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Amerikanische Kunst und Architektur

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Edward Hopper: People in the SunEdward Hopper: People in the Sun
Artikelgliederung
2.3. 1

Architektur

Besonders in den wohlhabenden Städten wie Williamsburg, Philadelphia und Boston begann sich die Architektur am zeitgenössischen europäischen Baustil zu orientieren und folgte mit größeren und ehrgeizigen Projekten dem Vorbild der englischen Architektur. Bescheidenere Versionen des Londoner Barockstiles sind das symmetrisch gebaute Wren Building mit Zentralgiebel (begonnen 1695) im William and Mary College und das Capitol (1699-1705), beide in Williamsburg, sowie das Philadelphia Courthouse (1709). Durch die Veröffentlichung von Schriften führender englischer Architekten wie James Gibbs sahen sich Bauherren und Architekten in den Kolonien in die Lage versetzt, technisch ausgereifte Bauten wie die Christ Church (1727-1744) in Philadelphia oder die Kirche Saint Michael (1751-1753) in Charleston (South Carolina) zu errichten.

Typisch für die Wohngebäude im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts ist das McPhedris-Warner House (1718-1723) in Portsmouth (New Hampshire). Die um 1750 entstandenen Landhäuser sind häufig im Stil des englischen Palladianismus entworfen (siehe Palladio) mit zwei oder drei Stockwerken und einem zentralen Portikus. Die wichtigsten Räume befinden sich meist im ersten Stock. Ein frühes Beispiel ist Drayton Hall (1738) bei Charleston. Auch bedeutende öffentliche Gebäude sind im Stil des Palladianismus erbaut, wie das Pennsylvania Hospital (begonnen 1754) in Philadelphia.

2.3. 2

Malerei

Henrietta Johnston (tätig von 1705 bis 1729), die erste namentlich verbürgte amerikanische Künstlerin, arbeitete in Charleston, wo sie die ältesten bekannten Porträts in Pastelltechnik schuf. Die produktivste Schule befand sich jedoch im Tal des Hudson River, wo sich die reichen Großgrundbesitzer zu Repräsentationszwecken porträtieren ließen. Ungenügend ausgebildete Maler schufen hier schlichte, naive Porträtmalerei nach dem Vorbild populärer englischer Graphik. Höhepunkt des Schaffens dieser Schule bilden die lebensgroßen Porträts von Pieter Schuyler (um 1719, Rathaus von Albany, New York) und Ariandtje Schoomans (um 1717, Albany Institute of History and Art, ebenda).

Im Lauf des Jahrhunderts kamen verstärkt besser ausgebildete Maler in die Kolonien, darunter der Londoner Porträtist John Smibert, der sich 1729 in Boston niederließ.

Ab 1750 entwickelte sich die Malerei rascher, und die Zahl der Künstler nahm stetig zu. Smiberts bedeutendster Schüler in Neuengland war Robert Feke. Weitere wichtige Künstler waren Joseph Blackburn, der von 1753 bis 1764 ebenfalls in Neuengland arbeitete, John Wollaston in New York, New Jersey und Pennsylvania (tätig zwischen 1734 und 1767) sowie Jeremiah Theus in Charleston.

Benjamin West und John Singleton Copley, zwei Künstler von internationalem Rang, wurden nach 1750 bekannt. Der in Philadelphia ausgebildete West ging Ende 1759 nach Italien und England, wo er zum führenden Vertreter des englischen Klassizismus und Präsidenten der Royal Academy of Arts avancierte. In seinem Londoner Atelier wurde eine ganze Generation amerikanischer Kunststudenten ausgebildet, darunter auch der Porträtist Gilbert Stuart. Copley führte die Porträtkunst zu einer neuen Höhe des Realismus und der psychologischen Einfühlung. Seine besten in Amerika entstandenen Bilder zeichnen sich durch eine meisterhafte Wiedergabe von Stofflichkeit und Lichteffekten aus.

3

Die „Neue Nation” (1776-1865)

3.1

Architektur

Zwischen 1785 und 1810 bildete sich landesweit der neue Federal Style aus, vor allem im Zuge des Baubooms, der nach dem Krieg in Städten wie Salem, Baltimore und New York einsetzte. Er entstand in Form einer verzögerten Rezeption der klassizistischen Architektur des britischen Baumeisters Robert Adam und war gekennzeichnet durch großflächige Fassaden und einfache Säulenreihen. Am reinsten kam er in den Häusern von Savannah zur Geltung (Richardson-Owens-Thomas House, 1817-1819).

Thomas Jefferson trug maßgeblich zur Verbreitung des Klassizismus im kolonialen Nordamerika bei, nicht nur durch sein Wohnhaus Monticello (1770-1775), sondern auch, indem er dafür sorgte, dass das Kapitol in Richmond nach dem Vorbild des Maison Carée, eines römischen Tempels im französischen Nîmes, errichtet wurde. Der von Adam und dem englischen Architekten Sir John Soane geprägte Klassizismus wurde nun zum offiziellen Stil der neuen Nation, in dem auch die Hauptstadt Washington angelegt wurde.

Der in England geborene und erzogene Benjamin Latrobe war der erste voll ausgebildete Architekt, der in den USA seine Arbeit aufnahm. Er entwarf die bedeutendsten klassizistischen Bauten des Landes, darunter die Kathedrale von Baltimore (Assumption of the Blessed Virgin Mary, 1806-1818).

Eine spätere Spielart des Klassizismus war das Greek Revival, das dem wuchtigen späten Regency Style in England entsprach und sich zwischen 1820 und 1850 zu einer Art amerikanischem Nationalstil entwickelte. Die mit ihren Giebeln und Säulen an einen griechischen Tempel erinnernde Architektur fand ebenso bei öffentlichen Gebäuden wie bei Privatbauten Anwendung, wie die Häuser der Plantagenbesitzer im Süden der USA beweisen. Um 1850 begannen sich aus der Romantik übernommene neugotische und neoromanische Stilformen in der Architektur durchzusetzen. Erst der Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges beendete diese Stilphase.

3.2

Malerei

Der auf den Unabhängigkeitskrieg folgende Wohlstand sorgte für eine Blüte der Porträtmalerei in der Volkskunst, besonders durch Laienmaler in Neuengland, deren bekanntester Vertreter Ralph Earl war. Zahlreiche Künstler kehrten nach dem Krieg aus England zurück. Als wichtigster Porträtist der Nachkriegsgeneration konnte sich Gilbert Stuart durchsetzen, der vor allem bedeutende Persönlichkeiten der Föderalisten malte, so z. B. George Washington auf dem so genanntem Athenäum-Porträt (1796, Museum of Fine Arts, Boston). John Trumbull avancierte nach seiner Rückkehr zum führenden Historienmaler, der die wichtigsten Ereignisse des Unabhängigkeitskrieges auf zahlreichen Bildern festhielt, wie etwa Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung (1794) oder Die Schlacht von Bunker Hill (1789), beide Yale University Gallery, New Haven (Connecticut) spätere Fassungen, 1817 bis 1824, in der Rotunde des Kapitols in Washington D.C.

3.2. 1

Romantische Porträt- und Genremalerei

Bis etwa 1840 dominierte in der Malerei ein an der Romantik orientierter Porträtstil. Thomas Sully schuf kontrastreiche, farbenfrohe, idealisierende Bilder nach dem Vorbild des englischen Porträtmalers Sir Thomas Lawrence. Ein weiterer Vertreter dieser Richtung war Samuel F. B. Morse, der wohl talentierteste Künstler seiner Generation, der sich später der Erfindung des (das nach ihm benannten) Telegraphen widmete. Ein außerordentlicher Vertreter der romantischen Malerei war Washington Allston, der 1808 aus England zurückkehrte und bevorzugt Landschafts- und Historienbilder schuf.

Im Bereich der Genremalerei taten sich besonders William Sidney Mount, der den Alltag der Bauern auf Long Island in Bildern wie Bargaining for a Horse (1835, New York Historical Society, New York) festhielt, und George Caleb Bingham hervor, der nach Missouri ging, wo er Szenen aus dem Leben der Pelzhändler und der Mississippischiffer malte.

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