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HamburgEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Wirtschaft und Verkehr; Stadtbild; Bildung und Kultur; Verwaltung und Politik; Geschichte
Die Gesetzgebung liegt nach der Verfassung vom 6. Juni 1952 bei der Bürgerschaft (Landesparlament). Sie besteht aus mindestens 120 Abgeordneten und wird alle vier Jahre gewählt. Die Bürgerschaft wählt aus ihren Reihen den Ersten Bürgermeister, der zugleich Senatspräsident ist und seinen Stellvertreter (Zweiter Bürgermeister) sowie die Mitglieder des Senats, also der Landesregierung (meist 10 bis 15 Mitglieder), beruft. Der Senat führt die Verwaltung und kann Gesetzesvorlagen in die Bürgerschaft einbringen. Nur die Bürgerschaft darf Gesetze beschließen; allerdings hat der Senat ein aufschiebendes Vetorecht. Außer vom Senat können Gesetzesvorlagen auch aus der Bürgerschaft selbst oder durch Volksbegehren in das Parlament eingebracht werden.
Eine Besiedelung des Hamburger Raumes lässt sich bereits für die Zeit um 12000 v. Chr. anhand von Artefakten der Hamburger Kultur aus Rentiergeweih und Feuerstein nachweisen. Ausgrabungen belegen für die Zeit um 700 n. Chr. ein sächsisches Dorf.
Um 810 entstand hier ein karolingischer Stützpunkt mit Taufkirche, die 832 erstmals erwähnte „Hammaburg”. Kaiser Ludwig I., der Fromme, errichtete 831/834 für Bischof Ansgar ein Bistum zur Christianisierung Skandinaviens, das 848 mit Bremen zum Erzbistum Bremen-Hamburg verbunden wurde. 953 oder bereits früher erhielt Hermann Billung von Kaiser Otto I. das Markgrafenamt im Niederelberaum und damit die weltliche Herrschaft über Hamburg. 1111 wurde Adolf I. von Schauenburg mit der auch Hamburg umfassenden Grafschaft Holstein belehnt. Adolf III. von Schauenburg ließ 1188 neben der erzbischöflichen Altstadt die gräfliche Neustadt anlegen, eine Hafenstadt mit Lübecker Stadtrecht, die er mit Handels-, Zoll- und Schifffahrtsprivilegien ausstattete. Diese 1189 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa bestätigten Privilegien beschleunigten Hamburgs Aufstieg zur Handelsstadt. Im 13. Jahrhundert erlebten Handel und Gewerbe ihren ersten großen Aufschwung. Die bebaute Stadtfläche wuchs von 1200 bis 1250 um das Fünffache; um 1300 hatte Hamburg etwa 5 000 Einwohner. Altstadt und Neustadt vereinten sich 1216 unter gemeinsamem Stadtrecht mit Ratsverfassung. 1228 trat das Erzbistum Bremen seine Hoheitsrechte über die Altstadt an Adolf IV. von Schauenburg ab, und 1292 erhielt Hamburg Gerichtsbarkeit und gesetzgebende Gewalt. Es trieb selbständige Außen- und Wirtschaftspolitik und schloss Verträge mit Städten und Territorialfürsten im In- und Ausland. Aus hamburgisch-lübeckischen Bündnissen 1230, 1241 und 1255 entwickelte sich die Hanse; ab dem 14. Jahrhundert wurde Hamburg Hauptumschlagplatz der Hanse.
1510 wurde Hamburg freie Reichsstadt. 1529 führte Hamburg die Reformation ein und zählte als Mitglied des Schmalkaldischen Bundes zu den führenden Kräften des Protestantismus in Norddeutschland. Durch die Gründung der ersten deutschen Börse 1558, die Verlegung des Tuchstapels von Antwerpen nach Hamburg 1567 durch englische Kaufleute (die Merchant Adventurers) und die Einwanderung zahlreicher Glaubensflüchtlinge, insbesondere Calvinisten aus den Spanischen Niederlanden, erlebte Hamburg in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine wirtschaftliche Blütezeit. In Nachfolge Antwerpens etablierte es sich als internationaler Stapelplatz für Nordeuropa. 1600 hatte Hamburg 40 000 Einwohner. Bis 1625 zur Festung ausgebaut und hansische Neutralität wahrend, wurde Hamburg durch den Dreißigjährigen Krieg kaum beeinträchtigt. Dem Niedergang der Hanse begegnete Hamburg durch Ausdehnung des Handels nach Portugal und Spanien. Hafenausbau, Schiffbau, das neue Versicherungswesen, die erste Handelskammer und die erste deutsche Oper (1678) belegen Hamburgs wirtschaftlichen Aufstieg. 1712 erließen Rat und Bürgerschaft eine neue Verfassung, die bis 1860 in Kraft blieb. Nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1783 weitete Hamburg seine Handelsbeziehungen nach Nord- und besonders Südamerika, nach Ostindien und China aus. Die Französische Revolution veranlasste die Verlagerung zahlreicher Geschäfte aus Frankreich und den Niederlanden nach Hamburg, das nun an Stelle von Amsterdam europäischer Hauptumschlag- und Wechselplatz wurde. Um 1800 zählte Hamburg 130 000 Einwohner.
Die französische Besetzung in den Jahren 1806 bis 1814 und die Kontinentalsperre während der Napoleonischen Kriege brachte einen vorübergehenden wirtschaftlichen Niedergang mit sich. 1815 trat die „Freie und Hansestadt Hamburg” dem Deutschen Bund bei. In handelspolitischer Zusammenarbeit mit England erholte sich die Stadt, forcierte auch den Überseehandel und wurde zum wichtigsten deutschen Hafen für den Lateinamerikahandel. Um 1850 war Hamburg nach London die zweitgrößte Hafenstadt Europas. Begünstigt wurde der wirtschaftliche Aufstieg durch die Dampfschifffahrt. 1860 bekam Hamburg eine neue, konservativ-liberale Verfassung; 1867 trat die Stadt dem Norddeutschen Bund und 1871 als Bundesstaat dem Deutschen Reich bei. 1888 eröffnete es einen Freihafen, der Hamburgs Wirtschaft beflügelte. Hamburger Reedereien behaupteten sich in der Ostasien- und Pazifikfahrt und richteten u. a. die Deutsche Ostafrika-Linie und die Hamburg-Amerika-Linie ein. Die Einwohnerzahl stieg von 290 000 im Jahr 1870 auf mehr als eine Million 1913.
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