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Zweiter WeltkriegEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Beginn des Krieges; Grundzüge der NS-Außenpolitik vor 1939; Polen unter nationalsozialistischer Herrschaft; Außenpolitische Konstellation im Jahr 1939/40; Kriegssituation nach der Niederlage Frankreichs; Krieg auf dem Balkan und in Nordafrika; Der Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion; Die USA und der Kriegsschauplatz in Europa; Die USA, Japan und der Krieg im Pazifik; Der globale Konflikt: die japanische Offensive im Pazifik; Der Weg nach Midway – Stagnation; Alliierte Gegenoffensive auf Guadalcanal; Kriegswende in Europa – der Verlust der deutschen Initiative auf dem östlichen Kriegsschauplatz; Nordafrika als Kriegsschauplatz; Konferenz von Casablanca; Von der Peripherie ins Zentrum: der alliierte Vormarsch in Italien; Konzentrischer Sturm auf die „Festung Europa” – Planungen zur Landung in der Normandie; Widerstand – 20. Juli 1944; Die Befreiung Frankreichs; Die Ardennenoffensive; Der Zusammenbruch im Osten; Die Situation in Deutschland; Die ehemaligen Verbündeten; Pläne der Alliierten – die Konferenz von Jalta; Militärischer Zusammenbruch Deutschlands; Alliierte Besatzung; Militärischer Zusammenbruch Japans; Folgen des Krieges
Im Osten wie im Westen schien die militärische Lage im Juli 1944 hoffnungslos. Angesichts der Casablanca-Formel von der „bedingungslosen Kapitulation” waren auch für die Zukunft keine besseren Friedensbedingungen zu erwarten. In dieser aussichtslosen Situation entschlossen sich einige oppositionelle Militärs, Hitler zu beseitigen, um weitere sinnlose Opfer zu vermeiden. Am 20. Juli 1944 versuchten Widerstandskämpfer um Claus Schenk von Stauffenberg, Hitler durch ein Sprengstoffattentat zu töten. Durch die Bombe wurden einige Offiziere verwundet, Hitler aber nur leicht verletzt. Daraufhin erneuerte Goebbels im August die Parole des „totalen Krieges”, und im September 1944 wurden alle wehrfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren zum deutschen Volkssturm rekrutiert.
Am 25. Juli 1944 durchbrachen die Amerikaner westlich von Saint-Lô die deutsche Front und stießen fächerförmig nach Westen in die Bretagne, nach Süden Richtung Loire, nach Südosten auf Le Mans und nach Osten bis Mortain vor. Die Reste der deutschen Heeresgruppe B drohten von den alliierten Truppen umfasst zu werden. Um dieser Gefahr zu entgehen, schlug der Frontbefehlshaber Günther von Kluge einen Rückzug bis hinter die Seine vor. Hitler befahl dagegen, sich in den Häfen der Bretagne zu verschanzen. Als der deutsche Versuch, von dort aus eine Gegenoffensive zu starten, von den Alliierten erstickt wurde, befahl Kluge auf eigene Verantwortung den Rückzug. Daraufhin wurde er durch Feldmarschall Model ersetzt. Aber auch dieser konnte den ungeordneten Rückzug kaum aufhalten. Schließlich schloss sich der Kessel. 45 000 Soldaten schafften den Durchbruch nicht mehr. Am 25. August 1944 zogen die Alliierten in Paris ein. Der deutsche Kommandant Dietrich von Choltitz hatte Hitlers Befehl, die Stadt in ein Trümmerfeld zu verwandeln, nicht befolgt. General Eisenhower, der am 1. September den Oberbefehl über die gesamten alliierten Landstreitkräfte in Frankreich übernommen hatte, ordnete zunächst an, auf der ganzen Breite an den Rhein vorzudringen. Mitte August landeten amerikanische und französische Truppen unter Generalleutnant Alexander Patch in Südfrankreich. Zehn Tage später nahmen die Franzosen Kontakt mit den Panzerverbänden unter General Patton auf. 20 000 deutsche Soldaten waren dadurch in Südwestfrankreich abgeschnitten. Am selben Tag überschritten amerikanische Patrouillen erstmals die deutsche Grenze. Die Briten hatten unter Montgomery die Maas und den oberen Rhein erreicht, die Amerikaner standen am Westwall, den die Deutschen in den dreißiger Jahren als Gegenstück zur Maginot-Linie errichtet hatten. Der Versuch, Aachen als erste größere deutsche Stadt einzunehmen, scheiterte zunächst. Das größte Problem der Westmächte war der Nachschub. Benzin und Munition mussten von den französischen Häfen 800 Kilometer weit über zerstörte Straßen und Schienen hinweg transportiert werden. Voraussetzung für weitere Operationen war, den Hafen von Antwerpen funktionsfähig zu machen. Dies gelang erst im November. Noch bevor die Alliierten daraus Nutzen ziehen konnten, wurden sie von der deutschen Ardennenoffensive überrascht.
Mit der Ardennenoffensive setzte Hitler am 16. Dezember 1944 alles auf eine Karte. Immer noch hoffte er, die alliierte Front auseinanderbrechen zu können, indem er die Hoffnung der Westmächte auf ein baldiges Ende des Krieges erschütterte. Drei deutsche Truppenverbände trafen zwischen Monschau und Echternach auf einen völlig überraschten Gegner. Dennoch gelang ihnen der erhoffte Durchbruch nur teilweise. Nachdem am 24. Dezember die alliierte Luftwaffe in die Kämpfe eingegriffen hatte, mussten die Deutschen überall zur Verteidigung übergehen, zumal der Angriff die letzten mobilen Verbände des deutschen Westheeres verschlissen hatte. Hitler verweigerte gegen den Ratschlag seiner Generäle einen Rückzug. Daraufhin wurden die deutschen Verbände am 16. Januar 1945 eingeschlossen.
Im Winter 1944/45 mobilisierte Hitler die letzten zur Verfügung stehenden Truppen, um die gefährdete Front im Westen zu verstärken. In der Zwischenzeit fehlte es an der Ostfront an den nötigen Kräften. Nach der Invasion in der Normandie war an Unterstützung aus dem Westen nicht mehr zu denken. So blieb der Rückzug im Osten als einzige Lösung. Am 22. Juni 1944 – dem Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion – begann die Rote Armee ihre Sommeroffensive mit einem Angriff gegen die Heeresgruppe Mitte. Die zahlenmäßig stark überlegenen sowjetischen Truppen drängten die Wehrmacht bis Anfang Juli auf die Linie Kowno–Brest–Litowsk zurück. Bis dahin hatte die Heeresgruppe Mitte 28 Divisionen mit 350 000 Mann eingebüßt. Die Sommeroffensive richtete sich auch nach Süden. Dieser Vorstoß führte zum Abfall der deutschen Verbündeten Rumänien und Bulgarien und schließlich zur Räumung des Balkans. Angesichts der Entwicklungen an der Ostfront schlossen auch die Finnen im August 1944 einen Waffenstillstand mit Moskau. Danach konnten die sowjetischen Verbände im Norden der Front ihre Kräfte auf die baltischen Staaten richten. Mitte September 1944 begann die Sowjetunion einen konzentrischen Angriff auf Estland. Den deutschen Truppen blieb hier nur der Rückzug über die Ostsee. Nach der Aufgabe von Lettland zogen sich die dortigen Kräfte ins Kurland zurück, wo sie sich – ohne Landverbindung zu deutschen Verbänden – bis zum Kriegsende hielten. Ende des Jahres 1944 hatte die Front auch im Osten die Grenzen des Deutschen Reiches erreicht und teilweise schon überschritten.
Anfang 1945 waren die Alliierten überzeugt, das Deutsche Reich noch im selben Jahr zu besiegen. An allen Fronten hatten sie die Lufthoheit. Die deutsche Luftwaffe besaß zwar immer noch eine erhebliche Zahl von Flugzeugen. Aber nach dem Verlust von wichtigen Ölquellen (Rumänien, Polen, Estland) und nach der Zerstörung von industriellen Produktionsstätten herrschte in Deutschland akuter Treibstoffmangel. Im Luftkrieg hatte sich also die Situation seit den Anfangserfolgen in den Blitzkriegen ins Gegenteil verkehrt. Auch im Atlantik waren die Hoffnungen der militärischen Führung, mit Hilfe von neuen, schnelleren U-Booten doch noch in die Atlantikschlacht eingreifen zu können, unrealistisch. Die Hauptsorge der deutschen Marine galt um die Jahreswende 1944/45 der Situation in der Ostsee. Für die deutsche Kriegsführung war es zwingend notwendig, die Versorgungswege für schwedisches Eisenerz offen zu halten. Entscheidender als die Operationen von Luftwaffe und Marine war die Frage, ob die Heimatfront halten würde. Sie hatte trotz der enormen Verluste im Sommer und Herbst 1944 und trotz der zunehmenden Bomberoffensiven der Alliierten Bestand. Kriegsmüdigkeit und Versorgungsmängel prägten das Leben der Bevölkerung. Viele klammerten sich an die Hoffnung auf den Erfolg neuer Geheimwaffen (V-Waffen). Trotz aller militärischer Niederlagen forderte Reichspropagandaminister Josef Goebbels fanatisch dazu auf, sich bedingungslos für den „Endsieg” einzusetzen und keine persönlichen Opfer zu scheuen.
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