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Windows Live® Suchergebnisse GnostizismusEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Ursprünge; Mythologie; Gnostizismus und Christentum; Rituale; Ethik; Quellen; Weitere Entwicklung und Niedergang; Spuren und Überreste
Gnostizismus (von griechisch gnosis: Erkenntnis), religiös-philosophische Bewegung im 2. und 3. Jahrhundert. Obwohl sich die meisten gnostischen Richtungen zum Christentum bekannten, unterschieden sie sich maßgeblich vom Glauben der Frühkirche. Der Gnostizismus verstand sich als Geheimwissen über das Göttliche. Nach gnostischer Lehre fielen Funken oder Samen des Göttlichen Wesens aus der transzendenten geistigen Sphäre in die materielle (böse) Welt. Durch die Wiedererweckung des göttlichen Elements durch die Erkenntnis könnte der Mensch in seine Heimat, den spirituellen Bereich des Transzendenten, zurückkehren.
Die gnostische Mythologie entwickelte sich möglicherweise am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. aus spekulativen philosophischen Strömungen im Judentum in Syrien und Palästina. Diese waren vom Parsismus, der alten Religion Persiens, beeinflusst und vermischten sich im 2. Jahrhundert mit dem Platonismus. Zu den bekanntesten christlichen Gnostikern zählen Valentinus und sein Schüler Ptolemäus. Im 2. Jahrhundert entstand im Osten Syriens eine weitere Variante des Gnostizismus, die die Lehre Jesu asketisch interpretierte. Gegen Ende des Jahrhunderts verbreitete sich der Gnostizismus in Ägypten, wobei das Aufkommen des Mönchtums vermutlich mit dem Einfluss syrischer asketischer Sekten zusammenhing.
Die Gnostiker erklärten den Ursprung des stofflichen Universums mit Hilfe eines Mythos. Aus dem nicht erkennbaren Gott sei durch Emanation eine Vielzahl untergeordneter Gottheiten hervorgegangen. Die letzte dieser Gottheiten, Sophia (Weisheit), habe ein Verlangen verspürt, das nicht erkennbare höchste Wesen zu erkennen. Aus diesem Verlangen sei ein böser Gott entstanden, der Demiurg, der das Universum geschaffen habe. Die göttlichen Funken seien in dieses Universum hineingefallen oder von dem obersten Gott dorthin entsandt worden, um die Menschheit zu erlösen. Die Gnostiker setzten diesen bösen Gott mit dem Gott des Alten Testaments gleich, der die Menschen im Zustand der Unwissenheit und in der stofflichen Welt belasse und ihre Versuche bestrafe, Wissen und Einsicht zu erlangen. Diese Deutung entnahmen sie der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies, den Erzählungen von der Sintflut und der Zerstörung von Sodom und Gomorrha.
Da die christlichen Gnostiker die Gleichsetzung des Gottes des Alten Testaments mit dem Gott des Neuen Testaments ablehnten, entwickelten sie eine eigene Interpretation des Wirkens Jesu. Sie verfassten apokryphe Evangelien (wie das Thomas-Evangelium und das Marien-Evangelium), mit denen sie belegen wollten, dass Christus, der göttliche Geist, in dem Körper des Menschen Jesus lebte. Er sei nicht am Kreuz gestorben, sondern in die göttliche Sphäre aufgestiegen, aus der er ursprünglich gekommen sei. Die Gnostiker leugneten die Sühne durch die Leiden und den Tod Christi sowie die Wiederauferstehung seines Körpers.
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