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Windows Live® Suchergebnisse BlutegelEnzyklopädieartikel
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Blutegel, räuberisch lebende oder Blut saugende (parasitierende) Gürtelwürmer, die einst verbreitet von Ärzten und sogar Friseuren zum Aderlass eingesetzt wurden und in einigen Regionen der Welt nach wie vor zu diesem Zweck Verwendung finden. In der modernen Medizin wird kein Aderlass mehr durchgeführt, aber Blutegel werden weiterhin dazu benutzt, bei bestimmten Eingriffen einen Blutstau zu lindern, denn in solchen Fällen verursacht diese Methode mit geringerer Wahrscheinlichkeit Infektionen als andere Techniken. Auch werden Blutegel erfolgreich gegen Gürtelrose (siehe Herpes zoster) und Muskelverhärtungen sowie zur Schmerzlinderung bei Kniearthrose eingesetzt (Annals of Internal Medicine, 2003). Nach Angaben von 2000 werden in Deutschland jährlich bis 400 000 Blutegel Patienten angesetzt; eine kommerzielle Blutegel-Zuchtanlage befindet sich in Biebertal bei Gießen. Blutegel sind in marinen Gewässern weit verbreitet, und in gemäßigten und tropischen Regionen trifft man sie auch im Süßwasser und an Land.
Blutegel sind abgeflachte, geringelte Würmer von fünf Millimeter bis 46 Zentimeter Länge und sowohl am Vorder- als auch am Hinterende mit je einer Saugscheibe ausgestattet. Der Körper besteht im typischen Fall aus 33 Segmenten; die Zahl der äußeren Ringe, die nicht den inneren Segmenten entsprechen, variiert je nach Art. Jeder Ring trägt etwa fünf oder sechs warzenartige Vorsprünge oder Papillen, die als Sinnesorgane dienen. Am Vorderende des Wurmes sitzen mehrere Augen. Bei manchen Blutegeln enthält der am Vorderende liegende Mund drei bezahnte Platten, mit denen das Tier die Haut seiner Beute durchschneidet.
Blutegel vermischen aufgenommenes Blut mit Speichelflüssigkeit, die eine gerinnungshemmende Substanz mit Namen Hirudin enthält (diese lässt sich gewinnen und wird in der Medizin verwendet, um eine Blutgerinnung zu verhindern). Das Blut gelangt dann in einen erweiterten, verzweigten Magen oder Kropf, wo es vor der vollständigen Verdauung mehrere Monate lang aufbewahrt wird. Ein Blutegel nimmt bei einer Nahrungsaufnahme ungefähr das Dreifache seines Eigengewichts auf und lebt dann monatelang von der gespeicherten Nahrung. Blutegel sind Zwitter, jedes Individuum besitzt mehrere Paar Hoden und ein Paar Eierstöcke. Egel legen ihre Eier in schleimigen Hüllen ab, die man als Kokons bezeichnet. Beim Schlüpfen heften sich die Jungen einiger Arten an der Unterseite eines erwachsenen Tieres fest und werden von diesem herumgetragen, bis sie selbständig zu leben vermögen. Wasserlebende Egel können schwimmen; wie die landlebenden Arten bewegen auch sie sich über festen Untergrund durch Ausdehnen und Zusammenziehen ihrer Muskeln fort; manche verankern sich auch mit einer Saugscheibe irgendwo und vollführen dann einen langsamen „Überschlag” auf den anderen Saugnapf.
Blutegel bilden die Klasse Hirudinea des Stammes Annelida. Man unterteilt sie in vier Ordnungen: Die Acanthobdellida (Borstenegel) sind eine primitive, an Lachsen parasitierende Ordnung. Die Gnathobdellida (Kieferegel) umfassen die typischen Blutegel mit gezähnten Platten in ihrem vorderen Saugnapf und rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) in ihrem Blutgefäßsystem. Die Ordnung Rhynchobdellida (Rüsselegel) ist dadurch gekennzeichnet, dass die gezähnten Platten am Vorderende durch einen Rüssel ersetzt sind und das Blut keinen roten Farbstoff enthält. Sie umfasst sämtliche marinen und einige Süßwasserarten. Den Vertretern der Ordnung Pharyngobdellida (Schlundegel) fehlen Zähne, wenngleich sie stattdessen ein oder zwei Stilette aufweisen können. Sie leben sowohl an Land als auch im Wasser. Bisweilen wird die Klasse auch in drei Unterklassen unterteilt.
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