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Englische Sprache

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Artikelgliederung
8.2

Die mittelenglische Periode

Am Anfang der mittelenglischen Periode, die mit der normannischen Eroberung im Jahr 1066 einsetzte, war die Sprache noch flektierend, während an ihrem Ende die Beziehung unter den Satzgliedern stattdessen durch die Wortstellung geregelt wird. Bereits 1200 bestanden nur noch zwei der unsprünglich drei oder vier grammatischen Kasusformen im Singular; zur Kennzeichnung des Plurals wurde die Endung -es an das Substantiv angehängt.

Die Substantivdeklination wurde noch weiter vereinfacht: In fünf Fällen ließ man bei der vierten (oder schwachen) Deklination den Endbuchstaben n fallen, ebnete alle Vokalendungen zu e ein (klang wie das a im Neuenglischen sofa), dehnte die Pluralendung -as des maskulinen Nominativs und Akkusativs auf andere Deklinationen und Fälle aus und schwächte sie später auch noch zu -es ab. Im heutigen Englisch hat nur ein Beispiel einer schwachen Pluralendung überlebt: oxen; kine und brethren sind später entstanden. Außerdem haben sich mehrere Vertreter der altenglischen Veränderung des Stammvokals im Plural gehalten: man, men und foot, feet.

Mit der Einebnung der flektierten Formen wurde das grammatische durch das natürliche Geschlecht ersetzt. In der mittelenglischen Periode verschwand der duale Numerus; der Dativ und Akkusativ der Pronomina haben nun dieselbe Form. Die skandinavischen Formen für die dritte Person Plural, they, them traten an die Stelle der einheimischen hie, hem und who, which und that erhielten die heute noch gültige Funktion des Relativpronomens. Die Konjugation der Verben wurde vereinfacht, zum einen durch Weglassen der Endungen und zum anderen durch die Einführung einer gemeinsamen Form für den Singular und Plural des Präteritums der starken Verben.

Zu Beginn der mittelenglischen Periode wurde aus dem Altnordischen eine Reihe von Wörtern des Alltagsvokabulars übernommen, z. B. egg, sky, sister, window und get. Durch die Normannen vergrößerte sich der Wortschatz noch weiter. Bereits vor 1250 hatte das Englische etwa 900 neue Wörter aufgenommen. Dabei handelte es sich in der Hauptsache um Wörter wie baron, noble und feast, die von den unteren angelsächsischen Schichten für den Umgang mit den normannisch-französischen Adligen benötigt wurden. Schließlich führten der normannische Adel und der Klerus französische Wörter aus den Bereichen Regierung, Kirche, Militär, höfisches Leben, Künste, Wissenschaften und Medizin ein. Weitere Auswirkungen, die die normannische Eroberung auf die englische Sprache hatte, waren die Einführung der karolingischen Schrift und Veränderungen in der Rechtschreibung. Die normannischen Schreiber schrieben das altenglische y als u und ū als ou. Cw wurde zu qu, hw zu wh und ht zu ght.

Midland, der mittelenglische Dialekt, der aus dem mercischen Dialekt des Altenglischen hervorging, erlangte im 14. Jahrhundert Bedeutung, als sich die Regionen, in denen er gesprochen wurde, zu Zentren des universitären, wirtschaftlichen und höfischen Lebens entwickelten. East Midland war zu jener Zeit zur Sprache der Hauptstadt London und des gesamten Umlands geworden und ist wahrscheinlich auch in das Gebiet südlich der Themse nach Kent und Surrey vorgedrungen. Die Bedeutung des East Midland wurde noch vergrößert durch seinen Gebrauch in den Londoner Regierungskanzleien, seine literarische Verbreitung in den Werken der Dichter Geoffrey Chaucer, John Gower und John Lydgate und schließlich durch sein Erscheinen in den Druckerzeugnissen William Caxtons. Diese Umstände sind u. a. verantwortlich dafür, dass sich der Dialekt East Midland zwar allmählich, aber ohne Umwege zum Neuenglischen hin entwickelte.

Während dieser sprachlichen Veränderungen bestanden die anderen mittelenglischen Dialekte weiter. Auf sie zurückgehende Dialekte werden sogar noch im 20. Jahrhundert gesprochen. So ist das Schottische der Lowlands z. B. die Weiterentwicklung des nordenglischen Dialekts.

8.3

Die frühneuenglische Vokalverschiebung

Der Übergang vom Mittel- zum Neuenglischen ist gekennzeichnet durch entscheidende Veränderungen in der Aussprache der Vokale, die im 15. und 16. Jahrhundert auftraten. Der dänische Linguist Otto Jespersen hat dafür den Begriff Great Vowel Shift (frühneuenglische Vokalverschiebung) geprägt. Es handelt sich dabei um eine Verschiebung in der Vokalartikulation, die sich aus der Position der Zunge und der Lippen ergibt. Die Vokalverschiebung veränderte die Aussprache von 18 der 20 distinktiven Vokale und Diphthonge des Mittelenglischen. Währenddessen blieb die Rechtschreibung unverändert; sie wurde vielmehr durch die Verbreitung des Buchdruckes in England seit circa 1475 noch weiter konserviert. (Im Allgemeinen war die mittelenglische Orthographie viel phonetischer als die neuenglische; z. B. wurden alle geschriebenen Konsonanten auch ausgesprochen, während heute Buchstaben wie das l in walking stumm sind.)

Alle langen Vokale, mit Ausnahme des /i:/ (im Mittelenglischen ähnlich dem ee in need ausgesprochen) und des /u:/ (wie oo in food), wurden gehoben, d. h., der Kiefer befindet sich bei der Artikulation in einer höheren Position. Das /i:/, das von der höchstmöglichen Kieferstellung aus artikuliert wird, wurde zu „ah-ee” diphthongiert, das /u:/ zu „ee-oo”. Die Vokalverschiebung, die auch heute noch weiterwirkt, ist dafür verantwortlich, dass im Englischen die Buchstaben a, e, i, o und u anders als in den meisten anderen westeuropäischen Sprachen ausgesprochen werden. Aus diesen und anderen Lautverschiebungen lässt sich ermitteln, wann ein Wort aus einer anderen Sprache entlehnt wurde. Man ersieht, dass das altfranzösische Wort dame vor der Vokalverschiebung übernommen wurde, da sich sein ursprünglicher Vokal /a:/ wie in calm zuerst zum mittelenglischen /e:/ und dann weiter zum Diphthong /ei/ wie in name verschoben hat.

8.4

Die neuenglische Periode

In der frühen Phase des Neuenglischen nahm der Wortschatz zu. Zum einen hatte das Englische eine große Freiheit im Gebrauch der Wortarten erlangt, d. h., eine Wortart konnte die Funktion einer anderen übernehmen, und zum anderen entlehnte es immer mehr Wörter aus anderen Sprachen, z. B. aus dem Lateinischen und Griechischen durch das wiedererwachte Interesse während der Renaissancezeit. Andere Wörter wurden von englischen Reisenden und Kaufleuten von ihren Reisen nach Europa mitgebracht. Aus dem Italienischen kamen cameo, stanza und violin, aus dem Spanischen und Portugiesischen alligator, peccadillo und sombrero. Das Neuenglische entlehnte während seiner Entwicklung Wörter aus mehr als 50 Sprachen.

Im späten 17. und während des 18. Jahrhunderts traten wichtige Veränderungen in der Grammatik auf; zu dieser Zeit wurden die verbindlichen Regeln der englischen Grammatik festgelegt. Das Pronomen its ersetzte die Genitivform his; letztere wurde noch von den Übersetzern der unter König Jakob entstandenen englischen Bibelversion von 1611 ausnahmslos gebraucht. Die progressiven Formen der Zeiten des Verbs bildeten sich heraus: Ausgangspunkt war das Partizip, das jetzt zusammen mit der vorangestellten Präposition on als Substantiv verwendet werden konnte. Anschließend schwächte sich die Präposition zu a ab und verschwand schließlich ganz; schließlich blieb nur die einfache -ing-Form des Verbs in Gebrauch. Nach dem 18. Jahrhundert fand dieser Vorgang seinen Höhepunkt in der progressiven Form des Passivs, z. B. „The job is being done”.

Die wichtigsten Veränderungen, die während dieser Zeit begannen und sich ohne Unterbrechung auch im 19. und 20. Jahrhundert fortsetzten, betrafen den Wortschatz. Im Gefolge der Expansionsbestrebungen in den Kolonien fanden zahlreiche neue Wörter Eingang in die englische Sprache. Von den in Nordamerika beheimateten Indianerstämmen kamen die Wörter raccoon und wigwam, aus Peru llama und quinine, von den Westindischen Inseln barbecue und cannibal, aus Afrika chimpanzee und zebra, aus Indien bandanna, curry und punch und aus Australien kangaroo und boomerang. Darüber hinaus entstanden Tausende von naturwissenschaftlichen Begriffen für neue Ideen, Entdeckungen und Erfindungen. Viele dieser Termini sind von griechischen und lateinischen Wurzeln abgeleitet, z. B. neutron, penicillin und supersonic; andere wurden aus modernen Sprachen entlehnt, z. B. blitzkrieg aus dem Deutschen und sputnik aus dem Russischen.

8.5

Das Englische des 20. Jahrhunderts

Im Hinblick auf die Aussprache wird im heutigen Großbritannien die so genannte Received Pronunciation als Norm angelegt. Dabei handelt es sich um ein normiertes Englisch, das mit einer gesellschaftlichen Schicht statt mit einer Region in Verbindung gebracht wird. Seine Grundlage ist das Englisch der gebildeten Oberschicht, das in den Privatschulen und den älteren Universitäten wie Oxford und Cambridge kultiviert wird (früher als „King’s English”, heute als „Standard-English” bezeichnet). Viele Engländer, die in der Kindheit Dialekt sprachen, erwerben in Schule und Universität die Received Pronunciation. In neuester Zeit hat sich ihr Einfluss noch durch Medien wie die British Broadcasting Corporation (BBC) verstärkt.

Received Pronunciation ist nicht an sich den anderen Varietäten des Englischen überlegen, sie ist lediglich eine bestimmte Aussprachenorm, die sich gegenüber anderen in weiten Bereichen durchgesetzt hat.

Ganz unterschiedliche regionale und lokale Dialekte sind heute noch in den Grafschaften Großbritanniens in Gebrauch. Daneben haben sich wichtige regionale Dialekte herausgebildet. So hat das Englische in Irland bestimmte individuelle Eigenheiten bewahrt: in der Aussprache (z. B. lave statt leave und fluther statt flutter), im Satzbau (z. B. after nach Formen des Verbs be) und im Wortschatz (altertümliche Formen wie adown statt down, keltische Wörter wie banshee). Der schottische Dialekt der Lowlands, manchmal auch Lallans genannt, wurde zuerst durch die Lieder von Robert Burns, dem schottischen Dichter des 18. Jahrhunderts, in allen Englisch sprechenden Ländern bekannt. Er weist ebenso einige Besonderheiten in der Aussprache auf, z. B. neebour („neighbour”) und guid („good”) und enthält Wörter skandinavischen Ursprungs wie braw und bairn. Das australische Englisch mit seiner ausgeprägten Diphthongierung besitzt ebenfalls seinen besonderen Wortschatz. Die ihm eigenen Wörter waren ursprünglich entweder in englischen Regionaldialekten oder aber in Australien selbst beheimatet.

8.6

Das amerikanische Englisch

Außerhalb Großbritanniens kam es durch die Kolonialisierung Nordamerikas zu wichtigen Veränderungen der englischen Sprache. Das Englisch in Kanada kann zum amerikanischen Englisch gerechnet werden, wenn es auch einige Eigenheiten der britischen Aussprache, der Orthographie und des Wortschatzes beibehalten hat. Die charakteristischsten Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem britischen Englisch betreffen die Aussprache und das Vokabular. Daneben bestehen geringe Unterschiede in der Rechtschreibung, der Tonhöhe und der Tonstärke (Betonung). Das geschriebene amerikanische Englisch hat die Tendenz, in Grammatik und Satzbau unbeweglicher zu sein, erscheint aber gleichzeitig toleranter neuen Wortschöpfungen gegenüber. Trotz dieser Unterschiede lässt sich oft nur aus dem Kontext erschließen, ob ein literarisches Werk in Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland oder Südafrika geschrieben wurde.

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