Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Amerikanische Kunst und Architektur", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Verwandte Elemente
Suche in Encarta

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse
Seite 3 von 6

Amerikanische Kunst und Architektur

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Edward Hopper: People in the SunEdward Hopper: People in the Sun
Artikelgliederung
3.2. 2

Hudson River School

Die Landschaftsmalerei entwickelte sich ab etwa 1835 zur bedeutendsten Strömung in der amerikanischen Kunst und blieb fast das gesamte 19. Jahrhundert hindurch tonangebend. Begründer der so genannten Hudson River School war Thomas Cole, der um 1830 dramatische romantische Landschaften zu malen begann. Sein entscheidender Beitrag zur amerikanischen Malerei bestand neben seinen phantastischen Architekturbildern in gefühlvollen Interpretationen der Schönheit der amerikanischen Wildnis, die er besonders entlang des Hudson River malte. Dabei entfernte er sich von den Motiven seiner europäischen Vorbilder, zu denen auch Claude Lorrain gehörte.

Die Maler der zweiten Generation der Hudson River School, die etwa zwischen 1850 und 1870 arbeiteten, stellten die Landschaft in einer realistischeren Art und Weise dar. Indem sie sich besonders auf die Wirkung des Lichtes und der Atmosphäre konzentrierten (Luminismus), schufen sie detailreiche Ansichten von technischer Perfektion. Führender Vertreter dieser Generation war Frederick E. Church, ein Schüler Thomas Coles, dessen Bilder auch Motive aus Südamerika einschließen. Seine großformatigen Darstellungen der amerikanischen Natur wurden im ganzen Land gezeigt und von Publikum und Kritik gefeiert. Dem in Deutschland ausgebildeten Maler Albert Bierstadt war mit seinen großen, theatralischen Gemälden der Rocky Mountains ein ähnlicher Erfolg beschieden.

Auch Still-Leben und Historienmalerei, in denen zahlreiche amerikanische Maler an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildet worden waren, erlebten in der Zeit zwischen 1845 und 1860 eine Blüte. Ein charakteristisches Beispiel dafür ist das monumentale Historiengemälde George Washington überquert den Delaware (1848, Metropolitan Museum, New York) von Emanuel Leutze.

3.3

Bildhauerei

Eine eigenständige Form amerikanischer Bildhauerei wurde durch William Rush begründet, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Anfängen als Schnitzer von Gallionsfiguren die ersten Monumentalskulpturen schuf, betitelt Comedy und Tragedy (1808, Edwin Forrest Home, Philadelphia). Während Rush seine Figuren noch aus Holz schnitzte, entwickelte sich bis 1865 weißer Marmor zum bevorzugten Werkstoff, der im Rahmen des klassizistischen Repräsentationsstiles auch in der Architektur verwendet wurde. Hiram Powers, der mit seiner marmornen Aktskulptur Der griechische Sklave (1843, sechs Repliken) weithin bekannt wurde, gehörte zur ersten Generation amerikanischer Bildhauer, die Skulpturen nach griechischen Vorbildern schufen, beeinflusst von dem Italiener Antonio Canova und dem Dänen Bertel Thorvaldsen.

4

Zwischen Sezessionskrieg und 1. Weltkrieg (1865-1914)

Die vorherrschenden Strömungen in der amerikanischen Architektur nach dem Bürgerkrieg waren Neugotik und zweiter Empirestil, dessen typisches Merkmal das Mansardendach war. Die Popularität dieser beiden Richtungen beweist eine verstärkte Orientierung nach Frankreich, während die bislang dominierenden englischen Stileinflüsse in Kunst und Architektur immer mehr an Bedeutung verloren.

4.1

Architektur

Eine bessere Ausbildung und größeres technisches Können fielen besonders bei jenen amerikanischen Architekten ins Auge, die an der Pariser École des Beaux-Arts studiert hatten. So errichtete Richard Morris Hunt Herrenhäuser für die Familie Vanderbilt im Stil der französischen Schlösser des 16. Jahrhunderts, während das Büro McKim, Mead und White bei der Realisierung seiner Aufträge den Stil der italienischen Renaissance bevorzugte, wie bei den palastartigen Henry Villard Houses (1882-1885) in New York oder der Boston Public Library (1887-1895). Eines der größten Talente dieser Phase war Henry H. Richardson, der mit seinem Entwurf der Trinity Church (1872-1877) in Boston, die im besonders in den achtziger Jahren des Jahrhunderts populären romanischen Stil errichtet wurde, ein ausgeprägtes Gespür für ein harmonisches Verhältnis von Masse und Detail bewies.

Im späten 19. Jahrhundert erwies sich die amerikanische Architektur als stilbildend bei zwei Gebäudetypen: dem Landhaus und dem Wolkenkratzer. Der amerikanische Schindelstil war aus dem Queen-Anne-Stil hervorgegangen, wie ihn die englischen Architekten Norman Shaw und William Burges modifiziert hatten. Mit seinen um ein großes Wohnzimmer herum angelegten Räumen markiert er die Entwicklung hin zum offenen Grundriss, der einen mühelosen Übergang zwischen Innen- und Außenräumen ermöglichte und zu einem Kennzeichen der modernen Architektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden sollte. Die Erfindung des Fahrstuhls, der sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts durchzusetzen begann (ab 1887 elektrisch), war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Errichtung höherer Bürogebäude, für die besondere Bauvorschriften galten, doch erst die Entwicklung der Stahlrahmenkonstruktion für das Home Insurance Company Building in Chicago (1885, 1931 abgerissen), das William Le Baron Jenney entworfen hatte, ebnete den Weg für völlig neue Wege des Hochhausbaus. Bahnbrechende Leistungen auf diesem Gebiet erbrachte die so genannte Chicago School, zu deren wichtigsten Vertretern Louis Henri Sullivan gehörte.

Die Architekturstile, die seit 1890 in den USA Verbreitung gefunden hatten, wirkten auch ins 20. Jahrhundert fort. Hochhäuser wurden mit historisierenden Stilelementen aus der Neoromantik oder Neugotik verziert, wie das Woolworth Building (1909-1913, New York) von Cass Gilbert.

4.2

Malerei

4.2. 1

Malerei des späten 19. Jahrhunderts

Im Spätwerk von George Inness erreichte die amerikanische Landschaftsmalerei ihren Höhepunkt. Nach dem Vorbild der französischen Schule von Barbizon verband dieser einen ausgeprägten Naturalismus in der Darstellung mit einem feinen Gespür für die Stimmungen der Natur. Ab 1870 formierte sich eine Gruppe amerikanischer Maler, zu der u. a. Frank Duveneck, William Merritt Chase und J. Frank Currier gehörten, an der Münchner Kunstakademie, wo sie sich eine Malweise alla prima mit kräftigen Farben aneigneten. John Singer Sargent wurde der populärste angloamerikanische Porträtist seiner Zeit.

Die beiden führenden Maler im Amerika des 19. Jahrhunderts waren Winslow Homer und Thomas Eakins. In seinen ersten Bildern beschäftigte sich Homer, der seine Laufbahn als Illustrator begonnen hatte, mit dem Landleben, wobei es ihm besonders die Welt der Kinder angetan hatte, wie sie in seinem Bild Snap the Whip (1872, Butler Institute, Youngstown, Ohio) einfühlsam dargestellt ist. Ab 1880 erscheint in seinen Gemälden das Meer als zentrale Metapher für die Hilflosigkeit des Menschen angesichts seines Schicksals. Noch düsterer wurde sein Blick in späten Werken wie Die Fuchsjagd (1893, Pennsylvania Academy of the Fine Arts, Philadelphia) oder Der Golfstrom (1899, Metropolitan Museum of Art, New York). Eakins dagegen begann mit einem fast wissenschaftlichen Naturalismus, etwa in seinen Bildern mit Bootfahrern, wandte sich später jedoch verstärkt dem Porträt zu. Sein wohl bekanntestes Gemälde stellt den Chirurgen Dr. Samuel Gross dar, wie dieser vor Medizinstudenten einen chirurgischen Eingriff vornimmt (Die Gross-Klinik, 1875, Jefferson Medical College, Philadelphia).

Anregend für die amerikanische Malerei des 20. Jahrhunderts waren auch die illusionistischen Still-Leben von William M. Harnett und seinen Schülern. Gleichzeitig fand die romantische Richtung, die seit Washington Allston eine wichtige Rolle in der amerikanischen Kunst spielte, ihren Ausdruck in einer neuen Schule der Landschaftsmalerei. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählten William Morris Hunt, John La Farge, Ralph Blakelock, der besonders durch seine Nachtstücke mit Mondlicht populär wurde, und Albert Pinkham Ryder mit seinen imaginären Sujets.

Der wohl bekannteste und einflussreichste amerikanische Künstler um die Jahrhundertwende war James Abbott McNeill Whistler, der den größten Teil seiner Schaffenszeit in Paris und London verbrachte und in seinen Bildern zu einer beinahe abstrakt wirkenden Oberflächenbehandlung gelangte. Eine weitere amerikanische Künstlerin, die im Ausland lebte, war Mary Cassatt, die im Umkreis des französischen Impressionismus in enger Verbindung mit Edgar Degas stand. Ihre Bewunderung für den japanischen Holzschnitt kommt in zahlreichen Bildern zum Ausdruck, die sich nach 1890 mit ihrem Lieblingsthema Mutter und Kind beschäftigen.

Zurück
| | | | |
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft