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Indogermanische Sprachen

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Artikelgliederung
1

Einleitung

Indogermanische Sprachen oder Indoeuropäische Sprachen, die am weitesten verbreitete Sprachfamilie der Welt mit folgenden Unterfamilien: Albanisch, Armenisch, Baltisch, Keltisch, Germanisch, Griechisch, Indoiranisch, Italisch (mit den sich daraus entwickelnden romanischen Sprachen), Slawisch und den beiden ausgestorbenen Unterfamilien Anatolisch (mit dem Hethitischen) und Tocharisch. Indogermanische Sprachen werden heute von etwa zwei Milliarden Menschen gesprochen.

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Entstehung der Sprachfamilie

Die Belege dafür, dass diese äußerst unterschiedlichen Sprachen Mitglieder einer einzigen Familie sind, wurden im Wesentlichen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesammelt. Der umfangreiche Bestand an Literatur in Sanskrit und Altgriechisch (die ältesten Zeugnisse einer indogermanischen Sprache mit Ausnahme des damals noch nicht entzifferten Hethitisch) zeigt typische Züge der grundlegenden indogermanischen Formen auf und verweist auf eine gemeinsame Ursprache. Bereits im Jahr 1800 war die enge Verwandtschaft zwischen Sanskrit, Altgriechisch und Latein erwiesen. Frühe Sanskrit-Grammatiker hatten die Bestandteile ihrer alten Sprache systematisch klassifiziert; zu diesen Arbeiten kamen umfassende grammatikalische und phonetische Vergleiche europäischer Sprachen hinzu. Aus zahlreichen Untersuchungen konnten genauere Schlussfolgerungen hinsichtlich Lautung und Grammatik der angenommenen Ursprache (Protoindogermanisch) gezogen werden, so dass man zur Rekonstruktion einer hypothetischen Sprache und zu Schätzungen ihrer Aufspaltung in verschiedene Sprachen gelangte. (Bereits um 2000 v. Chr. existierten Griechisch, Hethitisch und Sanskrit als eigenständige Sprachen; die Merkmale, durch die sie sich unterscheiden, deuten jedoch darauf hin, dass ungefähr ein Jahrtausend vorher, also um 3000 v. Chr., noch eine einheitliche Ursprache existiert haben muss.) Das Verständnis für die Entwicklung der Sprachfamilie und den angenommenen Charakter des Protoindogermanischen wurde weiter vertieft durch die Entzifferung der hethitischen Texte (erst 1915 als indogermanisch identifiziert) und die Entdeckung des Tocharischen, einer Sprache, die im Mittelalter im chinesischen Teil Turkestans gesprochen und 1908 als indogermanisch identifiziert wurde.

Aus den frühen Untersuchungen zum Indogermanischen leiteten sich zahlreiche Grundsätze der vergleichenden Linguistik ab. Einer der wichtigsten ist, dass sich die Laute verwandter Sprachen unter bestimmten Bedingungen auf vorhersehbare Weise entsprechen (siehe Grimm’sches Gesetz und Verner’sches Gesetz). Gemäß einem solchen Muster entwickelten sich in einigen indogermanischen Unterfamilien – Albanisch, Armenisch, Indoiranisch, Slawisch und (zum Teil) Baltisch – die für das Protoindogermanische vermuteten k-Laute zu Zischlauten wie s und ś (ähnlich dem sch). Gebräuchlichstes Beispiel für dieses Muster ist das avestische (altiranische) Wort satem („100”) gegenüber dem lateinischen centum („100”, „kentum” ausgesprochen). Während in älteren Untersuchungen die verschiedenen indogermanischen Sprachen einem westlichen (centum) oder einem östlichen (satem) Zweig zugerechnet wurden, wird die indogermanische Sprachfamilie in der modernen Sprachwissenschaft nicht mehr automatisch in zwei Zweige geteilt. Zum einen, um der Annahme, die Familie sei frühzeitig in zwei Hauptzweige aufgespalten worden, nicht Vorschub zu leisten, zum anderen sollte dieser Lautverschiebung von k zu s keine allzu übermächtige Bedeutung beigemessen werden, da es sich dabei zwar um ein wichtiges, jedoch nur um eines von mehreren Phänomenen handelt, die mehrere Unterfamilien zugleich betreffen.

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Entwicklung

Die Weiterentwicklung der indogermanischen Sprachen ist ganz allgemein von einem ständigen Verfall der Flexion gekennzeichnet. Man darf zu Recht annehmen, dass die indogermanische Grundsprache stark flektierend war, da es auch die sehr alten Sprachen wie Sanskrit, Avestisch und Altgriechisch sind. Im Vergleich dazu haben sich relativ moderne Sprachen wie Englisch, Französisch und Persisch unter Zuhilfenahme von präpositionalen Konstruktionen und Hilfsverben zu einer analytischen Bauweise hin entwickelt. Der Flexionsverfall ist größtenteils dadurch entstanden, dass im Lauf der Zeit viele Wörter ihre Endsilben verloren. Moderne Wörter der indogermanischen Sprachen sind daher häufig viel kürzer als ihre Vorfahren in der Ursprache. Zahlreiche Sprachen bildeten zum Ausgleich neue Formen und grammatikalische Unterscheidungsmerkmale. Auch der tief greifende Bedeutungswandel im Wortschatz hat zur Weiterentwicklung beigetragen.

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Frühe Kultur

Die ursprünglichen Bedeutungen einer kleinen Anzahl vermutlich protoindogermanischer Wörter lassen sich mit großer Sicherheit angeben; Ableitungen dieser Wörter kommen mit übereinstimmenden Bedeutungen in den meisten indogermanischen Sprachen vor. Dieser kleine gemeinsame Wortschatz deutet auf eine jungsteinzeitliche oder vielleicht Metall verarbeitende Kultur mit Ackerbau und Viehzucht hin. Über Identität und Heimat dieser Kultur wurde viel spekuliert. Die archäologischen Entdeckungen in den sechziger Jahren weisen auf die prähistorische Kurgan-Kultur hin, die zwischen 5000 und 3000 v. Chr. in den Steppen westlich des Urals angesiedelt war und sich bis etwa 2000 v. Chr. nach Osteuropa und in den Nordiran verbreitet hatte.

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