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Amerikanische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Die Kolonialzeit (um 1600 bis 1763); Die „Neue Nation” (1776-1865); Zwischen Sezessionskrieg und 1. Weltkrieg (1865-1914); Entwicklungen nach dem 1. Weltkrieg
Mit zunehmender Bedeutung des Ingenieurbaues und der Immigration wichtiger europäischer Architekten, die zu einem großen Teil durch die Tradition des Bauhauses geprägt waren, entstand in den dreißiger und vierziger Jahren der so genannte Internationale Stil. Architekten der Moderne, die im nationalsozialistischen Deutschland keine Aufträge mehr erhielten, wie Rudolph Schindler, Richard Neutra, Walter Gropius, Marcel Breuer oder Ludwig Mies van der Rohe brachten die Idee des Neuen Bauens nach Amerika, eine funktionale, kostengünstige und im Ausdruck klare, schmucklose, oft abstrahierende Bauweise. Sie nahmen in den USA ihre Lehrtätigkeit auf und begründeten eigene Schulen, wie das New Bauhaus von László Moholy-Nagy in Chicago, die bis in die siebziger Jahre hinein prägend sein sollten. Mies van der Rohe, einer der einflussreichsten Vertreter dieser Gruppe, entwickelte den Stahlskelettbau mit nichtragenden, meist verglasten, eingehängten Außenwänden. Philip Johnson, ein Gropiusschüler, war maßgeblich an der Durchsetzung des Internationalen Stiles in den USA beteiligt. Zusammen mit Mies van der Rohe entwarf er 1958 das Seagram Building in New York. In den achtziger Jahren avancierte er mit seinem AT&T Building in New York (1984) mit Renaissanceelementen und Barockgiebel zu einem der ersten Architekten der eklektizistischen Postmoderne. Als Reaktion auf die Büro- und Wohntürme, die den Internationalen Stil repräsentieren, bildete sich in den fünfziger Jahren eine Bewegung hin zu einer markanten, geschwungenen Bauweise, eine Tendenz, die sich besonders im Werk Eero Saarinens und Louis Kahns niederschlug. Der nach einem expressiven Baustil strebende Paul Rudolph stand an der Spitze eines Trends, den man als Brutalismus bezeichnet und der vorwiegend Sichtbeton verwendet. In den fünfziger und sechziger Jahren schuf Louis Kahn einige seiner besten Arbeiten, in denen er monumentale Eleganz der Form mit Zweckmäßigkeit verband, so beim Salk Institute (1959-1965, La Jolla, Kalifornien). I. M. Pei, ein Amerikaner chinesischer Abstammung, entwarf weltweit Bauten, die sich durch ihre Schlichtheit auszeichnen, wie den Mile High Center Komplex (1955) in Denver oder das East Building (1978) der National Gallery of Art in Washington D.C. In den achtziger Jahren entstand seine berühmte Glaspyramide als zentraler Eingangspunkt im Cour Napoleon des Louvre in Paris. Vertreter der Postmoderne in der Architektur, eines Stiles, der durch Individualität, Komplexität und die spielerische Integration von Stilelementen früherer Epochen gekennzeichnet ist, sind Robert Venturi, Michael Graves, Charles Gwathmey, Robert A. M. Stern und Richard Meier, herausragende Beispiele für diesen Baustil das Portland Building (1982) in Portland (Oregon) von Graves oder das High Museum of Art (1985) in Atlanta (Georgia) von Richard Meier. Die Cogan Residence (1972) in East Hampton (New York) von Charles Gwathmey ist ein Paradebeispiel für postmoderne Wohnhausarchitektur. Der deutschstämmige Architekt Helmut Jahn versieht seine konventionelle Hallen- und Hochhausarchitektur mit Rundungen, Nischen, Metallapplikationen und Marmorverkleidungen, so etwa beim City Spire in New York (1989) und dem Frankfurter Messeturm von 1990.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden erstmals Ausstellungen europäischer Malerei der Moderne in den USA gezeigt. So kamen amerikanische Kunststudenten in Kontakt mit Werken Paul Cézannes, der Fauvisten, Pablo Picassos und den ersten Tendenzen der abstrakten Kunst. Seit 1908 stellte der Photograph Alfred Stieglitz in seiner Galerie 291 in New York neben Künstlern der europäischen Moderne Arbeiten von John Marin, Arthur Dove, Max Weber und anderen jungen amerikanischen Künstlern aus. Nach dem 1. Weltkrieg hatten die Amerikaner kurze Zeit Anteil an verschiedenen Strömungen des Kubismus. Joseph Stella griff den italienischen Futurismus auf und zeigte Bewegung und industriell erzeugte Formen in seinem Bild Brooklyn Bridge (1919, Yale University Art Gallery). Georgia O’Keeffes nahezu abstrakte Kompositionen basierten auf Linien und Formen von Blumen oder typischen Gegenständen des amerikanischen Südwestens.
Der Einfluss der von Stieglitz unterstützten Modernisten wurde in den zwanziger Jahren schwächer, als man sich wieder traditionellen Formen zuwandte. Die am weitesten verbreitete Strömung der neuen gegenständlichen Malerei war der Regionalismus, der den Internationalismus der abstrakten Kunst ablehnte und sich den Alltag auf dem Land oder in der Kleinstadt zum Thema machte. Thomas Hart Benton, die führende Persönlichkeit dieser Bewegung, entwickelte einen monumentalen, plastischen Stil. Grant Woods Malerei war von Detailgenauigkeit geprägt, wobei er die Präzision der flämischen und deutschen Malerei des 16. Jahrhunderts mit großen, einfachen Formen und der Darstellungsweise der amerikanischen Volkskunst in Einklang brachte. Ein Beispiel dafür ist sein bekanntes Werk American Gothic (1930, Art Institute of Chicago). Benton und Wood zeigten ihre Figuren auch mit satirischen Aspekten. Der Regionalismus war die dominierende Kunst in den USA der dreißiger Jahre und geriet bald in die Nähe der Gebrauchsgraphik, als die US-Regierung im Rahmen ihres WPA-Programms (Work Projects Administration) Aufträge für Wandbilder und Plakate in öffentlichen Einrichtungen an Künstler vergab.
Einer der bekanntesten amerikanischen Maler des 20. Jahrhunderts war Edward Hopper, der sich nur schwer einer zeitgenössischen Strömung zuordnen lässt. Sein bevorzugtes Thema war die Isoliertheit des Menschen in der Großstadt wie in der Provinz. Seine formale Reinheit macht ihn zusammen mit Homer und Eakins zu einem der bedeutendsten Vertreter des gesamten amerikanischen Realismus. Der in den Vereinigten Staaten besonders populäre Andrew Wyeth beschäftigte sich mit Themen seiner unmittelbaren Umgebung und schuf gefühlvolle ländliche Szenen von zurückhaltender Farbgebung. Eine andere Ausprägung erlebte der amerikanische Realismus während der Zeit der Großen Depression im Rahmen der künstlerischen Tätigkeit jener Maler, die die WPA-Programme mittrugen. Vertreter des Sozialrealismus, der sich mit den Auswirkungen von Armut und Ungerechtigkeit in den USA beschäftigten, sind u. a. Ben Shahn und Jacob Lawrence, der als erster schwarzer Künstler vom weißen Establishment anerkannt wurde. Der Präzisionismus nahm sich in stilisierter oder hyperrealistischer Weise der Errungenschaften der modernen Zivilisation an. Charles Sheeler etwa führte Auftragsarbeiten für die Industrie aus, die bereits auf den Fotorealismus verweisen.
Die Künstler des Abstrakten Expressionismus verliehen mit ihrer gestischen Maltechnik und kraftvollen Farbgebung der amerikanischen Nachkriegsmalerei neue Impulse. Ausgangspunkt war die Auffassung der Surrealisten (siehe Surrealismus), dass der Künstler durch automatisch ablaufende, nicht intellektuell gesteuerte Prozesse aus dem Unbewussten Bilder schaffen könnte (Informelle Malerei). Jackson Pollock entwickelte eine Technik, bei der er die Farbe aus Dosen und vom Pinsel auf riesige Leinwände tropfen (dripping) und anschließend durch Körperbewegungen Muster entstehen ließ. Andere Künstler, die sich auch eines expressiven Duktus und großer Formate bedienten, waren Willem de Kooning, bekannt für seine Darstellungen von Frauen, Robert Motherwell und Franz Kline, deren meditative Malerei an Techniken der Kalligraphie erinnert. Die Farbfeldmalerei (Color-Field-Painting), für die breite, leicht variierte Flächen mit reinen Farben typisch sind, wurde von Künstlern wie Mark Rothko, Barnett Newman oder Clyfford Still perfektioniert. Einen geometrischen Stil vertrat Ad Reinhardt, der, beeinflusst von Piet Mondrian und Rothko, schwarz abgetönte Rechtecke malte, die als Meditationstafeln verstanden werden sollten. Reinhardt galt als einer der Vorläufer der Minimal Art. Für die Entwicklung einer kalifornischen Malerei der sechziger Jahre war Richard Diebenkorn wichtig, der zunächst unter dem Einfluss Rothkos abstrakt malte, und später mit stilisierten Landschaften, in welche er isolierte Figuren stellte, bekannt wurde.
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