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Windows Live® Suchergebnisse Johann FaustEnzyklopädieartikel
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Johann Faust, eigentlich Georg Faust, (um 1480 bis 1540), vagabundierender Arzt und Alchimist, um den sich schon bald nach seinem Tod zahlreiche Legenden bildeten. Als Prototyp des Teufelsbündners fand Faust Eingang in die Literatur und wurde durch Goethes Tragödie (1. Teil: 1808; 2. Teil: 1832) zu einer Zentralgestalt der deutschen und europäischen Dichtung.
Die Lebensdaten Fausts lassen sich aufgrund unzureichender Quellen nur annähernd rekonstruieren. Er wurde um 1480 geboren, vermutlich in Knittlingen im Kraichgau (Württemberg). Zeugnisse für sein Leben und Wirken datieren erst aus seiner Zeit als „fahrender Scholast” an deutschen Universitäten. Faust hielt sich 1509 in Heidelberg auf, promovierte zum Doktor der Theologie und ging 1513 nach Erfurt, wo er griechische Philologie unterrichtete. Seine profunden Kenntnisse der Astrologie und angrenzender Parawissenschaften wie Alchimie und Kabbalistik ließen ihn bald zum gesuchten Experten auf diesen Gebieten werden. So verdiente er eine Zeit lang seinen Lebensunterhalt mit dem Erstellen von Horoskopen und trat schließlich als „Goldmacher” in die Dienste des Grafen von Staufen. Bei einem seiner alchimistischen Experimente ereilte ihn der Tod durch eine Explosion. Die dramatischen Umstände seines Ablebens förderten die bereits zu seinen Lebzeiten einsetzende Legendenbildung. Sie schienen Gerüchte zu bestätigen, dass Faust mit höllischen Mächten im Bunde gestanden habe: Heute noch ist im „Hotel zum Löwen” in Staufen (Breisgau) der angebliche Fußabdruck des Teufels zu besichtigen. Bereits unter seinen Zeitgenossen war der „Schwarzkünstler” also eine populäre wie umstrittene Gestalt, deren Schicksal als warnendes Beispiel für unchristlichen Lebenswandel diente, wie in den Tischreden Martin Luthers. Als Reaktion auf sein unrühmliches Ende wurden zahlreiche Dokumente vernichtet, die mit ihm in Zusammenhang standen, und von seinen eigenen Schriften hat sich nichts erhalten. Dies trug in der Folge um so mehr dazu bei, dass sich biographische Fakten und Legende fast unentwirrbar vermischten.
Mehr oder minder phantasievolle Abrisse von Fausts Leben kursierten schon um 1580, wie in den Nürnberger Erzählungen von Christian Rosshirt, und wurden schnell zum festen Bestandteil des Volksaberglaubens. Das erste literarisch interessante Zeugnis ist das Volksbuch Historia von D. Johann Fausten von Johann Spies (1587), das die Hypothese des mit Blut besiegelten Teufelspaktes festschrieb und mit vielen dramatisch-pittoresken Ausschmückungen des Lebenslaufes erfolgreich auf die Sensationsgier der Leserschaft spekulierte. In Christopher Marlowes Drama The Tragicall History of D. Faustus (um 1592) nahm die Gestalt heroisch-titanische Züge an. Ansonsten entfaltete der Faust-Mythos vor allem im deutschsprachigen Raum in vielfältiger Ausprägung literarische Präsenz. So avancierte er z. B. in der Form des Puppenspiels zur schwankhaften Jahrmarktsattraktion. Dessen berühmte Straßburger Fassung, die an Marlowes Drama anknüpfte, regte später Goethe zur Bearbeitung des Stoffes an. Anders als noch im 17. Jahrhundert sah man zu seiner Zeit den Fall bereits losgelöst von seinem ursprünglichen weltanschaulichen Kontext. Der Teufel hatte als theologisches Faktum aufgehört zu existieren, das Faszinosum des Paktes erwies sich indessen als literarisch ungemein fruchtbares Argumentationsmodell. In der Sturm-und-Drang-Epoche, in die auch Goethes erste Beschäftigung mit dem Faust-Mythos fällt (circa 1771), traten ein spezifisches Interesse an erkenntniskritischen Debatten und der Kult des Genies hinzu. In Lessings Faust-Fragmenten (1755-1781) sowie den Werken Friedrich Müllers (Fausts Leben, dramatisiert, 1778) und Friedrich Maximilian Klingers (Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt, 1791) gewann die Faust-Gestalt erstmals das Profil des rastlos um Welterkenntnis ringenden Gelehrten, die auch für Goethes Konzeption mitbestimmend werden sollte. Goethe verband das Paktmotiv mit einer Wette zwischen Gott und dem Teufel Mephistopheles um Fausts Seele und ergänzte diesen Erzählstrang um die Gretchen-Handlung. Damit wurde das intellektuelle Streben der Titelfigur um die neue Dimension des Erotisch-Sinnlichen erweitert. In der Walpurgisnacht-Episode entfaltete der Autor ein höchst bühnenwirksames Panorama des Infernalischen, befreite indessen die Gestalt von Fausts Gegenspieler Mephistopheles bewusst von den traditionellen Insignien der Hölle und verlieh ihm Züge eines schalkhaft-zynischen Weltmannes. Der dramatisch geschlossene erste Teil der Tragödie (1808) fand zunächst zwiespältige Aufnahme, begründete jedoch noch zu Lebzeiten des Autors eine regelrechte Faust-Manie. Der posthum veröffentlichte zweite Teil (1832) ist eher ein dramatisierter kulturkritischer Essay als ein Bühnenstück und dehnt die weltanschauliche Diskussion auf das kulturelle Erbe der Antike aus (klassische Walpurgisnacht). Ans Ende stellt Goethe Fausts Einsicht in den Wert einer in sich selbst vollendeten Tätigkeit (Entelechie), die die Voraussetzung zu seiner Erlösung bietet („Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen”). Der Faust-Stoff blieb, wie insgesamt das Paktmotiv und der Bereich des Unheimlich-Phantastischen, vor allem während der Romantik populär, wie die Dramen Byrons (Manfred, 1817) und Grabbes (Don Juan und Faust, 1829), Lenaus Poem (Faust, 1840) und zahlreiche andere Texte belegen. Als Antwort entstanden schon in dieser Epoche Parodien des Faust-Stoffes, angefangen bei Friedrich Theodor Vischer (Zur Fortsetzung des Faust. Eine Posse, 1835) über Heinrich Heine (Der Doktor Faust, 1847) und Georg Kaiser (Faust, 1897) bis zu Egon Friedells und Alfred Polgars Goethe. Eine Szene (1908). Die berühmteste moderne Variante wurde Thomas Manns Roman Doktor Faustus. Das Leben des Tonsetzers Adrian Leverkühn (1947), der am Modell des Teufelspaktes die Problematik des Künstlerdaseins im Dritten Reich schildert.
Der Faust-Stoff wurde in der Romantik schnell als zugkräftige Thematik für musikalische Bühnenwerke erkannt. Den Reigen eröffnete die Oper Louis Spohrs (Faust, 1816), gefolgt von Berlioz (La damnation de Faust, 1846), Liszt (Faust-Sinfonie, 1857), Gounod (Margarethe, 1858), Boito (Mefistofele, 1868) und Busoni (Faust, 1925). Auch Wagner schuf Bühnenmusik und eine Faust-Ouvertüre (1839), Jules Perrot (Faust, 1848; Musik und Libretto nach Goethe) und Werner Egk (Abraxas, 1948; Musik und Libretto nach Heinrich Heine) Ballett-Adaptionen des Themas. Friedrich Wilhelm Murnaus Faust (1926) zählt zu den Höhepunkten des deutschen Stummfilmes, und die Verfilmung der Hamburger Aufführung von und mit Gustav Gründgens in der Rolle des Mephisto (1960) avancierte zum Standardrepertoire der Matineevorstellung. In Knittlingen, Fausts mutmaßlichem Geburtsort, befindet sich ein Faust-Museum, in dem Bücher, Plakate, Handpuppen des Faust-Spieles usw. in einer ständigen Ausstellung gezeigt werden. Sonderausstellungen widmen sich darüber hinaus Einzelaspekten der Faust-Forschung.
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