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GnostizismusEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Ursprünge; Mythologie; Gnostizismus und Christentum; Rituale; Ethik; Quellen; Weitere Entwicklung und Niedergang; Spuren und Überreste
Einige gnostische Sekten lehnten alle Sakramente ab, andere akzeptierten ausschießlich die Taufe und das Abendmahl und deuteten sie als Zeichen für das Erwachen der Erkenntnis (gnosis). Andere gnostische Rituale dienten dazu, der menschlichen Seele als göttlichem Teil den Aufstieg in die Sphäre des Geistigen zu erleichtern. Die Valentinianer praktizierten ein besonderes Ritual, das so genannte Brautzimmer, durch das der verlorene Geist mit seinem himmlischen Gegenstück vereinigt wurde.
Die ethischen Lehren des Gnostizismus reichten von der Askese bis zum Libertinismus. Die Auffassung, dass der Körper und die gesamte stoffliche Welt ins Reich der Finsternis gehöre, führte bei manchen Sekten dazu, dass sie Ehe und Fortpflanzung ablehnten. Andere Gnostiker entwickelten aufgrund der Überzeugung, dass die Seele in der Welt der Materie fremd sei, eine Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber allen weltlichen Dingen.
Ein großer Teil des akademischen Wissens über den Gnostizismus stammt aus christlichen Texten des 2. und 3. Jahrhunderts, die gegen diesen gerichtet waren. 1945 wurden in der Nähe von Nag Hammadi zwölf Kodizes mit über 50 gnostischen Handschriften in koptischer Sprache gefunden, die wahrscheinlich im 4. Jahrhundert in Klöstern kopiert wurden.
Sowohl die christlichen Theologen als auch der neoplatonistische Philosoph Plotin verwarfen im 3. Jahrhundert die gnostische Auffassung, die die stoffliche Welt als böse ansah. Die Christen verteidigten ihre Gleichsetzung des Gottes aus dem Neuen Testament mit dem Gott des Judentums sowie das Neue Testament als höchste Autorität. Die Entwicklung der christlichen Mystik und Askese trug dazu bei, dass der Gnostizismus zurückging und als Bewegung am Ende des 3. Jahrhunderts fast völlig verschwand.
Im Irak und Iran gibt es heute noch eine kleine, nicht-christliche gnostische Sekte, die Mandäer. Die alten gnostischen Sekten überlebten zwar nicht, doch kehrten einzelne Elemente des gnostischen Weltbildes in periodischen Abständen und verschiedenen Gestalten wieder, etwa im Manichäismus, einer antiken dualistischen Religion; im Mittelalter in den Lehren der Albigenser, der Bogomilen und Paulizianer; in der jüdisch-mystischen Philosophie des Mittelalters, der Kabbala; in der Alchimie; in der Theosophie des 19. Jahrhunderts sowie im 20. Jahrhundert in der Existenzphilosophie, im Nihilismus und in den Schriften des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung.
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