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Artikelgliederung
Einleitung; Reiz-Reaktions-Kette; Eigenreflexe und Fremdreflexe; Beispiele für Reflexe; Bedingte Reflexe
Reflex, gleichförmig und meist schnell und unwillkürlich ablaufende Reaktion des Organismus auf einen Reiz. Mit Reflexen reagieren Menschen und Tiere automatisch auf einen bestimmten Reiz oder eine geänderte Umweltsituation. Dies ist besonders wichtig, wenn eine Verletzung des Körpers oder das Eindringen eines Fremdkörpers droht (z. B. Lidschluss-, Husten- und Würgereflex). Viele Reflexe laufen innerhalb von Sekundenbruchteilen ab. Die rasche Reaktion kommt dadurch zustande, dass an der Reizverarbeitung nur wenige Zellen beteiligt sind: Der Reiz wird durch eine Rezeptorzelle aufgenommen und über eine sensorische Nervenfaser (siehe Nervensystem) zum Rückenmark oder Hirnstamm geleitet. Von dort läuft das Nervensignal direkt, d. h. ohne Verarbeitung durch die Großhirnrinde, über eine motorische Nervenfaser (ein Motoneuron) zu einem Muskel oder einer Drüse, wo der Reflex dann ausgeführt wird. Man bezeichnet diese kurzgeschlossene Verschaltung von Nervenfasern als Reflexbogen und das auslösende Organ am Ende der Reaktion als Effektor oder Erfolgsorgan.
Eine Reiz-Reaktions-Kette, bei der das Nervensignal direkt von der sensorischen auf die motorische Nervenfaser übertragen wird, also über nur eine Synapse, nennt man monosynaptischen Reflex; ein Beispiel dafür ist der Kniesehnenreflex. Bei der Mehrzahl der Reflexe ist die Verschaltung komplexer; hier spricht man von einem polysynaptischen Reflex. In einem solchen Fall wird der vom Rezeptororgan kommende Reiz im Rückenmark durch zwischengeschaltete Nervenzellen (Interneuronen), die auch mit anderen Nervenbahnen verbunden sind, stark beeinflusst. So löst ein Schmerzreiz an der Hand den Rückzugsreflex aus. Ist der auslösende Reiz besonders stark, dann betrifft der Rückzugsreflex nicht nur Hand und Arm, sondern den ganzen Körper, der sich dann schnell von der Schmerzquelle wegbewegt. Ein solcher komplexer Reflex ist beispielsweise auch das Totstellverhalten mancher Tiere.
Man unterscheidet auch zwischen Eigenreflexen und Fremdreflexen. Beim Eigenreflex erfolgt die Reaktion im selben Organ, in dem auch der Reiz aufgenommen wurde. Ein Beispiel hierfür ist der Kniesehnenreflex. Er wird durch Dehnung spezieller Rezeptoren (Muskelspindeln) im unteren Sehnenbereich desselben Oberschenkelmuskels ausgelöst, der bei der Reaktion zusammengezogen wird. Die meisten Reflexe sind jedoch Fremdreflexe, bei denen der Reiz von einem Sinnesorgan oder Sinnesrezeptor in einem Organ aufgenommen wird und ein anderes Organ aktiviert, z. B. die Schutzreflexe beim Husten oder Niesen. Der auslösende Reiz für zahlreiche Fremdreflexe stammt aus dem Organismus selbst (vegetativer Reflex); Beispiele dafür sind die Muskelkontraktionen bei der Atmung, bei der Ausscheidung (Harnlassen und Defäkation) oder beim Orgasmus. Fremdreflexe sind polysynaptisch und können im Gegensatz zu Eigenreflexen oft willkürlich beeinflusst oder sogar unterdrückt werden.
Einige Reflexe des Menschen sind nur bei Neugeborenen oder Kleinkindern zu beobachten, z. B. der Saugreflex und der Klammerreflex. Der Saugreflex wird durch Berührung der Lippen oder Zungenspitze ausgelöst und dient dazu, die Versorgung des Säuglings mit Muttermilch zu sichern. Im Gegenzug wird beim Stillen der Milchspendereflex ausgelöst, wenn die Brustwarze der Mutter vom Mund des Säuglings umschlossen wird; dieser Reflex läuft unter Mitwirkung des Hormons Oxytocin ab. Beim Klammerreflex ballt sich eine Hand des Säuglings oder krümmt sich ein Fuß bei Berührung auf der Innenseite (z. B. mit dem Finger eines anderen Menschen). Der Klammerreflex hat beim Menschen praktisch keine Funktion, ermöglicht aber den Säuglingen anderer Primaten, sich im Fell des Muttertieres festzuklammern. Als Klammerreflex bezeichnet man auch die Umklammerung eines Amphibienweibchens durch das Männchen bei der Paarung. Neurologen überprüfen bestimmte Reflexe, um den allgemeinen Zustand des Nervensystems zu bestimmen; oft getestet wird der Kniesehnenreflex. Fehlt ein Reflex, so weist das auf eine Fehlfunktion des Nervensystems hin. Andererseits kann ein übermäßig ausgeprägter Reflex zu Fehlfunktionen des Organismus bis hin zum Tod führen, z. B. der Karotissinusreflex: An einer bestimmten Stelle der Halsschlagader (Arteria carotis oder Karotis) befinden sich Druckrezeptoren, die an der Regulierung des Blutdruckes beteiligt sind. Bei manchen Menschen registrieren diese Rezeptoren eine plötzliche Erhöhung des Blutdruckes, wenn ein mechanischer Druck auf das Blutgefäß ausgeübt wird, etwa durch Würgen, aber auch durch eine enge Krawatte oder eine heftige Drehung des Kopfes. Ein vegetativer Reflex führt dann zu sinkendem Blutdruck bzw. zu einem langsameren Herzschlag, wodurch es zu Schwindelgefühlen, Ohnmacht oder sogar zu einem Herzstillstand kommen kann.
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