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Zweiter WeltkriegEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Beginn des Krieges; Grundzüge der NS-Außenpolitik vor 1939; Polen unter nationalsozialistischer Herrschaft; Außenpolitische Konstellation im Jahr 1939/40; Kriegssituation nach der Niederlage Frankreichs; Krieg auf dem Balkan und in Nordafrika; Der Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion; Die USA und der Kriegsschauplatz in Europa; Die USA, Japan und der Krieg im Pazifik; Der globale Konflikt: die japanische Offensive im Pazifik; Der Weg nach Midway – Stagnation; Alliierte Gegenoffensive auf Guadalcanal; Kriegswende in Europa – der Verlust der deutschen Initiative auf dem östlichen Kriegsschauplatz; Nordafrika als Kriegsschauplatz; Konferenz von Casablanca; Von der Peripherie ins Zentrum: der alliierte Vormarsch in Italien; Konzentrischer Sturm auf die „Festung Europa” – Planungen zur Landung in der Normandie; Widerstand – 20. Juli 1944; Die Befreiung Frankreichs; Die Ardennenoffensive; Der Zusammenbruch im Osten; Die Situation in Deutschland; Die ehemaligen Verbündeten; Pläne der Alliierten – die Konferenz von Jalta; Militärischer Zusammenbruch Deutschlands; Alliierte Besatzung; Militärischer Zusammenbruch Japans; Folgen des Krieges
Angesichts der militärischen Rückschläge, die die sowjetische Armee an die Grenzen Ungarns und auf das Gebiet Rumäniens führten, suchten die Verbündeten Deutschlands Kontakte zu den Westmächten. Hitler hatte für diesen Fall schon Pläne zur Besetzung Ungarns und Rumäniens ausarbeiten lassen. Er erzwang die Zustimmung des ungarischen Staatsverwesers Horty zur Duldung einer deutschen Besetzung Ungarns und seine Zustimmung zu einer „zuverlässigen” Regierung. In der zweiten Märzhälfte 1944 besetzten deutsche Truppen Ungarn, und der bisherige Gesandte in Berlin, Sztójay, bildete eine neue Regierung. Die ungarischen Truppen wurden der deutschen Heeresgruppe unterstellt. Der rumänische Staatsführer Antonescu ließ im März 1944 Verhandlungen mit den Westmächten über eine Kapitulation führen, lehnte aber die Bedingungen als unannehmbar ab. Da Antonescu bereit war, den Kampf an der Seite Deutschlands fortzusetzen, verzichtete Hitler auf eine vollständige Besetzung Rumäniens. Erst nach dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Süd im August 1944 schied Rumänien aus dem Krieg.
Anfang Februar 1945 trafen sich die drei alliierten Staatschefs in Jalta auf der Krim. Zu diesem Zeitpunkt hatte Stalin fast ganz Süd- und Osteuropa unter Kontrolle und stand an der Oder 60 Kilometer östlich von Berlin. Polen war in sowjetischer Hand, und die Westmächte konnten weder in territorialen Fragen noch für die polnische Exilregierung in London dauerhafte Zugeständnisse erreichen. Immerhin unterzeichnete Stalin eine allgemeine Deklaration, die allen befreiten und besetzten Gebieten eigene Regierungen zusicherte. Hauptthema der Konferenz war die Zukunft des besiegten Deutschlands. Widerstrebend stimmte Stalin der Einrichtung einer Französischen Besatzungszone in Deutschland zu. Über die zukünftige Entnazifizierung und Entmilitarisierung einigten sich die Alliierten schnell. Offen blieb dagegen die Frage der Reparationen und der Demokratisierung. Hier gingen die Vorstellungen der Sowjetunion und der Westalliierten weit auseinander. Für den weiteren Kriegsverlauf sagte Stalin auf der Jalta-Konferenz zu, nach der deutschen Kapitulation in den Krieg gegen Japan einzutreten. Dafür sollte er territoriale Entschädigungen erhalten. In den folgenden Jahren wurde die Konferenz von Jalta oft als Ausverkauf westalliierter Interessen deklariert. Tatsächlich zeigte die Konferenz, wie schwer es war, die verschiedenen Ideologien und Interessen zu koordinieren und vor allem die Umsetzung der erzielten Kompromisse später zu kontrollieren. Nach der Konferenz von Jalta entschieden sich eine Reihe bisher neutraler Staaten, unter ihnen die Türkei und die lateinamerikanischen Staaten, aufseiten der Alliierten in den Krieg gegen das Deutsche Reich einzutreten.
Ende März 1945 schloss die westalliierte Front bis zum Rhein auf. Der Vormarsch hatte die Wehrmacht seit Februar ein Drittel ihrer im Westen eingesetzten Kräfte gekostet: 293 000 Soldaten waren in Kriegsgefangenschaft geraten, 60 000 gefallen oder verwundet. Die deutschen Truppen hatten beim Rückzug alle Brücken über den Rhein zerstört – bis auf die Eisenbahnbrücke bei Remagen. Während die Deutschen versuchten, die Brücke in letzter Sekunde doch noch zu sprengen, konnten amerikanische Kräfte ans Ostufer gelangen und diesen Brückenkopf ausbauen. Wenig später setzten auch weiter nördlich amerikanische und britische Truppen über. Nächstes Ziel der Westmächte war das Ruhrgebiet. Am 14. April kapitulierten die im Ruhrkessel eingeschlossenen deutschen Verbände. 325 000 Mann wurden gefangen genommen. Im Norden drangen die alliierten Truppen rasch bis nach Holstein und Mecklenburg vor. Am 25. April 1945 gaben sich amerikanische und sowjetische Soldaten bei Torgau an der Elbe die Hand. Ost- und Westfront hatten sich vereinigt. In südlicher Stoßrichtung erreichten die Amerikaner im Mai ihre Landsleute in Italien. Zur selben Zeit standen die Franzosen in Vorarlberg. Unaufhaltsam war auch die sowjetische Front im Osten vorgerückt. In Pommern, Schlesien, Ost- und Westpreußen leisteten die Wehrmachtsverbände verzweifelt Widerstand. Nach dem Zusammenbruch der Front Ende März flohen Soldaten und Zivilisten vor der herannahenden sowjetischen Armee in Richtung Westen. Bis Ende März sicherte die Rote Armee ihre Flanken für den bevorstehenden Angriff auf die Reichshauptstadt Berlin und sammelte Truppen und Material. Die Westalliierten erreichten die Ostsee und Österreich, die Rote Armee griff die Vororte der Reichshauptstadt Berlin an. Hitler und einige seiner politischen und militärischen Berater waren entschlossen, den Kampf fortzusetzen. Zahlreiche Militärbefehlshaber sahen aber nur noch einen einzigen Grund, den Krieg weiterzuführen: Sie wollten Zeit für die Flüchtlinge aus dem Osten gewinnen und möglichst vielen Soldaten ermöglichen, der Gefangennahme durch die Rote Armee zu entgehen. Die sowjetischen Truppen drangen in die östlichen Randgebiete Berlins ein und näherten sich am 29. April 1945 dem Führerbunker. Hitler diktierte sein Testament, in dem er seine Politik rechtfertigte und dazu aufforderte, seine Rassenpolitik fortzusetzen. Er ernannte Dönitz zum Reichspräsidenten und Oberbefehlshaber der Wehrmacht und Goebbels zum Reichskanzler. Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, der inzwischen versucht hatte, mit den Alliierten einen separaten Frieden auszuhandeln, wurde aus seinem Amt entlassen. Am nächsten Tag nahm der nationalsozialistische Diktator sich mit Eva Braun, die er kurz zuvor geheiratet hatte, das Leben. Hitler überlebte damit Mussolini um zwei Tage. Der italienische Diktator wurde am 28. April 1945 von Partisanen erschossen. Am 1. Mai schied auch Goebbels freiwillig aus dem Leben. Zwei Tage später kapitulierte Berlin. In Mürwik bei Flensburg richtete Dönitz eine „geschäftsführende Reichsregierung” ein. Mit Hilfe von Teilkapitulationen im Westen versuchte diese Regierung möglichst viele Wehrmachtsangehörige und Flüchtlinge aus dem sowjetischen Einflussbereich zu holen. Erst am 7. Mai 1945 unterschrieb Generaloberst Jodl in Reims die Gesamtkapitulation für Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt hatten die deutschen Teilkräfte in Berlin, Italien, Holland, Norddeutschland und Dänemark bereits kapituliert. Die Gesamtkapitulation trat am 8. Mai 1945 um 23.01 Uhr in Kraft. Am 23. Mai lösten die Alliierten auf Drängen Moskaus die Regierung Dönitz auf. Damit war die zentrale Reichsregierung beseitigt und die Regierungsgewalt auf die alliierten Siegermächte übergegangen.
Schon auf der Konferenz von Jalta war entschieden worden, Deutschland in Besatzungszonen aufzuteilen. Die Westmächte Großbritannien, USA und Frankreich zogen sich Anfang Juli hinter die vereinbarten Grenzen zurück. An einer Aufteilung Deutschlands in mehrere Staaten hatten die Alliierten aus unterschiedlichen Gründen kein Interesse: Die Sowjetunion hoffte auf die Chance, das kommunistische Einflussgebiet bis zum Rhein ausdehnen zu können. Die Westalliierten wollten das Land als Bollwerk gegen die Sowjetunion nicht zu sehr schwächen. Aber alle Annexionen des Deutschen Reiches nach 1937 sollten wieder rückgängig gemacht werden. Vom 17. Juli bis 2. August 1945 trafen sich in Potsdam die „Großen Drei” ein letztes Mal. Anstelle Roosevelts, der kurz zuvor gestorben war, nahm der neue amerikanische Präsident Truman mit seinem Außenminister Byrnes teil. Zur Debatte stand vor allem die Frage der Reparationen. Stalin setzte sich für harte Konditionen ein. Die Westmächte fürchteten dagegen die Gefahr von Verelendung und daraus resultierender politischer Radikalisierung im besiegten Deutschland. Die Sowjetunion war bereit, ihre Ansprüche aus der eigenen Zone zu befriedigen, falls die Gebiete östlich von Oder und Neiße nicht zur Sowjetischen Besatzungszone gerechnet würden, sondern unter polnische Verwaltung kämen. Von den Gewinnen aus der Industriedemontage sollte die Sowjetunion einen Anteil aus den Westzonen erhalten. Darüber hinaus vereinbarten die drei Siegermächte die Entmilitarisierung und Entnazifizierung in Deutschland, Kriegs- und NS-Verbrecher (siehe Nürnberger Prozesse) zu bestrafen und eine demokratische Selbstverwaltung in Deutschland zu errichten. Die Ergebnisse der Potsdamer Konferenz waren Kompromissformeln (siehe Potsdamer Abkommen). Sie basierten auf der Machtverteilung bei Kriegsende in Europa. Eine gemeinsame stabile Friedensordnung kam jedoch nicht zustande. Wie in Deutschland zeichnete sich auch europaweit eine Teilung in zwei Interessensphären ab. Der Eiserne Vorhang begann sich zu senken (siehe Kalter Krieg, Ost-West-Konflikt).
Mit der amerikanischen Landung auf Guadalcanal im August 1942 hatte eine groß angelegte Gegenoffensive der Alliierten im südwestlichen und mittleren Pazifik begonnen. Bis zum Frühsommer 1945 eroberten die Amerikaner die Philippinen und die japanischen Inselstützpunkte Iwo Jima und Okinawa. Im Oktober 1944 setzten die Japaner im Kampf um die Philippinen eine neue Waffe ein: die Kamikaze-Flieger. Während des Kampfes um Luzon und die Philippinen kamen sie erstmals zum Einsatz. Trotz des japanischen Widerstandes drangen die Alliierten immer weiter vor. Die Eroberung von Inselgruppen in unmittelbarer Nähe zur japanischen Hauptinsel ermöglichte Luftangriffe auf das japanische Kernland. Die Serie von Niederlagen im Februar und März 1945, die Landung der Amerikaner auf Okinawa und die Kündigung des Neutralitätsvertrags durch die Sowjetunion führten zu einer inneren Krise in Japan. Nach dem Sturz des Ministerpräsidenten Koiso Kuniaki kam mit Admiral Suzuki Kantaro ein Mann an die Macht, der bereit war, den Krieg fortzuführen, obwohl die Situation Japans aussichtslos war. Die amerikanischen Militärs waren überzeugt, dass die Japaner unter Fortsetzung der bisherigen Strategie nur durch eine Besetzung ihrer Insel zur Aufgabe gezwungen werden konnten. Sie rechneten dabei mit schweren, verlustreichen Kämpfen. Im Anschluss an erfolgreiche Atombombentests im Juli 1945 entschieden sich die Amerikaner für den Einsatz der Waffe. Nachdem Japan auf ein Ultimatum nicht einging, warfen sie am 6. August die erste Atombombe auf Hiroshima ab. Die Bombe kostete 92 000 Menschen das Leben, 37 000 wurden verletzt, 170 000 obdachlos. Die Stadt war zerstört. Drei Tage später erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg und marschierte in die Mandschurei ein. Am selben Tag fiel die zweite amerikanische Atombombe auf Nagasaki. 40 000 Menschen starben, 60 000 wurden verletzt. Noch immer war die japanische Regierung uneinig, wie sie auf die alliierten Kapitulationsbedingungen reagieren sollte. Nach der Niederschlagung einer Revolte von Offizieren erklärte Kaiser Hirohito am 15. August 1945 die Kapitulation. Am 2. September wurde die Kapitulationsurkunde auf dem Schlachtschiff „Missouri” unterzeichnet.
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