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Zweiter Weltkrieg

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Zeittafel: Zweiter WeltkriegZeittafel: Zweiter Weltkrieg
Artikelgliederung
9

Die USA und der Kriegsschauplatz in Europa

Zum Zeitpunkt des deutschen Angriffs auf Polen hatten sich die USA zunächst für neutral erklärt. Nach isolationistischer Tradition wollten sie sich aus dem Krieg heraushalten. Erst nach der Niederlage Polens gelang es Roosevelt, eine Änderung der außenpolitischen Strategie durchzusetzen. Auf der Basis von „cash and carry”, d. h. Barzahlung und Transport auf nichtamerikanischen Schiffen, erlaubten die Amerikaner ab November 1940 Waffenlieferungen. Faktisch konnten nur Seemächte diese Möglichkeit nutzen. Als im Sommer 1940 die Bedrohung vom Atlantik und vom Pazifik gleichzeitig wuchs, beschlossen die USA den Bau einer zweiten Ozeanflotte. In Umgehung der Legislative hatte Roosevelt mit diesen Maßnahmen den Schritt von der Neutralität zur „Nichtkriegsführung” zugunsten Englands getan.

Nach seiner Wiederwahl im November 1940 baute Roosevelt die USA systematisch zum „Arsenal der Demokratie” aus. Ein Element dieser Politik war der „Lend-Lease-Act” (siehe Lend-Lease-System) vom März 1941. Dieses Leih- und Pachtgesetz erlaubte es der amerikanischen Regierung, jedem Staat Waffen und Material zu „leihen” oder zu überlassen. Im Laufe des Jahres errichteten die USA einen Marinestützpunkt in Island und nahmen britische Schiffe in ihre Geleitzüge auf. Obwohl die deutschen U-Boote Anweisung hatten, Zwischenfälle zu vermeiden, kam es zu Zusammenstößen. Im September gab Roosevelt den Befehl, die Kriegsschiffe der Achsenmächte unter Beschuss zu nehmen. Damit waren die USA im Atlantik vom Status der „Nichtkriegsführung” zum „unerklärten De-facto-Kriegszustand” übergegangen.

Zur Koordination ihrer Kriegsziele in der Atlantikschlacht trafen sich England und die USA im August 1941 in der Bucht von Placentia zur Atlantikkonferenz (siehe Atlantikcharta). Im Laufe des Jahres 1941 überwand Roosevelt die Bedenken der Isolationisten im eigenen Land und bezog nach und nach die Sowjetunion in die materiellen Unterstützungskampagnen mit ein. Das Problem des Übergangs vom Materiallieferanten zum aktiven Kriegsteilnehmer löste sich von selbst, als Hitler den USA am 11. Dezember 1941 den Krieg erklärte.

Anfang 1942 schlug das Kräfteverhältnis in der Atlantikschlacht noch einmal zugunsten der Deutschen um. Nach dem Kriegseintritt der USA waren die amerikanischen Küsten deutschen U-Boot-Angriffen ausgesetzt. Der U-Boot-Krieg wurde jetzt von deutscher Seite uneingeschränkt geführt. Gleichzeitig mit der Einführung eines neuen Codiersystems im Funkverkehr entschlüsselten die Deutschen den Hauptcode der alliierten Geleitzüge im Atlantik. Im November 1942 erreichte die Schlacht im Atlantik ihren Höhepunkt. Die Tonnageverluste der Alliierten erreichten Rekordhöhe. Allein in diesem Monat versenkten die deutschen U-Boote 105 Schiffe mit insgesamt 650 000 Bruttoregistertonnen. Seit Januar 1942 war die Zahl der deutschen U-Boote im Atlantik von 22 auf über 100 (Oktober) angestiegen. Im März 1943 wendete sich das Blatt zugunsten der Alliierten. Es gelang ihren Geleitzügen immer häufiger, den deutschen U-Booten auszuweichen oder sich in Kämpfen erfolgreich zu wehren. Lücken im Luftraum konnten die Alliierten schließen, und der Einsatz neuer Radarortungsgeräte und selbständiger U-Boot-Jagdgruppen führte bis Mai 1943 dazu, dass die Alliierten den Atlantik kontrollierten. Trotz der sich abzeichnenden Niederlage, setzte die deutsche Seekriegsleitung den U-Boot-Krieg fort, um die alliierten Kräfte weiterhin zu binden.

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Die USA, Japan und der Krieg im Pazifik

Seit 1931 betrieb Japan eine aggressive Außenpolitik mit dem propagierten Ziel, Asien von der kolonialen Ausbeutung zu befreien und eine neue Ordnung zu errichten. Erste Zeichen dieser Politik waren die Errichtung des Kleinstaates Mandschukuo (1932) und der Austritt aus dem Völkerbund (1933). Drei Jahre später schloss sich Japan der Antikomintern an. Seit Juli 1937 rückten japanische Armeen gegen China vor. Als der Vormarsch nach zwei Jahren stagnierte, hatte Japan fünf Provinzen im Norden Chinas erobert und beherrschte die chinesische Küste. Es richtete daraufhin 1940 eine Marionettenregierung unter Wang Tsching-wei (1883-1944) in Nanking ein und erpresste von England eine dreimonatige Sperrung der Burmastraße sowie von dem Vichy-Regime die Zustimmung zur japanischen Besetzung des Nordens Indochinas. Damit waren die letzten überseeischen Versorgungswege für Waffen und Munition nach China abgeschnitten.

Falls China und England von den Aggressoren besiegt worden wären, wären die USA an zwei Seiten von expansionistischen Kräften bedroht gewesen. Dieses Szenario veranlasste die Amerikaner im September 1940 zur Aufgabe ihrer strikten isolationistischen Haltung. Neben der Unterstützung Englands wurde die Eindämmung der japanischen Expansion durch Wirtschaftsmaßnahmen vordringliches Ziel der amerikanischen Regierung. Die europäischen Westmächte, durch das Vorgehen gegen China in ihren Wirtschafts- und Handelsinteressen und langfristig in ihren kolonialen Besitzungen bedroht, reagierten auf die Expansionspolitik Japans nur mit verbalem Protest, da ihre militärischen Kräfte in Europa gebunden waren.

Durch die Offensive Deutschlands nach Westen im Mai 1940 änderte sich die Situation im Pazifik entscheidend: Die Kolonialmächte Holland und Frankreich waren besiegt bzw. geschwächt, und die britischen Kräfte waren am europäischen Kriegsschauplatz gebunden. Ein Vorstoß in die europäischen Kolonialgebiete in Südostasien schien Erfolg versprechend. Unter strategischen Gesichtspunkten konnte ein Angriff auf südostasiatische Gebiete die Nachschubverbindungen Chiang Kai-sheks unterbrechen und somit dem Krieg gegen China eine entscheidende Wendung geben. Um für eine solche Operation den Rücken frei zu haben, schloss Japan am 13. April 1941 einen Neutralitätspakt mit der Sowjetunion.

Entgegen der deutschen Diplomatie, die Japan gerne dazu bewegt hätte, eine zweite Front gegen England zu eröffnen, richtete sich der japanische Angriff in Südostasien am 2. Juli 1941 gegen Französisch-Indochina und Thailand. Auf die Aggression reagierten die USA, England und Niederländisch-Indien mit dem Einfrieren der japanischen Guthaben. Die japanische Regierung stand nun vor der Wahl, auf die Umsetzung der Hegemonialpläne zu verzichten oder mit den verbleibenden Vorräten zunächst Rohstoffquellen zu erobern. Falls sich Japan für weitere Südoperationen gegen britische und niederländische Besetzungen entschied, musste es mit Widerstand seitens der amerikanischen Flotte rechnen. Weitere Expansion bedeutete also gleichzeitig Krieg gegen die USA.

Das Klima zwischen den USA und Japan verschlechterte sich zunehmend, nicht zuletzt nachdem der auf Interessenausgleich bedachte Ministerpräsident Fürst Konoe Fumimaro im Oktober seinen Posten an den ehemaligen Kriegsminister General Tojo Hideki abtrat. Ein Ultimatum Tojos zum 25. November 1941 führte zu keiner Einigung. Die USA, die den japanischen Diplomaten-Code entschlüsselt hatten, wussten, dass ein militärischer Angriff der Japaner unmittelbar bevorstand. Dennoch trafen Ort und Zeit des ohne japanische Kriegserklärung erfolgten Angriffs auf Pearl Harbor die USA überraschend.

Mit dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 entschied sich Japan für eine Fortsetzung der aggressiven Expansionspolitik. Der Überfall schaltete die amerikanische Schlachtflotte im Pazifik mit einem Schlag aus und brachte Japan einen strategischen Vorteil. Dieses Ereignis markierte den Beginn des weltweiten Krieges.

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Der globale Konflikt: die japanische Offensive im Pazifik

Nach der Aggression gegen Südostasien war es das Ziel Japans, die Kontrolle über die Rohstoffe in der Region zu gewinnen. Der Angriff auf Pearl Harbor sollte die potentielle Bedrohung durch die amerikanische Flotte beseitigen. Die Sowjetunion war durch das Neutralitätsabkommen zunächst von militärischen Schritten in Asien abgehalten worden. Die Pläne der Japaner richteten sich zunächst gegen die Philippinen und Malaya. Darauf sollte die Eroberung von Birma und Niederländisch-Indien folgen. Die Besetzung von Teilen Neuguineas, des Bismarck-Archipels und der Marshallinseln und Gilbert-Inseln sollte Japan die Kontrolle über Öl, Kautschuk und Zinn sichern. Gleichzeitig sollten die Eroberungen einen Verteidigungsgürtel um das japanische Kernland bilden.

1941/42 stieß die japanische Offensive in drei Richtungen vor: Der Hauptstoß nach Süden richtete sich gegen die Philippinen (Januar) und Niederländisch-Indien (März). Java und die Sunda-Inseln wurden besetzt. Hier kapitulierten die holländischen Verteidiger im März 1942. Nach der Eroberung Timors war auch Australien bedroht. Diese Front zielte vor allem auf wirtschaftliche Autarkie.

Nach einem Bündnisschluss mit Thailand nahmen die Japaner auf dem asiatischen Kontinent die britischen Kolonialstützpunkte Hongkong und Singapur ein. Durch die Eroberung Birmas wurde China im April 1942 endgültig vom alliierten Nachschub abgeschnitten. Dieser Frontabschnitt bedrohte langfristig Indien.

Eine weitere japanische Offensive galt Ozeanien. Noch im Dezember 1941 eroberten die Japaner Guam und Wake, bis März 1942 den Bismarck-Archipel, Neuguinea und die Salomonen.

In weniger als sechs Monaten waren die Japaner nach geringen Verlusten zu einem Großreich aufgestiegen. Sie beherrschten ein Territorium mit etwa 450 Millionen Einwohnern und reichen Bodenschätzen (Gummi, Chinin, Zinn, Reis, Erdöl, Erze). Sehr schnell zeigte sich, dass sie nicht nur als Befreier von den Kolonialmächten, sondern als Eroberer gekommen waren: Brutalität gegen Kriegsgefangene (vor allem Filipinos) und Massaker unter Einheimischen zeugten davon.

Durch die raschen Eroberungen Japans gelangten die Briten und Amerikaner zu der Ansicht, dass die Japaner nur schwer zu besiegen seien. Auf japanischer Seite zeigte sich eine Art Siegestrunkenheit. In Verkennung der Tatsache, dass die Expansionen nur durch die vorausgegangenen Siege Deutschlands, den Konflikt in Europa und die Kämpfe auf dem Atlantik und im Mittelmeer möglich geworden waren, führten die Japaner ihre Kriegserfolge auf die eigene Überlegenheit sowie auf die Schwäche und Dekadenz der Europäer zurück. Der Siegestaumel verdeckte auch ein strukturelles Manko des japanischen Militärs: Es gab in Japan keinen Oberbefehlshaber, der einen einheitlichen Kurs festlegen konnte. Heer und Marine mussten sich untereinander verständigen, um dann anschließend das Einverständnis des Kaisers einzuholen.

Uneinigkeit lähmte die Entscheidungen der militärischen Führungseliten. Konkurrierende Pläne zielten auf den Indischen Ozean, das britische Kolonialgebiet in Richtung Australien und den Zentralpazifik, wo sich die US-Marine zu regenerieren begann.

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Der Weg nach Midway – Stagnation

Anfang April 1942 startete die japanische Marine einen Vorstoß in den Indischen Ozean. Auf Unterstützung von Landtruppen konnte sie nicht hoffen, da das japanische Heer in China und Mandschukuo gebunden war. Ein Versuch, das strategisch wichtige Madagaskar zu erobern, blieb erfolglos. Das Scheitern dieses Versuchs brachte Japan zwar keine großen Verluste, bedeutete aber strategisch eine schwere Niederlage.

Im Südpazifik geriet Japan bald darauf in Zugzwang. Die Amerikaner hatten ihre militärische Präsenz in diesem Raum verstärkt, und Japan musste eine Art Schutzschild nach Süden errichten. Der so motivierte japanische Angriff auf die Midway-Inseln am 3. Juni 1942 endete zwei Tage später mit einer Niederlage, von der sich die japanische Flotte nicht erholen sollte. Die Schlachtschiffe waren intakt geblieben, aber es hatte sich gezeigt, dass der entscheidende Faktor im Pazifik die Flugzeugträger waren, und davon hatten die Japaner vier verloren.

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Alliierte Gegenoffensive auf Guadalcanal

So ermutigt, entschlossen sich die USA im August zu einem Gegenangriff auf die Salomon-Insel Guadalcanal. Die Japaner antworteten darauf mit schweren Attacken aus der Luft und zur See. In sechs Seeschlachten erlitten beide Seiten große Verluste. Obwohl während der Kämpfe, die sich über sechs Monate hinzogen, immer wieder der Nachschub für die US-Marines bedroht war, zeichnete sich im November/Dezember 1942 ab, dass die USA in dieser Abnutzungsschlacht überlegen waren. Japans schwindende Ressourcen konnten mit der prosperierenden kriegswirtschaftlichen Produktion der Amerikaner nicht mehr mithalten. Am 7. Februar 1943 zogen sich die Japaner schließlich zurück.

Die Annahme der japanischen Strategen, Amerika sei nicht bereit, für einige unbedeutende Inseln einen hohen Preis an Menschen und Material zu zahlen, hatte sich als falsch erwiesen. Guadalcanal war eine Bankrotterklärung der strategischen Führung in Tokyo. Statt sich aus den Kämpfen entweder rasch zurückzuziehen oder mit vollem Einsatz zu kämpfen, hatten die Japaner den dritten Weg eingeschlagen: Sie brachten immer mehr Ressourcen in den Kampf ein, aber nie genug, um den Gegner zu überwältigen. Diese Strategie führte zum Verlust der Schlacht von Guadalcanal und – was bedeutender war – zum Verlust der militärischen Initiative insgesamt.

Mit der erfolgreichen alliierten Gegenoffensive von Guadalcanal im Winter 1942 hatte der Krieg im Pazifik eine Wende genommen, wie sie sich ähnlich auch an den anderen Kriegsschauplätzen zeigte.

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