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Tausendundeine Nacht

Enzyklopädieartikel

Tausendundeine Nacht, Sammlung von Erzählungen aus Persien, Arabien, Indien und Ägypten, die über hunderte von Jahren zusammengestellt wurde. Die meisten Geschichten basieren auf Volkssagen, Anekdoten oder Fabeln. Dazu gehören u. a. Ali Baba und die 40 Räuber, Aladin und die Wunderlampe und Sindbad der Seefahrer. Auch die Gestalt des Luftgeistes Jinni taucht hier auf. Die 300 Erzählungen der Sammlung gelten im deutschen Sprachraum aufgrund von Glättungen und Kürzungen fälschlicherweise als Kindermärchen. Im Original sind sie reich an philosophischen Reflexionen, erotischen Szenen und sexuellen Anspielungen. Die früheste Aufzeichnung von Tausendundeiner Nacht ist ein Fragment, das auf den Beginn des 9. Jahrhunderts datiert wird. Die Sammlung wuchs über die folgenden Jahrhunderte, bis sie im ausgehenden 15. Jahrhundert in arabischer Sprache aufgeschrieben wurde. Der Orientalist Antoine Galland übersetzte sie zwischen 1704 und 1717 ins Französische und nannte sie Les mille et une nuits. E. Littmann übertrug das Original ins Deutsche (1921-1928). Die Geschichten haben sich neben ihrem Unterhaltungswert auch als wertvolle Informationsquelle für orientalistische Studien über das Leben am Hof Harun ar-Raschids erwiesen, an dem sie spielen.

Einer Rahmenhandlung vermutlich indischen Ursprungs gemäß werden die Märchen aus Tausendundeiner Nacht von der sagenumwobenen Königin Scheherezade erzählt, die auf Befehl ihres zukünftigen Gatten, des Sultans Schahriar, den sie betrogen haben soll, hingerichtet werden soll. Er ist so aufgebracht, dass er beschließt, jede Nacht eine neue Frau zu heiraten, um sie bei Tagesanbruch töten zu lassen. Scheherezade willigt trotz dieses Erlasses ein, Schahriar zu heiraten, und ersinnt eine List, um seine Pläne zu durchkreuzen. Sie erzählt ihrer Schwester in der Nacht nach der Hochzeit eine der Geschichten und achtet darauf, dass der Sultan sie hören kann. Allerdings hört sie auf, bevor die Geschichte zu ihrer Auflösung gelangt, und der Sultan lässt sie einen weiteren Tag leben, um das Ende der Geschichte zu hören. So verfährt sie Nacht für Nacht. Nach 1 001 Nächten gibt der Sultan nach und beschließt, Scheherezade am Leben zu lassen.

Zu den bedeutendsten Illustratoren von Tausendundeiner Nacht gehört Marc Chagall. Eine zentrale Rolle spielt die Figur der Scheherezade auch im Zusammenhang mit poetologischen Überlegungen in Marcel Prousts Romanzyklus A la récherche du temps perdu.

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