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    Die Dichterin NELLY SACHS, deren Namen unser Gymnasium seit 1966 trägt, wurde am 10. Dezember 1891 in Berlin als Tochter eines Unternehmers geboren. 1940 - kurz nach Beginn des ...

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    Die deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin Nelly Sachs, eigentlich Leonie Sachs, Tochter eines jüdischen Elternhauses, wird am 10. Dezember 1891 in Berlin-Schöneberg geboren.

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Nelly Sachs

Enzyklopädieartikel

Nelly Sachs, eigentlich Leonie Sachs, (1891-1970), deutschschwedische Schriftstellerin. Ihr Werk wurde wie kaum ein zweites von der Erfahrung der nationalsozialistischen Gräueltaten geprägt. In Deutschland begann eine verstärkte Sachs-Rezeption erst während der sechziger Jahre.

Nelly Sachs wurde am 10. Dezember 1891 als Tochter des Fabrikanten William Sachs in Berlin geboren, wo sie eine Privaterziehung erhielt und in der väterlichen Bibliothek mit den deutschen Klassikern in Berührung kam. Bereits im Alter von 17 Jahren begann sie – offenbar unter dem Eindruck von Selma Lagerlöfs Gösta Berling und einer Korrespondenz mit der Autorin –, Lyrik im Stil des literarischen Impressionismus zu verfassen. Diese frühen, neuromantisch geprägten Dichtungen wurden in den zwanziger Jahren in zahlreichen Zeitschriften publiziert. 1921 erschien zudem Legenden und Erzählungen. Unter dem Eindruck des erstarkenden Faschismus in Deutschland setzte sie sich in den dreißiger Jahren verstärkt mit ihrer jüdischen Vergangenheit, dem Chassidismus und der Kabbala auseinander. In dieser Zeit wurde Jakob Böhme einer ihrer bevorzugten Autoren. Die Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 verhinderte eine im Frankfurter Insel-Verlag geplante Veröffentlichung.

Nach Jahren der Angst vor den Nationalsozialisten floh Sachs 1940 nach Schweden. Hier lebte sie bis zu ihrem Tod – unterbrochen durch Aufenthalte in Sanatorien und Nervenheilanstalten – in der Enge eines Stockholmer Mietshauses. Unter dem Eindruck des Holocaust und der Exiljahre fand sie zu einem Stil, der die Schrecken der Verfolgung und das Entsetzen angesichts der Judenvernichtung in elegischen Tönen und pathetischen Monologen festzuhalten suchte. Dies gilt vor allem für den nach Kriegsende auf Hinwirken Johannes R. Bechers in Ostberlin publizierten Lyrikband In den Wohnungen des Todes (1947) und für seinen Nachfolger Sternverdunkelung (1949), aber auch für die 1944/1945 entstandene Totenklage Dein Leib im Rauch durch die Luft (1947), die dem im Konzentrationslager hingerichteten Bräutigam gewidmet ist. Mit dem Schicksal des jüdischen Volkes befasste sich Sachs auch in ihren späteren Werken immer wieder, so in den von Peter Huchel 1950 in die bedeutende DDR-Literaturzeitschrift Sinn und Form aufgenommenen Texten. Die Sammlung szenischer Dichtungen Zeichen im Sand (1962) enthält u. a. das 1943 entstandene Mysterienspiel „vom Leiden Israels” Eli, dessen Hörspielfassung erstmals 1961 im Norddeutschen Rundfunk gesendet wurde („Hier ist die Stelle, / wo man den Bäcker Eisik mit dem schlürfenden Schritt / wegen einer Zuckerbrezel erschlagen hat”). In Eli sollten sich musikalische, gestische und tänzerische Elemente zu einem Gesamtkunstwerk verdichten. Den Einfluss des französischen Surrealismus und seiner Forderung nach Sprachautonomie spiegeln Und niemand weiß weiter (1957) und Flucht und Verwandlung (1959) wider, die nichtsdestotrotz den resignativ-depressiven Duktus der Lyrik aus den vierziger Jahren fortschreiben.

1965 erschien Nelly Sachs’ Lyrikband Späte Gedichte, in dem, orientiert an Novalis und Hölderlin, Chiffrensprache in metaphorischer Verrätselung mythische Welterfahrung gewähren soll. Im gleichen Jahr erhielt die Autorin den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1966 dann, gemeinsam mit dem israelischen Schriftsteller Samuel Josef Agnon, den Nobelpreis für Literatur. Sachs starb am 12. Mai 1970 in Stockholm. Weitere Werke der Autorin sind Fahrt ins Staublose (1961) und Verzauberung (posthum 1970).

Neben ihrer dichterischen Tätigkeit trat Nelly Sachs zudem als Übersetzerin schwedischer Autoren hervor, u. a. mit Von Welle und Granit (1947) und Aber auch die Sonne ist heimatlos (1957), zwei Sammelbänden mit schwedischer Lyrik des 20. Jahrhunderts. Der nach der Autorin benannte Nelly-Sachs-Preis ist mit 15 000 Euro dotiert und wird seit 1961 alle zwei Jahre von der Stadt Dortmund verliehen.

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