Handlungsspielraum deutscher Expansionsbestrebungen im Osten erheblich. Der deutsche Luftkrieg gegen England endete ergebnislos, nachdem es nicht gelungen war, die notwendigen Bedingungen für die „Operation Seelöwe”, die Invasion der Britischen Inseln, zu schaffen.

7

Krieg auf dem Balkan und in Nordafrika

Während in Hitlers Führerquartier das Geflecht an Überlegungen für den „Lebensraumkrieg” gegen die Sowjetunion immer engmaschiger wurde, zwang der unerwartete Feldzug Italiens gegen Griechenland zu einer Verschiebung der bereits angelaufenen Planungen. Der italienische Diktator Mussolini, der sich durch die deutsche Rumänienpolitik hintergangen fühlte, versuchte durch einen Sieg über Griechenland Macht und militärstrategischen Einfluss zu gewinnen. England nutzte die Chance, sich auf die griechische Seite zu stellen, um erstens den italienischen Angriff abzuwehren und zweitens der „Achse Berlin–Rom” eine Niederlage beizubringen, die ihren Einfluss in der Mittelmeerregion dämmen würde. Um nicht eine alliierte Balkanfront unter britischer Führung entstehen zu lassen, unterstützte Hitler Mussolini. Der Balkan und insbesondere Rumänien bildeten das Rückgrat einer südosteuropäischen Frontlinie in dem geplanten Russlandfeldzug. Zusätzlich bedeuteten die rumänischen Ölquellen einen kriegswichtigen Energieträger, den es vor britischen Bombardements zu schützen galt.

Drei eng miteinander verknüpfte Ziele verfolgte Hitler also mit dem Balkankrieg: Erstens die militärische Stabilisierung des italienischen Bündnispartners, zweitens die Flankensicherung für den Krieg gegen Russland und drittens die Sicherung der rumänischen Ölquellen. Unter großem militärischem Aufwand konnten alle drei Ziele verwirklicht werden. Der Sieg über Griechenland und Jugoslawien beendete zwar die Militärpräsenz Großbritanniens in der Balkanregion, doch die Bündelung deutscher Kräfte an unterschiedlichen Frontverläufen, der Verschleiß großer Mengen Kriegsmaterials und die dadurch mitverursachte häufige Terminverschiebung des Russlandfeldzuges waren der Preis für die deutsche Hegemonie auf dem Balkan.

Der Kampf Italiens gegen britische Stellungen in Nordafrika mit dem Ziel der Wiedererrichtung eines „Römischen Mittelmeerreiches” drohte Ende 1940 zu scheitern. An eine Offensive, wie es die Deutschen von ihren südlichen Partnern forderten, war nicht zu denken. Mussolini musste am 20. Dezember 1940 angesichts der katastrophalen militärischen Entwicklung Hitler um Hilfe ersuchen. Die Illusion vom italienischen „Parallelkrieg” war damit zerstört. Italien war vom Deutschen Reich abhängig und musste sich in seiner Kriegsführung an dessen Strategie anpassen. Ende Dezember 1940 begann die Wehrmacht mit der Verlegung von Kräften nach Nordafrika, wo sie bis zum Sommer 1941 zunächst größere Geländegewinne erzielten. Das „Deutsche Afrikakorps”, das unter dem Oberbefehl von Erwin Rommel stand, kämpfte aufseiten italienischer Truppen zunächst um die Rückeroberung der Cyrenaika, die im Dezember 1940 an die Briten verloren gegangen war. Nacheinander konnten die Achsenmächte, die ja parallel dazu auch auf dem Balkan gegen England kämpften, von den Briten besetztes Gebiet zurückerobern. Allerdings lag der Grund für die Erfolge des durch die nationalsozialistische Propaganda zum „Wüstenfuchs” stilisierten General Rommel darin, dass die Briten fast 60 000 Soldaten ihrer Afrikaarmee zur Verteidigung Griechenlands aus Nordafrika abziehen mussten. Langfristigere Ziele konnte das nationalsozialistische Deutschland in Nordafrika nicht verfolgen, da am 22. Juni 1941 der Krieg gegen die Sowjetunion begann, der alle zur Verfügung stehenden Kräfte in Anspruch nehmen sollte.

8

Der Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion

Hitler hatte es trotz aller Erfolge nicht vermocht, ein grundsätzliches strategisches Problem zu lösen. Nach wie vor machte Großbritannien keinerlei Anstalten, sich dem deutschen Druck zu beugen. Die von Churchill geführte Allparteienregierung widerstand jeglichen deutschen Annäherungsversuchen. Um sein immer wieder in Varianten durchdachtes Ziel eines „Lebensraumkampfes im Osten” zu verwirklichen, musste Hitler sich nun auf ein militärstrategisches Vabanquespiel einlassen: ein Zweifrontenkrieg gegen England und Russland. Die deutsche Führung hielt einen Blitzkrieg gegen den „bolschewistischen Feind” für möglich.

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